Le Midi

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Die historische Occitanie, der Midi de la France

Le Midi (de la France), deutsch Südfrankreich, ist der Landesteil Frankreichs, der südlich einer imaginären Linie SüdalpenRhôneLoire–Mündung der Garonne liegt, in engerem Sinne das, was in Frankreich südlich des 45. Breitengrades liegt.

Midi (Aussprache mi'di, auf der zweiten Silbe betont, wörtlich ‚Mittag‘ bzw. übertragen ‚Süden‘) ist der französischsprachige geographische Fach- und Allgemeinbegriff; der Ausdruck hat auch in die deutsche geographische Fach- und Alltagssprache Einzug gehalten.

Lage, Landschaft und geographische Differenzierung[Bearbeiten]

Südfrankreich, Satellitenbild (NASA World Wind)
Régions und Départements in den Grenzen des historischen Okzitanien

Südfrankreich umfasst zumindest die Regionen Rhône-Alpes, Provence-Alpes-Côte d’Azur, Languedoc-Roussillon, Midi-Pyrénées, Aquitaine, und im weiteren Sinne auch nördlich die Auvergne und das Limousin, und auch die Insel Korsika. Nach Spanien und Andorra wird Südfrankreich durch die natürliche Grenze der Pyrenäen abgegrenzt, nach Osten zu Italien durch die Südalpen, die Nordgrenze ist nicht klar definiert. Die Bucht der Biskaya und der Golfe du Lion bilden die aquatischen Grenzen.

Die wichtigsten Städte und die kulturellen Zentren des Midi sind die Hafenmetropole Marseille, die Provence-Städte Nizza, Cannes, Avignon, Aix-en-Provence und Toulon, Nîmes, Montpellier, Toulouse (die ehemalige Hauptstadt der historischen Provinz Languedoc), das historische Carcassonne, Perpignan und Bordeaux - in einer großzügigeren Abgrenzung auch Angoulême und Limoges.

Dialektal-kulturelle Gliederung (Beschriftung occitan)

Der Midi ist sprach- und kulturgeographisch die Region, dessen alter Name auch Okzitanien lautet. Teilweise wird hier noch Okzitanisch (Langue d'oc) gesprochen, zumindest ist das Französisch aber okzitanisch gefärbt - im Gegensatz zum Rest Frankreiches, in dem historisch die Langues d’oïl verbreitet waren. Ganz im pyrenäischen Süden finden sich auch katalanische und baskische Sprachgebiete, die nicht zur historischen Occitanie gehören.

Daneben findet sich in der Literatur auch die Angabe in Bezug auf den 45. Breitengrad. Auf Französisch sagt man auch « c'est à Valence que le Midi commence » („bei Valence beginnt der ‚Süden‘“), die Stadt Valence, « la porte du Midi » an der Rhône, liegt etwa 45° nördl. Breite, ab wo der mediterrane Einfluss merkbar wird.

Geographisch wird Le Midi noch weiter differenziert:

In diesem Sinne wird auch von Les Midis (français) ‚die (franz.) Mittage‘, d. h. verschiedene Teile Südfrankreichs, gesprochen, wenn man damit alle südlichen Landschaften Frankreichs meint.

Der Osten ist durch das mediterrane Klima geprägt, der Westen hat atlantischen Charakter. Im biogeographischen Kontext wird das Méditerranéen nach der Ölbaumgrenze vom restlichen Frankreich, und vom Midi atlantique abgegrenzt. Unter Midi wird vor allem die Kleinkammerung Südfrankreichs in eine Vielzahl von submediterran-atlantischen und mediterranen Regionalklimata verstanden. Gemeinsames Bindeglied der klimatisch differenzierten Landschaft war bis zur Reblauskrise der Weinbau.

Le Midi in Geschichte, Sprachwissenschaft und Kultur[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Unter prähistorischen Gesichtspunkten ist das Gebiet in verschiedene Regionen unterteilt, die zum Teil ganz eigene Formen von megalithischen Zeugnissen hinterließen (Dolmen des Fados). Die meisten dürften der Chassey-Lagozza-Cortaillod-Kultur zugehören. Es gibt zwei Regionen mit Statuenmenhiren (Languedoc, Rouergates) und acht Dolmengebiete (Aquitanien, Ardèche, Grands Causses, Languedoc, Minervois, Pays Basque, Quercy und Roussillon). Auch einige Menhire und die Cromlechs (z. B. Lacam de Peyrarines) sind von beachtlicher Größe.[2]

Mittelalter[Bearbeiten]

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Okzitanien war im Mittelalter das Land der Katharer.

Zeitgeschichte[Bearbeiten]

Die aus der Reblauskrise des Massenweinbaus vor dem Ersten Weltkrieg resultierenden Unruhen in Südfrankreich führten auch zur Bezeichnung Midi rouge, sinngemäß ‚roter Süden‘. In Frankreich sind diese Unruhen, die 1907 kulminierten, auch unter dem Stichwort révolte des vignerons ,Aufstand der Winzer‘ bekannt. Jean Jaurès war einer der Führer dieser Winzerrevolte. Tatsächlich waren einige Bereiche Südfrankreichs lange Zeit verlässliche Wählerreservoire der französischen Linken, u. a. der kommunistischen Partei PCF, z.B. das Limousin. In den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg verwandelten sich viele eher ländliche, vor allem durch Weinbau geprägte Gegenden durch einen Strukturwandel hin zum produzierenden Gewerben oder zu Dienstleistungen, etwa dem Tourismus entlang der Mittelmeerküste. Außerdem siedelte sich die Mehrheit der Algerienfranzosen (Pieds-noirs), die das Land nach der Unabhängigkeit 1962 verließen, hier an.

Midi als Begriff in der Kultur[Bearbeiten]

Weil ‚Le Midi‘ oft mit angenehmem mediterranem Klima, lockerer südfranzösischer Lebensweise und mediterraner Gastronomie, Weinbau wie auch Urlaubsstimmung assoziiert wird, tragen in vielen Ländern südfranzösische Restaurants diesen Namen.

Es gibt auch französische Presseorgane, die in ihrem Titel den Namen Midi tragen, zum Beispiel Midi Libre und La Dépêche du Midi.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Mezzogiorno, der verwandte Begriff der italienischen Regionalgeographie

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Nestmeyer: Südfrankreich. 6. Aufl. M. Müller, Erlangen 2012, ISBN 978-3-89953-723-9.
  • Alfred Pletsch: Frankreich. Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 3-534-16042-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Louis Papy, Le midi atlantique, atlas et géographie de la France moderne, Flammarion, Paris, 1984
  2. Bruno Marc: Dolmens et Menhirs en Languedoc et Roussillon. 27 Circuits de Découverte Préhistorique. Presses du Languedoc, Montpellier 1999, ISBN 2-85998-190-X.