Starnberger See

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Starnberger See
Der Starnberger See mit anliegenden Ortschaften
Der Starnberger See mit anliegenden Ortschaften
Geografische Lage: bayer. Alpenvorland
Zuflüsse: Ostersee-Ach, Bäche, unterirdische Zuflüsse
Abfluss: Würm
Inseln: Roseninsel (Insel Wörth)
Orte am Ufer: Starnberg, Berg, Münsing (mit Ortsteil Ammerland), Seeshaupt, Bernried, Tutzing, Feldafing, Pöcking (mit Ortsteil Possenhofen)
Größere Orte in der Nähe: München (25 km)
Daten
Koordinaten 47° 55′ N, 11° 19′ O47.91666666666711.316666666667584Koordinaten: 47° 55′ N, 11° 19′ O
Starnberger See (Bayern)
DEC
Starnberger See
Höhe über Meeresspiegel 584 m
Fläche 56,36 km²
Seelänge 19,450 km
Seebreite 4,675 km
Volumen 2,99892 km³dep1
Umfang 46 km
Maximale Tiefe 127,7 m
Mittlere Tiefe 53,2 m
pH-Wert 8,0dep1
Einzugsgebiet 314 km²
Besonderheiten einer der wasserreichsten und tiefsten Seen Deutschlands
monomiktisch

Der Starnberger See ist ein See in Bayern, 25 km südwestlich von München. Der See ist nach dem Bodensee, der Müritz, dem Chiemsee und dem Schweriner See der fünftgrößte See Deutschlands, auf Grund seiner großen Durchschnittstiefe jedoch der zweitwasserreichste. Das Gebiet des Starnberger Sees ist ein Gemeindefreies Gebiet im Landkreis Starnberg.

Über Bayern hinaus bekannt geworden ist der See auch durch den skandalumwitterten Tod König Ludwigs II. 1886 durch Ertrinken in Berg. An dieses Ereignis erinnern noch heute eine Votivkapelle und ein Holzkreuz im See nahe der Unfallstelle.

Seit 1976 zählt der Starnberger See zu den durch die Ramsar-Konvention geschützten Feuchtgebieten mit internationaler Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Folgende Gemeinden haben Anteil am Seeufer (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden):

  1. Starnberg (Norden, Landkreis Starnberg)
  2. Berg (Nordosten, Landkreis Starnberg)
  3. Münsing (Südosten, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen)
  4. Seeshaupt (Süden, Landkreis Weilheim-Schongau)
  5. Bernried (Südwesten, Landkreis Weilheim-Schongau)
  6. Tutzing (Westen, Landkreis Starnberg)
  7. Feldafing (Nordwesten, Landkreis Starnberg)
  8. Pöcking (Nordwesten, Landkreis Starnberg)

Vor dem westlichen Ufer, südlich von Possenhofen liegt eine kleine Insel, die Roseninsel.

Name

Ursprünglich wurde der See Wirmsee genannt, so bereits in einer frühen Quelle aus der Zeit Kaiser Ludwig des Bayern (1314 - 1347) [1]. Der Name leitet sich ab von dem Fluss Wirm (heute Würm), der bei Starnberg als einziger Fluss aus dem See fließt. In der hochdeutschen Schreibweise wandelte sich der Name des Sees zusammen mit dem des Flusses im 19. Jahrhundert zu Würmsee. Erst seit 1962 heißt der See offiziell Starnberger See, diese Bezeichnung begann sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr durchzusetzen, als der See durch den Bau einer Eisenbahnlinie vom ehemaligen „Starnberger Flügelbahnhof“ im Hauptbahnhof München aus nach Starnberg für eine große Zahl von Städtern als Ausflugsziel erreichbar wurde. Der Starnberger See trägt auch den Beinamen Fürstensee.

Geomorphologie

Das Seebecken wurde während der Eiszeiten durch den Isar-Loisach-Gletscher ausgeschoben. Während der letzten, der Würmeiszeit, reichte der Gletscher, von Süden kommend bis an das Nordende des Sees, so dass dabei das Seebecken in seiner heutigen Form ausgeschürft wurde. Wichtig für die Erhaltung des Seebeckens war die Tatsache, das beim Rückschmelzen des Gletschers der allergrößte Teil der Schmelzwässer den heutigen Flussläufen der Loisach und der Isar folgte, so dass das Gebiet des Starnberger Sees kaum verschüttet wurde. Am Ende der letzten Eiszeit formte das letzte ablaufende Schmelzwasser das Würmtal. Auf den umgebenden Seiten- und Endmoränen liegen zahlreiche gute Aussichtspunkte wie die Ilkahöhe in Tutzing oder der Bismarckturm bei Assenhausen.

Hydrogeologie

im Vordergrund die abfließende Würm, Blick von Starnberg in Richtung Süden

Auf Grund seiner Größe kühlt der See nur langsam ab und erwärmt sich ebenso langsam, daher durchmischt er sich wie der Bodensee nur einmal jährlich im Frühjahr, man bezeichnet solche Seentypen als monomiktisch. Er verfügt über keinen alpinen Zufluss, was angesichts seiner geographischen Lage erstaunlich, aber durch die Höhenlage zu erklären ist, und speist sich lediglich aus mehreren eher kleineren oberflächigen Fließgewässern und wenigen unterirdischen Quellen. Sein Einzugsgebiet hat eine Fläche von 314 km².

Die größten Wassermengen erhält der Starnberger See über die Ostersee-Ach im Süden, in die 500 m vor der Mündung noch der Bodenbach fließt. 500 m weiter östlich mündet der Singerbach. Im Norden münden der Georgenbach (Maisinger Bach, 450 m westlich des Würm-Abflusses) und der Lüßbach (170 m östlich des Würm-Abflusses) ein. Am Westufer ist der Rötlbach (südlich von Tutzing, in den Karpfenwinkel mündend) der bedeutendste Zufluss. Weitere Zuflüsse im Westen sind Starzenbach (bei Pöcking), Martelsgraben (Kalkgraben) in Tutzing, und Seeseitenbach (1500 m nördlich von Seeshaupt). Im Osten münden Grenzgraben (bei Ambach), sowie Eichgraben und Straßgraben weiter südlich. Weiter unbedeutende Zuflüsse sind meist unbenannt.

Wegen der wenigen Zuflüsse dauert es rund 21 Jahre, bis der See sein Wasser einmal komplett austauscht, auch zeigt er mit seinem kleinen Einzugsgebiet von rund 314 km² nur geringfügige Seespiegelschwankungen. Während die starken alpinen Zuflüsse zum Beispiel am benachbarten Ammersee oder am Chiemsee den Wasserspiegel um bis zu drei Meter schwanken lassen, liegt die Schwankung am Starnberger See mit maximal 1,3 Metern deutlich niedriger. Der höchste bisher gemessene Seespiegel trat im Juni 1965 auf. An Pfingsten 1999 ließ ein mehrtägiger Dauerregen mit einem Tagesniederschlag, wie er statistisch seltener als ein Mal in hundert Jahren erscheint, den Pegel in nur 36 Stunden um 40 Zentimeter steigen, dabei wurden rund 14 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert. Der See ist als „ungeregelter Speicher“ in der Lage, große Wassermassen zurückzuhalten und bewahrt so die Würmtalgemeinden vor extremem Hochwasser. Der langsame Wasseraustausch des derzeit mesotrophen Sees macht ihn andererseits besonders anfällig für Belastungen. Seit den 1960er Jahren werden die Abwässer der Anliegergemeinden über Ringkanäle vom See fern gehalten, so dass sich die Nährstoffbelastung und die Wasserqualität im Langzeittrend deutlich verbessert hat. Heute ist der See einer der fünf saubersten größeren Seen in Bayern, er weist eine hohe Transparenz und geringe Algenentwicklung auf.

Klima

Unwettervorhersagen treffen bei diesem See wegen seiner besonderen Lage oft nicht zu.

Panorama mit Alpen, zwischen Leoni und Possenhofen (Blick nach Süden)

Fischerei

Blick von einem Boot auf Höhe Leoni gegen Süden auf die Alpenkette

So alt wie die Siedlungsgeschichte des Seegebietes, etwa 30.000 Jahre, ist auch die Geschichte der Fischerei am und im Starnberger See. Bei einer der ältesten Siedlungsstätten der Gegend, auf der Roseninsel, wurde bei archäologischen Grabungen ein bronzener Angelhaken entdeckt. Ebenfalls bei der Roseninsel barg man 1989 einen Einbaum aus dem 8. oder 9. Jahrhundert v. Christus. Angeln und Fischen mit Netz sowohl als Sport wie zum Nahrungserwerb werden am Starnberger See privat wie gewerblich bis heute betrieben. Die besten Fischfanggründe liegen um die unterseeischen Erhebungen und Berge. Die meisten ansässigen Fischer verbindet eine lange Familientradition mit ihrem Beruf. Sie wohnen häufig noch in den historischen Höfen entlang des Ufers, die in manchen Fällen die überlieferten Zunftzeichen mit dem Jahr der Aufnahme in die Zunft tragen.

Während die früheren Siedler nach Bedarf frei fischen konnten, ließen die bajuwarischen Adelshäuser ab etwa 1.000 n. Chr. die Fischerei durch Leibeigene gegen Abgaben betreiben. Später traten die bayrischen Herzöge die Fischrechte an Landherren oder Klöster ab. Die Fische der bayrischen Seen waren in den besseren Häusern neben Wild die bevorzugte Speise. Am wenigsten hatten die Fischer selbst von diesem System, in dem sie ihre harte und manchmal gefährliche Arbeit nicht immer gut ernährte.

Gängig war die Unterteilung der Fische in „edle“, „geringere“ und „letztes Fischwerk“. Renke, Seeforelle und Seesaibling galten als edlere Arten, Brachse, Hecht, Karpfen, Rutte und Waller als geringere. Renken und Hechte wurden lange Zeit als „Brotfische“ des Sees geschätzt, wegen ihres häufigen Vorkommens waren sie ein verbreitetes Hauptnahrungsmittel. Der Bestand an Hechten wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch eine Hechtpest derart dezimiert, dass er sich bis heute nicht regenerieren konnte. Saiblinge waren als besondere Delikatesse derart begehrt, dass Fangbücher eingeführt wurden.

Literatur

  • Am Starnberger See und die Würm entlang. Dachau 1995, ISBN 3-89251-202-7.
  • Martinus Fesq-Martin, Amei Lang, Michael Peters (Hrsg.): Der Starnberger See - Natur und Vorgeschichte einer bayerischen Landschaft. München 2008, ISBN 978-3-89937-090-4.
  • A. Link: Der Starnberger See und seine Umgebung vom Würmtal bis zum Alpenrand. Gauting-Buchendorf 1982, ISBN 3-923657-06-4.
  • Susanne Westendorf: Das Starnberger-SeeBuch - eine Tour um den See, kleiner Führer. München, 1995. ISBN 3-00-000232-4.
  • Lorenz von Westenrieder: Beschreibung des Wurm- oder Starenbergersees und der umherliegenden Schlößer, samt einer Landkarte. (Bayerland Reprint, Nachdruck der Reisebeschreibung von 1783). Bayerland, Dachau 2006, ISBN 3-89251-367-8; erschienen mit ISBN 978-3-89251-3671-4 (formal falsche ISBN).

Quellen

  1. Bayerische Staatsbibliothek: Regesten Kaiser Ludwigs des Bayern - Die Urkunden aus Klöstern und Stiftsarchiven im Bayer. Hauptstaatsarchiv und in der Bayer. Staatsbibliothek hg. Menzel, 1996 S. 289

Siehe auch

Weblinks

Commons Commons: Starnberger See – Bilder, Videos und Audiodateien
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