Loki-Schmidt-Garten

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Freigelände Loki-Schmidt-Garten
Tropengewächshäuser in Planten un Blomen am Dammtor
OpenStreetMap Karte des Loki-Schmidt-Gartens mit angrenzendem Biozentrum Klein Flottbek

Loki-Schmidt-Garten heißt seit 2012 der Neue Botanische Garten beim Biozentrum der Universität Hamburg in Hamburg-Osdorf am S-Bahnhof Klein Flottbek. Zu diesem gehören weiterhin die Schaugewächshäuser des früheren Botanischen Gartens auf dem Gelände von Planten un Blomen am Dammtor.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Botanische Garten in Hamburg wurde 1821 von Johann Georg Christian Lehmann gegründet. Erster techn. Leiter war Johann Heinrich Ohlendorff. Ursprünglich 2,5 ha groß wurde er mehrfach erweitert. 1857 wandelte die Stadt Hamburg ihn in ein Staatsinstitut um; seit der Gründung der Universität Hamburg 1919 gehört er zu ihrem Botanischen Institut. Bis in die 1970er-Jahre lag der Garten ausschließlich in den Hamburger Wallanlagen auf dem Gelände des heutigen Parks Planten un Blomen. Er wurde unter anderem von den Wissenschaftlern Amalie Dietrich, Otto Wilhelm Sonder und Heinrich Gustav Reichenbach genutzt.

Die Luftangriffe auf Hamburg im Zweiten Weltkrieg zerstörten große Teile der Freilandflächen und der Gewächshäuser. Der Neuaufbau des Botanischen Gartens war in starkem Maße durch die drei Internationalen Gartenbauausstellungen (IGA) der Jahre 1953, 1963 und 1973 geprägt.

Zunächst stand für die IGA 1953 die Beseitigung der Kriegsschäden und die Wiederherstellung einer ansprechenden Gartenanlage im Vordergrund. Im Rahmen der IGA 1963 wurden von dem Architekten Bernhard Hermkes und dem Gartenbauingenieur Johannes Apel die 2.500 m² großen Tropengewächshäuser errichtet und von Karl Plomin der gesamte Alte Botanische Garten umgestaltet.

Mit der IGA 1973 wurde zugleich die Verlegung des Botanischen Gartens geplant und 1970 durch die Hamburger Bürgerschaft beschlossen. Der Bau begann 1971, nach knapp achtjähriger Bauzeit konnte am 5. Juli 1979 die etwa 25 ha große neue Freifläche eröffnet werden. Die Tropengewächshäuser verblieben am alten Standort. 1986 wurden die noch bestehenden Reste des Alten Botanischen Gartens in einen öffentlichen Park umgewandelt. Das dortige Gebäude des Botanischen Instituts wurde später von der Bucerius Law School bezogen und um zwei zusätzliche Neubauten ergänzt.

Am 23. Oktober 2012 wurde der "Neue Botanische Garten" zu Ehren von Hannelore „Loki“ Schmidt in Loki-Schmidt-Garten umbenannt.[1]

Aufbau und Umfang[Bearbeiten]

Der Botanische Garten stellt in erster Linie eine wissenschaftliche Sammlung für die Lehr- und Forschungsaufgaben des Biologischen Instituts zur Verfügung und beliefert das Biozentrum mit dem für seine Arbeit notwendigen Pflanzenmaterial, ist aber gleichzeitig eine öffentliche Grünanlage und soll dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit zu botanischen Fragen gerecht werden. Seit etwa 1980 ist er in verschiedene Artenschutzprojekte integriert und unterhält einige sogenannte Schutz- und Erhaltungssammlungen. Sowohl das Freigelände als auch die Tropengewächshäuser sind zu den Öffnungszeiten unentgeltlich zugänglich.

Freigelände[Bearbeiten]

Das Freigelände befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Biologie, Ökologie, Verbreitung und Verwandtschaft der Pflanzen, aber auch mit Fragen ihrer Nutzung und Verarbeitung. Es ist in die drei thematischen Bereiche Pflanzensystematik, Pflanzengeographie und Pflanze und Mensch geteilt.

Der 7.000 m² große Bereich Pflanzensystematik ist das Kernstück des Gartens. Hier wird versucht, 75 Pflanzenbeete mit Vertretern einzelner Ordnungen so anzuordnen, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen und vermuteten Abstammungen dargestellt werden. Dabei stützt sich der Garten auf ein von A. L. Takhtajan entwickeltes und bis 2009 weitgehend angewendetes System. Das Konzept, Pflanzen nach Entwicklungslinien geordnet darzustellen, findet sich ebenfalls im Rosengarten, in dem die Wildformen an der Spitze eines Hügels stehen und aktuelle Zuchtformen an seinem Fuß.

Der Bereich Pflanzengeographie stellt unterschiedliche naturräumliche Regionen vor. Dabei wird versucht, dies mit Pflanzen zu erreichen, die auch im Hamburger Klima im Freiland wachsen. Die Pflege mancher Bereiche, die von diesem Klima stark abweichende Räume darstellen, wie Gebirge, Moore oder Dünenlandschaften, erfordert jedoch erheblichen Aufwand. Besonders hervorzuheben sind in diesem Bereich die Darstellung des südöstlichen Nordamerikas durch einen Hain von Sumpfzypressen, der chinesische Garten und der von Yoshikuni Araki gestaltete japanische Garten.

Im Bereich Pflanze und Mensch soll die Verzahnung des menschlichen Lebens mit der Botanik darstellen. Hier finden sich umfangreiche Sammlungen von Nutz- und Zierpflanzen pflanzen ebenso wie solche von Giftpflanzen. In Form verschiedener Themengärten (z. B. niederdeutscher Bauerngarten, Bibelgarten, typischer Schrebergarten) werden auch kulturhistorische Aspekte vorgestellt. Der 2005 eröffnete 3.000 m² große Wüstengarten bietet einen naturnah gestalteten Teil und einen Teil zu typischer Oasenlandwirtschaft. Er soll besonders Aspekte von Wüstenbildung und Desertifikation darstellen.

Die Anzuchtgewächshäuser auf dem Freigelände dienen bis auf kleine Schau- und Veranstaltungsräume dem Forschungsbetrieb des Biozentrums und sind eine seiner zentralen Einrichtungen.

Tropengewächshäuser[Bearbeiten]

Die Gewächshäuser sollen Pflanzen kultivieren, die in fremden Klimazonen beheimatet sind. Sie sind in verschiedene baulich getrennte Bereiche unterteilt, die jeweils eigene Klimabedingungen haben: Tropenhaus, Palmfarnhaus, Subtropenhaus, Farnhaus und Kakteenhaus.[2] Jedes Gewächshaus stellt entweder die Pflanzengesellschaften einer bestimmten Klimazone oder eine bestimmte Pflanzengruppe vor. Das Palmfarnhaus zeigt eine seltene Sammlung dieser sehr langsam wachsenden Pflanzen, von denen einige über 100 Jahre alt sind und zu den ersten nach Europa eingeführten Exemplaren der Brotpalmfarne gehören.

Kooperationen[Bearbeiten]

Eine gemeinsame Einrichtung des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung sowie der Universität Hamburg, Fachbereich Biologie, ist die Grüne Schule. Diese gibt Zimmerpflanzen und Versuchspflanzen zur Zellenlehre heraus, bei entsprechendem Bedarf aber auch fleischfressende Pflanzen (Carnivoren), Sukkulenten, Pflanzen zur Evolution des Blattes, Baumscheiben, Duftgeranien, vorgetriebene Zwiebeln und tropische Nutzpflanzen.

Ein Förderverein, die Gesellschaft der Freunde des Botanischen Gartens Hamburg e.V., bietet regelmäßig fachkundige Führungen mit wechselnden Themenschwerpunkten durch das Freigelände und durch die Tropengewächshäuser an, zusätzlich werden Pflanzenberatungen und Seminare veranstaltet und einige spezielle Bereiche im Freigelände betreut.

Museum[Bearbeiten]

Mit Förderung durch die Zeit-Stiftung entstand das Loki-Schmidt-Haus als Museum für Nutzpflanzen[3] und Nachfolger der Sammlungen der Botanischen Institute. Die im Museum aufbewahrte Sammlung beinhaltet vom Menschen genutzte Pflanzen sowie deren Rohprodukte und Aufbereitungsstufen. Einer der Schwerpunkte sind Nutzpflanzen aus Übersee. Heute umfasst die Sammlung des Museums ca. 50.000 Objekte, darunter die Karpologische Sammlung, die Lehrsammlung für Unterrichtszwecke sowie Sammlungen von Arzneipflanzen, Pilzen und Hölzern. Das puristisch gestaltete Gebäude mit der charakteristischen kobaltblauen Fliesenverkleidung umschließt rund 460 m² Ausstellungsfläche.

Kunstwerke[Bearbeiten]

Vor dem Eingang zum Freigelände wurde 1982 die Bronzeplastik „Adam plündert sein Paradies“ von Waldemar Otto aufgestellt. Ursprünglich sollte noch eine Eva-Figur hinzugestellt werden, deren Hand noch heute im goldenen Apfelbaum zu sehen ist. Doch nach öffentlichen Protesten wegen Gestaltung und Kosten der Figuren wurde schließlich darauf verzichtet. Unbekannte malten „Adam“ nach einiger Zeit eine Unterhose auf, die zunächst mehrmals entfernt wurde, schließlich aber bestehen blieb.

Loki Schmidt wurde bereits zu Lebzeiten ein Denkmal im Botanischen Garten gesetzt.

Fotos und Karte[Bearbeiten]

53.5622222222229.8611111111111Koordinaten: 53° 33′ 44″ N, 9° 51′ 40″ O

Karte: Hamburg
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Botanischer Garten Klein-Flottbek
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Hamburg

Literatur[Bearbeiten]

  • Dr. Fr. Ahlborn, Die Aufgaben und die Organisation des botanischen Gartens in Hamburg, Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg, 1893, S. 16 ff, (online)
  •  Axel Iwohn, Martina Nath-Esser, Claudia Wollkopf: Hamburg Grün - Die Gärten und Parks der Stadt. L&H Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-928119-39-7, S. 64-73, 265-271.
  •  Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 72, 285.
  •  Carsten Schirarend: Botanischer Garten Hamburg, Das Freigelände. Universität Hamburg, Biozentrum Klein Flottbek, Hamburg 2005.
  •  Carsten Schirarend: Botanischer Garten Hamburg, Tropengewächshäuser (Flyer). Universität Hamburg, Biozentrum Klein Flottbek, Hamburg 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klein-Flottbek. Loki Schmidt Garten – Neuer Botanischer Garten auf hamburg.de
  2. Lageplan der Gewächshäuser auf der Internetseite des Biozentrums. Abgerufen am 15. August 2012.
  3. Loki-Schmidt-Haus

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Botanischer Garten Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Alter Botanischer Garten Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien