Daniel Kulla

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daniel Kulla (2011)

Daniel Kulla (* 1977 in Blankenburg im Harz) ist ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Lektor und Musiker. Er wuchs in Thale auf, wohnte nach seinem Zivildienst in Dresden und lebt heute in Berlin.

Tätigkeit als Schriftsteller[Bearbeiten]

Kulla versammelte andere Autoren zu literarischen Remixprojekten, die er zunächst im Selbstverlag (unter dem Namen Systemausfall '90 Verlag) veröffentlichte, bis er 2001 Lektor und Autor bei Werner Pieper wurde. Kulla verfasste die biografische Darstellung Der Phrasenprüfer über den Mitbegründer des Chaos Computer Clubs Wau Holland. In seinem 2007 erschienenen Buch Entschwörungstheorie beschäftigt sich Kulla mit Geschichte und Gefährlichkeit ideologischen Verschwörungsdenkens (siehe Konspirationismus), das er von „spielerischen“ Verschwörungstheorien mit offenen Fragestellungen unterscheidet. Für Kulla kommt die „Verschwörungsideologie [...] aus der Mitte der Gesellschaft. Sie knüpft an den Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft an - und spitzt diese lediglich zu.“[1]

Im Jahr 2000 war Kulla Chefredakteur der sächsischen Jugendzeitschrift SPIESSER. Er schreibt unregelmäßig für die Wochenzeitung Jungle World[2], verfasste ein Buch über die Berliner Elektropunkband Egotronic zusammen mit deren Sänger Torsun und hält Vorträge und Lesungen zu den Themen „Entschwörungstheorie“, „Der kommende Aufstand“ u.a.[3]

"Leben im Rausch"[Bearbeiten]

Im 2012 erschienenen Buch "Leben im Rausch"[4] entwickelt Kulla einen Rauschbegriff, der Rausch als Fähigkeit sämtlicher Nervensysteme zur Ausnutzung des eigenen "Rauschens" fasst: "Wenn sein Standardprogramm nicht mehr ausreicht, schaltet es weitere Wahrnehmungs- und Bedeutungsebenen und Erinnerungen hinzu und versucht diese neu zu kombinieren, ähnlich wie im Traum, in dem das Gehirn Erlebtes assoziativ mit alten Erfahrungen und Imaginärem verbindet."[5] Rausch gilt Kulla "als eine spezifische Funktion des Nervensystems, die weder einseitig in Richtung sie evozierender Substanzen aufzulösen ist, noch einen Übergang zu spirituellen oder magischen Gegenwelten ermöglicht."[6] Im Rausch kommt Kulla zufolge "die Reihenfolge der Signalweitergabe im Nervensystem durcheinander. Signale aus unterschiedlichen Zeiten, von vor ein paar Sekunden oder aus der Kindheit, treffen gleichzeitig ein. Wenn das unter günstigen Bedingungen geschieht, dann nehmen wir mehrere Momente im selben Moment wahr und können dann leichter Entwicklungen, Prozesse, oder Veränderungen erkennen."[7]

Weiter behandelt er den "Zusammenhang zwischen kapitalistischer Verwertungslogik und dem Rausch an sich, seinen gesellschaftlichen Funktionen, den Gefahren und seinem Nutzen"[8] und urteilt: "Rausch ist nicht gut oder schlecht, und er ist nichts dem Menschen Äußerliches. Mit Rausch lässt sich Herrschaft genauso befördern wie erschüttern. (...) Damit der Rausch ermächtigen kann, müssen wir (...) ihn, um Wolfgang Neuss zu zitieren, üben, üben, üben."[9] Kulla fordert daher "sich neue Orte anzueignen, sich für Rausch und Revolte etwas herauszunehmen."[10]

Auf der Hanfparade 2013 kritisierte er die politische Beschränkung auf Cannabis und rief zu allgemeinem Ungehorsam auf.[11]

Musik[Bearbeiten]

Gemeinsam mit Egotronic nahm Kulla den Song Der Tausch für das gemeinsame, 2007 erschienene Album Lustprinzip auf und begleitete die Band auf Konzerten manchmal als Gastsänger. 2006 hatte er gemeinsam mit Egotronic-Sänger Torsun den Communism Song produziert, eine antideutsche Umdeutung von „Anarchy In The UK“ von den Sex Pistols.[12] 2011 nahm er mit Björn Peng zusammen das Lied Alles Muss Raus[13] auf, welches auf der Split-LP Versus von Björn Peng und Granate Möller bei dem Label UAE! No Records erschienen ist.

Mit dem Hamburger Breakcore-Arrangeur Istari Lasterfahrer entstanden unter dem Künstlernamen classless Kulla die Alben Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus (2008), Wir hatten doch noch was vor (2010) und Auf- & Zustände (2012).

Schriften[Bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview Süddeutsche Zeitung 10. September 2011
  2. [1]
  3. Übersicht der Vortragsthemen
  4. Seite zum Buch in Kullas Weblog
  5. Sebastian Dörfler, "Kein richtiges Leben in Flaschen. Kapitalistisches Rauschsystem im Buch", taz 23. April 2013
  6. Rezension von Jan-Paul Koopmann, Phase 2, Ausgabe 45
  7. "Rausch ist nicht gut oder schlecht" - Interview von Lars Weisbrod, jetzt/Süddeutsche 5. Mai 2013
  8. Rezension von Timon Engelhardt, Groove 13. Januar 2013
  9. "Rausch ist nicht gut oder schlecht" - Interview von Lars Weisbrod, jetzt/Süddeutsche 5. Mai 2013
  10. Daniel Kulla "Es gibt ein Entkommen" taz 26. Juni 2013
  11. Videomitschnitt des Redebeitrags
  12. „Communism Song“ und Remixe bei MySpace
  13. classless.org: Alles muss raus