Friedrich Krupp AG

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Friedrich Krupp AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1903
Auflösung 1992
Sitz Essen
Zerspanende Werkstatt innerhalb der Friedrich Krupp AG um 1900

Die Friedrich Krupp AG war ein deutsches Schwerindustrie-Unternehmen mit Sitz in Essen. Es entstand Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Führung des Chemnitzers Gustav Hartmann aus dem Krupp’schen Familienunternehmen. Die offizielle Schreibweise, die sich auf Aktien, Briefbögen usw. fand, lautete Fried. Krupp AG. Durch den Erwerb der Mehrheit an der Hoesch AG bildete sich 1992 die Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp. Seit der Fusion mit der Thyssen AG im Jahr 1999 ist das Unternehmen Teil der ThyssenKrupp AG.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Symbol der deutschen Schwerindustrie: Die drei nahtlosen Eisenbahn-Radreifen von Krupp
Krupp-Werke in Essen 1864
Luftaufnahme der zerstörten Krupp-Werke in Essen, 1945

Die Vorgeschichte der Friedrich Krupp AG begann am Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Herstellung von Gussstahl im in der damaligen preußischen Rheinprovinz gelegenen Essen. Hier gründete Friedrich Krupp am 20. November 1811[1] zusammen mit den Brüdern Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel, die „Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen”, aus der die Gußstahlfabrik Fried. Krupp entstand. Als es zu Problemen mit den beiden Teilhabern kam, erreichte Friedrich Krupp 1816 gerichtlich, zum Alleininhaber zu werden. Nach dessen Tod 1826, führte zunächst seine Ehefrau Theresia Krupp das Unternehmen. Der gemeinsame Sohn Alfried Krupp begann etwa ab 1830 den weiteren Firmenausbau. 1887 übernahm der Enkel Friedrich Alfred Krupp. Er war verheiratet mit Margarethe Freiin von Ende und verstarb 1902 ohne männlichen Erben.

Friedrich Alfred Krupp hatte zwei Töchter. Seine ältere erst 16 Jahre alte Tochter Bertha erbte das Unternehmen durch Fideikommiss, das auch für die folgenden zwei Generationen verbindlich sein sollte. Ihre Mutter Margarethe vertrat die Erbin bis zur Volljährigkeit treuhänderisch. In seinem Testament, welches durch Ernst Theodor Haux und Gustav Hartmann vollstreckt wurde, verfügte er deswegen, dass das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden sollte. Die Aufgabe der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft entfiel hierbei hauptsächlich auf Gustav Hartmann, da zwischen den Familien Krupp und Hartmann eine jahrelange freundschaftliche und geschäftliche Verbindung bestand. So heiratete beispielsweise Gustav Hartmanns Tochter Elisabeth 1891 den Bruder von Margarethe Krupp, den 15 Jahre älteren Felix von Ende. Außerdem brachte Hartmann neben der engen familiären Verbindungen Erfahrungen aus der Umwandlung zu Lebenszeiten seines Vaters und gleichnamigen Firma Richard Hartmann in die Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann AG aus dem Jahr 1870 mit Sitz in Chemnitz mit. Unter seiner Leitung wurden 1903 160.000 Aktien ausgestellt, die aber nie an der Börse gehandelt wurden: die ältere Tochter Bertha bekam alle Aktien bis auf vier, die an andere Verwandte und Firmenangehörige gingen, und erbte somit das Unternehmen.

Nach ihrer Heirat mit Gustav von Bohlen und Halbach leitete dieser das Unternehmen, bis er die Leitung aus gesundheitlichen Gründen an seinen Sohn Alfried Krupp von Bohlen und Halbach 1942 übertrug. Am 12. November 1943 erließ Adolf Hitler eigens ein Reichsgesetz, die sogenannte Lex Krupp, mit dem der Konzern von einer Aktiengesellschaft in ein „Familienunternehmen mit besonders geregelter Nachfolge“ umgewandelt wurde. Mit diesem Gesetz wurde es der Firma (bzw. der Familie) Krupp ermöglicht, 400 Millionen Reichsmark an Erbschaftsteuer zu sparen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden weite Teile des Betriebsgeländes in Essen durch alliierte Luftangriffe auf das Ruhrgebiet zerstört. Zur Abwendung und Täuschung alliierter Luftangriffe betrieb die Luftwaffe auf dem Rottberg bei Velbert eine Nachtscheinanlage.

Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Krupp, wie auch alle anderen großen deutschen Unternehmen, Zwangsarbeiter. Aufgrund der stetigen Fluktuation ist eine Gesamtzahl nicht zu ermitteln, der höchste Personalstand an Kriegsgefangenen und ausländischen Zivil- bzw. Zwangsarbeitern zu einem Stichtag lag am 1. Januar 1943 bei ungefähr 25.000. Im Frühsommer 1944, forderte die Friedrich Krupp AG, nachdem keine Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeiter mehr zur Verfügung standen, die Zuteilung von 2.000 männlichen KZ-Häftlingen zur Arbeit an. Dem wurde im Juni entsprochen, aber statt dessen wurden der Firma jüdische Frauen zugesagt, die man zuvor, meist aus Ungarn, in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert hatte. Von einer Krupp-Delegation aus Personalverwaltung und Betriebsführung wurden daraufhin 500 rund Zwanzigjährige ausgewählt. Zusätzlich wählte man noch 20 sogenannte Funktionshäftlinge aus. Alle Frauen wurden im August in das KZ-Außenlager Humboldtstraße des KZ Buchenwald in Essen-Fulerum verbracht (offiziell: SS-Arbeitskommando Fried. Krupp, Essen). [2] Die Arbeitskräfte wurden in verschiedenen Krupp-Betrieben eingesetzt. Die gelegentlich angeführte Zünderfabrik bei Auschwitz war zwar von der Firma Krupp geplant und auch schon zwei Millionen Reichsmarkt für den Bau bewilligt, aber ab 1943 produzierte die Firma Weichsel-Metall-Union Sils und Co. dort. Die Zünderpoduktion wurde stattdessen in Wüstegiersdorf im damaligen Schlesien mit 250 Häftlingsfrauen des KZ-Auschwitz, nach Auslagerung aus Essen, verwircklicht.[3]Im Dezember 1944 beschäftigte die Firma Krupp hier 224 Kriegsgefangene, 1.029 ausländische Zwangsarbeiter, zudem 200 ungarische und kroatische weibliche KZ-Häftlinge.[4]

Nach Kriegsende konnte Gustav Krupp von Bohlen und Halbach im Rahmen der Nürnberger Prozesse aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr abgeurteilt werden. Sein Sohn Alfried wurde 1948 im sogenannten Krupp-Prozess zu zwölf Jahren Haft verurteilt sowie zehn von elf mit ihm angeklagte Manager. Sie wurden allesamt mit einer Ausnahme im Zeitraum bis 1952 begnadigt.

Wiederaufstieg[Bearbeiten]

Während der Haft des designierten Unternehmensnachfolgers Alfried Krupp von Bohlen und Halbach vertrat sein Bruder Berthold von Bohlen und Halbach zeitweilig die Familieninteressen, weil sein Vater Gustav nach mehreren Schlaganfällen bettlägerig krank war und seine Mutter Bertha ihm Generalvollmacht übertragen hatte. Bei seiner vorzeitigen Haftentlassung im Februar 1951 holte ihn sein vorgenannter Bruder Berthold am Landsberger Gefängnistor ab.[5] Der freigelassene Alleininhaber wollte danach bei der Wahrnehmung seiner Gesamtinteressen einen Vertrauten an seiner Seite haben, der nicht zur Familie gehört. Hierzu auserkoren hat er Berthold Beitz.[6] Dieser trat 1953 in das Unternehmen ein und war bis 1967 Generalbevollmächtigter des Konzernchefs Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. In dieser Eigenschaft leitete er die Gründung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. 1970 bis 1989 war Beitz Vorsitzender des Aufsichtsrates bei Krupp, danach Ehrenvorsitzender.

Nach dem Tod Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs 1967 ging der Krupp-Konzern 1968 vollständig in den Besitz der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung über.

Am 17. Juli 1974 beteiligte sich der Staat Iran unter Schah Mohammad Reza Pahlavi zu 25,04 Prozent an der Fried. Krupp Hüttenwerke AG.[7] Das Angebot deutscher Banken wurde abgelehnt, um eine damit verbundene Bedingung, Sitze im Aufsichtsrat an die Banken abzugeben, zu umgehen. Im Zuge der Islamischen Revolution erwirkte die US-amerikanische Citibank im Dezember 1979 beim Amtsgericht Essen einen Pfändungsbeschluss für die iranischen Anteile an der Fried. Krupp GmbH. Erst zuvor im November hatte die US-Bank Morgan Guaranty Trust Company Pfändungen veranlasst.

1983 übernahm die Krupp Stahl AG 45 Prozent der Anteile an dem Stahlunternehmen Wuppermann in Leverkusen.

