Rahden

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Dieser Artikel behandelt die nordrhein-westfälische Stadt; zu weiteren gleichnamigen Orten siehe Rahden (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rahden
Rahden
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rahden hervorgehoben
52.4327777777788.613333333333339Koordinaten: 52° 26′ N, 8° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Minden-Lübbecke
Höhe: 39 m ü. NHN
Fläche: 137,48 km²
Einwohner: 15.509 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner je km²
Postleitzahl: 32369
Vorwahlen: 05771, 05776 (Preußisch Ströhen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MI
Gemeindeschlüssel: 05 7 70 040
Stadtgliederung: 7 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Lange Straße 9
32369 Rahden
Webpräsenz: www.rahden.de
Bürgermeister: Bernd Hachmann (CDU)
Lage der Stadt Rahden im Kreis Minden-Lübbecke
Minden Hüllhorst Espelkamp Bad Oeynhausen Lübbecke Rahden Petershagen Preußisch Oldendorf Porta Westfalica Hille Stemwede Nordrhein-Westfalen Niedersachsen Niedersachsen Kreis Herford Kreis Lippe Niedersachsen NiedersachsenKarte
Über dieses Bild

Rahden Zum Anhören bitte klicken! [ˈʀadn]a a (niederdeutsch Roh’n) ist eine Stadt im äußersten Norden von Nordrhein-Westfalen zwischen Bielefeld und Bremen sowie zwischen Hannover und Osnabrück. Es gehört zum Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen-Lippe (Regierungsbezirk Detmold).

Im Jahr 1033 wurde Rahden erstmals erwähnt und war von 1816 bis 1831 Kreisstadt des ehemaligen Kreises Rahden.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Rahden liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens und im Norden des Kreises Minden-Lübbecke. Im Norden des Stadtgebiets liegt der NRW-Nordpunkt – der nördlichste Punkt des Landes. Naturräumlich liegt das Stadtgebiet in der Norddeutschen Tiefebene bzw. in der Dümmer-Geestniederung. Markante Erhebungen gibt es kaum. Der höchste „Berg“ ist das Hohe Feld in der Kernstadt mit rund 59,1 m ü. NN. Das Stadtgebiet liegt mehrheitlich zwischen minimal 37 m ü. NN und 45 m ü. NN. Naturräumlich liegt das Gebiet ferner zum Teil in der Rahden-Diepenauer Geest und im Norden bereits in einem Teilraum der Diepholzer Moorniederung. Hier reicht Rahden bis fast an das Oppenweher Moor. Kulturräumlich gehört das Stadtgebiet zum Mindener Land.

Die meisten Gewässer im Gemeindegebiet sind Entwässerungskanäle, die das Gebiet in regelmäßigen Abständen entwässern. Sie wurden künstlich angelegt und bilden oft kein klassisches Flusssystem aus Haupt- und Nebenflüssen, das sich aus der Fließrichtung ergibt. Einer dieser Gräben ist der Tielger Bruchgraben, der von Oppenweher Moor kommend in die von Süden kommende Große Aue entwässert. Der Wesernebenfluss Große Aue durchfließt das Stadtgebiet von Süden kommend Richtung Nordosten. Von Westen her kommend vereinigt sich der Große Dieckfluss auf dem Stadtgebiet mit der Großen Aue. Die östliche Stadtgrenze zu Niedersachsen bilden der Weberbach und in Verlängerung der Große Aue-Nebenfluss Wickriede.

Die nächstgelegenen Großstädte sind Bielefeld (40 Kilometer südwestlich gelegen), Osnabrück (45 Kilometer westlich), Bremen (71 Kilometer nordöstlich) und Hannover (75 Kilometer südöstlich).

Siehe auch: Naturräume in OWL, Gewässer in OWL

Geologie[Bearbeiten]

Geothermische Karte von Rahden
Großer Stein von Tonnenheide

Das Gebiet ist geologisch relativ einheitlich aufgebaut. Die meisten Teile bestehen aus Gesteinen aus dem Quartär. Einzelne Hügel sind aus Schichten der obersten Kreide aufgebaut. Teilweise wurden in der Eiszeit Findlinge in das Gebiet eingetragen, so zum Beispiel der „Große Stein“ von Tonnenheide. Die Böden bestehen ganz überwiegend aus Geestböden. Sie sind sandig und nur wenig fruchtbar. In den Moorniederungen im Norden ist das Gebiet meist nur extensiv nutzbar.

Rahden eignet sich weitgehend gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und Wärmegewinnung durch Wärmepumpen (vgl. dazu die nebenstehende Karte).[2]

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Der niedrigste Punkt des rund 137 Quadratkilometern großen Stadtgebiets liegt bei rund 37 m ü. NN im Nordwesten der Gemeinde. In der Kernstadt erreicht das Gelände eine Höhe von 59,1 m ü. NN. Die maximale Nordsüdausdehnung beträgt rund 16 km, die maximale West-Ost-Distanz beträgt rund 11 km.

Rahden ist eine im Kreis- und Landesvergleich äußerst waldarme, dünn besiedelte und relativ stark von landschaftlicher Nutzung geprägte Gemeinde. Einziges größeres Waldgebiet ist der Osterwald bei Tonnenheide, ehemals Teil des Truppenübungsplatzes Wickriede im Südwesten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die genauen Flächenanteile der Nutzungsarten:

Fläche
nach Nutzungsart
Landwirt-
schaftsfläche
Wald-
fläche
Siedlungs-
und Verkehrsfläche
Wasser-
fläche
sonstige
Nutzung
Fläche in ha 10.857 733 1.706 426 13
Anteil an Gesamtfläche 79 % 5,3 % 12,4 % 3,1 % 0,1 %

Quelle: LDS[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbarkommunen von Rahden sind im Uhrzeigersinn: Die Stadt Espelkamp im Süden und die Gemeinde Stemwede im Westen (beide Kreis Minden-Lübbecke). Im Norden grenzt Rahden an die niedersächsische Gemeinde Wagenfeld, im Osten an den niedersächsischen Flecken Diepenau in der Samtgemeinde Uchte.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Seit der Gebietsreform 1973 gehören gemäß § 3 der Hauptsatzung[4] folgende Ortschaften zur Stadt:

Ortschaft Einwohner1 Stadtgliederung
Stadtgliederung von Rahden
Rahden 4543
Kleinendorf 4293
Varl 1582
Sielhorst 767
Preußisch Ströhen 1932
Wehe 1677
Tonnenheide 1638

