Candide Preis

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Der Candide Preis ist ein deutscher Literaturpreis, der im Jahre 2004 vom Literarischen Verein Minden e. V. begründet wurde und bis zur Preisverleihung 2011 in der ostwestfälischen Stadt Minden verliehen wurde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Auszeichnung war 2004 vom Literarischen Verein e. V. Minden als alleinigem Träger gestiftet worden. Sie ist benannt nach Voltaires Roman Candide. Im Vorspruch zur zweiten Auflage dieses Romans erwähnt Voltaire, dass der fiktive Verfasser 1759 in Minden bei der Schlacht bei Minden starb. Sie war die erste entscheidende Niederlage des französischen Königreichs gegen Großbritannien. In dieser Auseinandersetzung verlor Frankreich seine Vormachtstellung in der Welt an England. Voltaire führte die schmachvolle Niederlage Frankreichs in der Schlacht bei Minden auf die verkommene Moral der Franzosen zurück. Ihr entsprach die tatsächliche Gefahr eines Bankrotts des ehedem so glanzvollen Königreiches. Offensichtlich hat Voltaire zwei Jahre nach der Schlacht ihre weltpolitische Bedeutung erkannt. Der Roman Candide schildert drastisch die abgesunkene französische Kultur.

Dieser „Abenteuerroman voller Witz vor dem Hintergrund einer Welt voller Ungerechtigkeit und Schrecken (ist) gleichzeitig eine philosophische Auseinandersetzung“, erläutert der Literarische Verein Minden den Zusammenhang mit dem Namen der Auszeichnung. Gilles Deleuze habe in diesem Werk, das 1762 auf den Index gesetzt wurde, die Ablösung des theologischen durch das humane Weltverständnis gesehen.

Politische Auseinandersetzung um die Preisvergabe 2011[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 sollte das Preisgeld von der Buchbindemaschinenhersteller Kolbus aus Rahden gestiftet werden. Nachdem Peter Handke als Preisträger ausgewählt wurde, zog die Firma Kolbus aufgrund Handkes Haltung zu Serbien das Preisgeld zurück, da sie eine Auswirkung auf interne Geschäftsbeziehungen befürchtete.[1] Kritiker werfen Handke eine Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen vor.[2] Der Preis wurde Handke daher als ideelle Auszeichnung zuerkannt.[3] Die feierliche Übergabe des Preises fand nicht statt, da sich Handke weigerte unter diesen Umständen nach Minden zu kommen.[3]

Der Jury des Literarischen Verein Minden gehörten zu diesem Zeitpunkt neben dem Vorsitzenden Gerd Voswinkel der Vorsitzenden des Literarischen Verein Minden Michael Scholz, der Schriftstellerin Katja Lange-Müller, dem Literaturkritiker Richard Kämmerlings und Franziska Augstein, der Tochter des ehemaligen Spiegel Herausgebers Rudolf Augstein und Feuilletonistin der Süddeutschen Zeitung an.[1] Der Vorsitzende der Jury Gerhard Vohswinkel trat nach der Ablehnung des Preisgeldes durch Kolbus aus dem Literarischen Verein Minden aus.[4]

Preisträger Candide Preis[Bearbeiten]

Geschichte des Preises[Bearbeiten]

Stadtschreiber von Minden[Bearbeiten]

Der Candide Preis ging hervor aus dem ursprünglich vom Literarischen Verein Minden e. V. und der Stadt Minden 1995 ins Leben gerufenen Stadtschreiber-Stipendium. Die Stadt zog sich jedoch 2004 aus der Finanzierung der Stadtschreiberwohnung und der jährlich stattfindenden Stadtschreibertage zurück.[5]

Mindener Stadtschreiber-Stipendiaten[Bearbeiten]

Der Candide Preis[Bearbeiten]

Die Preissumme in Höhe von 7.500 Euro wurde bis 2006 von Mäzenen bereitgestellt. Seit der Verleihung 2007 wurde das Preisgeld auf 15.000 Euro verdoppelt. Ermöglicht wurde dies durch die Förderung aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

2008 wurde der Candide-Preis in einen gemeinsamen deutsch-französischen Literaturpreis umgewandelt, den auf deutscher Seite der Literarische Verein Minden zusammen mit der Stiftung Genshagen mit Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vergab. Der französische Partner war die Villa Gillet in Lyon; der Preis wurde ebenfalls vom französischen Kulturministerium (Ministère de la culture et de la communication) finanziert. Es wurden jeweils ein deutscher und ein französischer Autor oder eine Autorin ausgezeichnet. Die Dotierung wurde unter den Preisträgern aufgeteilt.

Seit 2010 wurde der Candide-Preis wieder als rein deutscher Literaturpreis und nur von dem Literarischen Verein Minden vergeben. Ausgezeichnet wurde ein deutschsprachiger Autor oder eine Autorin.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b KARSTEN SCHULZ UND CARMEN PFÖRTNER: Immer Ärger mit Handke. Neue Westfälische, 22. September 2011, abgerufen am 14. Mai 2013.
  2. Carolin Emcke: „Versuch über das geglückte Kriegsverbrechen“, Spiegel Online, 4. Juni 2006.
  3. a b ZEIT ONLINE, dpa: Candide-Literaturpreis: Sponsor zieht Preisgeld für Handke zurück. ZEIT ONLINE, 21. September 2011, abgerufen am 14. Mai 2013.
  4. CARMEN PFÖRTNER: Neuer Streit um Candide Preis. Neue Westfälische, 5. Oktober 2011, abgerufen am 14. Mai 2013.
  5. Candide Preis auf kulturpreise.deabgerufen am. Dezember 2011.

52.31435833333313.318230555556Koordinaten: 52° 18′ 52″ N, 13° 19′ 6″ O