Christopher Tolkien

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Christopher John Reuel Tolkien (* 21. November 1924 in Leeds) ist ein britischer anglistischer und skandinavistischer Mediävist. Er war Dozent an der Universität Oxford für ältere englische und skandinavische Sprache und Literatur. Tolkien ist darüber hinaus als literarischer Nachlassverwalter seines Vaters, des britischen Sprachwissenschaftlers und Schriftstellers J. R. R. Tolkien, einem breiteren Publikum bekannt geworden.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

In Oxford aufgewachsen, war Christopher Tolkien schon als Kind mit der Mittelerde-Mythologie seines Vaters vertraut. Seit den späten 1930er Jahren Teil der literarischen Bewegung der Inklings, war Christopher Tolkien während der Niederschrift des Herrn der Ringe als beständiger Ratgeber und Zeichner des begleitenden Kartenmaterials entscheidend mit an der Schöpfung seines Vaters beteiligt.

Nach dessen Tod fiel es ihm zu, die ungeheure Materialmenge des unvollendet gebliebenen Silmarillions (manche auf Schmierpapierfetzen aufbewahrten Notizen waren ein halbes Jahrhundert alt) für eine Veröffentlichung aufzubereiten. Für diese Aufgabe war er sowohl durch seine einmalige Einsicht in die Schaffensprozesse seines Vaters, als auch durch seine professionelle Tätigkeit als Professor für englische Sprache an der Universität Oxford herausragend geeignet. 1977 war sein Unternehmen, nicht zuletzt durch Mithilfe des Autors Guy Gavriel Kay, schließlich von Erfolg gekrönt. Drei Jahre später folgten die Nachrichten aus Mittelerde, eine Sammlung unvollendet gebliebener Geschichten, die das Silmarillion-Material ergänzen.

Zwischen 1983 und 1996 gab er die zwölfbändige History of Middle-earth heraus, in der alle relevanten Quellenmaterialien zum Silmarillion und dem Herrn der Ringe gesammelt sind. Ohne ihn wären diese Aufzeichnungen, die Aufschluss über die Entwicklung der verschiedenen Textstadien beider Werke geben, der Tolkien-interessierten Öffentlichkeit vorenthalten geblieben. Auf Deutsch sind nur die ersten beiden Bände, das Buch der Verschollenen Geschichten erschienen.

Im April 2007 veröffentlichte Christopher Tolkien Die Kinder Húrins, ein weiteres Werk aus Quellen seines Vaters. Das Buch erschien mit einer weltweiten Startauflage von 500.000 Exemplaren.[1]

Im Juli 2012 äußerte sich Christopher Tolkien seit vierzig Jahren zum ersten Mal in den Medien.[2] Im Interview mit der französischen Tageszeitung Le Monde kam nebst seinem Lebenswerk auch die Kommerzialisierung von Tolkiens Welt zur Sprache, der er verständnislos gegenübersteht, und worunter er auch die Verfilmung des Herrn der Ringe durch den neuseeländischen Filmregisseur Peter Jackson einreiht:

«Ils ont éviscéré le livre, en en faisant un film d'action pour les 15-25 ans […] Et il paraît que Le Hobbit sera du même acabit. […] Tolkien est devenu un monstre, dévoré par sa popularité et absorbé par l'absurdité de l'époque […] Le fossé qui s'est creusé entre la beauté, le sérieux de l'oeuvre, et ce qu'elle est devenue, tout cela me dépasse. Un tel degré de commercialisation réduit à rien la portée esthétique et philosophique de cette création. Il ne me reste qu'une seule solution : tourner la tête.»

„Sie haben das Buch ausgeweidet, um daraus einen Actionfilm für 15- bis 25-Jährige zu machen […] Und es scheint, als werde Der Hobbit vom selben Schlag sein. […] Tolkien ist ein Monster geworden, verschlungen durch seine Popularität und absorbiert durch die Absurdität der heutigen Zeit. Der Graben, der sich zwischen der Schönheit, der Ernsthaftigkeit des Werks und dessen aufgetan hat, was aus ihm geworden ist, all das verstehe ich nicht. Bei einem solchen Grad an Kommerzialisierung löst sich die ästhetische und philosophische Kraft dieser Schöpfung in nichts auf. Für mich gibt es nur eine Lösung: Mich abzuwenden.“

Christopher Tolkien

Herausgegebene Werke[Bearbeiten]

Christopher Tolkien gab die folgenden Werke und Quellensammlungen zu den Werken seines Vaters J. R. R. Tolkien heraus:

  • 1977: Das Silmarillion
  • 1980: Nachrichten aus Mittelerde
  • 1981: Letters of J.R.R. Tolkien
  • 1983: The History of Middle-earth volume I, The Book of Lost Tales, part I
  • 1984: The History of Middle-earth volume II, The Book of Lost Tales, part II
  • 1985: The History of Middle-earth volume III, The Lays of Beleriand
  • 1986: The History of Middle-earth volume IV, The Shaping of Middle-earth
  • 1987: The History of Middle-earth volume V, The Lost Road (and other writings)
  • 1988: The History of Middle-earth volume VI, The Return of the Shadow
  • 1989: The History of Middle-earth volume VII, The Treason of Isengard
  • 1990: The History of Middle-earth volume VIII, The War of the Ring
  • 1992: The History of Middle-earth volume IX, Sauron Defeated
  • 1993: The History of Middle-earth volume X, Morgoth's Ring
  • 1994: The History of Middle-earth volume XI, The War of the Jewels
  • 1996: The History of Middle-earth volume XII, The Peoples of Middle-earth
  • 2002: The History of Middle-earth Index
  • 2007: Die Kinder Húrins
  • 2010: Die Legende von Sigurd und Gudrún
  • 2013: The Fall Of Arthur[3]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,477423,00.html
  2. http://www.lemonde.fr/culture/article/2012/07/05/tolkien-l-anneau-de-la-discorde_1729858_3246.html
  3. http://www.harpercollins.co.uk/Titles/79908/

Weblinks[Bearbeiten]