Brüderstraße (Berlin-Mitte)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Brüderstraße (Berlin-Cölln))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Brüderstraße
Wappen
Straße in Berlin
Brüderstraße
Blick vom Petriplatz in die Brüderstraße
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt im 13. Jahrhundert
Hist. Namen Domgasse [1]
Anschlussstraßen keine
(historisch: Schlossplatz)
Querstraßen Sperlingsgasse–Neumannsgasse, Scharrenstraße
Plätze Petriplatz
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 200 Meter
Straßenbild im Jahr 1900

Die Brüderstraße verläuft auf der Berliner Spreeinsel auf der Fläche des alten Stadtkerns von Cölln von der Sperlings- bzw. Neumannsgasse bis zum Petriplatz. Angelegt im 13. Jahrhundert zählt sie zu den ältesten Straßen Berlins. Ihren Namen erhielt sie nach den Schwarzen Brüdern, den Dominikaner-Mönchen, die hier ein Kloster gegründet hatten. Von der späteren barocken Bebauung sind nur die Häuser Nr. 10 (Galgenhaus) und 13 (Nicolaihaus) erhalten. Bis zum Bau des Staatsratsgebäudes der DDR (1962–1964) reichte die Brüderstraße vom Schloßplatz bis zum Petriplatz mit der gleichnamigen (heute nicht mehr vorhandenen) Pfarrkirche Cöllns, der Petrikirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Dokumente weisen aus, dass sich in dieser Straße im Jahr 1297 ein Konvent des Dominikanerklosters niederließ. Deshalb ist die Namensgebung der Straße nach den Dominikaner-Mönchen auch die glaubwürdigste, obwohl es auch andere Legenden dazu gibt (siehe: Legende um die Namensherkunft).[2]

In der Brüderstraße lebten im 17. und 18. Jahrhundert für das Berliner Kulturleben bedeutende Personen, so beispielsweise der Baumeister und Künstler Andreas Schlüter, der Buchhändler und Schriftsteller Friedrich Nicolai, der Buchdrucker Georg Jacob Decker, der Zeichner Daniel Chodowiecki, der Porzellanfabrikant Johann Ernst Gotzkowsky, der „Vater der deutschen Bevölkerungsstatistik“ Johann Peter Süßmilch und der Seidenfabrikant Jean Paul Humbert.

Brüderstraße und Petrikirche auf einem Gemälde von Eduard Gaertner

Die Straße war im 18./19. Jahrhundert der bevorzugte Wohnsitz begüterter Einwohner, darunter zahlreiche Kaufleute, Handwerksmeister, 1768 die Weinhandlung Maurer und Bracht (1799 Maurers Erben). Im Haus Nr. 11 lag die Probstei zu Kölln, daneben gab es eine Stickereimanufaktur, eine Schriftgießerei und die Italiener Waaren-Handlung, ein Treffpunkt feiner Damen mit einem Angebot rund um die Schönheit.[3][2] Das Haus Nr. 20 beherbergte das Gasthaus Stadt Paris[4] und direkt am Schlossplatz, im Haus zum Dom befand sich dessen Verwaltung, das Direktorium.[5] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Charakter von der vornehmen ruhigen Wohn- zu einer lebhaften Geschäftsstraße. Rudolph Hertzog ließ in der Breiten Straße in ganzer Länge zwischen Scharrenstraße und Neumannsgasse ein Warenhaus errichten, dessen Rückseite in der Brüderstraße lag.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Luftangriffe der Alliierten über ein Fünftel der Gebäude der Brüderstraße, rund drei Viertel galten als beschädigt, aber wiederaufbaubar.[6] Für die Errichtung des DDR-Staatsratsgebäudes (1962–1964) und dem dahinter liegenden Garten wurde die Brüderstraße zwischen Schlossplatz und Neumannsgasse/ Sperlingsgasse überbaut und die unter Denkmalschutz stehenden Häuser Nummern 8 und 39a, abgerissen. Seitdem endet die Brüderstraße, die ursprünglich in den Schlossplatz mündete, an der Neumannsgasse/ Sperlingsgasse. Auf Ostseite der Straße blieb damit nur der Neubau des Kaufhauses Hertzog in der Nummer 26 übrig. Zu den abgerissenen Gebäuden gehörte das innen ausgebrannte Schlüterhaus Nummer 33 aus der Zeit um 1700.[7]

Einige ausgewählte Gebäude[Bearbeiten]

Brüderstraße 10 (Galgenhaus)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Galgenhaus

