Nicolaihaus

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Nicolaihaus
Außenansicht des Nicolaihauses in Berlins Mitte

Außenansicht des Nicolaihauses in Berlins Mitte

Daten
Ort Berlin-Mitte, Brüderstraße 13
Baujahr 1670
Grundfläche 1700 m²
Koordinaten 52° 30′ 51″ N, 13° 24′ 11″ O52.51407313.402926Koordinaten: 52° 30′ 51″ N, 13° 24′ 11″ O

Das Nicolaihaus ist ein historisches Bürgerhaus in der Brüderstraße 13 im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirkes.

Namensgeber war Christoph Friedrich Nicolai, der das Haus 1787 erwarb und hier bis zu seinem Tod im Jahr 1811 wirkte. Seit 1977 ist das Gebäude denkmalgeschützt. Ab Ende der 1990er Jahre diente es als Museum der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Geschichte[Bearbeiten]

Das um 1670 auf bestehenden Fundamenten errichtete, mehrfach umgebaute und erweiterte Haus ist eines der ältesten Wohnhäuser in Berlin. Besitzer waren ab 1747 der Unternehmer Johann Ernst Gotzkowsky, ab 1787 der Verleger und Schriftsteller Christoph Friedrich Nicolai, der das Haus durch Carl Friedrich Zelter umbauen ließ. Seitdem ist das dreigeschossige und siebenachsige barocke Bürgerhaus mit Seiten- und Quergebäuden, Galerien und einem der wenigen erhaltenen barocken Innenhöfe Berlins als Nicolaihaus bekannt.[1]

Neben den Familien Gotzkowsky und Nicolai lebten hier die Partheys, Elisa von der Recke, Christoph August Tiedge, Christian Gottfried Körner, Minna Körner, Dorothea Stock und Ludwig Jonas. Das Haus war im 18. und 19. Jahrhundert eines der zentralen Begegnungsorte der Berliner Aufklärung und der Romantik. Gäste waren unter anderem Johann Gottfried Schadow, Karl Friedrich Schinkel, Daniel Chodowiecki und Theodor Körner. Ebenfalls in dem Haus untergebracht war die 1713 gegründete Nicolaische Verlagsbuchhandlung (heute: Nicolai Verlag). Seinerzeit berühmt war die Privatbibliothek Nicolais mit über 16.000 Bänden.

„Fremde, die nach Berlin kamen, stiegen zumeist in der Brüderstraße ab, in der sich die Hotels König von England und Stadt Paris befanden, auch Maurers Weinkeller und die sogenannte Baumannshöhle, ein Weinrestaurant, in dem Nicolai sich zeitweilig täglich mit Mendelssohn und Lessing traf. Nicolais Haus war bald eine Sehenswürdigkeit; selbst spätere Feinde ließen es sich nicht nehmen, bei einem Berlin-Besuch dem bedeutenden Mann ihre Aufwartung zu machen. War es für Weimar-Reisende eine Auszeichnung, von Goethe empfangen zu werden, so galt unter Intellektuellen ein Besuch bei Nicolai nicht weniger als ein Ritterschlag.“

Ohff, S. 30

Zwischen 1910 bis 1936 befand sich im Nicolaihaus das Lessing-Museum, das die Nationalsozialisten schließen ließen. Das Gebäude trug bis dahin auch die Bezeichnung Nicolai-Körner-Lessing-Haus.[2] Zwischen 1936 und 1945 wurden in das Gebäude Soldaten zwangseingewiesen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs fiel es den Bombardements und Endkämpfen zum Opfer. Um 1950 wurde es wieder aufgebaut und diente dem Zentralinstitut für Denkmalschutz der DDR als Sitz.[3]

Innenhof des Nicolaihauses 1983

Das im Jahr 1977 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude ging 1986 in Volkseigentum über. Die Rechtsträgerschaft erhielt das Institut für Denkmalpflege. Zwischen 1981 und 1990 nutzte die kleine Bühne „Das Ei“ einige Räume und den Hof als Dependance („Sommertheater im Hof der Brüderstraße 13“).[4] Rechtsansprüche der Parthey'schen Erbengemeinschaft konnten 1989 realisiert werden. Nach der Wiedervereinigung wurde das Nicolaihaus Eigentum des Landes Berlin und war bis 1998 Sitz des brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Im Quergebäude des Nicolaihauses wohnt seit 1968 der Kunsthistoriker Werner Schade.[5]

