Cipriano Castro

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Cipriano Castro (1906)

Cipriano Castro (* 11. Oktober 1859 in La Ovejera de Capacho; † 5. Dezember 1924 in Puerto Rico) war von 1899 bis 1908 Präsident Venezuelas und regierte diktatorisch.

Leben[Bearbeiten]

Castro war ein Bewunderer Bolívars und Napoleons. Eine vom Kongress in Caracas am 22. April 1899 getroffene Entscheidung, welche eine Beschneidung der Autonomie der Bundesstaaten Venezuelas zur Folge gehabt hätte, lieferte ihm den Vorwand für eine Erhebung gegen den Präsidenten. Unter der Parole, die gültige Verfassung „restaurieren“ zu wollen, gegen welche die Entscheidung des Kongresses rein formal gesehen tatsächlich verstieß, marschierten seine Truppen vom Anden-Bundesstaat Táchira aus auf Caracas, das im Oktober 1899 erobert wurde. Nach dieser erfolgreichen so genannten Revolución Liberal Restauradora trat mit Castros Amtsantritt als Präsident die Verfassung von 1864 wieder in Kraft.[1]

Den Schwierigkeiten, die mit der von Castros liberal gesinnten Vorgängern eingeleiteten Modernisierung und Öffnung Venezuelas verbunden waren und die seinen Machtantritt begünstigt hatten, konnte aber auch er nicht entgehen. Venezuela war durch den Eisenbahnbau bereits stark verschuldet. Unter Castro wuchsen die Staatsschulden nun stark an, was vor allem auf den immensen Geldbedarf zurückzuführen war, der durch die militärische Einmischung in die Guerra des los mil días („Krieg der 1000 Tage“) im Nachbarland Kolumbien entstand, sowie Castros Vorliebe, sich von den deutschen Unternehmen Mauser, Krupp und Kugelmann aufrüsten zu lassen – was auch der deutsche Kaiser Wilhelm II. nicht verhindern konnte.[1]

Castros erpresserische Politik, mit der er die Bankiers seines Landes zur Gewährung von immer neuen Krediten zwang, führte schließlich dazu, dass im Dezember 1901 eine Gruppe von Caudillos gegen ihn revoltierte. Diese hatten sich um den Bankier Manuel Antonio Matos geschart und ihnen hatte sich auch der Abenteurer Giuseppe Garibaldi der Jüngere, ein Enkel Giuseppe Garibaldis, angeschlossen. Die so genannte Revolución Libertadora konnte von Castros Truppen durch die siegreichen Schlachten bei La Victoria und Ciudad Bolívar bis Juli 1903 endgültig niedergeschlagen werden. Maßgeblichen Anteil daran hatte sein späterer Nachfolger General Juan Vicente Gómez.[1]

Aufgrund der ständig ansteigenden Staatsverschuldung hatte Castro bereits am 1. März 1902 ein Moratorium des internationalen Schuldendienstes verkündet. Dieser Schritt hatte nicht nur eine Seeblockade Großbritanniens, Italiens, Frankreichs und des Deutschen Reiches zur Folge, sondern auch eine direkte Unterstützung der gegen Castro revoltierenden Caudillos um den Bankier Matos. Während dieser Zeit wurden nicht nur die venezolanischen Häfen blockiert, besetzt oder beschossen, sondern auch die sechs Schiffe der neuen Flotte Venezuelas außer Gefecht gesetzt. Erst durch Vermittlung der Vereinigten Staaten von Amerika konnte dieser Konflikt im Februar 1903 beigelegt werden.[2] Der Internationale Gerichtshof in Den Haag verfügte, dass Venezuela bis 1907 seine Schulden an die europäischen Staaten zurückerstatten müsse.

Nach 1903 hatte Castro für einige Jahre innenpolitisch keine Gegner mehr. Als er aber 1908 zu einem Arztbesuch ins Deutsche Reich aufbrach, wo er sein Nierenleiden behandeln lassen wollte, nutzte sein Stellvertreter, General Juan Vicente Gómez, die Gunst der Stunde, um ihn für abgesetzt zu erklären und sich zu seinem Nachfolger zu machen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Zeuske: Von Bolívar zu Chávez: Die Geschichte Venezuelas, Rotpunktverlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-85869-313-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cipriano Castro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c Zeuske (2008), S. 316–319.
  2. Zeuske (2008), S. 322-325.
  3. Zeuske (2008), S. 325 und 335.