1Stand: Januar 2012[5]

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Rahden-Varl

Das Klima in Rahden wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Norddeutschen Tiefebene bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Es überwiegen westliche und südwestliche Winde, die Niederschläge mit sich führen. Die Jahresniederschlagsmenge liegt im langjährigen Mittel bei 688 mm. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei rund 9,3 °C. Damit gehört Stadt zu den trockensten und wärmsten Gebieten Ostwestfalens.[6][7] Am 20. August 2009, dem wärmsten Tag dieses Jahres in Deutschland, wurde an der Wetterstation in Rahden-Varl mit 37,8 °C die höchste Temperatur in Deutschland des Jahres 2009 erreicht.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Bodenfunde zeigen, dass das heutige Stadtgebiet bereits vor 10.000–12.000 Jahren in der mittleren Steinzeit auf der Rahdener Geest besiedelt war. Die Geest lag als erhöhte Bodenschwelle inmitten sumpfiger Niederungen und feuchter Gebiete und bot sich damit als Siedlungsort an. Reste von Großsteingräbern in Varl („Hohe Steine“) und das Hünengrab im Steinkämper Feld bezeugen diese früheste Besiedlung des heutigen Stadtgebiets. Weiterhin deuten Hügelgräber in Wehe (erhalten) und Tonnenheide (Bodendenkmal) mit umfangreichen Grabbeigaben wie Ascheurnen, Bronzeschmuck und ein Schwert auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin.

Unter bischöflicher Herrschaft[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung Rahdens datiert aus dem Jahr 1033. In einer Urkunde Kaiser Konrads II. bestätigt der Kaiser eine Hufe in Rodun als Besitz des Stifts St. Martini in Minden. Der Name Rodun leitet sich wohl von den Rodungen der Wälder ab. Schon früh steht das Gebiet um Rahden damit wie das gesamte Mindener Land unter dem Einfluss des Bistums Minden bzw. dessen säkularer Herrschaft Fürstbistum Minden.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand in Kleinendorf durch die Bischöfe von Minden eine Burg. An dieser strategisch wichtigen Furt über die Aue sicherte die Burg Rahden mehrere hier sich kreuzende Handelswege. Die Wasserburg war zunächst der bischöflichen Drosten und später der brandenburgisch-preußischen Amtmänner und Beamten der königlichen Domänenverwaltung.

1353 stiftet Bischof und gleichzeitig Graf von Schaumburg Gerhard I. die St. Johannis-Kirche Rahden. Sie wird Ausgangspunkt der Siedlung und des heutigen Hauptortes Rahden. Die Kirche auf dem Sandbrink ist ein Nachfolger einer alten Klus (Kapelle), die im Bereich des heutigen Westerfelds gestanden haben muss. 1572 wird der Markt von Rahden erstmals erwähnt. Ebenfalls 1572 werden die Orte Kleinendorf, Varl, Sielhorst, Preußisch Ströhen, Wehe und Tonnenheide erstmals genannt.

Das preußische Rahden[Bearbeiten]

1648 fällt das Hochstift Minden nach dem Westfälischen Frieden als säkularisiertes Fürstentum Minden an Brandenburg-Preußen. Die Burg Rahden bleibt Sitz eines Amtmannes. Das Amt Rahden umfasste den nordwestlichen Teil des Fürstentums. Das entspricht in etwa den heutigen Kommunen Stemwede und Rahden. 1719 werden die Fürstentümer Minden und die Grafschaft Ravensberg unter formaler Beibehaltung ihrer Integrität zum Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg zusammengefasst.

Ab 1772 trägt u. a. der Bau des Neuen Kanals – einem Seitenkanal der Großen Aue – dazu bei, dass die überwiegend sumpfig-nassen und überwiegend sandigen Böden landwirtschaftlich in größerem Umfang nutzbar werden. Der Bau der Entwässerungsanlagen entlang der Aue, dem Großen Dieckfluss und der Wickriede dauerte rund 100 Jahre. Mit Beginn dieser Maßnahmen werden durch die preußischen Landreformen im Rahdener Gebiet die gemeinen Marken geteilt.

Im Winter 1878/79 brannte die Burg (das sogenannte „Schloss“) letztmals ab. Ein Teil der verbliebenen Außenmauern bildt die heutige Ruine.

Die napoleonische Zeit[Bearbeiten]

1806 fällt das Gebiet um Rahden an Napoleon und wird 1807 Teil des französischen Vasallenstaates Königreich Westphalen. Rahden ist zunächst Kantonsort im Departement der Weser (Distrikt Minden). Zwischen 1811 und 1813 wird das Gebiet Teil unmittelbarer Teil des Kaiserreichs Frankreich. Rahden bleibt aber Kantonsort im Distrikt Minden, der fast vollständig zum neu errichteten Département de l’Ems-Supérieur geschlagen wurde. Nach der Rückeroberung durch Preußen gehörte Rahden ab 1813 bis zur Gründung der preußischen Provinz Westfalen provisorisch zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein.

Die Industrialisierung[Bearbeiten]

Die Preußen förderten in Minden-Ravensberg die Flachsverarbeitung und so erblühte auch in Rahden im 18. Jahrhundert die Textilverarbeitung in proto-industrialistischerer Arbeitsteilung. Im Rahdener Gebiet standen über 1000 Webstühle, die den Löwendleinen verarbeiteten. Durch die Rahdener Legge liefen zeitweise 500.000 Ellen-Leinen. Dennoch setzte die Industrialisierung in Rahden zunächst nicht durchdringend ein, so dass die ärmere bäuerliche Bevölkerung als „Rahdener Kiepenkerle“ im Winter in ganz Minden-Ravensberg ihre handgemachte Waren wie Holzschnitzereien anboten. Im 19. Jahrhundert wurden diese Formen bäuerlicher Hausarbeit jedoch durch die zunehmend aufkommenden Industrieprodukte verdrängt. Auch die nun weitgehend vollständig industriell organisierte Textilproduktion fand zunehmend in den industriellen Zentren Minden-Ravensbergs statt und litt unter erheblicher Konkurrenz durch die stärker technologisierten ausländischen Spinnereien und Webereien. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sehen sich viele Rahdener dadurch dazu gezwungen, beispielsweise nach Amerika auszuwandern oder sich als Hollandgänger zu verdingen. Erst mit dem Bau der Ravensberger Bahn 1899 von Bünde nach Bassum wird Rahden an die Hauptstrecken der Köln-Mindener Eisenbahn angebunden, 1910 folgt die Strecke nach Uchte. Dadurch wurde in Rahden die Grundlage für eine weitere industrielle Entwicklung geschaffen. Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte Rahden sich zu einer „Eisenbahnerstadt“.

Nach der Franzosenzeit[Bearbeiten]

Bereits 1816 hatte der Staat Preußen nach Rückeroberung seiner Westgebiete seine Verwaltungsstrukturen grundlegend modernisiert. 1816 wurde Rahden Kreisstadt des neuen Kreises Rahden, der im Wesentlichen dem westlichen Teil des nicht mehr rekonstruierten Fürstentums Minden entsprach. Außerdem bestand weiterhin das Amt Rahden, das aus den Gemeinden Großendorf (mit Flecken Rahden), Kleinendorf, Sielhorst, Ströhen, Tonnenheide, Varl und Wehe bestand. Bereits 1832 wurde der leicht vergrößerte Kreis Rahden zum Kreis Lübbecke und der Kreissitz wurde ins ohnehin weitaus größere Lübbecke verlegt. Während der Märzrevolution 1848 kam es zu „Tumulten“ in Rahden und Levern, so dass der Landrat Militär anforderte, das aber mangels Truppen dort nicht zum Einsatz kam.[9] Am 1. April 1910 wurden dann Espelkamp durch Ausgliederung aus Großendorf gebildet und die verbliebene Gemeinde in Rahden umbenannt.[10]

In der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Seit der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen ist der Rahdener Ortsteil Preußisch Ströhen die nördlichste Ortschaft des Landes.

Durch die große Gebietsreform zum 1. Januar 1973 wurde der Kreis Lübbecke mit dem Kreis Minden vereinigt; dabei wurden die kommunalen Grenzen deutlich verändert. Rahden erhielt seinen heutigen territorialen Zuschnitt, indem zum 1. Januar 1973 die heutigen Ortsteile und damaligen selbständigen Gemeinden des Amtes Rahden zur Stadt Rahden zusammengefasst wurden. Der südliche Teil von Tonnenheide fiel dabei als Ortsteil Schmalge an Espelkamp. Ein kleiner Teil des jetzt zur Gemeinde Stemwede gehörenden Ortsteils und der damaligen selbständigen Gemeinde Oppenwehe wurde hingegen der neuen Kommune Rahden zugeordnet. Mit der Kommunalreform erhielt Rahden die Stadtrechte.

Seit 1994 ist Rahden Endpunkt der sogenannten „Ravensberger Bahn“ Bielefeld-Herford-Bünde-Lübbecke-Rahden, da die weitere, nach Norden führende Teilstrecke nach Sulingen-Bassum(-Bremen) zu diesem Zeitpunkt stillgelegt wurde. Der Personenverkehr auf der Strecke Rahden-Uchte-Nienburg wurde bereits 1968 eingestellt. Auf deren Teilstück Rahden-Uchte finden vornehmlich an einigen Tagen im Sommerhalbjahr Fahrten einer Museumseisenbahn statt.

Religionen[Bearbeiten]

Immanuel-Kirche in Preußisch Ströhen
Gedenkstein für die ehemalige jüdische Gemeinde

Die Bevölkerung ist ganz überwiegend evangelisch-lutherisch, nachdem im Fürstbistum Minden nach 1530 in dessen einzelnen Kirchengemeinden zu unterschiedlichen, oft nicht genau zu bestimmenden Zeitpunkten die evangelische Lehre angenommen wurde. 1648 wurde das Fürstbistum säkularisiert und als Fürstentum Minden dem protestantischen Preußen zugeschlagen. Erst im 20. Jahrhundert kam es zu Veränderungen auf der konfessionellen Landkarte als Folge der durch den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen bedingten Migration, der allgemeinen Binnenmigration und der Säkularisierung, durch den Zuzug von Spätaussiedlern aus dem Osten Europas und von südeuropäischen Gastarbeitern. Den verschiedenen Konfessionen stehen im Zentrum von Rahden die jeweiligen Kirchen zur Verfügung. In der Ortsmitte finden sich die evangelisch-lutherische St.-Johannis-Kirche und eine Neuapostolische Kirche sowie im Ortsteil Kleinendorf die katholische Michaels-Kirche und ein mennonitisches Bethaus. In weiteren Ortsteilen befinden sich evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeindehäuser.

Ein gewisses Indiz für die konfessionelle Verteilung kann die Angabe der konfessionellen Zugehörigkeit der Rahdener Schüler sein. Demnach sind rund 79 % der Schüler evangelisch, 6 % katholisch, 3 % islamisch. 6 % geben an, einer sonstigen Konfession anzugehören, und 6 % rechnen sich keiner Konfession zu.[11]

Eine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge gab es in Rahden bis 1938. Die Synagoge stand auf dem heutigen Parkplatz des Rathauses an der Langen Straße. Während der Novemberpogrome 1938 brannte sie vollständig ab. Ein Gedenkstein auf dem Rathausparkplatz erinnert heute an die ehemalige jüdische Gemeinde Rahden.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die heutige Stadt Rahden entstand in einer Gebietsreform nach dem Bielefeld-Gesetz vom 24. Oktober 1972 zum 1. Januar 1973. Dazu wurden die sieben selbstständigen Gemeinden des Amtes Rahden (Kreis Lübbecke) zusammengefasst.[12] Diese bilden die heutigen Ortsteile von Rahden. Gleichzeitig wurde Rahden ein Teil des neugebildeten Kreises Minden-Lübbecke. Neben kleineren, unwesentlichen Flurbereinigungen zu diesem Stichtag wurden außerdem ein kleiner Teil im Osten der Gemeinde Oppenwehe (Amt Dielingen-Wehdem) nach Rahden umgegliedert sowie der südliche Teil der Gemeinde Tonnenheide als Ortsteil Schmalge an das am 1. Januar 1973 ebenfalls neu zugeschnittene Espelkamp abgegeben.[13] Nach dem 1. Januar 1973 gab es keine weiteren Umgliederungen bzw. Eingemeindungen in das Stadtgebiet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Tabellen zeigen die Einwohnerentwicklung seit 1885.

Rahden nach dem damaligen Gebietsstand

Jahr Einwohner Quellen
1885 (31. Dezember) 861 [14]
1925 (31. Dezember) 1.934 [14]
1933 (31. Dezember) 2.126 [14]
1939 (31. Dezember) 2.288 [14]
1961 (6. Juni) 3.870 [12]
1970 (27. Mai) 4.060 [12]
1972 (31. Dezember) 4.015 [13]

Rahden nach dem heutigen Gebietsstand

Jahr Einwohner
1961 (6. Juni) 13.516
1970 (27. Mai) 13.925
1972 (31. Dezember) 13.777
1974 (30. Juni) 13.701
1977 (31. Dezember) 13.462
1982 (31. Dezember) 13.003
1987 (31. Dezember) 13.438
1992 (31. Dezember) 14.535
Jahr Einwohner
1997 (25. Mai) ¹ 15.150
2002 (31. Dezember) 15.974
2007 (31. Dezember) 16.019
2008 (31. Dezember) 16.799
2010 (14. Januar) 16.633
2011 (31. Januar) 16.519
2012 (31. Dezember) 15.509

Quelle: LDS[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Rahden hat derzeit 36 Sitze. Hinzu kommt der Bürgermeister als Ratsvorsitzender. Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1975:

[15][16] 2014 2009 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975
Partei Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  %
CDU 17 48,06 17 48,60 19 58,06 21 64,35 18 52,71 19 53,47 19 54,76 19 57,60 21 61,14
SPD 9 23,70 9 24,14 8 23,59 8 26,02 11 34,00 11 33,35 11 32,68 12 36,35 10 31,93
FWG1 6 16,36 5 14,15 2 7,54
FDP 2 5,60 3 8,09 2 6,45 2 6,06 2 6,19 2 7,98 2 6,82 2 6,06 2 6,93
GRÜNE 2 6,28 2 5,01 1 4,36 1 3,57 2 7,10 1 5,20 1 5,73
Gesamt2 36 100 36 100 32 100 32 100 33 100 33 100 33 100 33 100 33 100
Wahlbeteiligung 52,65 55,04 55,30 57,27 78,69 68,88 70,44 72,20 84,64

1Freie Wählergemeinschaft
2ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen

Bürgermeister[Bearbeiten]

Rathaus der Stadt Rahden

Bürgermeister ist zurzeit Bernd Hachmann (CDU). Er wurde am 12. September 1999 im ersten Wahlgang mit 75,7 Prozent der gültigen Stimmen zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt.[17] Das Amt des Stadtdirektors wurde mit der Einführung eines hauptamtlichen Bürgermeisters abgeschafft. Es war bis zur Kommunalwahl am 12. September 1999 von Bernd Hachmann ausgefüllt worden. Seitdem übernimmt der Bürgermeister auch die Aufgaben als Verwaltungschef. Bei der Wahl am 26. September 2004 wurde Hachmann mit 83,7 Prozent der gültigen Stimmen, 2009 mit 63,33 Prozent wiedergewählt.[18]

Amtszeiten der Bürgermeister und Stadtdirektoren seit 1973:

Amtszeit Bürgermeister
1973–1985 Reinhold Spönemann (CDU)
1985–1999 Wilhelm Möhring (CDU)
seit 1999 Bernd Hachmann (CDU)
Amtszeit Stadtdirektor
1973–1982 Alfred Suderow
1982–1988 Günter Kozlowski
1988–1999 Bernd Hachmann

Wappen, Flagge und Siegel[Bearbeiten]

Wappen von Rahden

Der Stadt wurde durch Urkunde des Regierungspräsidenten vom 19. April 1973 das Recht zur Führung eines Wappens, einer Flagge und eines Banners verliehen. Das Wappen zeigt laut § 2 der Hauptsatzung:

Unter einem silbernen (weißen) Schildhaupt mit 3 blauen fünfblättrigen Rosen in Rot 2 kreuzweise gestellte silberne (weiße) Haken mit Griff.

Die Flagge ist von Rot und Weiß längsgestreift mit dem von der Mitte zur Stange verschobenen Wappenschild der Stadt, wobei das Schildhaupt im roten Flaggenstreifen, der übrige Schild im weißen Flaggenstreifen steht.

Entworfen wurden Wappen und Siegel der Stadt vom damaligen Realschullehrer und Heimatforscher Heinrich Bretthauer. Die drei blauen in der Hauptsatzung und Blasonierung als Rosen bezeichneten Blüten symbolisieren Flachsblüten (vgl. auch das Wappen des Kreises Bielefeld), die rund um die Rahdener Legge einst zu Leinen verarbeitet wurden, und die beiden schräggekreuzten Schafhaken symbolisieren das landwirtschaftlich geprägte Rahdener Land in früheren Zeiten.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Rahden hat zwei Städtepartnerschaften:

  • DeutschlandDeutschland Glindow, Ortsteil der Stadt Werder in Brandenburg, seit dem 3. Oktober 1990
  • UngarnUngarn Galgahévíz (Ungarn), seit 1995

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Das Theater im Pavillon (TIP) der früheren Hauptschule im Ortsteil Wehe zeigt in Trägerschaft der Volkshochschule Altkreis Lübbecke Schauspiele, Musiktheater, Kindertheater, Jugendtheater und Kleinkunstaufführungen im rund 100 Plätze zählenden Theater.

Museen[Bearbeiten]

  • In der Stadt befindet sich der Museumshof Rahden mit historischen landwirtschaftlichen Gebäuden, einer Mühle und Geräten aus der Umgebung. Zum Ensemble gehört auch ein Steinbackofen aus dem 16. Jahrhundert. An den Mahl- und Backtagen wird hier auch heute noch Brot und Kuchen gebacken.
  • In Rahden ist der Verein Museums-Eisenbahn Rahden-Uchte e. V. beheimatet. Gezeigt werden Ausstellungen zur örtlichen Eisenbahngeschichte. Außerdem führt der Verein in den Sommermonaten Fahrten auf der Strecken Rahden-Uchte durch (siehe auch #Verkehr).

Musik[Bearbeiten]

Zu den Kapellen und Orchestern in Rahden zählen die Spielmannszüge der örtlichen Schützenvereine, der Spielmannszug Kleinendorf, die Heimatkapelle Rahden und Posaunenchöre in Preußisch Ströhen und Rahden. Daneben gibt es zahlreiche Gesangsvereine: die Cantulianer, Frischauf Sielhorst, Frohsinn Kleinendorf, Liedertafel Rahden, Gesangverein Sangeslust Tonnenheide, Kantorei und Kinderchor Rahden sowie der Singkreis Preußisch Ströhen. Weiterhin unterhalten die weiterführenden Schulen in Rahden, die Freiherr-vom-Stein-Realschule und das Gymnasium in Rahden, eigene Schulbands.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Ruine der Burg Rahden
Marktschänke am Alten Markt
Bockwindmühle in Wehe
Windmühle Tonnenheide
  • Burgruine in Rahden-Kleinendorf: Die Burg wird zwischen 1310 und 1320 errichtet und diente lange Jahre als Sitz verschiedener Amtspersonen. Im Winter 1878/79 brannte die Burg letztmals ab und steht seitdem nur noch als Burgruine.
  • Burg Stelle: Die Burg in Stelle ist nur noch als Bodendenkmal erhalten. Urkundliche erwähnt wird die Burg erstmals im 13. Jahrhundert. Die Burg Stelle scheint aber nur kurze Zeit bedeutend gewesen zu sein, denn die nur wenige Kilometer entfernte Burg Rahden wurde im 14. Jahrhundert dauerhaft in Ziegelbauweise ausgebaut.[19]
  • St. Johannis Kirche: Der Westturm der Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, das Langhaus ursprünglich aus dem Jahr 1353. Letzteres wurde 1789 umgebaut und dabei völlig neu gestaltet. Die Gründung der Kirche geht der Überlieferung nach auf den Mindener Bischof Gerhard I. im Jahre 1353 zurück. Die Kirche hat ein klassizistisches Langhaus mit erhaltener gotischer Süd- und Ostwand.
  • Bahnhof Rahden von 1899 mit Lokschuppen und Drehscheibe. Der Lokschuppen verfügte bis 1969 noch über einen Wasserturm, der jedoch zum Jahresende 1969 gesprengt wurde. Seit dem Jahr 2007 wurde das Bahnhofsgebäude umfassend saniert. Nach der Sanierung des Bahnhofes hat der örtliche Kulturverein „Kul-Tür“ im alten Güterschuppen ein neues Zuhause gefunden. Hier sind Aufführungen für bis zu 160 Gäste möglich. Im Hauptgebäude hat neben dem Stadtarchiv auch die Chronikgruppe der Museumseisenbahn ein neues Domizil gefunden. Weiterhin sind Räumlichkeiten für das DRK geschaffen worden. Im alten Büro des Bahnhofsvorstehers hat die Stadt Rahden ein „Trauzimmer“ eingerichtet, eine Dependance zum Standesamt im Rathaus.
  • Marktschänke, Alter Markt 1. In diesem Fachwerk-Dielenhaus aus der Zeit um 1680 befindet sich heute die Marktschänke. Es ist das Geburtshaus von Carl Langhorst, dem Ehrenbürger der Stadt Rahden. Außerdem befand sich hier früher das alte Rahdener Kino. Im Jahr 1985/86 wurde es umfassend restauriert.
  • Schloss Rahden von 1883. Das „Schloss Rahden“ wurde 1883 vom Gutsbesitzer Bock im heutigen Ortsteil Kleinendorf errichtet. Es ist landläufig auch als „Gut Bock“ bekannt. Heute befindet sich in dem Gebäude der Verwaltungstrakt des umfangreichen Seniorenheims „Schloss Rahden“. Das Schloss befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Burgruine Rahden.

Außerdem sind folgende Rahdener Mühlen Teil der Westfälischen Mühlenstraße:

  • Bockwindmühle in Rahden-Wehe: Diese Mühle ist nach bisherigen Erkenntnissen die älteste im Kreis Minden-Lübbecke an einem Standort stehende Windmühle. Seit ungefähr 1370 stand hier eine Mühle. Als Bischofs-Mühle wurde sie in einem Urkundenbuch von 1370 erwähnt. 1982 wurde die Mühle restauriert.
  • Hochzeitsmühle in Tonnenheide: Der auffällige Galerie-Holländer wurde 1878 in Steinbauweise erbaut und beherbergt ein Standesamt. Sie wird daher „Hochzeitsmühle“ genannt.
  • Rossmühle Rahden: Diese Göpelmühle ist eine von zwei erhaltenen Rossmühlen im Kreis und steht im Museumshof in Rahden-Kleinendorf. Die um 1860 erbaute Rossmühle stand ursprünglich in Tonnenheide-Hahnenkamp.

Für weitere Bauwerke siehe → Liste der Baudenkmäler in Rahden

Parks[Bearbeiten]

Rahden ist arm an parkähnlichen Anlagen. Die einzige parkähnliche Grünfläche in der Innenstadt ist die „Wehme“ in unmittelbarer Nähe zum evangelischen Gemeindehaus. Einen parkähnlichen Charakter hat ebenfalls die Grünfläche am „Alten Markt“ mit Kriegerdenkmal, Spielgeräten und Ruhebänken. Im Ortsteil Kleinendorf beschreibt der „Heimatpark“ die Grünfläche mit See rund um das Ensemble aus Museumshof, Burgruine und dem Schützenhaus.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Großer Stein
  • Der Findling Großer Stein von Tonnenheide: Der Stein ist zehn Meter lang, sieben Meter breit und drei Meter hoch. Sein Gewicht beträgt etwa 350 Tonnen. Er ist der größte bekannte und hinreichend genau vermessene landliegende Findling in Norddeutschland (seeliegend evtl. übertroffen vom Buskam). Am 30. August 1981 wurde er gehoben und an seinen heutigen Platz transportiert.
  • Der Schnakenpohl im Ortsteil Varl südwestlich von Rahden ist ein Heideweiher mit besonderer Flora, der bereits 1936 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde und damit das älteste Naturschutzgebiet Westfalens darstellt. Das natürlich nährstoffarme Stillgewässer wurde in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 aufgenommen.
  • Weißes Moor: Das rund 46 Hektar große Gebiet in Tonneheide ist ein Hoch- und Niedermoor, das sich durch die moortypische Fauna und Flora auszeichnet.
  • Der NRW-Nordpunkt bezeichnet den nördlichsten Punkt Nordrhein-Westfalens. Vor Ort gibt es Veranstaltungen, Kunst und teils Gastronomie. Der Nordpunkt ist vielfach Treffpunkt/Ziel von Motorradfahrern/-routen.

Im Stadtgebiet sind außerdem noch vier weitere Naturschutzgebiete ausgewiesen: das Filger Bruch, das Karlsmoor, der Weher Fledder und Zuschlag. Im Nordwesten reicht das Stadtgebiet bis an den Naturpark Dümmer.

Neun ausgewiesene Solitärbäume oder Baumgruppen bestehen als Naturdenkmäler. Am bekanntesten ist davon die aus fast 60 Linden gebildete Bocks Allee in Kleinendorf.[20]

Sport[Bearbeiten]

Der mit Abstand größte Sportverein der Stadt und auch einer der größten des Altkreises Lübbecke ist der TuSpo 09 Rahden e. V. mit 1326 Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2006). Angeboten wird u. a. Badminton, Basketball, Fitness, Fußball, Leichtathletik, Taekwon-Do (Selbstverteidigung), Tischtennis, Turnen, Volleyball, Walking bzw. Nordic Walking und Wirbelsäulengymnastik. Weitere Sportvereine im Gebiet der Stadt sind der TuS „Schwarz-Weiß“ Wehe, die Union Varl, Eintracht Tonnenheide, SSV Preußisch Ströhen, der Verbandsliga-Tischtennisclub RTTC und die „Baskets 96“, ein Rollstuhl-Basketball-Verein der 2. Bundesliga.

In und um Rahden liegen ca. 90 km gut ausgebaute Inline-Skate-Strecken mit ausgeschilderter Gastronomie und Sehenswürdigkeiten. Alle Start- und Endpunkte der verschiedenen Strecken sind mit der Regionalbahn Eurobahn zu erreichen. Die Landschaft rund um Rahden lässt sich auch sehr gut mit dem Fahrrad erkunden. In den letzten Jahren wurden dafür u. a. viele neue Fahrradwege gebaut, bzw. eine Ausschilderung interessanter Routen vorgenommen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

„Mittelalterliches Treiben“ im Museumshof

Jährliche Veranstaltungen wie das Rahdener Stadtfest (i.d.R. zweites Juni-Wochenende) und der Rahdener Trödelmarkt (meistens Mitte September) sowie die Automesse im Frühjahr locken Tausende von Besuchern in die Innenstadt. Im Ortsteil Pr. Ströhen findet Ende September der Preußisch Ströher Markt statt. Alle Veranstaltungen werden von der Rahdener Werbegemeinschaft organisiert. Am ersten Adventswochenende finden regelmäßig die „Dezemberträume“ der Rahdener Werbegemeinschaft statt. Dieser Weihnachtsmarkt spielt sich im Schatten der St.-Johannis-Kirche zu Rahden ab.

Ende Juni findet seit 2013 ein „Mittelalterliches Treiben“ auf dem Gelände des Museumshofs statt.

Seit 2003 hat sich im Oktober die Veranstaltung „Rahden kocht über“ etabliert. An diesem Wochenende präsentiert sich die Rahdener Gastronomie mit ihren Spezialitäten. Dazu greift jedes Restaurant meist ein bestimmtes Motto auf.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Ein typisches Getränk im Rahdener Land ist der „Ströher Schwarten“, den man, so sagt der Volksmund, immer trinken kann, solange die Tannen grün sind. Der „Schwarten“ besteht zu je einem Drittel aus Bohnenkaffee, Weizenkorn und heißem Wasser. Er wird dann nach Belieben mit Zucker gesüßt. Der Name stammt aus dem Plattdeutschen und heißt „schwarzer Grog“. In der lokalen Gastronomie kann man das Heißgetränk Cappuccino teilweise noch in der Variante „Kaffee mit Sprühsahne“ antreffen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Rahden ist über die Bundesstraße 239 an das Fernstraßennetz angebunden. Die nächsten Anschlussstellen an das deutsche Autobahnnetz sind die AS Kirchlengern zur A30 (ca. 30 km), die AS Bad Eilsen zur A2 (ca. 45 km), die AS Osnabrück-Schinkel zur A33 (ca. 45 km) und die AS Bremen-Brinkum an die A1 (ca. 75 km). Eine Anschlussstelle Rahden/Diepenau war in den 1970er Jahren für den Bereich der A5 zwischen Bremen und Gießen geplant, allerdings wurde dieser Autobahnabschnitt nie gebaut.

Schienen- und Busverkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Rahden
Fahrzeuge der Museumseisenbahn Rahden-Uchte auf dem Gelände des Bahnbetriebswerks Rahden

Der Rahdener Bahnhof liegt an der ehemals durchgehenden Bahnstrecke Bassum–Herford (auch „Ravensberger Bahn“ genannt), auf der im Stundentakt (sonntags alle zwei Stunden) die nach ihr benannte Regionalbahn RB 71 der Eurobahn nach Bünde, Herford, Bielefeld und weiter bis Münster verkehrt.

Die Bahnstrecke führte früher über Rahden hinaus über Sulingen nach Bassum, wo Anschluss nach Bremen bestand. Eine angedachte Reaktivierung dieser kürzesten Verbindung zwischen Ostwestfalen-Lippe und Bremen kam aber nicht zustande. Seit Ostern 2009 bietet die Auenland-Draisinen GmbH auf dem stillgelegten Streckenabschnitt von Rahden nach Wagenfeld Draisinenfahrten an.

Auf der ehemaligen Bahnstrecke nach Uchte fährt eine Museumseisenbahn, die in den Sommermonaten planmäßig verkehrt.

Im Straßenpersonennahverkehr verkehren Regiobusse nach Espelkamp, Lübbecke, Stemwede, Minden, Sulingen, Diepenau und Uchte. Rahden gehört zum Tarifverbund „Der Sechser“ (OWL Verkehr GmbH). Die Buslinie nach Uchte wird zum Tarif der Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg bedient.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Bremen (ca. 80 km nördlich). Weitere Flughäfen befinden sich in Greven (ca. 85 km süd-westlich), Hannover (ca. 100 km östlich) und Paderborn/Lippstadt (ca. 100 km südwestlich). In Porta Westfalica-Vennebeck (ca. 35 km südöstlich) befindet sich ein Verkehrslandeplatz, der hauptsächlich von Geschäftsreisenden, Hobbypiloten und Segelfliegern genutzt wird.

Fahrradverkehr[Bearbeiten]

Rahden verfügt über ein sehr gut ausgebautes Netz an Radwegen. Fast alle Ortschaften sind über Radwege an die Innenstadt angeschlossen. Dazu kommen viele verkehrsarme Nebenstraßen, auf denen man per Fahrrad die Landschaft erkunden kann. Rahden liegt zudem an der ausgeschilderten Bahn-Rad-Route „Weser-Lippe“ und an der Mühlenroute des Mühlenkreises. Insgesamt 4 Strecken beginnen oder enden in Rahden am Museumshof.

