Bulthaup (Unternehmen)

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Bulthaup GmbH & Co. KG
Bulthaup logo trans.png
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1949
Sitz Aich, Bodenkirchen
Leitung Marc O. Eckert
Mitarbeiter rund 530 (2012)[1]
Umsatz rund 120 Millionen Euro [1]
Branche Küchenmöbelhersteller, Vertrieb von Küchenartikeln
Website www.bulthaup.de
Stand: 12. Juni 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013

bulthaup ist ein deutscher Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Aich, einem Ortsteil von Bodenkirchen bei Landshut. Das Unternehmen beschäftigt 530 Mitarbeiter, bei einem Umsatz von etwa 120 Millionen Euro. Davon werden etwa 80% im Export erzielt.[1]

Bulthaup-Küchen sind im preislich gehobenen Sektor angesiedelt, eine besondere Betonung liegt auf dem Design.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Gründungsjahre[Bearbeiten]

Bulthaup Concept 12 (1974) – Herstellerfoto
Bulthaup Küchenwerkbank (1988) und Bulthaup System 20 Möbel – Herstellerfoto

Der aus Ostwestfalen stammende Martin Bulthaup gründete 1949 die „Martin Bulthaup Möbelfabrik“ in Bodenkirchen bei Landshut. 1951 begann er mit der Produktion von Küchenmöbeln. Erstes Produkt war ein Küchenbuffet mit handgenähten Vorhängen.[2] 1963 errichtete er ein Werk in Bodenkirchen und erweiterte die Produktionsanlagen 1966 durch einen weiteren Standort in Neumarkt-Sankt Veit. Martin Bulthaup führte die Fließbandfertigung in seinen Betrieben ein.[3]

1969 präsentierte Bulthaup die Produktlinie „Stil 75“.[4] Mit einem Umsatz von rund hundert Millionen DM zählte das Unternehmen in den späten 1960er Jahren zu den fünf größten deutschen Herstellern von Küchenmöbeln, ab 1973 begann der Export in Länder der damaligen EWG.[5]

1974 stellte Bulthaup das Küchenmodell „Concept 12" (auch: c12) vor. Dieses erlaubte durch das Rastermaß von 12 cm eine flexible Planung.[6]

1978 wurde das Unternehmen von Gerd Bulthaup, dem Sohn des Firmengründers, übernommen, und mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte in Aich/Bodenkirchen verschiedene Unternehmensbereiche zusammengefasst.

Zusammenarbeit mit Otl Aicher[Bearbeiten]

1980 begann Bulthaup die Zusammenarbeit mit dem Gestalter Otl Aicher. Nach Aichers Auffassung sollten Küchen zur gemeinsamen Zubereitung von Speisen einladen und Küchenwerkzeuge griffbereit und sichtbar aufbewahrt werden. 1982 veröffentlichte er das Buch „Die Küche zum Kochen“[7]. Im gleichen Jahr erschien das Küchenmöbelprogramm „System b“, das von den Untersuchungen Aichers inspiriert war. In weiterer Folge entstand 1988 die sogenannte „Küchenwerkbank“ (KWB), eine Kombination aus Edelstahl-Kochstelle, Spülbecken und Arbeitsfläche. Sie übernahm Gestaltungselemente der Großküche und wurde mit einigen Designpreisen ausgezeichnet.[6]

1990er Jahre[Bearbeiten]

Bulthaup System 25 mit Dunstabzug und Duktus-Möbeln (1992) – Herstellerfoto
Bulthaup System 20 (1997) – Herstellerfoto

1992 präsentierte Bulthaup das „System 25“. Durch seine modulare Struktur und mit einer Vielzahl unterschiedlicher Elemente ermöglichte es eine flexible Planung. Die Produktbezeichnung „System 25“ beruht auf dem dreidimensionalen Raster von 25x25x25 mm.[8] Unterschiedliche Fronten und Oberflächen machten es möglich, Elemente nach ihrem Zweck zu gestalten. Besonders beanspruchte Bereiche konnten in Edelstahl ausgeführt werden und zusammen mit Oberflächen aus Glas, Holz und Laminat kombiniert werden.[9] Mehrfach ausgezeichnet wurde der neu entworfene Bulthaup-Dunstabzug, welcher sich in Form und Funktion an der professionellen Küche orientierte.[10] Zusätzlich wurden auch die Sitzmöbelsysteme „Korpus“ und „Duktus“ entwickelt und angeboten.[6] 1997 wurde das mobile „System 20“ präsentiert, welches rollbare Container und frei positionierbare Elemente beinhaltete.[11] Diese waren unabhängig kombinierbar und konnten, nach Verfügbarkeit von Strom- und Wasseranschluss, auch völlig frei im Raum platziert werden.

Ab 2000[Bearbeiten]

Im Jahr 2002 zog sich Gerd Bulthaup aus der operativen Geschäftsführung des Unternehmens zurück. Nach externen Geschäftsführern übernahm im Jahr 2010 mit Marc O. Eckert wieder ein Familienmitglied die Führung des Unternehmens.[4]

Die in der Möbelproduktion eingesetzten Werkstoffe und Klebemittel wurden im Jahr 2004 von Öko-Test auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin untersucht. Dabei erhielten die Hersteller Bulthaup und Poggenpohl das Testurteil „befriedigend“.[12]

Konjunkturschwäche 2010[Bearbeiten]

Aufgrund der anhaltenden Konjunkturschwäche war das Unternehmen im März 2010 gezwungen, 114 der über 550 Beschäftigten in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu überführen oder ihnen kurzfristig zu kündigen. Nachdem bereits eine eineinhalbjährige Phase der Kurzarbeit zu Ende gegangen war, mussten die Mitarbeiter nach einer Umschulungs- und Betreuungszeit von neun Monaten aus dem Unternehmen ausscheiden, erhielten jedoch bis dahin noch 80 Prozent ihres bisherigen Nettolohnes.[13]

Produktlinien[Bearbeiten]

2014 bietet Bulthaup drei Produktlinien an, b1, b2 und b3.

bulthaup b1[Bearbeiten]

Die b1 ist eine puristisch gestaltete Küche. Türen und Auszüge sind stets grifflos ausgeführt. Der niedriger angesetzte Einstiegspreis soll vor allem eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Im Vergleich zur Bulthaup b3 ist die Auswahl an Oberflächen, Arbeitsplatten und Schränken reduziert.[6][14] Die b1 wird nicht am Stammsitz in Aich/Bodenkirchen gefertigt. Aus Kapazitätsgründen erfolgt die Produktion bei einem nicht näher bekannten süddeutschen Möbelhersteller. [15]

bulthaup b2[Bearbeiten]

Die b2 ist die Weiterentwicklung der „Küchenwerkstatt“ Otl Aichers. Sie besteht aus zwei Schränken, die Geschirr aufnehmen und Einbaugeräte wie Kühlschrank, Geschirrspüler und Backofen integrieren. Werden die Schranktüren geöffnet, so ist der gesamte Inhalt sofort zugänglich. Die „Wasserstelle“ und das Kochfeld befinden sich in der „Werkbank“. Die Innenausstattung der Schränke und die Werkbank sind modular aufgebaut.

bulthaup b3[Bearbeiten]

Charakteristikum der b3 ist eine vor die eigentliche Wand gesetzte Funktionswand als tragende Basis für Geräte und Küchenmöbel. Diese können dort frei befestigt und damit den Raumverhältnissen angepasst werden. Es entsteht der Eindruck einer schwebenden Küche. Die Multifunktionswand trägt nicht nur Küchenmöbel und Geräte. An den in der Wand verlaufenden Fugen können Messerblöcke, Papierrollenhalter und Borde eingehängt werden. Zusätzlich schaffen dort aufklappbare Funktionsboxen Stauraum. Diese lassen unmittelbaren Zugriff auf Küchenwerkzeug, Gewürze und Vorräte zu.[16] Das Bulthaup b3-System ist nicht auf die Küche beschränkt und kann als universelles Einrichtungssystem im ganzen Haus eingesetzt werden.

Möbel und Küchenartikel[Bearbeiten]

Das Sortiment der Marke Bulthaup umfasst weitere Artikel, darunter Tische, Sitzbänke, Dunstabzugshauben, Wasserhähne, Beleuchtungselemente und Accessoires für die private Küche.[17]

Gestaltungsmerkmale[Bearbeiten]

Funktion und Ergonomie bestimmen das Design der Marke Bulthaup. Ein Gestaltungselement des Unternehmens ist ein in der Mitte der Küche platzierter Arbeitstisch, der anfangs aus Holz hergestellt wurde. Aus der Idee dieses eigenständigen Vorbereitungselements zum gemeinsamen Kochen und Kommunizieren, dem Bulthaup-butcher block, entstand die Bulthaup-Küchenwerkbank, welche ganz aus Edelstahl gefertigt wurde.[18][4] Charakteristisch für die Marke ist auch der Bulthaup-Wasserhahn. Durch seine Gestaltung ist die Regelung der Wassermenge, Temperatur und Position mit nur einer Hand möglich.[19] Eine weitere Besonderheit der Marke stellt das Bulthaup b3-Interior System dar. Hier ist der Boden in den Auszügen der b3-Küche wellenförmig gestaltet. Eine Anpassung der einzelnen Fächer ist durch frei bewegliche Teiler jederzeit möglich.[20]

Vertriebsstruktur[Bearbeiten]

Bulthaup-Showroom (2014)

Bulthaup-Küchen sind ausschließlich in Bulthaup-Geschäften und bei autorisierten Händlern erhältlich. Präsentation und Verkauf erfolgen seit langer Zeit in Einmarken-Showrooms.

