Volker Braun

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Volker Braun (links) 1981 mit Ruth Berghaus und Wieland Förster bei der Berliner Begegnung zur Friedensförderung

Volker Braun (* 7. Mai 1939 in Dresden) ist ein deutscher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Volker Braun, der nach dem Abitur einige Jahre im Bergbau und Tiefbau arbeitete, bevor er an der Universität Leipzig Philosophie studierte, beschäftigt sich mit den Widersprüchen und Hoffnungen in einem sozialistischen Staat. Seit 1960 war er Mitglied der SED. Gleichwohl galt er in der DDR als staatskritisch, und oft gelang es ihm nur unter Einsatz taktischen Geschicks, seine Prosa oder Gedichte zu veröffentlichen.

Seine Arbeit umfasst Sprechgedichte, Theaterstücke, Romane und Erzählungen.

Anfangs spiegelte sein Werk einen kritischen Enthusiasmus für den Aufbau des Sozialismus wider. Von 1965 bis 1967 arbeitete er auf Einladung von Helene Weigel als Dramaturg am Berliner Ensemble. Nach den Ereignissen des Prager Frühlings beschäftigte er sich zunehmend kritisch mit dem Leben im Sozialismus und den Möglichkeiten der Reform. Danach wurde er verstärkt von der Stasi überwacht. Seit 1972 arbeitete Braun am Deutschen Theater Berlin, 1976 gehörte er zu den Mitunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung Biermanns. Ab 1979 war er wieder am Berliner Ensemble tätig, 1981 erhielt er den Lessing-Preis der DDR.

1982 verließ Braun den Schriftstellerverband der DDR. Seine Werke zeichnen in dieser Zeit zunehmend das Bild eines deprimierenden Lebens in der DDR. Die Akteure seiner Stücke bewegen sich resigniert in einem unbeweglichen Umfeld. Sein an Diderots Jacques der Fatalist und sein Herr angelehnter Hinze-Kunze-Roman erhielt zwar 1985 eine Druckgenehmigung, doch nach seinem Erscheinen wurde er von der einflussreichen Kritikerin Anneliese Löffler als „absurd“ und „anarchistisch“ scharf angegriffen,[1] und Klaus Höpcke, damals stellvertretender Minister für Kultur, erhielt ein Disziplinarverfahren, weil er die Druckerlaubnis erteilt hatte.[2]

Trotz dieses wachsenden Gegensatzes zum Staat erhielt Braun 1988 den Nationalpreis der DDR. Während der Wende gehörte er zu den Befürwortern eines eigenständigen „dritten Weges“ für die DDR. Nach der Wiedervereinigung beschäftigte er sich kritisch mit den Gründen für das Scheitern der DDR. In diesem Zusammenhang steht auch seine Zusammenarbeit mit der von Wolfgang Fritz Haug herausgegebenen westlich-marxistischen Zeitschrift „Das Argument“.

Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Volker Braun lebt in Berlin.

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Werke (Auswahl) [Bearbeiten]

  • Die Kipper. Drama (1965)
  • Provokation für mich. Gedichte (Mitteldeutscher Verlag, 1965)
  • Vorläufiges. Gedichte (Suhrkamp Verlag, 1966)
  • KriegsErklärung. (Mitteldeutscher Verlag, 1967)
  • Lenins Tod. Drama (1970)
  • Wir und nicht sie. Gedichte (Mitteldeutscher Verlag, 1970)
  • Die Kipper. Schauspiel (Aufbau Verlag, 1972)
  • Das ungezwungene Leben Kasts. (Aufbau Verlag, 1972) (Lizenzausgabe: Suhrkamp Verlag, 1972)
  • Gedichte. (1972)
  • Gegen die symmetrische Welt. (Mitteldeutscher Verlag, 1974)
  • Es genügt nicht die einfache Wahrheit. Notate (Reclam Leipzig, 1975)
  • Training des aufrechten Gangs. Gedichte (Mitteldeutscher Verlag, 1976)
  • Unvollendete Geschichte. (1977)
  • Poesiealbum 115: Volker Braun. Gedichte (Verlag Neues Leben, 1977)
  • Großer Frieden. Revolutionsstück (Uraufführung 1979)
  • Stücke. (Henschelverlag, 1983)
  • Guevara oder der Sonnenstaat. (Büchergilde Gutenberg, 1984)
  • Hinze-Kunze-Roman. (Mitteldeutscher Verlag, 1985)
  • Die Übergangsgesellschaft. (Henschelverlag, 1987)
  • Langsam knirschender Morgen. Gedichte (Suhrkamp Verlag, 1987) (Mitteldeutscher Verlag, 1988)
  • Verheerende Folgen mangelnden Anscheins innerbetrieblicher Demokratie. Schriften (Reclam 1988) (Lizenzausgabe: Suhrkamp Verlag, 1988)
  • Bodenloser Satz. (Suhrkamp Verlag, 1990)
  • Iphigenie in Freiheit. (Suhrkamp Verlag, 1992)
  • Der Wendehals. (Suhrkamp Verlag, 1995)
  • Das Nichtgelebte. Erzählung (Faber & Faber, 1995)
  • Lustgarten, Preußen. Ausgewählte Gedichte (Suhrkamp Verlag, 1996)
  • Die vier Werkzeugmacher. Parabel (Suhrkamp Verlag, 1996)
  • Wir befinden uns soweit wohl. Wir sind erst einmal am Ende. Äußerungen (Suhrkamp Verlag, 1998)
  • Tumulus. Gedichte (Suhrkamp Verlag, 1999)
  • Trotzdestonichts oder Der Wendehals. (Suhrkamp Verlag, 2000)
  • Das Wirklichgewollte. (Suhrkamp Verlag, 2000)
  • Die Verhältnisse zerbrechen. Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises (Suhrkamp Verlag 2000)
  • Das unbesetzte Gebiet. Historische Erzählung (Suhrkamp Verlag, 2004)
  • Der berüchtigte Christian Sporn. Der andere Woyzeck. Zwei Erzählungen (Insel Verlag, 2004, Insel-Bücherei 1289)
  • Auf die schönen Possen. Gedichte (Suhrkamp Verlag, 2005)
  • Das Mittagsmahl. Erzählung (Insel Verlag, 2007)
  • Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer. Ein Schelmenstück (Suhrkamp Verlag, 2008)
  • Werktage I. Arbeitsbuch 1977-1989. (Suhrkamp Verlag, 2009)
  • Kassensturz – Volker Braun und Zeitgenossen (Projekte-Verlag Cornelius, 2010)
  • Die hellen Haufen. Erzählung. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42239-7. E-Book ISBN 978-3-518-76050-5

Adaptionen [Bearbeiten]

Verfilmungen
  • 1991: Der Verdacht. Regie: Frank Beyer, nach der Erzählung Unvollendete Geschichte.
Hörspiel

Literatur [Bearbeiten]

  • Frank Hörnigk: Volker Braun, Theater der Zeit
  • Edition Text und Kritik: Volker Braun, 1977
  • Christine Cosentino, Wolfgang Ertl: Zur Lyrik Volker Brauns, 1984
  • Katrin Bothe: Die imaginierte Natur des Sozialismus. Eine Biographie des Schreibens und der Texte Volker Brauns 1959-1974, Würzburg 1997
  • Fritz J. Raddatz: Entzweites Leben. Die Zeit, 44/2000
  • Rolf Jucker (Hg.): Volker Braun in perspective, Amsterdam/New York, 2004
  • Renatus Deckert: Ruine und Gedicht. Das zerstörte Dresden im Werk von Volker Braun, Heinz Czechowski und Durs Grünbein, Thelem Verlag, Dresden 2010.
  • Dennis Püllmann: Von Brecht zu Braun. Versuch über die Schwierigkeiten poetischer Schülerschaft, Mainz 2011
  • Kurzbiografie zu: Braun, Volker. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Filmporträt

  • Zur Person: Volker Braun, Reportage, 50 Min., Autor: Günter Gaus (1991)

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Volker Braun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Anneliese Löffler: Wenn Inhalt und Form zur Farce gerinnen. In: Neues Deutschland, 9. Oktober 1985, S. 4.
  2. Vgl. York-Gothart Mix: Ein ‚Oberkunze darf nicht vorkommen‘. Materialien zur Publikationsgeschichte und Zensur des Hinze-Kunze-Romans von Volker Braun. Wiesbaden 1993; Wolfgang Emmerich: Kleine Literaturgeschichte der DDR. Berlin 2000, S. 52.
  3. Angabe auf der Seite des Suhrkamp-Verlages, abgerufen am 18. Oktober 2012