Cherbourg-Octeville

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Cherbourg ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Cherbourg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Cherbourg-Octeville
Wappen von Cherbourg-Octeville
Cherbourg-Octeville (Frankreich)
Cherbourg-Octeville
Region Basse-Normandie
Département Manche
Arrondissement Cherbourg
Kanton Hauptort von 3 Kantonen
Koordinaten 49° 38′ N, 1° 37′ W49.638611111111-1.61583333333331Koordinaten: 49° 38′ N, 1° 37′ W
Höhe 0–139 m
Fläche 14,26 km²
Einwohner 37.754 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 2.648 Einw./km²
Postleitzahl 50100
INSEE-Code
Website ville-cherbourg.fr
.

Cherbourg-Octeville ist eine französische Stadt mit 37.754 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Manche in der Region Basse-Normandie. Die Hafenstadt hat einen Seehafen, dem ein nennenswerter Yachthafen angeschlossen ist. Der Hafen ist auch eine Flottenbasis der französischen Marine. Die direkt am Ärmelkanal an der Nordküste der Halbinsel Cotentin gelegene Stadt ist Sitz einer Unterpräfektur. Im Jahr 2000 fusionierte die Stadt Cherbourg mit der Nachbargemeinde Octeville und trägt seither den Doppelnamen Cherbourg-Octeville.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Cherbourg-Chantereyne
Klimadiagramm von Maupertus-sur-Mer bei Cherbourg

Toponymie[Bearbeiten]

Höchstwahrscheinlich leitet sich Cherbourg vom skandinavischen kjarr = Sumpf und borg = Befestigung (vgl. Deutsch: Burg), ab. Vor der Wikingerzeit hieß Cherbourg auf Gallisch coriallum, das wahrscheinlich schon die gleiche Bedeutung hatte [1]. Oder Cherbourg stammt aus dem angelsächsischen ker (Englisch: moor) und burgh (Englisch: town) [2]. Die Wurzel kjarr/ker ist auch anderswo in der Normandie zu finden, wie aus Villequier und Gonfreville-l'Orcher ersichtlich ist.
Octeville besteht aus dem skandinavischen Namen Otti (oder Otto) und aus der französischen Endung lateinischer Herkunft -ville[3] (siehe auch Octeville-l'Avenel auch auf der Halbinsel Cotentin und Octeville-sur-Mer neben le Havre).

Geologie[Bearbeiten]

La Montagne du Roule das vom Kommerzbecken aus gesehen wird

Der felsige Untergrund der Reede besteht aus Schiefer aus dem Neoproterozoikum.[4] In La Glacerie wurde Schiefer aus dem Kambrium gewonnen. Nämlich haben die typischen Häuser in Cherbourg Fassaden aus Schiefer [5]. Das Montagne du Roule, dessen Fallen 45° beträgt, besteht aus armorikanischem Sandstein[6][7]. Der Sandstein wurde aus dem Ordovizium während der variszischen Orogenese gefaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon im 4. Jahrhundert bestand nach Forschungsergebnissen an der Stelle des heutigen Cherbourg ein befestigtes spätrömisches Castrum mit dem Namen Coriallo oder Coriovallo, das im Rahmen des Litus Saxonicum aufgebaut wurde. Der Name Coriallo änderte sich in *Ċiriċeburh „Dorf der Kirche“ in altenglischen zur Zeit der Völkerwanderung oder der Wikinger[8]. Das genaue Gründungsdatum des Schlosses von Cherbourg ist unbekannt, aber 1026 ist es in einer Urkunde als eines der bedeutendsten der damaligen Zeit erwähnt. Anfang des 14. Jahrhunderts waren Schloss und Stadt mit einem Ring starker Mauern umgeben. Während des Hundertjährigen Kriegs (1337–1453) war die Stadt Schauplatz einiger Schlachten und wechselte insgesamt sechs Mal die Seite: Einmal war sie in Händen der Engländer, dann wieder, 1450 endgültig, französisch.

Umgebung von Cherbourg um 1888

1688 machte sich Vauban daran, die Festungsanlagen auszubauen, aber schon 1689 ließ Le Tellier, Kriegsminister unter Ludwig XIV., Schloss und Befestigungen einreißen. 1783 ließ Ludwig XVI. in Cherbourg einen Kriegshafen einrichten. Nach verschiedenen Ausbauten des Hafens und der Errichtung von Deichen im 19. Jahrhundert hat der Hafen heute die größte künstliche Reede der Welt.