1986 fand Berthold Beitz einen Manager namens Gerhard Cromme, der die Vorbereitungen traf, die Unternehmen der berühmtesten deutschen Industriedynastie unter der Firma ThyssenKrupp AG zusammenzuführen.[8] Die ThyssenKrupp AG entstand schließlich 1999 aus der Fusion der Thyssen AG mit Friedr. Krupp AG HoeschKrupp.

1992 fusionierte die Fried. Krupp AG bereits mit der Hoesch AG zur Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp nach einer feindlichen Übernahme vom 10. Oktober 1991.[9]

Die Lokomotiv- und Waggonbaufabrik Krupp in Essen bestand von 1916 bis 1997, nachdem die Krupp Verkehrstechnik schon 1994 an Siemens verkauft worden war.

2004 wurden auf Druck der USA Beteiligungen durch die iranische Holding Ific an der mittlerweile fusionierten ThyssenKrupp AG von 7,8 auf 4,5 Prozent reduziert und zum vierfachen Preis des damaligen Marktwerts zurückgekauft. Der iranische Außenhandelsgesandte Mohammad-Mehdi Navab-Motlagh wurde nicht mehr zur Wiederwahl im Aufsichtsrat im Januar 2005 aufgestellt.

Trivia[Bearbeiten]

Soldaten schießen im Schützengrabenkrieg durch vorbereitete Löcher in Krupp-Metallplatten (1915)

Die Redewendung „Hart wie Kruppstahl“ spielt auf die gute Qualität des Krupp’schen Stahls an.

Es gibt nur einen Adel: den der Arbeit. Krupp (1812–1887).[10]

Filmprojektoren[Bearbeiten]

Das Dresdner Unternehmen Ernemann ging 1920 eine Interessengemeinschaft mit der F. Krupp AG ein. Die daraus entstandene „Krupp-Ernemann Kinoapparate AG“ beschäftige sich mit der Herstellung und dem Verkauf von Filmprojektoren. Das bisher genutzte Ernemann-Warenzeichen, die Lichtgöttin, wurde durch ein dreiteiliges Malteserkreuzgetriebe auf den drei Krupp-Ringen ersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Achim Dresler u. a.: Mythos Hartmann. (Zum 200. Geburtstag des sächsischen Lokomotivenkönigs Richard Hartmann). Verlag Heimatland Sachsen, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-910186-72-9.
  • Wilhelm Muehlon: Ein Fremder im eigenen Land. Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen eines Krupp-Direktors 1908-1914. Herausgegeben und eingeleitet von Wolfgang Benz. Donat Verlag, Bremen 1989, ISBN 3-924444-44-7.
  • Frank Stenglein: Krupp 1811 - 2011 - 200 Jahre Krupp - Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens. Klartext Verlag Essen, überarbeitete und aktualisierte Neuauflage Februar 2011, ISBN 978-3-8375-0518-4
  • Sonderveröffentlichung der ThyssenKrupp AG in Zusammenarbeit mit der WAZ Mediengruppe: 200 Jahre Krupp (PDF-Datei; 5,16 MB). Veröffentlicht am 20. November 2011, abgerufen am 27. November 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krupp-Lastwagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. JAMES, H.: Krupp - Deutsche Legende und globales Unternehmen; Verlag C.H.Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62414-8
  2.  Ulrich Herbert: Dachauer Hefte 2: Sklavenarbeit im KZ - Von Auschwitz nach Essen: Die Geschichte des KZ-Außenlagers Humboldtstraße. Dtv Verlag, 1993, ISBN 3-423-04607-4, S. 13–34.
  3. Krupp: Deutsche Legende und globales Unternehmen von Harold James, S.225
  4. Werner Abelshauser: Rüstungsschmiede der Nation? Der Kruppkonzern im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit 1933 bis 1951. In: Lothar Gall (Hrsg.): Krupp im 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Unternehmens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gründung der Stiftung. Siedler, Berlin 2002, ISBN 3-88680-742-8, S. 424, 439
  5. Frank Stenglein: Krupp 1811 - 2011 - 200 Jahre Krupp - Höhen und Tiefen eines Industrieunternehmens - Seite 199 mit Foto. Klartext Verlag Essen, überarbeitete und aktualisierte Neuauflage Februar 2011, ISBN 978-3-8375-0518-4.
  6. Frank Stenglein aaO Seite 205
  7. Nina-Firouzeh Nowkam: Iran, Chronik des 20. Jahrhunderts, Seite 246. ISBN 3-8334-7332-0, abgefragt am 12. August 2009
  8. Frank Stenglein aaO Seiten 245 ff, 257
  9. Westfälische Rundschau vom 10. Oktober 2011: Heute vor 20 Jahren schluckte Krupp das Unternehmen Hoesch.
  10. Frank Stenglein aaO Seite 73.