Corps Neoborussia Halle

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Neoborussia Halle
stud. theol. Rudolf Pietsch (1856)
Am Rand der Wahlspruch

Das Corps Neoborussia Halle war eine Studentenverbindung in Halle (Saale). Im 19. Jahrhundert waren die meisten Mitglieder evangelische Theologen und Philologen, darunter viele Gymnasialprofessoren an bedeutenden Schulen.

Landsmannschaft und Corps[Bearbeiten]

Neoborussia wurde als Progressverbindung am 3. August 1849 an der Universität Halle gegründet. 1872 erklärte sie sich zur Landsmannschaft. Die Farben waren purpur-schwarz-weiß-schwarz, die nach Hallenser Art von unten gezählt wurden. Die Fuchsfarben waren purpur-schwarz-purpur. Die Perkussion war silber. Im Winter wurden schwarze Mützen, im Sommer weiße Stürmer mit silber-roter Perkussion getragen. Der Wahlspruch war das „Suum cuique neu numerentur hostes“ der Hohenzollern.

Unter Führung des stud. theol. Adolf Stöcker verließen 1855 dreizehn Neupreußen den Bund, weil sie die Bestimmungsmensur befürworteten, die Neupreußen aber an der unbedingten Satisfaktion festhielten. Die Dissidenten gründeten das Corps Borussia Halle.[1]

Am 15. November 1897 als Corps in den Seniorenconvent zu Halle aufgenommen, musste Neoborussia bereits im Jahre 1903 suspendieren. In Rückbesinnung auf ihre liberale Progresstradition rekonstituierte sie sich vier Jahre später als Landsmannschaft. Drei Corpsburschen der Littuania Königsberg machten im Sommer 1913 auch das Corps wieder auf. Das am 31. Januar 1921 (Littuanias Stiftungstag) abgeschlossene Kartell beider Corps ging auf den Tag 5 Jahre später in die Brüche.[2] Das Corpshaus befand sich in der Hohenzollernstraße 37.[1]

1931 übernahm das Corps Neoborussia die Tradition der Hallenser Salingia. In der Zeit des Nationalsozialismus musste es am 27. Oktober 1935 wie alle Corps suspendieren. 1949 beteiligte sich die Altherrenschaft an der Gründung des Hallenser Nachfolgecorps Saxonia in Frankfurt am Main. Die Landsmannschaft Neoborussia lebt noch heute mit den alten Farben in Freiburg im Breisgau.[3]

Als Kostbarkeit der Studentengeschichte fand sich 1995 im süddeutschen Antiquitätenhandel ein Stammbuch des Neupreußen Ernst Hundt d. Ä.. Es enthält etwa 40 Eintragungen, vor allem aus der Zeit von Januar bis März 1856. Verwahrt wird es von der Zentralen Kustodie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.[1]

Philologen[Bearbeiten]

  • Gustav Belbe († 1912), Gymnasialprofessor am Stephaneum Aschersleben
  • Georg von Curds († 1909), Gouverneur des Kadettenkorps
  • Reinhard Dreist († 1926), Professor am Schiller-Gymnasium Stettin
  • Oskar Geith († 1945), Professor am Johanneum Hamburg
  • Theodor Götschmann († 1912), Professor am Gymnasium zu St. Elisabeth Breslau
  • Albert Gombert († 1908), Professor am König-Wilhelms-Gymnasium Breslau
  • Albert Haase († 1910), Professor am Martin-Luther-Gymnasium Eisenach
  • Richard Hasper († 1898), Prorektor des Domgymnasium Naumburg
  • Fritz Hermann († 1902), Direktor am Ulrichsgymnasium Norden
  • Clemens Hüttig († 1925), Gymnasialprofessor und Ehrenbürger in Görlitz
  • Oskar Jänicke (1839–1874), Germanist
  • Friedrich Lambert († 1936), Professor an den Franckeschen Stiftungen
  • Ferdinand Leder († 1908), Gymnasialprofessor in Arnstadt
  • Pail Leske († 1884), Oberlehrer an der Ritterakademie Brandenburg
  • Adolf Lipsius († 1922), Rektor der Luisen-Schule Breslau
  • Ernst Nöldechen († 1894), Professor am Domgymnasium Magdeburg
  • Konrad Roßberg († 1921), Gymnasialprofessor in Hildesheim
  • Anton Salzmann († 1905), Professor an der Herzogl. Friederikenschule in Bernburg
  • Ludwig Sauer († 1914), Professor am Marienstiftsgymnasium in Stettin
  • Adolf Schumann († 1894), Professor an der Askanischen Oberschule in Berlin
  • Richard Stäber († 1869), Lehrer an der Ritterakademie Brandenburg
  • Alexander Stillger-Budweg († 1917), Geh. Studienrat, Professor (Freudenstadt)

Weitere Neupreußen[Bearbeiten]

Verhältniscorps[Bearbeiten]

Die alte Neoborussia stand seit 1856 in freundschaftlichen Beziehungen zur Landsmannschaft Plavia Leipzig. 1857 wurde das Silberkartell geschlossen.[1] Auf Betreiben von Christian Martens wurde es 1873 um die Landsmannschaft Troglodytia Kiel erweitert. Das Corps Neoborussia war befreundet mit dem Corps Ratisbonia München und dem Corps Littuania Königsberg.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d J. Kloosterhuis (1998)
  2. Walter Passauer: Corpstafel der Littuania zu Königsberg. Königsberg i. Pr. 1935
  3. Landsmannschaft Neoborussia Freiburg

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Kloosterhuis: Entzifferung von „Couleur-Hieroglyphen“. Zur korporationsgeschichtlichen Auswertung eines Stammbuchs und eines Bilderalbums aus dem Umkreis der Hallenser Neoborussia, ca. 1855/56. Einst und Jetzt, Bd. 43 (1998), S. 105–134

Weblinks[Bearbeiten]