Weltweit gibt es rund 500 Handelspartner, die als eigenständige Partnerunternehmen geführt werden. Bulthaup hat Tochtergesellschaften in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, der Schweiz, Hongkong und den USA.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2014 Gerd Bulthaup wird vom Rat für Formgebung mit dem German Design Award in der Kategorie Personality ausgezeichnet, der jährlich an Preisträger für bedeutende Verdienste auf dem Gebiet von Gestaltung und Design verliehen wird.[4]
  • 2014 Im deutschen Luxusmarkenranking der WirtschaftsWoche belegt Bulthaup 2014 den fünften Platz unter 30 ausgewählten Unternehmen und ist damit erneut höchstplatzierter Möbelhersteller.[21]
  • 2014 Bulthaup wird von der AIT mit dem Architects Partner Award in Gold ausgezeichnet. Prämiert werden Unternehmen, die in vorbildlicher Weise mit Architekten kooperieren und ausgezeichnete Vertriebskompetenz besitzen.[22]
  • 2013 Die Bulthaup b3 Innenausstattung („bulthaup b3 Interior System“) wird vom Chicagoer Museum für Architektur und Design mit dem Good Design Award in der Kategorie Küchen/Küchengeräte ausgezeichnet.[23]
  • 2013 Die Bulthaup b3 Innenausstattung wird mit dem Wallpaper Design Award „Best Storage“ ausgezeichnet. [20]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bulthaup – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Bundesanzeiger. Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2012. In: https://www.bundesanzeiger.de. Suchbegriff: Bulthaup GmbH & Co KG (Aich, Gde. Bodenkirchen). Berlin: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. (21. Mai 2014)
  2. Finsterwalder, Frauke: Der Befreier der Kredenz. In: Welt am Sonntag. Stil. Axel Springer SE. 23. Januar 2005.
  3. o. V.: Martin Bulthaup – Pionier der Einbauküchen-Industrie. Zum 60. Geburtstag des Mannes, der unsere Wohnkultur maßgeblich mitgestaltet. In: Vilsbiburger Zeitung. 23. März 1973
  4. a b c d Kupetz, Andrej: Gerd Bulthaup – Die Freiheit im Raum In: German Design Award 2014 – Personality. Rat für Formgebung | German Design Council. Frankfurt am Main. 2014. S. 1. (23. Mai 2014)
  5. o. V.: Bulthaup hat ehrgeizige Küchenpläne. In: Süddeutsche Zeitung. Wirtschaft. Ausgabe 8. München: Süddeutsche Zeitung GmbH. 12. Januar 1972
  6. a b c d Kietzmann, Norman: Als die Werkbank die Küche eroberte. Berlin: Bau Netz Media GmbH. 2. Juni 2008. S. 1–3. (21. Mai 2014)
  7. Otl Aicher: Die Küche zum Kochen. Callwey Verlag, München 1982, ISBN 3-936896-18-6
  8. Krichbaum, Jörg (Hrsg.): bulthaup system 25. In: Deutsche Standards. Produkte und Objekte in Deutschland, die als prominenter Teil für das Ganze stehen. Namen und Begriffe, von Aspirin bis Zeiss in Bild und Wort. 7., erweiterte Ausgabe. Köln: Arcum Verlag. 1995. S. 134.
  9. Andritzky, Michael (Hrsg.): Oikos – von der Feuerstelle zur Mikrowelle. Haushalt und Wohnen im Wandel. Buch zur Ausstellung im Museum für Gestaltung. Gießen: Anabas Verlag. 1992. S. 136 ff.
  10. Hagelüken, Alexander: Ein Ästhet geht in der Küche neue Wege. Mit Designmodellen für kaufkräftige Kunden hat sich der Möbelhersteller in einer Nobel-Nische etabliert. In: Süddeutsche Zeitung. Wirtschaft. Dynastien, Außenseiter, Newcomer: Gerd Bulthaup. Ausgabe 190. München: Süddeutsche Zeitung GmbH. 1995. S. 22.
  11. Husch, Josten: „Vergesst Design!“. In: Brand Eins. Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt. Schwerpunkt: Denken. Hamburg: brand eins Verlag GmbH & Co. oHG. 2011. S. 156–159.
  12. Greenpeace Magazin: Wo bekomme ich eine ungiftige Küche?
  13. Bulthaup will 114 Stellen streichen Artikel auf http://www.innsalzach24.de vom 29. März 2010, Zugriff am 11. September 2014
  14. Geier, Freddie: Die neue Komplexität als Chance für nachhaltiges Denken in der Markenführung. In: Keuper, Frank / Kindervater, Jürgen / Dertinger, Jürgen / Heim, Andreas (Hrsg.): Das Diktat der Markenführung: 11 Thesen zur nachhaltigen Markenführung und -implementierung. Mit einem umfassenden Fallbeispiel der Loewe AG. 1. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. 2009. S. 335 ff.
  15. Süddeutsche Zeitung, 10. Januar 2008: Familienunternehmen, Steibs neue Küche
  16. Kähler, Gert: Kühlschränke, Kochinseln und andere Kultobjekte. In: Spechtenhauser, Klaus (Hrsg.): Die Küche: Lebenswelt, Nutzung, Perspektiven. Basel: Birkhäuser – Verlag für Architektur. 2006. S. 75 ff.
  17. bulthaup press.net: Produkt. In: bulthaup press.net. http://www.de.bulthaup-press.net/bulthaup/pressnet/5_9/de/home.nsf/contentview/EB1D858E65A79E28C12575060047469C. 2014. (21. Mai 2014)
  18. Godau, Marion: Produktdesign. Eine Einführung mit Beispielen aus der Praxis. Basel (CH): Birkhäuser – Verlag für Architektur. 2003. S. 40 ff.
  19. bulthaup: bulthaup technic. Mischbatterie. In: http://www.bulthaup.de/#/1AB09A7A286DB1E9C125778F00517650. (2. Juni 2014)
  20. a b Keh, Pei-ru: Best of the rest. Best storage. b3 drawer fitting system by bulthaup. Wallpaper Design Awards 2013. London. 2013. (25. Juni 2014)
  21. Hansen, Nele: Verrückter und wilder. Technische Edelprodukte wie Uhren und Autos sind die größten Gewinner beim fünften Luxusmarkenranking der WirtschaftsWoche. In: WirtschaftsWoche. Heft 03/2014. Düsseldorf: Handelsblatt GmbH. 2014. S. 52–55
  22. o. V.: Deutschlands erfolgreiche Vertriebsteams. Architects Partner Award 2013. In: http://www.ait-online.de/events/wettbewerbe/apa-2013/. AIT online. 2014. S. 2. (30. Juni 2014)
  23. Debellis, Lauren: Bulthaup Receives Good Design Award In: Interior Design. New York: Sandow Media LLC. 2013. S. 1. (26. Juni 2014)