Kurt Biedenkopf

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Kurt Biedenkopf (2010)

Kurt Hans Biedenkopf (* 28. Januar 1930 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und Politiker der CDU. Von 1990 bis 2002 war er Ministerpräsident des Freistaates Sachsen.

Familie[Bearbeiten]

Kurt Biedenkopf mit seiner Frau Ingrid (2010)

Kurt Biedenkopf ist ein Sohn von Wilhelm Biedenkopf aus Chemnitz, technischer Direktor der Buna-Werke.

1938 zog die Familie nach Schkopau bei Merseburg, wo Kurt Biedenkopf bis 1945 das Gymnasium besuchte. Nach Kriegsende wurde die Familie nach Hessen evakuiert, wo Biedenkopf 1949 das Abitur ablegte.

Kurt Biedenkopf, der sich in seiner Freizeit für Modelleisenbahnen interessiert, hat vier Kinder – darunter Sebastian Biedenkopf – aus erster Ehe, die 1978 geschieden wurde. 1979 heiratete er die ebenfalls geschiedene Ingrid Kuhbier, Tochter von Fritz Ries.

Ausbildung und beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Kurt Biedenkopf (1973)

Von 1949 bis 1950 studierte er ein Jahr Politikwissenschaft in den USA am Davidson College, North Carolina. Danach studierte Biedenkopf Rechtswissenschaften in München und später Rechtswissenschaften und Nationalökonomie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort wurde er mit einer Arbeit über das Thema Vertragliche Wettbewerbsbeschränkung und Wirtschaftsverfassung. Die Ausschließlichkeitsbindung als Beispiel 1958 zum Doktor der Rechte promoviert.[1] 1960 legte er nach dem ersten 1955 auch das zweite juristische Staatsexamen ab. Nach einem Master of Laws (LL.M) an der Georgetown University, Washington, D.C., USA, und Studien- und Forschungsaufenthalten an der Georgetown University habilitierte er sich 1963 in Frankfurt am Main für Bürgerliches Recht, Handels-, Wirtschafts- und Arbeitsrecht. Von 1967 bis 1969 war Biedenkopf Rektor der Ruhr-Universität Bochum.

Zwischen 1968 und 1970 hatte er den Vorsitz der Kommission Mitbestimmung inne. Dieses später Biedenkopf-Kommission genannte Sachverständigen-Gremium prüfte im Auftrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die „weitere Gestaltung der Mitbestimmung“. 1972 wurde das Betriebsverfassungsgesetz und 1976 das Mitbestimmungsgesetz verabschiedet, die die betriebliche bzw. unternehmerische Mitbestimmung der Arbeitnehmerschaft in Kapitalunternehmen regelt.

Dieser Sachverständigen-Aufgabe innerhalb der Kommission Mitbestimmung folgte in den Jahren 1971 bis 1973 die Mitgliedschaft in der zentralen Geschäftsführung des Henkel-Konzerns in Düsseldorf.[2]

1990 war er kurzzeitig Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig.

Ab Oktober 2005 sollte Kurt Biedenkopf erneut einer Kommission zur Reform der Unternehmensmitbestimmung vorsitzen, die der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einsetzte, deren Abschlussbericht Biedenkopf im Dezember 2006 Bundeskanzlerin Angela Merkel übergab.[3]

Parteiämter und öffentliche Ämter[Bearbeiten]

In den siebziger Jahren galt Biedenkopf als ein enger Vertrauter des CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl. Von 1973 bis 1977 war Biedenkopf als Generalsekretär der CDU tätig und gehörte von 1976 bis 1980 dem Deutschen Bundestag an. Das Parteiamt legte er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Helmut Kohl nieder.

Von 1977 bis 1986 war er Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Westfalen-Lippe, im direkten Anschluss bis 1987 Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Als im Frühjahr 1980 der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Heinrich Köppler, drei Wochen vor dem Urnengang verstarb, übernahm Biedenkopf kurzfristig die Spitzenkandidatur der CDU, konnte sich jedoch nicht gegen Ministerpräsident Johannes Rau durchsetzen.

1984 war Biedenkopf als Kandidat für das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission gehandelt worden. Nachfolger von Gaston Thorn wurde jedoch Jacques Delors.[4]

1987 legte er den Landesvorsitz der NRW-CDU zugunsten Norbert Blüms nieder. Mit der Niederlegung des 1980 errungenen Mandats im nordrhein-westfälischen Landtag im Jahr 1988 zog er sich aus der Tagespolitik zurück.

Kurt Biedenkopf mit seiner Frau Ingrid nach der gewonnenen Landtagswahl im Oktober 1990
Kabinett Biedenkopf 1990; fünfte Person von rechts: Kurt Biedenkopf

Mit der Wiedervereinigung kehrte Biedenkopf in die Politik zurück und trat bei der sächsischen Landtagswahl am 14. Oktober 1990 erstmals als CDU-Spitzenkandidat an. Hierbei erzielte die sächsische CDU mit 53,8 Prozent die absolute Mehrheit. Biedenkopf wurde Ministerpräsident des Freistaates Sachsen und blieb es bis zum Januar 2002. Dem Landtag gehörte er bis zur Landtagswahl 2004 an. Von 1991 bis 1995 war er zusätzlich CDU-Landesvorsitzender in Sachsen.

Bei den Landtagswahlen 1994 und 1999 baute die sächsische CDU ihre absolute Mehrheit weiter aus. Vom 1. November 1999 bis zum 31. Oktober 2000 war Biedenkopf Bundesratspräsident.

Nach dem Rücktritt Wolfgang Schäubles als CDU-Vorsitzender im Februar 2000 war Biedenkopf kurzzeitig als Übergangs-Parteichef im Gespräch.

Aufgrund verstärkt auftretender Kritik an seinem Führungsstil und etlicher Affären (z. B. Paunsdorf Center-Affäre, Mietaffäre) erklärte Biedenkopf am 16. Januar 2002 seinen Rücktritt als Ministerpräsident zum 18. April 2002.

Gemeinsam mit Meinhard Miegel war Biedenkopf im Vorstand des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft e. V. in Bonn. Zusammen mit Rudolf Bahro initiierte und unterstützte er in den 90er Jahren die Entstehung des sozialökologischen Zukunftsforschungsexperiments LebensGut in Pommritz. Von 2003 bis 2006 war er Gründungspräsident der Dresden International University. Er ist Vorsitzender des Kuratoriums der Hertie School of Governance und des Senats der Deutschen Nationalstiftung, die 1993 von Helmut Schmidt gemeinsam mit ihm und weiteren Freunden gegründet wurde; ferner gehört er dem internationalen Salzburg Seminar an.

Nach der Politik[Bearbeiten]

Seit 1. Januar 2011 hat Kurt Biedenkopf eine Forschungsprofessur am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung inne. Sein Forschungsgegenstand ist die Leistungsfähigkeit europäischer Demokratien angesichts des demografischen Wandels.

Im Juli 2011 forderte er zwei Tage vor der Abstimmung den Bundesrat auf, das Gesetz zum Atomausstieg abzulehnen.[5]

Trivia[Bearbeiten]

Biedenkopf war im Dezember 1994 der erste europäische Politiker, der an einem Online-Chat teilnahm.[6]

Werke[Bearbeiten]

  • Grenzen der Tarifautonomie. Verlag C. F. Müller, Karlsruhe 1964.
  • Die Neue Soziale Frage und die Soziale Marktwirtschaft. In: Politik und Kultur. Heft 3/1976, Colloquium Verlag, Berlin, ISSN 0340-5869, S. 10 ff..
  • Zeitsignale. Parteienlandschaft im Umbruch. Bertelsmann Verlag, München 1990, ISBN 3-442-11696-1. (Goldmann Taschenbuch 11696)
  • mit Joseph Nye und Motoo Shiina: Global Competition After the Cold War. A Reassessment of Trilateralism. The Trilateral Commission, New York 1991, ISBN 0-930503-67-8.
  • Ein deutsches Tagebuch 1989–1990. Siedler Verlag, 2000.
  • Die Ausbeutung der Enkel. Plädoyer für die Rückkehr zur Vernunft. Propyläen, 2006.
  • Kurt Biedenkopf, Ralf Dahrendorf, Erich Fromm, Maik Hosang (Hrsg.), Petra Kelly u. a.: Klimawandel und Grundeinkommen. Die nicht zufällige Gleichzeitigkeit beider Themen und ein sozialökologisches Experiment. Andreas Mascha Verlag, München 2008, ISBN 978-3-924404-73-4.
  • Wir haben die Wahl. Freiheit oder Vater Staat. Propyläen Verlag, Berlin 2011 ISBN 978-3-549-07375-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bartsch: Das System Biedenkopf. Der Hof-Staat Sachsen und seine braven Untertanen oder: wie in Sachsen die Demokratie auf den Hund kam. 2002, ISBN 3-360-01029-9.
  • Ulrich Brümmer: Parteien und Wahlen in Sachsen. Kontinuität und Wandel von 1990 bis 2005. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14835-4.
  • Horst-Udo Niedenhoff: Mitbestimmung in der Bundesrepublik Deutschland. Deutscher Instituts-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-602-14245-0.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Achim Schwarze: Dünnbrettbohrer in Bonn – Aus den Dissertationen unserer Elite. Eichborn-Verlag Frankfurt/Main 1984, S. 108.
  2. Biografie Prof. Dr. Kurt Biedenkopf
  3. Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (PDF; 254 kB)
  4. Schlechte Karten. In: Der Spiegel 27/1984 vom 2. Juli 1984.
  5. CDU-Veteran Biedenkopf zerpflückt Merkels Energiewende. auf: spiegel.de 6. Juli 2011.
  6. Uly Foerster: Politik in Glotze II. Fünfzig Jahre nach ihrer Gründung geht die deutsche Demokratie ins Netz - jedenfalls ein bißchen. In: SPIEGEL SPECIAL 9/1998, S.219. Abgerufen am 21. Oktober 2014.
  7. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952. www.parlament.gv.at, 23. April 2012, abgerufen am 15. Juni 2014 (PDF; 6,9 MB).
  8. Hans-Böckler-Preis. Engagement für bessere Arbeitsbedingungen. Hans-Böckler-Stiftung, abgerufen am 15. Juni 2014.
  9. Träger des Sächsischen Verdienstordens. sachsen.de, abgerufen am 15. Juni 2014.
  10. Kurt Biedenkopf ist Ehrenbürger der Stadt Gröditz. t-online.de, 9. Dezember 2011, abgerufen am 15. Juni 2014.
  11. Ehrennadel. Oskar-Patzelt-Stiftung, abgerufen am 15. Juni 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kurt Biedenkopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien