Charles Stross

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Charles David George Stross (* 18. Oktober 1964 in Leeds) ist ein britischer Science-Fiction-, Horror- und Fantasy-Autor, der in Edinburgh lebt.

Charles Stross

Leben[Bearbeiten]

Stross besuchte die Universität in London und arbeitete als Apotheker, ehe er diese Arbeit aufgab und in Bradford einen zweiten Abschluss in Informatik machte. Mehrere Jahre schrieb er, teilweise als freiberuflicher Journalist, zahlreiche Artikel über KDE, Perl und Linux im britischen Magazin Computer Shopper.[1] Der Erfolg als Science-Fiction-Autor machte es ihm möglich, ab 2004 als freier Schriftsteller zu leben [2].

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2004 Hugo Award für The Concrete Jungle als bester Kurzroman
  • 2006 Locus Award für Accelerando als bester Science-Fiction-Roman des Jahres
  • 2006 Sidewise Award für die Romane The Family Trade, The Hidden Family und The Clan Corporate aus dem Merchant-Princes-Zyklus
  • 2007 Prometheus Award für Glass House
  • 2007 Locus Award für Missile Gap als bester Kurzroman
  • 2008 Kurd-Laßwitz-Preis für Glashaus als bester ausländischer Roman.
  • 2009 Hugo Award für Palimpsest als bester Kurzroman

Werke[Bearbeiten]

Charles Stross, März 2013, DortCon Dortmund

(Die Auflistung der Werke orientiert sich am Datum der Erstveröffentlichung. Die Reihenfolge der Serien richtet sich nach dem ersten veröffentlichten Band der jeweiligen Serie. Die Angaben zur Internationalen Standardbuchnummer (ISBN) beziehen sich auf die erste Ausgabe des jeweiligen Werkes.) [3] [4]

Eschaton[Bearbeiten]

In der Originalausgabe erschien die Serie unter dem Titel The Singularity Sky.

 Singularität. Heyne, 2005 (übersetzt von Usch Kiausch), ISBN 978-3-453-52016-5.
Der Roman spielt vierhundert Jahre in einer Zukunft, in der die Menschheit durch ein mysteriöses Wesen namens Eschaton über viele Welten verstreut wurde. Dieses Ereignis stellt eine technologische Singularität dar und begründet so den Titel des Romans. Eine der so entstandenen Zivilisationen – ein rückwärtsgewandter zentralistischer Staat im Stile des Englands des späten neunzehnten Jahrhunderts – erlebt einen Kulturschock, als eine fortgeschrittene Zivilisation namens das Festival Telefone auf einem ihrer Planeten abwirft, die im Austausch gegen Geschichten Wünsche erfüllen.
 Supernova. Heyne, 2005 (übersetzt von Usch Kiausch), ISBN 978-3-453-52052-3.

Die mysteriösen Fälle des Bob Howard[Bearbeiten]

In der Originalausgabe erschien die Serie unter dem Titel Laundry.

Band 1: Dämonentor. Heyne, 2007, ISBN 978-3-453-52313-5
Bob Howard, ein chaotischer Computer-Nerd, ist zwangsverpflichtetes Mitglied einer supergeheimen Behörde. Er kämpft an zwei Fronten - gegen Dämonen aus Parallel-Universen und gegen seine Vorgesetzten aus der englischen Ministerialbürokratie.

Zu der Serie gehören außerdem fünf Kurzgeschichten:

  • The Concrete Jungle. 2004
  • Pimpf. 2006
  • Down on the Farm. 2008
  • Overtime. 2009
  • Equoid. 2013

Die ersten beiden Romane sowie die ersten beiden Kurzgeschichten sind enthalten in On Her Majesty's Occult Service. 2006, ISBN 978-0-7394-8112-7.

The Merchant Princes[Bearbeiten]

Halting State[Bearbeiten]

 Du bist tot. Heyne, 2010 (übersetzt von Usch Kiausch), ISBN 978-3-453-52687-7.

Die Kinder des Saturn[Bearbeiten]

In Die Kinder des Saturn schildert Stross die Entwicklung einer Gesellschaft von Androiden nach dem Aussterben der Menschheit. In Neptune's Brood schreibt er diese Geschichte in einer sehr fernen Zukunft fort.

 Die Kinder des Saturn. Heyne, 2009 (übersetzt von Usch Kiausch), ISBN 978-3-453-52578-8.

Einzelromane[Bearbeiten]

 Accelerando. Heyne, 2006 (übersetzt von Usch Kiausch), ISBN 978-3-453-52195-7.
In seinem Roman Accelerando (italienisch für „schneller werdend“, ein Begriff aus der Musik) greift Stross die Idee der beschleunigten Entwicklung hin zur technologischen Singularität erneut auf. Die Handlung beginnt in der Jetzt-Zeit, dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Ausgehend von aktuellen Entwicklungen, wie dem Internet und autonomen Software-Agenten sowie Fortschritten in der Gentechnik, beschreibt er eine nahe Zukunft, in der sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt der gesamte wissenschaftliche Fortschritt beschleunigt, bis gegen Ende des 21. Jahrhunderts praktisch alle Himmelskörper des Sonnensystems in denkende Materie umgewandelt wurden, das so genannte „Computronium“. Er spannt somit in einem einzigen Roman den Bogen von einer sehr realistischen Science-Fiction hin zu einer immer abstrakter werden kosmischen Zivilisation, die sich als Matroschka-Gehirn manifestiert.
Stross prägt in diesem Buch unter anderem den Begriff „Exocortex“ („externer Cortex“) für die technische Erweiterung des menschlichen Gehirns im Rahmen zunehmender Vernetzung mit mehr oder weniger autonomer Hardware und Software, anfangs als Cyberbrille und ähnliche am Körper getragene Artefakte über Implantate bis hin zu digitalen, im Cyberspace lebenden, Kopien ehemals lebender Menschen, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln.
Stross verarbeitet in Accelerando auch Ideen der Open-Source-Kultur. So verschenkt der Protagonist Manfred Macx Ideen an Geschäftsleute, die damit reich werden. Als Gegenleistung erhält er keine Bezahlung, sondern Gefälligkeiten zur Bestreitung seines Lebensunterhalts (Hotelaufenthalte, Flugreisen usw.). Das Buch selbst wurde von Stross neben gedruckten und verkäuflichen Exemplaren auch unter einer Creative-Commons-Lizenz („by-nc-nd“) im Internet veröffentlicht, die die freie Vervielfältigung ohne Änderung des Inhalts erlaubt, sofern der Name des Autors genannt und die Kopie nicht kommerziell genutzt wird.
 Glashaus. Heyne, 2008, ISBN 978-3-453-52360-9.
Der Roman spielt in einer fernen Zukunft, in der Nano-Replikatoren beliebige Gegenstände herstellen und ein menschliches Bewusstsein in einen fast beliebig geformten Körper transferiert werden kann. Der Protagonist, ein ehemaliger Söldner, findet sich plötzlich im wohlgeformten Körper einer amerikanischen Hausfrau der fünfziger Jahre wieder, ohne Erinnerungen an seine Vergangenheit. Er wohnt mit anderen Versuchspersonen im Glashaus, dem Nachbau einer spießigen amerikanischen Kleinstadt auf einem Raumschiff im Nirgendwo. Nur langsam kommen seine Erinnerungen zurück und er beginnt einen Aufstand gegen die repressive Versuchsleitung zu planen.

Erzählbände[Bearbeiten]

Introduction: After the Future Imploded. 2002
Antibodies. 2000
Bear Trap. 2000
Extracts from the Club Diary. 1998
A Colder War. 2000
Toast: A Con Report. 1998
Ship of Fools. 1995
Dechlorinating the Moderator. 1996
Yellow Snow. 1990
Big Brother Iron. 2002
Lobsters. 2001
Afterword: Five Years After the Wire. 2002
Introduction: Wireless. 2009
Missile Gap. 2005
Rogue Farm, 2003
A Colder War. 2000
MAXOS. 2009
Down on the Farm. 2008
Unwirer. 2004 mit Cory Doctorow
Snowball's Chance. 2005
Trunk and Disorderly. 2007
Palimpsest. 2009

Erzählungen[Bearbeiten]

  • The Boys. 1987
  • In the Dream Time. 1988
  • Generation Gap. 1989
  • Monastery Of Death. 1990
  • Yellow Snow. 1990
  • Something Sweet. 1991 mit Simon Ings
  • SEAQ and Destroy. 1991
  • Examination Night. 1992
  • Ancient of Days. 1992
  • Tolkowsky's Cut. 1993 mit Simon Ings
  • Red, Hot and Dark. 1993
  • Ship of Fools. 1995
  • Dechlorinating the Moderator. 1996
  • A Boy and His God. 1997
  • Extracts from the Club Diary. 1998
  • Toast: A Con Report. 1998
  • Antibodies. 2000
  • A Colder War. 2000
  • Bear Trap. 2000
  • Lobsters. 2001
  • Troubadour. 2001
  • Tourist. 2002
  • Halo. 2002
  • Router. 2002
  • Jury Service. 2002 mit Cory Doctorow
  • Big Brother Iron. 2002
  • Nightfall. 2003
  • Curator. 2003
  • Flowers from Alice. 2003 mit Cory Doctorow
  • Rogue Farm. 2003
  • Appeals Court. 2004 mit Cory Doctorow
  • Unwirer. 2004 mit Cory Doctorow
  • Elector. 2004
  • Survivor. 2004
  • Missile Gap. 2005
  • Snowball's Chance. 2005
  • Minutes of the Labour Party Conference, 2016. 2006
  • Message in a Time Capsule. 2006
  • Trunk and Disorderly. 2007
  • MAXOS. 2009
  • Palimpsest. 2009
  • A Bird in the Hand. 2011

Sachbuch[Bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten]

„Die Singularität wird weiterhin ein Thema in der Science Fiction bleiben – allerdings vermutlich etwas weniger überzeichnet. Singularität bringt die Space Opera mit neuen wissenschaftlichen Konzepten voran und ist zugleich eine Parodie auf eines ihrer beliebtesten Subgenres, die Military-SF. Schwächen in der nicht allzu ereignisreichen Handlung und im Stil – in dem ganzen Roman befindet sich kaum eine Metapher – setzt Stross die Akribie wissenschaftlicher Informationen und die Ausgestaltung des Settings entgegen. Der Autor versucht eine neue literarische Synthese in der SF, und man wird sehen, ob es ihm in weiteren Romanen besser gelingt, derart unterschiedliche Elemente auszubalancieren.“

Wolfgang Neuhaus über Singularität[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Kramm: Wenn mir morgen die Ideen ausgehen, könnte ich trotzdem noch zehn Jahre Bücher schreiben. Ein Gespräch mit Charles Stross. In: Sascha Mamczak, Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2008. Wilhelm Heyne Verlag München 2008, ISBN 978-3-453-52436-1, S. 524–542.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles Stross: Linux in Computer Shopper. Abgerufen am 22. Juli 2010.
  2. http://www.antipope.org/charlie/fiction/faq.html
  3. Deutsche Nationalbibliothek (DNB): Werke von Charles Stross [1]
  4. Fantastic Fiction: Werke von Charles Stross [2]
  5. Charlie's Diary (Blog von Charles Stross): Online Fiction by Charles Stross [3]
  6. Vgl. Das Science Fiction Jahr 2005, hrsg. von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke, Wilhelm Heyne Verlag München 2005, ISBN 3-453-52068-8, S. 1032f.