Medien[Bearbeiten]

Zu den in Rahden erscheinenden Printmedien zählen die drei örtlichen Zeitungen mit ihren Lokalteilen und ein lokales Anzeigenblatt des örtlichen Gewerbebundes.

  • Die Rahdener Zeitung des Westfalen-Blattes (Bielefeld)
  • Die Neue Westfälische mit der Lokalausgabe für Rahden & Espelkamp (Bielefeld)
  • Die Diepholzer Kreiszeitung mit dem Lokalteil für Rahden & Stemwede (Syke)

Zweimal im Monat am Donnerstag erscheint in Rahden „Die Kiepe“. Dieses kostenlose Blatt mit einer Auflage von über 28.000 erscheint seit 1951 in Rahden und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Es wird vom Gewerbebund Rahden herausgegeben und informiert über die vielfältigsten Anlässe in Rahden und Umgebung.

Die Radiowerkstatt Wehe in Trägerschaft der VHS Rahden ergänzt das regionale Angebot von Radio Westfalica im Rahmen des Bürgerfunks.

2012 wurde die 2. Staffel von der satirischen Wissenschaftsshow vom ZDF Nicht nachmachen! in einem alten Bauernhof in Rahden gedreht. Hierbei wirkten Wigald Boning und Bernhard Hoëcker als Moderatoren vor Ort.[21]

Telekommunikation[Bearbeiten]

Im Südwesten von Rahden befindet sich ein 120 Meter hoher Fernmeldeturm (52.4283518.622755) der Deutschen Telekom. Im Unterschied zu den meisten anderen Fernmeldetürmen vergleichbarer Höhe verfügt er nicht über einen Betriebsraum und dient neben dem Richtfunk auch zur Verbreitung des Programms des Lokalsenders Radio Westfalica mit 80 Watt Sendeleistung im UKW-Bereich.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Krankenhaus

Mit dem Krankenhaus Rahden ist die Stadt einer der vier Standorte der Mühlenkreiskliniken. Es ist ein Haus der Grundversorgung mit den Fachrichtungen Innere Medizin und Chirurgie sowie einer orthopädischen Belegstation. Im Dezember 2006 fasste der Kreistag den Grundsatzbeschluss zur Planung eines Neubaus in Rahden. Gleichzeitig fasste der Rat der Stadt Rahden den Beschluss, den Neubau mit einer Million Euro zu unterstützen. Um die gesundheitliche Versorgung im nördlichen Bereich des Mühlenkreises sicherzustellen, ist in der Nähe des jetzigen Standortes eine neue Portalklinik in Trägerschaft der Mühlenkreiskliniken geplant. Eine Rettungswache in Trägerschaft des Kreises Minden-Lübbecke ist in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus angesiedelt.

In der Stadtbücherei Rahden, in den ehemaligen Räumen der privaten Handelsschule Dr. Kohlhase, können etwa 16.000 Bücher aus den unterschiedlichsten Bereichen entliehen werden. Weiterhin stehen Zeitschriften und Hörbücher zur Verfügung. Das Stadtarchiv befindet sich ebenfalls in den Räumen der Bücherei.

Eine Freiwillige Feuerwehr mit einer Löschgruppe/-zug je Ortschaft stellt den Brandschutz der Stadt sicher. Für den Nachwuchs sorgt die Jugendfeuerwehr in der Kernstadt und in Pr. Ströhen.

Im Ortsteil Kleinendorf befindet sich ein Hallen- und Freibad, welches gerade in den Sommermonaten auch viele Besucher aus den umliegenden Orten anzieht.

Rahden gehört zum Amtsgerichtsbezirk Rahden sowie zum Arbeitsamt und Finanzamt Lübbecke.

Bildung[Bearbeiten]

Grundschule[Bearbeiten]

Die Stadt Rahden verfügt über insgesamt vier Grundschulen in der Kernstadt sowie in den Ortsteilen Varl, Tonnenheide und Pr. Ströhen. Die Grundschule in Rahden ist die größte im Kreis Minden-Lübbecke und befindet sich im Schulgebäude der alten Grund- und Hauptschule in der Innenstadt nahe der Kirche.

Hauptschule[Bearbeiten]

Die Hauptschule Rahden befindet sich seit 1994 in dem Neubau im Schulzentrum Rahden. Bis zum Jahr 1990 gab es in Rahden zwei Hauptschulen. Die HS I in der Innenstadt, sowie die HS II im Ortsteil Wehe. Aufgrund mangelnder Schülerzahlen wurde die Hauptschule Wehe 1990 geschlossen und mit der HS I zur Hauptschule Rahden verbunden. Bis zur Fertigstellung des Neubaus im Schulzentrum 1994 befand sich die Hauptschule in einem gemeinsamen Gebäude mit der Grundschule in der Innenstadt an der Schulstraße.

Realschule[Bearbeiten]

Die Freiherr-vom-Stein-Realschule in Rahden wurde 1954 im heutigen Schulzentrum „Freiherr-vom-Stein-Straße“ neu erbaut. Etwa 500 Schüler besuchen heute diese Schule. In unmittelbarer Nähe zur Realschule befindet sich auch die Stadtsporthalle Rahden, die allen Schülern des Schulzentrums zur Verfügung steht.

Gymnasium[Bearbeiten]

Das Gymnasium Rahden ist die jüngste Schulform der weiterführenden Schulen in Rahden. Im Jahr 1995 wurde erstmals in Rahden ein Gymnasium errichtet. Anfangs noch in den Räumen der ehemaligen privaten Handelsschule Dr. Kohlhase im Stadtkern, befindet sich das Gymnasium heute im Schulzentrum Freiherr-vom-Stein-Straße, wo 1996 der erste Bauabschnitt für das neue Gymnasium errichtet wurde.

Sonstige[Bearbeiten]

Neben den hier aufgeführten Schulformen gehört Rahden zum Verbund der Volkshochschule Lübbecke sowie zum Musikschulverbund „Espelkamp-Rahden-Stemwede“. Bis in die 1980er Jahre gab es noch eine Hauswirtschaftsschule, bis 1992 in Rahden die private Handelsschule Dr. Kohlhase sowie eine landwirtschaftliche Berufsschule im Ortsteil Kleinendorf.