Ende der 1990er Jahre ging das Haus in die Trägerschaft der Stiftung Stadtmuseum Berlin über.[6] Im November 2008 gründete sich der Freundeskreis Nicolaihaus Berlin, der die Wiederbelebung des historischen Gebäudes zum Ziel hat.[7]

Mit dem Umzug des Suhrkamp Verlags von Frankfurt am Main nach Berlin sollte das Nicolaihaus ab 2012 Hauptsitz des Unternehmens werden. Diese Pläne wurden allerdings aufgegeben. Im Juli 2011 kaufte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Nicolaihaus mit Mitteln aus einer ihr zugefallenen privaten Erbschaft, um 2012 dort die bereits bestehenden Berliner und Potsdamer Landesvertretungen in einem Haus zusammenzuführen.[8] Für die neue Nutzung erfolgt nunmehr eine gezielte Bauforschung und danach wird ein Bauantrag für eine behutsame Umgestaltung eingereicht. Mit diesen Arbeiten ist das auf historische Bausubstanz spezialisierte Brandenburger Architekturbüro Krekeler beauftragt worden.[3]

Östlich neben dem Nicolaihaus befindet sich seit 2000 die Sächsische Landesvertretung.

Beschreibung des Gebäudes[Bearbeiten]

Tafel am Eingang des Nicolaihauses

Das Gebäudeensemble besitzt einen barocken Innenhof, der bis in die oberen Etagen mit Weinreben bewachsen ist. Eine hölzerne Galerie zieht sich rundherum. Im Erdgeschoss des Vorderhauses befinden sich große Räume, die einst als Verkaufsräume der Buchhandlung dienten. In die erste Etage führt eine ebenfalls im Barockstil gehaltene Treppe mit einem geschnitzten Geländer. Hier gibt es zahlreiche Verwaltungsräume für die 28 Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Aber auch private Wohnungen sind darin untergebracht und vermietet.

Im Foyer des Quergebäudes sind von der früheren Pracht kunstvolle Steinreliefs erhalten. Eine Treppe aus dem früheren Waidinger-Haus, nach Entwürfen von Schinkel gefertigt, ein hohes Fenster mit farbigen Ornamenten und eine in Teilen vorhandene Papiertapete mit Tiermotiven werden als Ausstattungsbesonderheiten genannt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marlies Ebert, Uwe Hecker: Das Nicolaihaus. Brüderstraße 13 in Berlin. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Stadt Berlin. Berlin 2006. ISBN 3-89479-363-5
  • Ernst Friedel: Zur Geschichte der Nicolaischen Buchhandlung und des Hauses Brüderstraße 13 in Berlin. Berlin 1891
  • Heinz Ohff: Auch sie waren Preußen. 15 Lebensbilder. Safari, Berlin 1979. ISBN 3-7934-1458-2
  • Gustav Parthey: Das Haus in der Brüderstraße. Aus dem Leben einer berühmten Berliner Familie. Hrsg. von Gabriele Koelbel. Das Neue Berlin, Berlin 1955, 1957

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nicolaihaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Nicolaihaus im Berlin-Lexikon
  2. Name auf einer undatierten Ansichtskarte aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts
  3. a b c Anouk Meyer: Happy End für ein Kleinod im Zentrum Berlins. Stiftung Denkmalschutz zieht ins Nicolaihaus / Weitere Mieter werden noch gesucht. In: Neues Deutschland, 26. Juli 2011
  4. Premierenfaltblatt vom 7. Juli 1981 mit dem Stück Die Schneidermamsells. Berliner Posse mit Musik von Louis Angely sowie ein normales Informationsblatt aus dem Jahr 1982 mit der Angabe eines weiteren Stücks: Ein Achtel vom großen Loose (Karl von Holteis Liederposse)
  5. Süddeutsche Zeitung, 14. September 2014, S. 3
  6. Hans Hauser: Das Nicolaihaus wird Museum
  7. Freundeskreis Nicolaihaus Berlin
  8. Es geht auch ohne Suhrkamp. In: Der Tagesspiegel, 19. Juli 2011