Brights

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Vertretern einer Weltanschauung, zu weiteren Bedeutungen von „Bright“ siehe Bright.
Logo der Brights

Die Brights sind ein internationaler Zusammenschluss von Personen, die ein Weltbild vertreten, das für sich in Anspruch nimmt, frei vom Glauben an Übernatürliches zu sein.[1]

Der Begriff geht auf Paul Geisert und Mynga Futrell zurück und wurde von ihnen erstmals 2003 auf einer Konferenz der Atheist Alliance International öffentlich diskutiert,[2] mit folgender Definition:

„Die Brights sind Menschen mit einem naturalistischen Weltbild, das frei von mystischen und übernatürlichen Elementen ist, und deren Ethik und Handlungen auf diesem Weltbild beruhen.“[3]

Ziele[Bearbeiten]

Das Netzwerk beabsichtigt, dem naturalistischen Weltbild zu einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz zu verhelfen und dazu unter anderem das Substantiv „Bright“ (von engl. bright – hell, klar, heiter, aufgeweckt, intelligent) als positiven Begriff für Menschen mit dieser Weltanschauung zu etablieren.[4]

Die Brights haben sich hauptsächlich drei Ziele gesetzt:[5][6]

  1. Das Verständnis und die gesellschaftliche Anerkennung des naturalistischen Weltbildes, das frei von übernatürlichen und mystischen Elementen ist, zu fördern.
  2. Die öffentliche Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass Personen mit einem solchen Weltbild wichtige gesellschaftliche Entscheidungen mit positiven Aktionen beeinflussen können.
  3. Die Gesellschaft dazu zu bewegen, die vollständige und gleichberechtigte Teilhabe der Brights am gesellschaftlichen Leben zu akzeptieren.

Die Ziele werden nach eigener Aussage ausschließlich im Rahmen eines festgesetzten Prinzipienkatalogs verfolgt.[7]

Vorgehen[Bearbeiten]

Anhänger des Netzwerks publizieren Artikel in – überwiegend englischsprachigen – Zeitschriften und Magazinen. Daher ist die Brights-Bewegung vor allem in englischsprachigen Ländern stärker in der Öffentlichkeit präsent. So schreibt beispielsweise Daniel Dennett:

„The time has come for us brights to come out of the closet. What is a bright? A bright is a person with a naturalist as opposed to a supernaturalist world view. We brights don’t believe in ghosts or elves or the Easter Bunny -- or God.“

„Die Zeit ist reif dafür, dass wir Brights Farbe bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist ein Mensch mit einem naturalistischen anstatt eines übernatürlichen Weltbildes. Wir Brights glauben nicht an Geister oder Elfen oder den Osterhasen – oder Gott.“

Daniel Dennett: The Bright Stuff.[8]

Richard Dawkins schrieb mehrere Artikel über die Brights.[9][10][11] In seinem Artikel Let There Be Brights im Wired Magazine sagt er:

„Ich bin ein Bright. Sie sind (wahrscheinlich) ein Bright. Die meisten der Menschen, die ich kenne, sind Brights. Die Mehrzahl der Wissenschaftler sind Brights. Wahrscheinlich gibt es eine Menge geheimer Brights im Parlament, aber sie trauen sich nicht, es öffentlich zu sagen. Bedenken Sie bei diesen Beispielen, dass das Wort ein Substantiv ist, kein Adjektiv. Wir Brights behaupten nicht, bright im Sinne von intelligent zu sein, genauso wenig wie die Schwulen behaupten, gay im Sinne von heiter zu sein.“

Dawkins sieht den Begriff als ein Mem an und sagt von sich, dass er als „unvoreingenommener Wissenschaftler“ neugierig darauf sei, wie es sich entwickeln werde. Weiterhin führt er die Entwicklung, dass Homosexuelle in Amerika heute gesellschaftlich akzeptierter sind, auch auf das Wort „gay“ zurück und hofft in den Artikeln auf eine ähnliche Entwicklung mit dem Wort „Bright“.

Die Brights unterstützten unter anderem die Atheist Bus Campaign, eine Werbekampagne für den Atheismus.[12][13]

Geschichte[Bearbeiten]

Begriffsentstehung[Bearbeiten]

Atheismus ist in großen Teilen der US-amerikanischen Bevölkerung ein negativ besetzter Begriff.[14] Die Atheist Alliance International hielt zu diesem Phänomen im April 2003 eine Konferenz ab, auf welcher der Begriff Bright vorgestellt wurde. Paul Geisert und Mynga Futrell verwendeten den Begriff als positiv wertende Bezeichnung für Menschen, die eine Weltanschauung vertreten, die frei von Übernatürlichem ist. Sie hofften damit, dass der Begriff eine ähnliche Entwicklung durchlaufen könnte wie die Bezeichnung „gay“ für homosexuell. Auf diese Art und Weise sollte die Akzeptanz in der Bevölkerung für Menschen mit naturalistischem Weltbild erhöht und Vorurteilen und Diskriminierungen entgegengewirkt werden.

Bekannte Anhänger[Bearbeiten]

Zu den Brights gehören nach eigenen Angaben Menschen in mehr als 185 Ländern.[15] Prominente Vertreter der Brights sind der Philosoph Daniel Dennett, die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Margaret Downey, der Zauberkünstler James Randi, der Psychologe Steven Pinker, der Biologe Richard Dawkins, der Biochemiker Richard John Roberts, der Physiker Sheldon Glashow, der Wissenschaftsjournalist Michael Shermer, der kanadische Arzt Henry Morgentaler, der belgische Physiker Jean Bricmont[16] und der deutsche Philosoph Michael Schmidt-Salomon.[17]

Kritik[Bearbeiten]

Innerhalb der Skeptikerbewegung konzentriert sich die Kritik besonders auf die Selbstbezeichnung als „Bright": Chris Mooney meint, dass die Selbstbezeichnung als „Bright“ dahingehend falsch verstanden werden kann, dass Brights sich für klüger als ihre Mitmenschen hielten. Das führe dazu, dass die überwiegende Mehrheit der meist religiösen Bevölkerung wieder zum alten Klischee von den „arroganten Atheisten“ zurückkehre; dieses Klischee sei der Mehrheit ohnehin schon ins Bewusstsein gebrannt worden.[18] Daniel Dennett legt Menschen, die an Übersinnliches glauben und den Begriff Bright kritisieren, in seinem Buch Breaking the Spell nahe, ein ähnlich positiv besetztes Wort als Eigenbezeichnung zu wählen, und schlägt Supers vor, was eine Abkürzung des englischen Wortes Supernaturalists sein soll.

Der Philosoph Peter Strasser kritisiert die Brights von einem agnostischen Standpunkt aus: Mit Kant macht er auf die Grenzen unseres metaphysischen Wissens aufmerksam. Naiv findet er die Bibellektüre der Brights; sie würden nämlich die Bibel lesen, wie ein Fundamentalist dies tun würde, nämlich wörtlich. Strasser verwahrt sich gegen einen solchen „Brachial-Atheismus“. Gleichzeitig macht er darauf aufmerksam, dass die Werte der Aufklärung, wie Vernunft, Freiheit, Menschenwürde, selbst nicht begründet werden können.[19] Dies berücksichtigt jedoch nicht, dass Dennett in anderen Werken (z. B. den Büchern "Freedom Evolves" und "Ellbow Room") Optionen aufgezeigt hat, dass einige dieser Begriffe, z. B. der Begriff Willensfreiheit, innerhalb eines deterministischen und materialistischen Weltbildes begründbar sind.

Dennetts Versuch, Religion durch evolutionäre Mechanismen zu erklären, wurde von der deutschen Journalistin Susanne Billig in einer Buchrezension kritisiert. Zwar verwende Dennett ständig Begriffe wie Wahrheit, Moral, Freiheit, versuche sie aber nicht an sein „evolutionistisches Weltbild“ rückzubinden. Er idealisiere, so Billig, sich selbst als ideologiefrei, doch stecke gedanklich noch „mitten im Grabenkampf mit der Sexualfeindlichkeit des 19. Jahrhunderts“. Er sei der Ansicht, Lebewesen hätten nur das Ziel sich fortzupflanzen, und ignoriere damit, dass sich viele Individuen einer Population überhaupt nicht fortpflanzen.[20] Aus Sicht der Evolutionsbiologie steht letzterer Vorwurf allerdings im Gegensatz zu etablierten Erkenntnissen, denn auch für den Verzicht auf eigene Fortpflanzung gibt es seit langem schon evolutionäre Erklärungen (z. B. durch Verwandtenselektion oder „Helfersysteme“).[21]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Florian Ossadnik: Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. Ethische und politische Konsequenzen frühaufklärerischer und gegenwärtiger Religionskritik. In: Ludwig Tavernier (Hrsg.): Studies In European Culture. 8, VDG Weimar, Kromsdorf/Weimar 2011, ISBN 978-3-89739-705-7, DNB 1007177411, OCLC 698573305 (Der Band geht ausdrücklich auf die Bewegung ein. Der „neue Atheismus“ erscheint dem Autor als im Wesentlichen inhaltlich nicht erweiterte Wiederaufnahme älterer atheistischer Argumente[22]).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ungläubig – und das ist auch gut so, Telepolis. 7. Oktober 2003
  2. Gary Wolf: Battle of the New Atheism. wired.com
  3. Brights.net, Begriffsdefinition: Brights-Net
  4. Dawkins: The future looks bright
  5. Website der Brights
  6. Die drei Hauptziele der Bewegung
  7. Prinzipien der Brights
  8. Daniel Dennett: The Bright Stuff. In: The New York Times“. 12. Juli 2003, abgerufen am 18. April 2011 (englisch): „The time has come for us brights to come out of the closet. What is a bright? A bright is a person with a naturalist as opposed to a supernaturalist world view. We brights don’t believe in ghosts or elves or the Easter Bunny -- or God. We disagree about many things, and hold a variety of views about morality, politics and the meaning of life, but we share a disbelief in black magic -- and life after death.“
  9. The future looks bright
  10. „Let there be brights“
  11. Now Here's a Bright Idea
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUm Himmels Willen! Bayerischer Rundfunk, abgerufen am 23. April 2009.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWerbung für ein Leben ohne Gott. Der Spiegel, abgerufen am 23. April 2009.
  14. Farkas, Steve, Jean Johnson, & Tony Foleno (2001): For Goodness’ Sake: Why So Many Want Religion to Play a Greater Role in American Society. New York, NY: Public Agenda, S. 100.
  15. the-brights.net
  16. Enthusiastic Brights
  17. Bas Kast: Gut ohne Gott Tagesspiegel.de, 24.Mai 2007. Abgerufen am 4. Oktober 2011
  18. Not Too „Bright“ Artikel beim Committee for Skeptical Inquiry.
  19. Andreas Malessa: Plädoyer gegen einen Brachial-Atheismus. Radiofeuilleton: Kritik. In: „Deutschlandradio Kultur“. 27. August 2008, abgerufen am 18. April 2011 (Rezension von P- Strassers Buch „Warum überhaupt Religion? Der Gott, der Richard Dawkins schuf“, ISBN 978-3-7705-4612-1): „Nun hat aber auch einer die Nase voll von Dawkins, der ist weder gläubig noch kirchenfreundlich. [...] Peter Strasser, Professor für Rechtsphilosophie und praktische Ethik an den Universitäten Graz und Klagenfurt. [...] „Das sokratische ‚Ich weiß, dass ich nicht weiß‘ war ja nicht das Ergebnis von Denkfaulheit, sondern Ausdruck eines tiefen Verständnisses davon, was es heißt, an die Grenzen des eigenen Denkens gestoßen zu sein.“ An die Grenzen des menschenmöglichen Denkens und Redens stößt aber jeder, der sich ernsthaft mit Gott beschäftigt: „[...] Gott ist kein Gegenstand der Realität wie jeder andere und so vermögen wir zwischen dem Begriff ‚Gott‘ und dem Gegenstand ‚Gott‘ nur schlecht oder gar nicht zu unterscheiden. Kurz: Wir wissen nicht, worüber wir sprechen, wenn wir von Gott sprechen.“ Nur Richard Dawkins und seine „Hellen“ wissen immer genau, auf welchen Gott sie schlecht zu sprechen sind. Und weil der sich bestürzend wenig von den magischen oder mindestens mythologischen Gottesbegriffen der religiös Naiven unterscheidet, weil Dawkins die Bibel exakt so liest, wie ein Fundamentalist sie lesen würde, nennt Strasser das „Brachial-Atheismus“. Was den Grazer Philosophen außerdem ärgert: Die „Totalkompetenzanmaßung der Naturwissenschaft“. [...] [Kant] empfahl schon 1784 in seiner Schrift „Was ist Aufklärung“ nämlich, „den Menschen, der nun mehr als eine Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln.“ Peter Strasser dazu: „Die Menschenwürde ist Ausdruck unser Vernunft und Freiheit. Aufklärung nach Kant ist aber nur möglich unter der Voraussetzung, dass es einen metaphysischen Ursprungsort von Würde, Vernunft und Freiheit gibt. [...] Die Werte, denen die Aufklärung ihre Autorität und Rechtfertigung verdanken, sind nicht innerhalb von Mechanismus und Macht entstanden. [...]“ [...] Strasser [...] möchte bei aller eigenen Religionskritik trotzdem nicht in jener religionslosen Gesellschaft leben, die die „Brights“ anstreben. [...] Eine weltanschaulich neutrale, säkularisierte Demokratie sei nun mal etwas anderes als ein mit Staatsmacht ausgestatteter Biologismus und Sozialdarwinismus, wie ihn Richard Dawkins antizipiere.“
  20. Susanne Billig: Die Ameise und die Religion, Deutschlandfunk vom 11. November 2008
  21. Smith, J.M. (1964). "Group Selection and Kin Selection". Nature 201 (4924): 1145–1147
  22. Katalog. Spinoza und der „wissenschaftliche Atheismus“ des 21. Jahrhunderts. In: „VDG Kromsdorf/Weimar online“. VDG Weimar, 2011, abgerufen am 17. April 2011: „Diese Arbeit unternimmt einen kritischen Vergleich der frühaufklärerischen Religionskritik Baruch de Spinozas (1632-77) mit dem gegenwärtigen „neuen Atheismus“, der von den sogenannten „Brights“ (R. Dawkins u. a.) gegen die Offenbarungsreligionen ins Feld geführt wird. [...] Es kann deutlich gemacht werden, dass Spinoza in einem umfassenden und keineswegs bloß entfernten Sinne als Vordenker der bright'schen Religionskritik gelten darf. Zudem drängt sich die Wahrnehmung auf, dass die „neuen Atheisten“ – trotz ihres Ausgangs bei gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Theorien – keine in einem eigentlichen Sinne neue Religionskritik formulieren, sondern lediglich jene Topoi der aufklärerischen Orthodoxie-Kritik des 17. und 18. Jahrhunderts sowie deren ethische und politisch-philosophische Implikationen variieren – ohne diese jedoch inhaltlich zu erweitern.“