Cosmas und Damian

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Beinwunder in einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert. Landesmuseum Württemberg
Die heiligen Brüder Cosmas und Damian, Miniatur aus dem Stundenbuch der Anne de Bretagne (16. Jahrhundert)
Dieser Schrein in St. Michael in München enthält angeblich die Schädel von Kosmas und Damian. Weitere Schädel sind auch in Madrid.
Die Heiligen als Patrone im Wappen von Bödefeld

Die Zwillingsbrüder Cosmas und Damian (beide * in Syrien; † 303 in Aigeai in Kilikien) waren Ärzte und Märtyrer, die Kranke unentgeltlich behandelten und viele von diesen so zum Christentum bekehrten. Sie werden als Heilige verehrt. Ihr Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 26. September.

Bedeutung[Bearbeiten]

Wegen ihres umfangreichen und selbstlosen Wirkens werden sie noch heute verehrt. Der Legende zufolge gelang ihnen sogar eine Beintransplantation, nämlich der Ersatz eines verfaulten Beines durch das eines verstorbenen Mohren.

Der Legende nach haben sie alle Versuche des römischen Präfekten, sie bei der Christenverfolgung zu ertränken, zu verbrennen sowie mit Steinen und Pfeilen zu töten, unversehrt überlebt und erlitten erst in der darauf folgenden Enthauptung das Martyrium.

Reliquien[Bearbeiten]

Cosmas und Damian sind die Stadtpatrone von Essen, wo einige ihrer Reliquien liegen. Das im Essener Domschatz gezeigte Richtschwert der Heiligen in einer prunkvollen goldbeschlagenen Scheide stammt allerdings aus ottonischer Zeit. In der Renaissance waren Cosmas und Damian die Schutzpatrone der Familie Medici, weshalb der Name Cosimo in dieser Familie häufig auftaucht.

An Ostern 1334 hatte Burchard Grelle, Fürsterzbischof von Bremen „persönlich im Chor des Bremer Doms die […] dort angeblich eingemauerten und vergessenen Reliquien der heiligen Ärzte Cosmas und Damian auf ‚wunderbare Weise‘ wiederaufgefunden.[1] Erzbischof und Kapitel veranstalteten aus diesem Anlass zu Pfingsten 1335 ein Fest, bei dem die Reliquien aus der Mauer an einen würdigeren Platz überführt wurden.“[2] Grelle behauptete die von ihm vorgewiesenen Gebeine seien von Erzbischof Adaldag von Hamburg-Bremen 965 aus Rom mitgebracht worden. Dombauherr Johann Hemeling gab um 1400 für die Gebeine einen Schrein in Auftrag, der nach 1420 fertiggestellt wurde. Der Schrein aus mit vergoldeten Silberblechen überzogenem geschnitzten Eichenholz ist ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Goldschmiedekunst.[3] Bremens lutherisches Domkapitel verkaufte den Schrein ohne die beiden Köpfe 1649 an den Osnabrücker Fürstbischof Franz-Wilhelm von Wartenberg, einem Wittelsbacher, der den Schrein seinem Verwandten, dem Kurfürsten Maximilian von Bayern übergab, der ihn 1649 in die St.-Michaels-Kirche in München überführen ließ, wo er heute noch in der katholischen Jesuitenkirche St. Michael zu sehen ist. Die Köpfe blieben in Bremen, denn der Kurfürst besaß schon zwei Köpfe von Cosmas und Damian aus dem Domschatz zu Bamberg. Die Bremer Köpfe gelangten in den Besitz der Bremer Katholiken, die nach dem Westfälischen Frieden von zwei Jesuiten als Hofkapläne des Kaiserlichen Residenten - vergönnungsweise von Seiten des Bremer Rates - seelsorglich betreut wurden. Die Köpfe wurden 1934 noch einmal vom damaligen Dechanten Friedrich Hardinghaus in der ehemaligen Franziskanerkirche und späteren Propsteikirche St. Johann ausgestellt und unter Propst August Sandtel 1968 als vermutlich unecht aus dem Verkehr gezogen. Propst Klaus Plate begrub sie dann 1994 unter dem Fußboden der neu errichteten "Krypta" unter dem Mittelschiff.[4]

Patronate[Bearbeiten]

Die Heiligen sind Schutzpatrone der Städte Essen, Florenz, Bödefeld, Gau-Algesheim, El Prat de Llobregat, Gondomar S. Cosme, von medizinischen Fakultäten, einer Vielzahl medizinischer Berufe (z. B. Bader, Ammen, Ärzte, Apotheker) sowie der Kranken, Friseure und Zuckerbäcker. Sie werden in Seenot, bei Geschwüren, Pest und Pferdekrankheiten angerufen.

Attribute[Bearbeiten]

Zu den Attributen der Heiligen zählen medizinische Instrumente und Arzneimittelbehälter.

Gedenktag[Bearbeiten]

Der Gedenktag der beiden Heiligen fällt auf den 26. September.

Bauernregel[Bearbeiten]

Die dem Namenstag entsprechende Bauernregel lautet:

St. Kosmas und St. Damian fängt das Laub zu färben an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cf. Bremer Chronik von Gerd Rinesberch und Herbord Schene. In: Bremen. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Hermann Meinert (Hg.), Schünemann Verlag, Bremen 1968, (Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert; Bd. 37: Die Chroniken der niedersächsischen Städte), S. 112; Regesten der Erzbischöfe von Bremen, Joseph König und Otto Heinrich May (Bearb.), Hannover: Selbstverlag der Historischen Kommission, 1971, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen; Bd. 11,2,2), Bd. 2, Lfg. 2: 1327–1344, Nr. 508; Joseph König: Zur Biographie des Burchard Grelle, Erzbischof von Bremen und der Geschichte seines Pontifikats (1327–1344). In: Stader Jahrbuch. Bd. 76 (1986), S. 42; Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen. 5 Bde., erw. und verb. Aufl., Bremen: Ed. Temmen, 1995, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Franzosenzeit: (1810). S. 70; Alfred Löhr: Kult und Herrschaft, Erzstift und Domkapitel. In: Der Bremer Dom. Baugeschichte, Ausgrabungen, Kunstschätze. Handbuch u. Katalog zur Sonderausstellung vom 17. Juni bis 30. September 1979 im Bremer Landesmuseum – Focke-Museum. Karl Heinz Brandt (Mitarb.), Bremen: Bremer Landesmuseum, 1979, (Focke-Museum, Bremen. Hefte; Nr. 49, vielm.: 52), S. 102 und 128 sowie Katalog Nr. 31, Urkunden und Siegel des Erzbischofs Burchard Grelle; Bodo Heyne: Die Arztheiligen Kosmas und Damian und der Bremer Dom. In: Hospitium Ecclesiae: Forschungen zur Bremischen Kirchengeschichte. Bd. 9 (1975), S. 7–21; Johannes Focke: Die Heiligen Cosmas und Damian und ihr Reliquienschrein im Dom zu Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Bd. 17 (1895), S. 128–161.
  2. Konrad Elmshäuser: Der werdende Territorialstaat der Erzbischöfe von Bremen (1236–1511): I. Die Erzbischöfe als Landesherren. In: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser. 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hgg.) im Auftr. des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Landschaftsverband der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 1995 und 2008, (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden; Nr. 7), Bd. II: Mittelalter (1995), S. 159–189, hier S. 177. Hervorhebung im Original, Auslassung nicht im Original, ISBN 978-3-9801919-8-2.
  3. Konrad Elmshäuser: Der werdende Territorialstaat der Erzbischöfe von Bremen (1236–1511): I. Die Erzbischöfe als Landesherren. In: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser: 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hgg.) im Auftr. des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Landschaftsverband der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 1995 und 2008, (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehem. Herzogtümer Bremen und Verden; Nr. 7), Bd. II: Mittelalter (1995), S. 159–189, hier S. 178, ISBN 978-3-9801919-8-2.
  4. Wilhelm Tacke: St. Johann in Bremen eine über 600jährige Geschichte - von den Bettelmönchen zu den Pröpsten, Bremen 2006 S. 172 ff