Dammtor

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Vor dem Alten Botanischen Garten
Bahnhof Dammtor (2006), dahinter das Hotel am CCH und der Fernsehturm

Das Dammtor in Hamburg war ein bis ins späte 19. Jahrhundert bestehendes Stadttor in der Gegend des heutigen Bahnhofes Hamburg Dammtor. Abgesehen vom Bahnhofsnamen erinnern verschiedene Straßen an das ehemalige Tor der Hamburger Wallanlagen. Neben diesen offiziellen Bezeichnungen wird manchmal auch die Umgebung als am oder bei dem Dammtor bezeichnet.

Im engeren Sinn ist hierbei meist der Bereich um den Dammtorbahnhof und entlang der Straße Dammtordamm, die zwischen den Parkanlagen Planten un Blomen und Gustav-Mahler-Park bis zum Stephansplatz verläuft gemeint. An der Kreuzung Stephansplatz führt die Dammtorstraße, die ehemalige Zufahrtsstraße zum Dammtor, weiter zum Gänsemarkt. Von ihr zweigt der auf der Innenseite der ehemaligen Stadtbefestigung gelegene Dammtorwall ab.

Die bis ins 19. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Vor dem Dammtor umfasste in etwa die außerhalb des Festungsringes liegenden, durch das Dammtor zu erreichenden Gegenden von der Außenalster mit dem heutigen Stadtteil Hamburg-Rotherbaum, bis zu den Friedhöfen der Hamburger Kirchspiele, an deren Stelle sich heute Teile des Messegeländes und der Parkanlagen von Planten un Blomen im Stadtteil St. Pauli befinden.

Entsprechend werden manchmal, auch in Verbindung mit dem Fernbahnhof, der Park nördlich davon, die Moorweide mit dem anliegenden Hauptgebäude der Universität und das westlich vom Bahnhof liegende Congress Center Hamburg (CCH) mit dem Turm des Radisson Blu Hotel Hamburg an der Stelle des ehemaligen Eingangs zu Planten un Blomen als am Dammtor liegend benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das äußere Dammthor 1587, historisierender Stich des 19. Jahrhunderts

Das Dammthor war ursprünglich eines der Hamburger Stadttore zwischen der Altstadt und der späteren Neustadt (am Reesendamm gelegen). Beim Bau der Hamburger Wallanlagen wurde es an den heutigen Dammtordamm verlegt, der die Hamburger Innenstadt von Rotherbaum und den sogenannten "Grindel"-Stadtteilen trennt. Das Tor nahm dabei seinen Namen an den neuen Ort mit.

1866 erhielt der am Dammtordamm eröffnete Bahnhof der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn diesen Namen. Der zu ebener Erde in Höhe des heutigen Kinos liegende Bahnhof wurde 1903 durch den heutigen Bahnhof Hamburg Dammtor abgelöst.

Kriegerdenkmal und Gegendenkmal[Bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal am Dammtordamm
Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka

Das Kriegerdenkmal am Dammtordamm, 1934 vom Traditionsverein des in Hamburg stationierten 76. Infanterieregiments initiiert und 1936 nach dem Entwurf von Richard Kuöhl errichtet, ist ein rechteckiger Block aus Muschelkalk mit einem umlaufenden Relief, das in Viererreihen marschierende Soldaten, mit Marschgepäck, geschulterten Gewehren und Stahlhelmen, in Lebensgröße darstellt. Es trägt mehrere Inschriften, unter anderem „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen“ aus dem Gedicht Soldatenabschied von Heinrich Lersch. (Die Punkband Slime kehrte diesen Spruch später in „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ um.) Das Ehrenmal soll an die Soldaten des Infanterie-Regiments „Hamburg“ (2. Hanseatisches) Nr. 76 sowie seines Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 76 erinnern und wird dementsprechend auch 76er-Denkmal genannt. Bauherr des Denkmals waren die Traditionsvereine des Infanterieregiments 76. Die Errichtung dieses Denkmals war bereits vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten von den Initiatoren gefordert worden, es sollte als Gegendenkmal zu dem 1931 eingeweihten Hamburger Ehrenmal (Barlach-Stele) von Ernst Barlach am Rathausmarkt fungieren, das von nationalen Kreisen abgelehnt wurde. Die Einweihung fand am 15. März 1936 statt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es Bestrebungen der britischen Besatzungsbehörden, das Denkmal zu sprengen. Der Hamburger Denkmalrat verhinderte dies mit einer Verfügung aus dem Jahr 1946, nach der lediglich die Reliefs und Inschriften entfernt werden sollten. Diese Verfügung wurde jedoch nicht umgesetzt. In der Folgezeit war das Denkmal regelmäßig Ziel sowohl von militärischen und neonazistischen Aufmärschen wie von Antikriegskundgebungen, aber auch von Protestaktionen, wie das Werfen von Farbbeuteln, das Anbringen von Graffitimalereien, das Abschlagen von Reliefstücken wie auch kleinteiligen Sprengungen. Die Bundeswehr stellte in den 1970er Jahren ihre Ehrungen an diesem Ort ein.[1] Für besondere Aufmerksamkeit sorgte es, als 1999 sämtliche Stiefel der auf den Reliefs abgebildeten Soldaten abwechselnd rot und grün gefärbt wurden, offenbar um damit die Beteiligung Deutschlands am Kosovo-Krieg unter der durch die Rot-Grüne Koalition getragenen Regierung zu kritisieren.