Am 19. Juni 1940 wurde die Stadt von den Truppen der deutschen Wehrmacht eingenommen. Von 1940 bis 1943 unterhielt die Kriegsmarine ein Marinelazarett und von 1940 bis 1942 lag hier auch eine Seenotfliegerstaffel. Im Juni 1944 wurde die Stadt Schauplatz der Schlacht um Cherbourg, die mit ihrer Eroberung durch die 7. US-Armee unter General J. Lawton Collins am 26. Juni 1944 endete. Sie brachte hohe Verluste an Menschenleben, viele Verwundete und große Zerstörungen mit sich. Vor ihrer Kapitulation zerstörten die deutschen Einheiten wichtige Teile der Infrastruktur wie Bahnhöfe und Brücken. Es kam aber nicht, wie von Hitler befohlen, zu einem heroischen deutschen Abwehrkampf 'bis zur letzten Patrone'.[9]

Einwohnerentwicklung von Cherbourg und Octeville
Jahr Cherbourg Octeville gesamt
1891 38.554 3.028 41.582
1896 40.783 3.352 44.135
1901 42.938 3.752 46.690
1906 43.837 4.077 47.914
1911 43.731 4.193 47.924
1921 38.281 4.017 42.298
1926 38.054 3.939 41.993
1931 37.461 4.054 41.515
1936 39.105 4.317 43.422
Jahr Cherbourg Octeville gesamt
1946 40.042 4.606 44.648
1954 38.262 5.421 43.683
1962 37.486 6.247 43.733
1968 38.243 9.465 47.708
1975 32.536 15.977 48.513
1982 28.442 18.551 46.993
1990 27.121 18.120 45.241
1999 25.370 16.948 42.318
2007 40.288

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Cherbourg ist Endpunkt der Eisenbahnlinie Paris–Caen–Cherbourg, die 1858 eröffnet wurde.

Der Flughafen Cherbourg-Maupertus liegt elf Kilometer östlich von Cherbourg.

Ab Mitte Januar 2014 verkehrt vom Hafen Cherbourg nach Dublin erstmals eine Fährverbindung direkt in die irische Hauptstadt. [10]

Im Quartier de la Divette (Viertel La Divette) befinden sich seit 2013 zwei Wärmepumpen von 1,092 MW jeweils, die die Meereswärme aus dem Kommerzbecken erschließen [11]. Darduch wird 84 % des Wärmebedarfs im Quartier de la Divette abgedeckt, der Rest (16 %) wird dank der bereits existierenden Gaskessel ergänzt. Es werden 1730 t CO2 pro Jahr vermieden.

U-Boot Le Redoutable

Sehenswertes[Bearbeiten]

Stadtplan von Cherbourg um 1899

In Cherbourg befindet sich das Museum La Cité de la Mer, in dem u.a. das größte öffentlich zugängliche Atom-U-Boot (Le Redoutable) sowie der Bathyscaph Archimède ausgestellt sind. Dem Museum ist zudem ein 12 Meter hohes Aquarium und eine Ausstellung zum Thema Ozeane angegliedert.

Das Museum Thomas-Henry beherbergt Gemälde europäischer Meister wie Fra Angelico, Simon Vouet und Camille Claudel. Schwerpunkte sind umfangreiche Sammlungen der Maler Guillaume Fouace und Jean-François Millet.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Cherbourg war der erste Anlaufpunkt der Titanic nach der Abfahrt aus Southampton, England. Nach der Stadt ist der Musikfilm Die Regenschirme von Cherbourg (Les Parapluies de Cherbourg) benannt. Cherbourg hat als Dorf einen kleinen Auftritt in Ken Folletts Säulen der Erde.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Es bestehen Städtepartnerschaften mit:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. René Lepelley: Dictionnaire étymologique des noms de communes de Normandie. S.
  2. « bourg » in Louis Guinet, Les emprunts gallo-romans au germanique (du 1er à la fin du Vème siècle), Klincksieck, Paris, 1982
  3. René Lepelley, Dictionnaire étymologique des noms de communes de Normandie. Seite 191
  4. Guide géologique Normandie-Maine. Edition DUNOD. 2ème édition. Seite 82. ISBN 2 10 050695 1
  5. Guide géologique Normandie Maine. 2ème édition. Éditions Dunod. Seite 82.
  6. Guide géologique Normandie Maine. 2ème édition. Éditions Dunod. Seite 82.
  7. Cherbourg (französisch).
  8. François de Beaurepaire, Les noms des communes et anciennes paroisses de la Manche, éditions Picard 1986.
  9. [1] Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, Oldenbourg Verlag 2007, Seite 484
  10. Neue Direktfähre von Frankreich nach Dublin.
  11. Marie-Jo Sader, Meerwasser um die Wohnungen zu erhitzen, Actu environnement

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cherbourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien