Dekompressionstabelle

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Beispiel einer Dekompressionstabelle

Eine Dekompressions- oder Austauchtabelle (abgekürzt auch Deko-Tabelle genannt) dient zur Ermittlung der beim Auftauchen einzuhaltenden Dekompressionszeit. Die Dekompressionszeit wird in Abhängigkeit von der maximal erreichten Tauchtiefe, der Grundzeit sowie eventuell vorhandener Restsättigung, mit Stickstoff im Körper-Gewebe, vorausgegangener Tauchgänge (Wiederholungstauchgänge und deren Oberflächenpausen) berechnet bzw. abgelesen. Werden die von der Dekompressionstabelle empfohlenen Dekompressionsstopps und anderen Limiten missachtet, so droht eine möglicherweise tödlich endende Dekompressionskrankheit.

Tabellen existieren für verschiedene Atemgasgemische (Luft, Nitrox, Trimix, Heliox etc.), gesondert auch für Meereshöhe (0-300 m oder 0–700 m) und Gebirgstauchgänge (über 300 [1] oder 700 m [2]). Für Sättigungstauchgänge und Gasgemischwechsel sind spezielle Berechnungsverfahren notwendig.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Tabellen und Dekompressionsregeln entstanden zur Zeit der ersten Helmtauchgängen und der Caisson-Unfällen. Die medizinischen und physikalischen Grundlagen sind seitdem die Gleichen geblieben, lediglich der Erfahrungs- und Wissensschatz wurde stark erweitert. Über die Zeit entstanden verschiedene Dekompressions-Modelle. Auf praktischen Erfahrungen aufbauend, mit Dekompressionskammer-Fahrten und verschiedenen anderen medizinischen und physikalischen Versuchen und Tests, zum Dekompressions- und Gewebe-Sättigungs-Algorithmus ausgebaut, bilden diese mathematischen Modelle die Grundlage aller aktuellen Dekompressionstabellen. Im Laufe der Zeit wurden die Modelle laufend verfeinert, weshalb zahlreiche Tabellen, mit teilweise unterrichtlicher Ausrichtung entstanden sind.

Bekannte Dekompressionstabellen[Bearbeiten]

  • U.S.-Navy, eine der ältesten und bekanntesten Tabellen
  • Bühlmann, 86, 89 etc., von Albert Bühlmann
  • Bühlmann-Hahn
  • Hahn-Tabellen, zum Beispiel Deco 92 und Deco 2000 von Max Hahn
  • COMEX (französische Taucherfirma), zum Beispiel CX04
  • franz. Marine, zum Beispiel MN78, MN90
  • Dräger, Haldane (soweit bekannt nur historisch)
  • Tabellen von Verbänden und einzelne Firmen: PADI (RDP: Recreational Dive Planner), NAUI, Baracuda, BSAC (Großbritannien), YMCA, BEES und LIFRAS (Belgien), NOB (Niederlande), DCIEM (Kanada), DSAT (USA), PDIC, NRC, USC, SSI etc.
  • NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration, U.S. Department of Commerce)
  • Unfallverhütungsvorschriften BGV C 23 (vorher VGB39) (Stand 2002)
  • RGBM (Reduced Gradient Bubble Model) von Dr. Bruce Wienke, 2002

Form und Aufbau[Bearbeiten]

Die Deko-Tabellen selbst liegen in unterschiedlicher Form vor: Als reine Nullzeittabellen, als Tabellen für Wiederholungstauchgänge, als Kartei, Druck in Lehrmitteln, Desktop-Anwendung, Webformular, Mobile App sogar als Rechenschieber. Nicht alle Tabellen sind primär für den eigentlichen Tauchgang gedacht, einige dienen alleine der Tauchgangsplanung vor dem Tauchgang. Die Benutzerfreundlichkeit und damit die Gefahr von Fehlinterpretationen fällt je nach Tabelle unterschiedlich aus. Während einige Tabellen wenig mehr als Nullzeittauchgänge abbilden, umfassen andere auch anspruchsvollere Dekompressions-Tauchgänge oder mehrere Wiederholdungtauchgänge. (mehrere Tauchgänge an einem Tag) Für die medizinische Behandlung von Dekompressionskammern und für die Planung der Arbeitszeit von Überdruckarbeiter in Senkkästen werden Dekompressionstabellen herangezogen. Dazu werden heute aber meist andere Dekompressions-Modelle benutzt als beim Gerätetauchen.[3]

Dekompressiometer[Bearbeiten]

Das Dekompressiometer ist ein nach pneumatischen Verfahren funktionierender Apparat, der vor Aufkommen der Tauchcomputer als Ergänzung zu einer Tabelle verwendet wurde. Er ist eine Sonderform eines Tiefenmessers, bestehend aus Gehäuse, Wasserdruckmembran, keramischer Diffusionsmembran und dem eigentlichen Druckmessröhrchen und Zeigerinstrument. Mit dem Zeigerinstrument wird physikalisch eine Kompression und Dekompression simuliert. Das Ergebnis wird auf einer Rundskala angezeigt und gibt die notwendigen Dekompressionsstufen und -zeiten an.[4]

Tauchcomputer[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tauchcomputer

Im Gegensatz zu Tabellen basieren heutige Tauchcomputer auf Sättigungs-Simulationen in der Regel mit mehr als nur einer Gewebeart. Analog den Tabellen existieren Tauchcomputer mit speziellen Moden für spezielle Atemgasgemische. Auch werden Wiederholungstauchgänge, JoJo-Tauchgänge oder ähnliches genauer erfasst und berechnet. Eine Dekompressionstabelle rechnet in jedem Fall konservativer als ein Tauchcomputer, was meist mehr Sicherheitsreserve zur Folge hat.[5]

Sicherheit[Bearbeiten]

Ein Problem aller Tauchtabellen liegt darin, dass die Annahme eines Rechteckprofils zugrunde gelegt wurde. Der Taucher muss mit der maximalen Tiefe und der Gesamttauchzeit die notwendigen Dekompressionsstopp aus der Tabelle ablesen. Was für Berufstaucher geeignet sein mag erwies sich für Sporttaucher, die normalerweise nach dem Erreichen der Maximaltiefe einen langsamen Aufstieg beginnen, als zu unpräzise, denn das daraus resultierende Treppenprofil kann mit einer Dekompressionstabelle nicht erfasst werden, jedoch von einem Tauchcomputer präziser und weniger konservativ berechnet werden.[5][3]

Bei anspruchsvollen Dekompressions-Tauchgängen ist es empfehlenswert, neben dem Tauchcomputer eine Taucheruhr, einen Tiefenmesser mit Schleppzeigerfunktion zur Anzeige der maximalen Tiefe und eine, einen Finimeter und eine wasserfeste Dekompressionstabelle mitzuführen, um im Fall einer Fehlfunktion des Tauchcomputers die (überlebensnotwendigen) Dekompressionsstopps beim Auftauchen einhalten zu können. Diese Redundanz nützt aber wenig, wenn das vor einem Ausfall getauchte Profil (Tauchtiefen und Grundzeiten) schon nahe an den zulässigen Limiten lag, da keine Dekompressionstabelle ein reales Tauchprofil berücksichtigt. Deshalb wird oft auch empfohlen, bei Risikotauchgängen (zum Beispiel Tief-, Wrack-, Höhlentauchen) redundante Tauchcomputer mitzuführen.[5]

Faustregeln[Bearbeiten]

Die verschiedenen Faustregeln gelten heute vor allem zur Abschätzung von Nullzeiten und Ruhezeiten vor dem Flug in einem Flugzeug (24-Stunden-Regel) oder die Reise in höher gelegene Standorte. Sie liefern Anhaltswerte, die für einfachste Tauchgänge durchaus genügen können. Einschlägige Formeln dienen etwa der Berechnung des Luftvorrates für verschiedene Tiefen. Wirkliche Sicherheit können Faustregeln aber nicht bieten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tauchen in grösserer Höhe - Bergseetauchen. PADI, abgerufen am 11. Februar 2013.
  2. Jochen van Waasen: DECO92 – 0-700m. Abgerufen am 11. Februar 2013.
  3. a b Thomas Kromp, Hans J. Roggenbach, Peter Bredebusch: Praxis des Tauchens: 3. Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-1816-2.
  4. Decompression Meter AKA Bendomatics. The Scuba Museum, Cincinnati Ohio, abgerufen am 3. April 2013 (englisch).
  5. a b c Frank Dolacek: Tauchcomputer fürs Tieftauchen. Abgerufen am 3. April 2013.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!