Anfang der 1980er Jahre beschloss die Kulturbehörde Hamburg, dem auch als Kriegsklotz bezeichneten Monument ein Gegendenkmal als Gedenkstätte beiseite zu stellen. Das so konzipierte Mahnmal gegen den Krieg des Wiener Künstlers Alfred Hrdlicka sollte aus vier Teilen bestehen. Realisiert wurden allerdings nur zwei zwischen 1983 und 1986, da das vorgesehene Budget damit aufgebraucht war: Hamburger Feuersturm zur Operation Gomorrha und Fluchtgruppe Cap Arcona zur Versenkung des Schiffs Cap Arcona durch britische Bomber, die die meisten der an Bord befindlichen ca. 4.600 KZ-Häftlinge das Leben kostete. Die nicht fertiggestellten Teile hatten die Themen Soldatentod und Frauenbild im Faschismus.[2]

Dammtorwache und Dag-Hammarskjöld-Brücke[Bearbeiten]

Die Dammtorwache ist ein kleines Gebäude zwischen Dammtordamm und Dag-Hammarskjöld-Brücke. Es wurde als Polizeiwache im Neorenaissance-Stil in den Jahren 1878/79 erbaut und 1972 unter Denkmalschutz gestellt. Es wird heute gastronomisch genutzt.

Am Gebäude vorbei verläuft die 1962 errichtete Dag-Hammarskjöld-Brücke (benannt nach UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld). Eine Fußgängerbrücke, die mit einem 86 Meter langen Teil vom Dammtor-Bahnhof über die ehemalige Tiergartenstraße (jetzt Dag-Hammarskjöld-Platz) zum Eingang des U-Bahnhofes Stephansplatz führt und von dort mit 77 Metern den Dammtordamm zum Gustav-Mahler-Park hin überbrückt. Zwischen 1974 und 2005 gelangte man von hier über weitere Brücken in eine kleine Einkaufspassage im Gebäude der DG-Bank, dem ehemaligen Hotel und heutigen Casino Esplanade, und von dort zu den Colonnaden.

Gustav-Mahler-Park[Bearbeiten]

Der Gustav-Mahler-Park ist ein öffentlicher Park, der 1991 nach dem Komponisten Gustav Mahler (1891-1897 1. Kapellmeister am Hamburgischen Stadt-Theater) benannt wurde. Die schmale Anlage ist Teil eines Grünzuges der sich entlang des ehemaligen Stadtwalls von der Alster an der Lombardsbrücke über Planten un Blomen bis zur Elbe erstreckt. Der Park verläuft vom Dammtordamm zum Alsterufer entlang des nördlich begrenzenden Dammes der Eisenbahn. Gen Süden ursprünglich durch die Hintergärten der nördlichen Bebauung der Esplanade abgegrenzt, ist er heute zwischen den entstandenen Hochhäusern mit der Straße verbunden.

Im Park steht ein Multiplex-Kino der CinemaxX-Kette an der Stelle des ehemaligen Münchner Hofbräuhauses.

Zwischen Kino und Dag-Hammarskjöld-Fußgängerbrücke steht das Denkmal für Friedrich von Schiller. Das Denkmal wurde 1866 vom Hamburger Schillerverein gestiftet und von den beiden Bildhauern Julius Lippelt und Carl Boerner geschaffen. Ursprünglich am Ferdinandstor/Lombardsbrücke mit Blick zur alten Kunsthalle aufgestellt, wurde das Denkmal mit den allegorischen Figuren und der Einfriedung 1958 hierher versetzt. Etwas weiter im Park steht als Kunstwerk eine Lichtskulptur vor dem Unterwerk Stephansplatz der Hochbahn, einem 1928 entstandenen Umformerwerk für den Gleichstrom der U-Bahnzüge, von Architekt Karl Schneider.[3] Die farbige Lichtsäule wurde von Walter Dexel (vermutlich 1926) geschaffen. Des Weiteren befindet sich eine Bronzeplastik von Edgar Augustin, zwei Rugby-Spieler (1970) darstellend im Park.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dammtor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Werner Skrentny (Hrsg.): Hamburg zu Fuß. 20 Stadtteilrundgänge, Neu bearbeitete Auflage Hamburg 1992, ISBN 3-87975-619-8, S. 50
  2. Detlef Garbe und Kerstin Klingel: Gedenkstätten in Hamburg. Ein Wegweiser zu Stätten der Erinnerung an die Jahre 1933 bis 1945, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung, Seite 81; auch als pdf abrufbar: [1] (PDF; 2,3 MB)
  3. Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Ed. Menges 1995
  4. FHH - Verzeichnis der erkannten Denkmäler, Abschnitt F-K, Stand 13. April 2010 (PDF; 1,8 MB)

53.5619444444449.9908333333333Koordinaten: 53° 33′ 43″ N, 9° 59′ 27″ O