Das Haus Brüderstraße 10 gehört zu den ältesten noch erhaltenen Bürgerhäusern Berlins. Im sogenannten „Galgenhaus“ zeigt die Galerie Kewenig seit September 2013 Ausstellungen rund um Arte Povera, Minimal Art und Konzeptkunst. Die Bezeichnung geht darauf zurück, dass hier eine Dienstmagd für den angeblichen Diebstahl eines silbernen Löffels gehängt wurde, den man später auf der Ziegenweide wiederfand.[2]

Brüderstraße 13 (Nicolaihaus)[Bearbeiten]

Brüderstraße 13 (1952)
Hauptartikel: Nicolaihaus

Graf Mirabeau hielt sich in dem als Residenz errichteten Haus Brüderstraße 13 auf, als er 1785 um eine Anstellung in preußischen Diensten nachsuchte. Friedrich der Große lehnte dies jedoch ab.[8] Christoph Friedrich Nicolai, der bereits als Autor, Kritiker und bedeutender Verlagsbuchhändler bekannt war und die Nachbarhäuser 14 und 15 besaß, kaufte 1787 für 30.000 Taler das Haus Brüderstraße 13 und ließ es durch Carl Friedrich Zelter renovieren und umbauen. Hier starb er auch am 8. Januar 1811 und wurde unter großer öffentlicher Anteilnahme auf dem Luisenstädtischen Friedhof beigesetzt.[9] Nach seinem Tod führte der Schwiegersohn, Gustav Parthey, die Nicolaische Verlagsbuchhandlung fort. Von Ostern bis Mai 1811 war der Student Theodor Körner Gast im Hause Partheys, nachdem er Leipzig wegen eines Duells hatte verlassen müssen. Zwischen dem Frühjahr 1814 und 1815 lebte Elisa von der Recke zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Dichter Christoph August Tiedge im Haus Brüderstraße 13. Christian Gottfried Körner, der Vater des Dichters Theodor Körner und Freund Schillers, mietete nach seiner Ernennung zum Staatsrat 1815 eine Wohnung. Die Familie Körner wohnte hier bis 1828. Wegen all der bekannten Literaten nannte man das Gebäude auch den „Dichterwinkel Berlins“.[10]

Im 20. Jahrhundert war das Haus Sitz des Instituts für Denkmalpflege und gleichzeitig Museum. 2011 wollte der Suhrkamp Verlag eigentlich seinen Hauptsitz in das Nicolaihaus verlegen, der bis 2009 in Frankfurt am Main beheimatet war. Doch im Juli 2011 kaufte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Nicolaihaus, um 2012 dort die bereits bestehenden Berliner und Potsdamer Vertretungen in einem Haus zusammenzuführen.[11]

Kaufhaus Rudolph Hertzog

Brüderstraße 26[Bearbeiten]

Das Gebäude in der Brüderstraße 26 war Teil des Warenhauses von Rudolph Hertzog, einem der ältesten und größten Kaufhäuser in Berlin. Hertzog hatte die Einrichtung 1839 als Manufactur-Waaren-Handlung gegründet. Der noch bestehende Teil des Kaufhauses in der Brüderstraße entstand 1908/1909 nach Plänen von Gustav Hochgürtel. In den 1960er Jahren wurde die im Zweiten Weltkrieg beschädigte Fassade vereinfacht wiederhergestellt. In diesem Gebäude an der Ecke Scharrenstraße befand sich in der DDR-Zeit die Verkaufsstelle Chic zu dritt (Jugendmode-Kaufhaus und Hochzeitsausstatter). Das Haus steht unter Denkmalschutz, ist jedoch leer.[12] Um das Gebäude kümmert sich eine Firma, die sich mit der Erschließung von unbebauten Grundstücken befasst, weil ein neuer Nutzer gesucht wird (Stand Anfang 2014).

Brüderstraße 29[Bearbeiten]

Hauptartikel: Brüderstraße 29

Brüderstraße 39[Bearbeiten]

In der Brüderstraße 39 befand sich lange der Gasthof Stadt Berlin. Hier logierte sich Mirabeau ein, als er von Frankreich nach Berlin geschickt wurde, um die Verhältnisse nach dem erwarteten Ableben Friedrichs des Großen zu erkunden. Mirabeau verfasste hier neben geheimen Informationen auch sein Werk Sur la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand.[13]

Im Hotel wohnte auch Madame de Staël, die hier nach ihrem Besuch bei Goethe in Weimar am 8. März 1804 eintraf. Auch Joseph von Eichendorff wohnte hier seit dem 20. November 1809.[14]

Im Jahr 1740 wurde in dem hier befindlichen Gasthof die Freimaurer-Loge Aux trois Globes gegründet. Aus dieser ging die älteste preußische Großloge Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ hervor.[15]

Brüderstraße 45[Bearbeiten]

Im Haus Brüderstraße 45 waren bis 1846 die Domschule und die Küsterei des Berliner Doms untergebracht.[16] Die Gemeinde verkaufte schließlich das Gebäude und verlegte die Schule in die Kleine Präsidentenstraße 5 am Hackeschen Markt.

Brüderstraße im 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Straße beherbergt mehrere Wohnhäuser und die genannten historischen Gebäude. In den 1905 errichteten Gebäuden in der Brüderstraße 11/12 befindet sich die Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund. Die verdichtete Bebauung und Maßnahmen für die Häuser im Areal Brüderstraße, Breite Straße, Petriplatz wurden in einem Gutachten 1999 ermittelt und dem Senat zur Entscheidung vorgelegt.[17]

Zwischen 2006 und 2010 wurde die Brüderstraße verkürzt – sie endet nicht mehr an der Gertraudenstraße, sondern an der Scharrenstraße.

Legende um die Namensherkunft[Bearbeiten]

Einer Sage nach lebten in dieser Straße vier Brüder, die sich geschworen hatten, niemals zu heiraten. Ohne gegenseitig davon zu wissen, verliebten sie sich jedoch alle vier in das gleiche Mädchen, das vom Teufel besessen war. Sie lud alle vier zu einem Treffen am gleichen Ort zur gleichen Zeit ein. Als die Brüder jedoch sahen, dass sie hintergangen worden waren, reichten sie sich die Hände und erneuerten das Versprechen, keine Ehe eingehen zu wollen. Um nicht wieder in Versuchung zu geraten, wurden sie Mönche und gründeten ein Kloster am Ende ihrer Straße.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Projekt Alt-Cölln. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 105. Jahrgang, Heft 2. Verein für die Geschichte Berlins, Berlin 2009
  • Die schwarzen Brüder, Geschichtsdarstellung zur Brüderstraße. In: Der Stralauer Fischzug. Sagen, Geschichten und Bräuche aus dem alten Berlin. Verlag Neus Leben Berlin 1987, ISBN 3-355-00326-3; S. 13–15

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brüderstraße (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Domgasse. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. a b c Martina Krüger: Sagenhaftes um die Brüderstraße. Wo Lessing sich den Wein holte, sein Verleger wohnte und das Galgenhaus stand. In: Neues Deutschland, 13./14. März 1982
  3. Inge Gerlich: Entdeckungen vor der Haustür. Brüderstraße. Zeugen Altberliner Geschichte. (in einem undatierten Ausschnitt einer DDR-Tageszeitung)
  4. Am 13. Februar 1786 gab dort die blinde Komponistin, Pianistin, Sängerin und Musikpädagogin Maria Theresia Paradis während ihrer dreijährigen Europatournee ein Konzert. Vgl. Marion Fürst: Maria Theresia Paradis. Mozarts berühmte Zeitgenossin. Böhlau 2005, S. 135.
  5. Brüderstraße. In: Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen, 1799, S. 13.
  6. Karte der Gebäudeschäden 1945 zu erreichen über „Starten“ und „Historische Karten/Gebäudeschäden 1945“. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
  7. Zu den denkmalgeschützten Bauten siehe Hans Müther: Berlins Bautradition. Kleine Einführung. Das Neue Berlin, Berlin 1956, S. 94 f.
  8. Werner Liersch: Dichters Ort – ein literarischer Reiseführer. Rudolstadt 1985, S. 15–16
  9. Werner Liersch: Dichters Ort – ein literarischer Reiseführer. Rudolstadt 1985, S. 13–15
  10. Ursula Reinert: Ist sie Ihnen bekannt? Brüderstraße im Zentrum. In: Berliner Zeitung, 18. April 1971
  11. Es geht auch ohne Suhrkamp. In: Der Tagesspiegel, 19. Juli 2011
  12. Baudenkmal Brüderstraße 26; Kaufhaus
  13. Werner Liersch: Dichters Ort – ein literarischer Reiseführer. Rudolstadt 1985, S. 15
  14. Werner Liersch: Dichters Ort – ein literarischer Reiseführer. Rudolstadt 1985, S. 16
  15. Geschichte der Grossen National-Mutterloge in den Preussischen Staaten genannt zu den drei Weltkugeln. Deutsche Freimaurer, Berlin 1903, Internet Archiv
  16. Domschul und Küsterhaus. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1840, Teil 2, S. 3. „Brüderstraße 45“.
  17. Gender Mainstreaming im Entwurfsverfahren Breite Straße – Brüderstraße Berlin Mitte. Gutachten im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin. Mehr Lebensqualität – mehr Geschlechtergerechtigkeit! (PDF; 1,4 MB) abgerufen am 7. April 2012
  18. Inge Kiessig: Berliner Sagen. Berlin-Information, Berlin 1990, S. 19 f.

52.51388888888913.403333333333Koordinaten: 52° 30′ 50″ N, 13° 24′ 12″ O