Caudillo

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Juan Manuel de Rosas (1793–1877), argentinischer Caudillo.

Caudillo ist eine spanische Funktionsbezeichnung, die sich ursprünglich etwa mit „Oberhaupt“ oder „Heerführer“ übersetzen lässt, im modernen Sinn mit „Anführer“ beziehungsweise im Franquismus (in bewusster Anlehnung an den deutschen und italienischen Faschismus) mit „Führer“.

Heute bezeichnet Caudillo einen autoritären männlichen Politiker in Lateinamerika. Ein Caudillo tritt oft als charismatischer Populist oder mit einem revolutionären Programm auf. Die Herrschaft eines Caudillo nennt man Caudillismo oder Caudillismus.

Das spanische Wort caudillo geht über Altspanisch cabdillo zurück auf Lateinisch capitellum, eine Verkleinerungsform von lat. caput „Haupt“. Es hat dieselbe Herkunft wie das deutsche Wort Kapitell.

Geschichte[Bearbeiten]

In mittelalterlichen Texten wurde die Bezeichnung caudillo als Ehrentitel für einen Heerführer verwendet, welcher sich im Rahmen der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel (siehe Reconquista) siegreich hervorgetan hatte. Danach geriet die Bezeichnung außer Gebrauch. Zwischen 1820 und 1870 wurde die Bezeichnung Ccudillo in Lateinamerika als Bezeichnung für einen Militärführer herangezogen, der die Macht an sich reißt, wenn die Zivilisten keine Autorität im Lande aufrechterhalten können.

Nach einigen Quellen soll das Wort caudillo negativ konnotiert sein und als caudillaje die Willkürherrschaft eines Offiziers oder eines Großgrundbesitzers bezeichnen. Gegen eine negative Konnotation spricht der Umstand, dass sich die Bezeichnung sogar im Himno de Riego findet, einem Lied, welches den spanischen Revolutionär Rafael del Riego feiert und als revolutionäres Kampflied der Nationalhymne Spaniens während der Zweiten Republik zugrunde lag. Allerdings war die betreffende vierte Strophe des Lieds (die mit den Worten Honor al caudillo, „Ruhm dem Caudillo“, anhebt) nicht Teil der offiziellen Hymne.

Berühmt wurde der Ausdruck dadurch, dass sich der spanische Diktator Francisco Franco den Titel Caudillo gab, offenbar inspiriert von den Bezeichnungen „Führer“ und „Il Duce“ anderer europäischer Diktatoren. Mit dem Tode Francos und dem Ende des Franquismus kam das Wort außer Gebrauch.

In den letzten Jahren kommt die Bezeichnung in der Presse durch ihre polemische Anwendung auf südamerikanische Politiker wie Hugo Chávez wieder vermehrt zur Anwendung.

Vorbedingungen[Bearbeiten]

Die Eigenschaften, die einen Caudillo auszeichnen, sind im Allgemeinen eine starke Persönlichkeit, Ambition zur Macht, Charisma, Mut und die Fähigkeit zur politischen/militärischen Leitung, aber oft auch Grausamkeit, Rücksichtslosigkeit und Brutalität.

Folgende Faktoren begünstigen den Aufstieg eines Caudillo:

  • schlechte ökonomische Lage (wenige Einnahmen, Schulden)
  • ineffiziente Bürokratie
  • allgemeine ökonomische oder kulturelle Unterentwicklung (z. B. Analphabetismus)
  • Fehlen von Kommunikationsmöglichkeiten
  • Tradition des Machismus oder Gewalt

Beispiele für Caudillos[Bearbeiten]

Argentinien[Bearbeiten]

Chile[Bearbeiten]

Mexico[Bearbeiten]

Spanien[Bearbeiten]

Venezuela[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]