Das Bildungsangebot wird komplettiert durch insgesamt 8 Kindergärten- und Tagesstätten, die nahezu flächendeckend in fast allen Ortschaften vorhanden sind.

Mensa[Bearbeiten]

Seit Februar 2009 gibt es im Schulzentrum eine Mensa für die weiterführenden Schulen. Sie grenzt direkt an die Realschule und bietet mit 150 Plätzen den Schülern der drei Schulen mittags eine warme Mahlzeit. Geführt wird die Mensa von den Lübbecker Werkstätten.

In der Mensa fand auch das Rahdener „Jugendcafé“ eine neue Heimat. Mit der Neueröffnung erhielt die offene Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Rahden neue und größere Räume und damit verbunden auch mehr und bessere Möglichkeiten, um Jugendlichen Raum für eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu bieten. Neben einem Billardtisch und einem Kicker stehen zahlreiche Spiele zur Verfügung. Außerdem ist es mit drei Computern mit Internetanschluss ausgerüstet, die kostenlos genutzt werden können.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Wirtschaftsstruktur ist überwiegend mittelständisch geprägt. Der Schwerpunkt der lokalen Wirtschaft liegt im Bereich Maschinen- und Metallbau sowie Metallguss. Der Dienstleistungs- und Gesundheitssektor ist ebenfalls stark vertreten. In der Stadt stehen rund 4600 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zur Verfügung (Stand: 2. Quartal 2007). 2007 betrug die Arbeitslosenquote etwa 4,6 Prozent.

Größtes Unternehmen ist der Maschinenbaukonzern Kolbus GmbH & Co. KG, der mit über 1000 Beschäftigten an seinem Hauptstandort in Rahden Buchbindereimaschinen sowie komplette Inlineproduktionssysteme für die druckweiterverarbeitende Industrie entwickelt und herstellt. Zweitgrößtes Unternehmen mit rund 250 Beschäftigten ist die Heinrich Meier Eisengießerei GmbH & Co. KG, die Produkte für Hausentwässerung, Hofentwässerung und Straßenentwässerung herstellt.

Eine weitere Aufwertung als Gewerbestandort erhält die Stadt Rahden durch die Ansiedlung der Harting Technologiegruppe, die einen Teil ihrer Verwaltungs- und Produktionstätigkeit aus der Nachbarstadt Espelkamp nach Rahden verlegt und das ehemalige Windhorst-Center weiter nutzt. In Rahden befindet sich auch der Verlag Marie Leidorf (VML), der auf archäologische Publikationen spezialisiert ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Einziger Ehrenbürger der Stadt Rahden ist der 1867 in Großendorf geborene Porträtmaler, Dichter und Komponist des „Neuen Westfalenmarsches“ Carl Langhorst (gest. 1950 in Rahden). Nach ihm wurde auch eine Straße in der Innenstadt benannt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Die hier aufgeführten Persönlichkeiten kommen aus der Stadt Rahden und haben sowohl regionale, nationale oder sogar internationale Bedeutung. Dabei ist die Aufzählung nicht abschließend.

(So weit wie möglich ist statt der pauschalen Angabe Rahden die Ursprungsgemeinde oder später der jeweilige Stadtteil vermerkt. Durch die Sortierbarkeit jeder Spalte kann nicht nur der Nachname alphabetisch sortiert, sondern es können auch schnell Jubiläumsjahreszahlen gefunden werden.)

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung standen/stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Spönemann, W. Kirchhof (Hrsg.): Das alte Amt Rahden in Bildern und Ansichten. Bildband von 1987
  • Torsten Kuhlmann (Hrsg.): Die Geschichte der SPD Rahden: Organisation, Geschichte und Personen im Überblick. Pro Business. 2006. ISBN 3-939533-35-1
  • Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Rahden (Hrsg.): Von der Mitte zum Leben. 650 Jahre St. Johannis-Kirche zu Rahden. Historische und zeitgenössische Beiträge. VML Vlg Marie Leidorf. 2003. ISBN 3-89646-904-5
  • NN: Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Eisenbahnlinie Sulingen – Rahden. Plenge. 1950.
  • NN: Chronik zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Rahden. Meier, Wolfgang. 1985
  • Werner Kirchhoff (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Rahden 1818–1888: Mit einem Beitrag und einem Register. VML Vlg Marie Leidorf. 1995. ISBN 3-924734-83-6
  • Stadt Rahden (Hrsg.): Rahden im Wandel der Zeit. 2008 (Bildband zur 975-Jahr-Feier)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rahden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. Geologischer Dienst NRW: Erdwärme nutzen – Geothermiestudie liefert Planungsgrundlage (PDF; 369 kB)
  3. a b Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW: Kommunalprofil Rahden, Stadt (PDF; 220 kB)
  4. Hauptsatzung der Stadt Rahden 28. Oktober 1999
  5. Website der Stadt Rahden. Stadtinfo. Statistik
  6. Stadt Detmold: Klimakarten
  7. Klimadigramme.de: Das Klima in Rahden-Varl
  8. http://de.news.yahoo.com/2/20090820/tts-deutschland-schwitzt-sich-durch-den-c1b2fc3.html
  9. Reinhold Spönemann: Tumulte in Rahden und Levern während der Märztage 1848. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 48 (1976), S. 91–93.
  10.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 274.
  11. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik: Schüler an allgemein bildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit (Archivversion) (PDF) (Version vom 3. Oktober 2006 im Internet Archive)
  12. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 325.
  13. a b  Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 115 und 119.
  14. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/luebbecke.html
  15. Landesdatenbank NRW; Wahlergebnisse zum Gemeindecode 05770040
  16. Landesbetrieb Information und Technik NRW: Kommunalwahlen
  17. Landeswahlleiterin NRW: Das Innenministerium informiert: Endgültiges Ergebnis für Rahden 1999
  18. Landeswahlleiterin NRW: Das Innenministerium informiert: Endgültiges Ergebnis für Rahden 2004
  19. Pressemitteilung des LWL: Neue Burg in Ostwestfalen entdeckt: LWL-Archäologen untersuchen Burg Stelle
  20. Kreis Minden-Lübbecke: Ordnungsbehördliche Verordnung VII-10 des Kreises Minden-Lübbecke zur Sicherung von Naturdenkmälern im Kreis Minden-Lübbecke
  21. Neue Westfälische: Bernhard_und_Wigald_lassens_krachen Ausgabe vom 13. Juni 2013, abgerufen am 10. April 2014