Buna-Werke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Buna-Werke GmbH Schkopau war ein Chemieunternehmen für die polymere Kunststoffproduktion. Der Werksname BUNA leitet sich aus dem Verfahren zur Herstellung von Synthesekautschuk, die Polymerisation von Butadien mit Natrium – auch Buna genannt – ab. Das Unternehmen ist heute Teil der Dow Olefinverbund GmbH.

Firmengeschichte[Bearbeiten]

DDR-Chemiekombinat Buna (1980)
Arbeiter aus dem VEB Chemische Werke Buna (1958)

Um die Unabhängigkeit der Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschen Reich vom Import von Naturkautschuk zu erreichen, erfolgte im April 1936 unter dem Namen Buna-Werke GmbH Schkopau die Grundsteinlegung des weltweit ersten Synthesekautschukwerkes. Die Buna-Werke in Schkopau, zwischen Merseburg und Halle (Saale) gelegen, waren eine Tochtergesellschaft der zur I.G. Farben gehörenden Ammoniakwerk Merseburg GmbH (die späteren Leunawerke).

1937 begann in Schkopau die Herstellung von Synthesekautschuk. Im Werk wurden auch Polyvinylchlorid (PVC), Trichlorethen, Formaldehyd, Tetrahydrofuran, Essigsäure, Essigsäureanhydrid und Aceton produziert.

Wilhelm Biedenkopf, der Vater des späteren Politikers Kurt Biedenkopf, war zeitweise technischer Direktor der Buna-Werke.

Während des Zweiten Weltkriegs unterhielten die Buna-Werke ein Zweigwerk im damals zu Schlesien gehörenden Auschwitz (der poln. Stadt Oświęcim), in dem zahlreiche Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beschäftigt waren. Das KZ Auschwitz-Monowitz wurde von der IG Farben auf dem Gelände dieses Zweigwerkes errichtet. Auch der italienische Schriftsteller und Chemiker Primo Levi leistete dort Zwangsarbeit. Der Librettist und Schlagertexter Fritz Löhner-Beda, der im Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert worden war und am 4. Dezember desselben Jahres im Werk Auschwitz-Monowitz erschlagen wurde, schrieb dort das Buna-Lied.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Buna-Werke in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) umgewandelt. 1954 wurden die zur SAG Kautschuk gehörenden Chemischen Werke Buna in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) der DDR überführt und zum Kombinat VEB Chemische Werke Buna. Die Buna-Werke führten den Werbeslogan „Plaste und Elaste aus Schkopau“,[2] wobei Plaste für starre und Elaste für elastische Kunststoffe (synthetischer Kautschuk) steht.

Als Kombinat/VEB entwickelte sich das Werk 1958 zum größten Carbid-Produzenten der Welt. Durch die technisch veralteten Produktionsanlagen kam es zu extremer Umweltverschmutzung.

Mit 18.000 Beschäftigten war das Buna-Werk eines der fünf größten Industriekombinate der DDR. Um den Wohnraumbedarf für die Arbeiter und Angestellten der Chemischen Werke Buna und der Leuna-Werke zu decken, wurden in Halle, Merseburg und Umgebung Plattenbau-Siedlungen wie Halle-Neustadt und Halle-Silberhöhe errichtet. Sie wurden mit eigenen S-Bahn-Linien an die Werke angeschlossen.

DOW-Bogen am Werk Schkopau

Nach der Wende 1989 wurden die Buna-Werke zunächst von der Treuhandanstalt verwaltet. 1995 übernahm der amerikanische Konzern Dow Chemical große Teile der Produktionsanlagen, aber nur eine geringe Zahl an Beschäftigten. Ein Großteil der veralteten Produktionsanlagen wurde abgerissen und der Boden saniert.

Das Werk Schkopau ist seit 2004 ein Teil der Dow Olefinverbund GmbH und produziert nach modernen technischen Verfahren auf Erdölbasis.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriele Ahlefeld, Astrid Molder, Rudolf Werner: Plaste und Elaste aus Schkopau. 60 Jahre Buna-Werke. Runkel, Pinneberg 1996, ISBN 3-9803386-5-7.
  • Dirk Hackenholz: Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld 1914–1945. Ein Standort der IG-Farbenindustrie AG. LIT Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7656-X (Forschungen zur neuesten Geschichte 3), (Zugleich: Halle, Univ., Diss., 2004).
  • Werner Schrader, Werner Franke: Kleiner Wissensspeicher Plaste. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1970.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: VEB Chemische Werke Buna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Text bei Wollheim-Memorial
  2.  Birgit Wolf: Sprache in der DDR. Walter de Gruyter, 2000, ISBN 3-11-016427-2.