Cherusker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Cherusker ([çeˈʁʊskɐ] oder [keˈʁʊskɐ], lateinisch Cherusci, griechisch οι Χηρούσκοι, Χαιρουσκοί), waren ein Stammesverband im antiken Germanien, der im Gebiet beidseitig des oberen Flussgebietes der Weser im heutigen Ostwestfalen und in Niedersachsen bis zur Elbe lebte. Über seine Geschichte sind nur wenige Informationen überliefert.

Das Wort „Cherusker“[Bearbeiten]

Die etymologische Herkunft des Begriffs „Cherusker/​Herusker“ ist unbekannt. Spätestens im 16. Jahrhundert wurde darüber spekuliert, bis hin zu gewagten Mutmaßungen, Cherusker sei mit Härzer (von Harz) zu übersetzen.[1] Dies glaubte bereits Martin Luther, der in seinen Tischgesprächen von Arminius meinte, er sei „ein Hartzer oder Hartzlender nomine Hermannus“ gewesen.[2]

In der Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts gab es mehrere Theorien zur Herkunft des Wortes. Jacob Grimm sah eine Verbindung zum gotischen Wort hairus bzw. dem altenglischen heoru für Schwert.[3] Auch das altnordische horskr für „die Klugen“ bildet eine mögliche Verbindung. Andere, wie Rudolf Much, Edward Schröder und Otto Höfler, leiteten das Wort eher totemistisch vom gemeingermanischen herut (Hirsch) ab und begründeten dies mit der großen Rolle, die der Hirsch in der germanischen Symbolik spielte. Diese Einschätzung gilt heute als die wahrscheinlichste und das Ethnonym als germanisch.[4] Hans Kuhn wies alternativ darauf hin, dass das Suffix sk nicht germanisch sei, beziehungsweise als solches unüblich. Er sieht ein Kompositum vorliegen, das weder rein römisch noch germanisch und daher an indoeuropäisches Sprachgut aus dem Nordwestblock anzubinden sei.[5]

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Karte der germanischen Stämme um 50 n. Chr.

Erstmalige Erwähnung fand das Volk der Cherusker in der Schrift De Bello Gallico des römischen Feldherren Gaius Iulius Caesar. Er berichtete, dass die Cherusker und Sueben durch den großen Wald bacenis silva voneinander getrennt seien.[6] Es liegen nur wenige andere Hinweise auf ihr geographisches Siedlungsgebiet vor. Strabon erwähnte sie nur als eines der kleineren germanischen Völker[7], während Plinius der Ältere sie neben den Sueben, Chatten und Hermunduren zu den Herminonen zählte.[8] Tacitus betrachtete sie als Nachbarn der Chatten und Chauken.[9] Die genauesten Angaben hinterließ Claudius Ptolemäus, der schrieb, dass die Cherusker südlich der an der Elbe lebenden Caluconen wohnten und sich ihr Gebiet bis zum Harz erstreckte.[10] Man geht deshalb davon aus, dass sich das Siedlungsgebiet der Cherusker zwischen Weser, Elbe und Harz befand. Allerdings weisen andere Berichte darauf hin, dass sich dieses Gebiet auch westlich der Weser erstreckte.[11] Im Norden trennte der Angrivarierwall die Cherusker von den Angrivariern.[12]

Geschichte[Bearbeiten]

In den Jahren zwischen 12 v. Chr. und 16 n. Chr führten die Römer unter Drusus, Tiberius, Varus und Germanicus Kriege gegen die Cherusker. Den Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen bildete die Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.), in deren Verlauf drei römische Legionen aufgerieben wurden. In diesen Kämpfen standen die Cherusker unter ihrem Anführer Arminius an der Spitze eines Stämmebundes aus Brukterern, Usipetern, Chatten, Chattuariern, Tubanten, Angrivariern, Mattiakern und Landern.[13] Im Jahre 17 n. Chr. schlug dieses Bündnis auch das Heer des markomannischen Königs Marbod zurück.[14] Den inneren Fehden nach dem Tod des Arminius (21 n. Chr.) fiel fast die gesamte Fürstenschicht der Cherusker zum Opfer, sodass sie im Jahre 47 n. Chr. in Rom darum baten, Italicus, den letzten aus dem Geschlecht des Arminius, zum König ernennen zu dürfen. Doch auch dessen Erfolg bei der Befriedung des Stammes war begrenzt.[15] Einer seiner Nachfolger, König Chariomerus, wurde um das Jahr 88 n. Chr. von den Chatten vertrieben und rief Kaiser Domitian vergeblich um Hilfe an.[16]

Die weitere Geschichte der Cherusker ist größtenteils unbekannt. Obwohl Tacitus angab, dass die Chatten die Cherusker unterwarfen, wurden sie von anderen Geschichtsschreibern auch für die spätere Zeit noch erwähnt.[17] Erst im 4. Jahrhundert scheint ihr Stamm im Volk der Sachsen aufgegangen zu sein.[18]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Raabe, Karl Hoppe, Jost Schillemeit, Eberhard Rohse (Hrsg.): Sämtliche Werke, Das Odfeld. Der Lar, Bd. 17, Göttingen 1966, 2. Auflage 1981, S. 405.
  2. Rainer Kipper: Der Germanenmythos im Deutschen Kaiserreich: Formen und Funktionen, Göttingen 2002, S. 43.
  3. Jacob Grimm: Geschichte der Deutscheu Sprache, Bd.2, 2. Auflage, Leipzig 1853, S. 426. So auch bei Friedrich Schmitthenner: Kurzes Deutsches Wörterbuch für Etymologie, Synonymik und Orthographie, Darmstadt 1834, S. 244.
  4. Günter Neumann:Cherusker, § 1 Namenkundliches, in: Reallexikon der germanischen Altertumskunde 4, 1981, S. 430f. Rudolf Much: Die Germania des Tacitus, 3. Auflage, Winter, Heidelberg 1967. S. 411f.
  5. Hans Kuhn: Arminius. In: RGA, 1, 1973 S. 420−21. Ders. In: Westfälische Forschungen 12, 1959, S.36
  6. Caesar: De bello Gallico 6,10.
  7. Strabon 7,291.
  8. Plinius: Naturalis historia 4,100.
  9. Tacitus: Germania 36.
  10. Ptolemäus 2,11,10.
  11. So etwa Velleius Paterculus 2,105 und Cassius Dio 54,33.
  12. Tacitus: Annales 2,19.
  13. Dazu Ralf Günter Jahn, Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.), Bonn 2001, S. 117f.
  14. Tacitus, Annales 2,44–46.
  15. Tacitus, Annales 11,16–17.
  16. Cassius Dio, epitome 67,5.
  17. Zahlreiche Beispiele bei Max Ihm, s. v. Cheruski, in: RE III,2, 1899, Sp. 2272.
  18. Oberst Streccius, s. v. Cherusker, in: Bernhard von Poten (Hrsg.), Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften. Band 2, Bielefeld und Leipzig 1877, S. 235.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]