Burg Falkenstein (Pfronten)

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Burg Falkenstein
Die Burg Falkenstein von Osten

Die Burg Falkenstein von Osten

Alternativname(n): castrum Pfronten
Entstehungszeit: 1280
Burgentyp: Höhenburg, Gipfellage
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Grafen
Bauweise: Kalkbruchstein
Ort: Pfronten
Geographische Lage 47° 34′ 12″ N, 10° 35′ 30″ O47.5710.5916666666671267.5Koordinaten: 47° 34′ 12″ N, 10° 35′ 30″ O
Höhe: 1267,5 m ü. NN
Burg Falkenstein (Pfronten) (Bayern)
Burg Falkenstein (Pfronten)

Die Burg Falkenstein ist eine hochmittelalterliche Burgruine bei Pfronten im Landkreis Ostallgäu im Südwesten von Bayern, direkt an der Grenze zu Tirol (Österreich). Die Burg Falkenstein ist die höchstgelegene Burganlage Deutschlands.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Vils in Tirol mit den Burgen Vilsegg (rechts) und Falkenstein (links)
Der Burgfelsen mit der Ruine, darunter die Mariengrotte, rechts das Burghotel
Das „Feste Haus“ von Norden
Der Falkenstein vor den Tannheimer Bergen. Blick von der Nachbarburg Hohenfreyberg
Der stark reduzierte Entwurf Georg von Dollmanns führte zur Entlassung des Architekten
Die „Raubritterburg“ des Regensburger Oberbaurats Max Schultze wäre auf dem Falkenstein wahrscheinlich realisiert worden, hätte der frühe Tod des Monarchen nicht den weiteren Ausbau des Projektes verhindert

Die Ruine der Höhenburg liegt auf dem Falkenstein (1.268 Meter) bei Pfronten im Allgäu.

Die kleine Burganlage wird wegen ihrer exponierten und außergewöhnlichen Lage von der modernen Burgenforschung als Macht- und Herrschaftssymbol, als Drohgebärde gegenüber dem Herzogtum Bayern gedeutet. Als Wehrbau und Verwaltungssitz war sie nur bedingt geeignet, weshalb der Amtssitz auch 1582 ins Tal verlegt wurde.

Man hat Aussicht auf das unterhalb liegende Vilstal und die Gipfel der Tannheimer Gruppe.

Geschichte[Bearbeiten]

Die hoch- bis spätmittelalterliche Burganlage[Bearbeiten]

Um 1270/80 erhob Graf Meinhard II. von Tirol berechtigte Ansprüche auf das Staufererbe im Ostallgäu. Als unübersehbares Herrschaftszeichen gegenüber den konkurrierenden (und letztlich siegreichen) Herzögen von Bayern befahl er 1280 die Anlage des „castrum Pfronten“ am Rande seines Herrschaftsgebietes. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahre 1290. Der heutige Name Falkenstein wurde erst im 15. Jahrhundert – wohl wegen der ungewöhnlichen Lage – gebräuchlich.

Wenig später übertrug der Tiroler die kleine Veste dem Augsburger Bischof Wolfhard, der sich in der erwähnten Urkunde zur Ausbesserung der Burg und zur Zahlung eines „Vogteizinses“ verpflichtete. Die Grafen von Tirol und die Bischöfe von Augsburg hatten gemeinsame Interessen gegenüber ihren mächtigen Nachbarn, den Herzögen von Bayern. Die Hoheitsgebiete der drei Feudalherren berührten sich hier im Füssener Gebiet, was einer der Gründe für den ungewöhnlichen Burgenreichtum dieses Landstriches ist.

Die Burg diente bis 1582 als Sitz der Augsburger Vögte oder Pfleger, welche die Anlage wegen der außergewöhnlichen Höhenlage besonders im Winter oft nicht bewohnen konnten. Man scheint sich deshalb im darunter liegenden Stallgebäude wohnlich eingerichtet zu haben. Danach verlegte man den Amtssitz ins Tal nach (Pfronten-)Ried.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1646) teilte Falkenstein das Schicksal seiner beiden Nachbarburgen Eisenberg und Hohenfreyberg. Die Tiroler Landesregierung beschloss die Aufgabe der drei Burgen, um sie dem anrückenden schwedisch-protestantischen Heer nicht intakt ausliefern zu müssen. Die Anlagen wurden geräumt und in Brand gesteckt. Allerdings änderten die Evangelischen kurz darauf ihre Marschroute, die Zerstörung war also sinnlos.

Zusammen mit dem übrigen Hochstift Augsburg gelangte auch der Falkenstein 1803 an das Königreich Bayern, das die Burg bald darauf an die Gemeinden Steinach und Ösch, heute Ortsteile von Pfronten, veräußerte.

Das geplante Schloss Ludwigs II.[Bearbeiten]

1883 von König Ludwig II. auf dem Falkenstein geplantes historistisches Schloss. Dieser erste Entwurf Christian Janks wäre weder architektonisch noch räumlich auf dem kleinen Gipfelplateau realisierbar gewesen

1883 erwarb schließlich König Ludwig II. von Bayern die Ruine, um an ihrer Stelle eine romantische Märchenburg in der Art Neuschwansteins zu errichten. Die Planung wurde anfangs dem Bühnenbildner Christian Jank übertragen, der auch die Entwürfe des Schlosses Neuschwanstein gefertigt hatte. Der erste Entwurf Janks wäre jedoch weder räumlich noch architektonisch realisierbar gewesen.

Wegen der chronischen finanziellen Probleme des Bayernkönigs reduzierte Janks Nachfolger Georg von Dollmann 1884 das Projekt drastisch und fertigte den Entwurf einer kleinen gotischen Burganlage mit einem hohen Hauptturm. Das Projekt erinnert in seiner relativ bescheidenen Konzeption an die zahlreichen schlossähnlichen Villen, die sich vor allem der neureiche Geldadel damals in den Vorstädten Europas errichten ließ. Der erboste König kündigte darauf hin den Vertrag mit Dollmann und gab den Auftrag an den Regensburger Architekten und Oberbaurat Max Schultze weiter.

1885 ließ Schultze eine Wasserleitung und einen neuen Burgweg anlegen. Sein Entwurf wäre wohl realisiert worden, da er Ludwigs Vorstellungen von einer „Raubritterburg“ am nächsten kam. Im Gegensatz zu Janks utopischer Phantasiearchitektur waren Schultzes Entwürfe technisch und räumlich auf dem Gipfel des Falkenstein umsetzbar, hätten den König aber in weitere finanzielle und politische Schwierigkeiten gebracht. Ein Ölgemälde des geplanten königlichen Schlafsaales und ein Modell des Schlosses befinden sich heute im König Ludwig II. Museum in Herrenchiemsee.

Das Schloss blieb jedoch ein Traum, da König Ludwig 1886 – zusammen mit seinem Leibarzt – im Starnberger See ertrank. Bis zu seinem Tod waren nur die Zufahrtsstraße und eine Wasserleitung fertiggestellt, dann wurden die Bauarbeiten eingestellt

Gegenwart[Bearbeiten]

Im 20. Jahrhundert wurden einige (handwerklich unzureichende) Sicherungen an der Burg ausgeführt, bereits 1897 war unterhalb das Burghotel errichtet worden. Im Zuge der jüngsten Sanierung nach der Jahrtausendwende entstand eine hölzerne Aussichtsplattform im Burginneren (Burgenregion Ostallgäu-Außerfern).

Die Burgruine ist über mehrere Wanderwege und Bergsteige aus dem Tal (ca. eine Stunde) bzw. von der „Schloßanger Alp“ (ca. 20 Min) zugänglich. Die steilen Bergpfade setzten etwas Kondition und Trittsicherheit voraus, sind aber auch von normalen Bergwanderern gut zu bewältigen. Eine gebührenpflichtige Fahrstraße ermöglicht Tagesbesuchern die Auffahrt bis kurz unter das Burghotel oder den gefahrlosen Aufstieg.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Burganlage bestand eigentlich nur aus dem „Festen Haus“, dessen Ruinenreste sich noch erhalten haben und einer schwächlichen Ringmauer. Die Wirtschaftsgebäude standen etwa 50 Meter tiefer, hier befindet sich heute das Burghotel.

Die Außenwände des rechteckigen „Festen Hauses“ (ca. 18,6 x 8,5 Meter) sind noch etwa acht Meter hoch erhalten und werden von einigen, meist halbrunden Fensteröffnungen unterbrochen. Die Ostwand stürzte 1889 nach einem Blitzschlag ein. Das Mauerwerk wurde aus dem anstehenden Kalkbruchstein des Berggipfels aufgemauert, der teilweise bereits bei der Planierung des Plateaus gewonnen werden konnte.

Ursprünglich lag hier eine große Halle über einem Erd- und einem niedrigen Zwischengeschoss. Diese Halle war über einen Hocheingang zugänglich und um 1300 nachträglich mit einem aufwändigen Kreuzgratgewölbe überspannt. Das darüber liegende Dachgeschoss enthielt wahrscheinlich die Wohnräume der Burg.

Von der Ringmauer sind nur noch geringe Reste auf der Ostseite sichtbar. Der ehemalige Bau- bzw. Wirtschaftshof lag auf dem Schlossanger (heute Schlosshotel Schloßanger Alp) westlich unterhalb der Burg.

Etwa vier Kilometer nördlich der Burg liegen die beiden anderen Tiroler Vorposten im Allgäu auf einem über 1000 Meter hohen Bergrücken. Die Burgengruppe Hohenfreyberg-Eisenberg bildet zusammen mit dem Falkenstein ein spektakuläres Burgenensemble der Burgenregion Ostallgäu-Außerfern, die ab 2004 zur Burgenregion Allgäu erweitert wurde.

Dokumentation[Bearbeiten]

Der Zustand der Burgruine im Jahr 2008/09 nach der Sanierung und dem Einbau der hölzernen Aussichtsplattform im Westteil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Leidorf, Peter Ettel, Walter Irlinger, Joachim Zeune: Burgen in Bayern - 7000 Jahre Geschichte im Luftbild. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1364-X, S. 146–147.
  • Joachim Zeune: Burgenführer Ostallgäu und Außerfern. Bergvesten und Talsperren Burgenregion Ostallgäu-Außerfern. Tourismusverband Ostallgäu, Marktoberdorf 1998, S. 22 f.
  • Joachim Zeune: Die Burg Falkenstein aus Sicht der modernen Burgenforschung. In: Rund um den Falkenstein. Band 3, Heft 2, 1998, ZDB-ID 1486315-7, S. 37–49.
  • Toni Nessler: Burgen im Allgäu, Band 2: Burgruinen im Westallgäu und im angrenzenden Vorarlberg, im württembergischen Allgäu, im nördlichen Allgäu um Memmingen, im nordöstlichen Allgäu um Kaufbeuren und Obergünzburg sowie im östlichen Allgäu und im angrenzenden Tirol. 1. Ausgabe. Allgäuer Zeitungsverlag, Kempten 1985, ISBN 3-88006-115-7, S. 243–251.
  • Rolf Linnenkamp: Die Schlösser und Projekte Ludwigs II. (Heyne Stilkunde 10 = Heyne Bücher 4541). Heyne, München 1977, ISBN 3-453-41231-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Falkenstein (Pfronten) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Burgruine Falkenstein auf der Homepage des Hauses der Bayerischen Geschichte (Pläne, Geschichte, Baugeschichte, Baubestand)
  • BILD.de vom 6. Januar 2014 Burg Falkenstein: Bayerns Märchenkönig nahm sich für den Bergfried den "Eschenheimer Turm" der Frankfurter Stadtbefestigung zum Vorbild