Detlev-Rohwedder-Haus

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Gebäude des Reichsluftfahrtministeriums, Blick von der Leipziger Straße, 1938
Das Gebäude nach der Umbenennung
in Detlev-Rohwedder-Haus, 2005

Das Detlev-Rohwedder-Haus ist ein monumentales Bürogebäude in Berlin, Wilhelmstraße 97 / Leipziger Straße 5–7. Das Gebäude war 1935 zur Zeit des Nationalsozialismus als Sitz des Reichsluftfahrtministeriums errichtet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es in der DDR als Haus der Ministerien in Gebrauch. Hier wurde am 7. Oktober 1949 die DDR gegründet. In den 1990er Jahren war es der Sitz der Zentrale der Treuhandanstalt, heute ist es Sitz des Bundesministeriums der Finanzen. Seit 1992 trägt das Gebäude den heutigen Namen nach Detlev Karsten Rohwedder, dem zweiten Präsidenten der Treuhandanstalt.

Geschichte[Bearbeiten]

Gebäudebau, 1935

Vornutzung[Bearbeiten]

Im Jahr 1819 siedelte sich auf dem Grundstück des heutigen Detlev-Rohwedder-Hauses das Preußische Kriegsministerium an. 1919 wurde das Kriegsministerium mit dem Ende der Monarchie aufgelöst. Der Gebäudekomplex wurde in der Folgezeit vom Reichswehrministerium und dem Berliner Arbeitsgericht genutzt. Nach der nationalsozialistischenMachtergreifung“ ging das Grundstück im Mai 1933 an das neu gegründete Reichsluftfahrtministerium (RLM) über. Reichsminister der Luftfahrt war Hermann Göring.

Reichsluftfahrtministerium (1935–1945)[Bearbeiten]

Der alte Gebäudekomplex des Kriegsministeriums entsprach in Größe und Aussehen nicht dem Repräsentationsbedürfnis der Nationalsozialisten. In den Jahren 1935/1936 wurde in der Wilhelmstraße daher auf Veranlassung Görings und nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel ein Neubau mit über 2000 Büroräumen und ca. 112.000 m² Bürogeschossfläche errichtet. Es entstand das damals größte Bürogebäude Berlins, ausgeführt als ein vier- bis siebengeschossiger Stahlbetonskelettbau mit Flachdach. Als Architekturstil wurde der von den Nationalsozialisten bevorzugte monumentale Neoklassizismus gewählt.

Nutzung in der SBZ und DDR (1945–1989)[Bearbeiten]

Wandbild Aufbau der Republik von Max Lingner in der Pfeilervorhalle, ausgeführt aus Meißner Porzellan
Gründung der DDR am 7. Oktober 1949. Im Zentrum Wilhelm Pieck und Margot Feist

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das nur geringfügig beschädigte Gebäude des RLM anfangs von der sowjetischen Militäradministration (SMAD) genutzt. Später bezogen die Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) und danach die Staatliche Plankommission und der Volkswirtschaftsrat der DDR Teile des Gebäudes.

Das Gebäude wurde auch Tagungsort des Deutschen Volksrats, der am 7. Oktober 1949 durch Inkraftsetzung der Verfassung die DDR gründete und sich als provisorische Volkskammer konstituierte.

Nach Gründung der DDR wurden verschiedene Fachministerien der Wirtschaft in dem Komplex untergebracht. Der Bau wurde nun offiziell als Haus der Ministerien bezeichnet.

Zwischen 1950 und 1953 wurde von dem Porträt- und Landschaftsmaler Max Lingner in der nordöstlichen Pfeilervorhalle das monumentale, 24 × 3 Meter große Wandgemälde Aufbau der Republik in Fliesen aus Meißner Porzellan ausgeführt. Das von dem Künstler ursprünglich konzipierte Bild eines verhaltenen Neuanfangs nach dem Krieg wurde auf Wunsch des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht und des Ministerpräsidenten Otto Grotewohl mehrfach überarbeitet, um am Ende einen euphorischen Aufbruch der Arbeiterklasse darzustellen.[1]

Während des Aufstands am 17. Juni 1953 fand eine Demonstration vor dem Gebäude statt. Heute erinnert daran das von Wolfgang Rüppel gestaltete „Denkmal für die Ereignisse des siebzehnten Juni Neunzehnhundertdreiundfünfzig“.[2]

Das Haus verfügt über einen 1982 (Baujahr gemäß Typenschild) in Betrieb genommenen Paternosteraufzug, der nach DDR-Baurecht erlaubt war. In Westdeutschland war hingegen seit 1974 die Inbetriebnahme neuer Paternoster verboten.

Luftaufnahme des Gebäudekomplexes

Anfang der 1970er Jahre wurde in dem ehemaligen Büro des NS-Widerstandskämpfers und Offiziers Harro Schulze-Boysen, der dort am 31. August 1942 verhaftet worden war, eine kleine Gedenkstätte für die 1969 von der Sowjetunion geehrten Widerstandskämpfer der Roten Kapelle Berlin eingerichtet.

Nutzung seit der Wiedervereinigung Deutschlands (ab 1990)[Bearbeiten]

Nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 hatte die Außenstelle Berlin (später: Dienstsitz Berlin) des Bundesministeriums der Finanzen und die Außenstelle des Bundesrechnungshofs im Gebäude ihren Sitz.

Von 1991 bis 1994 befand sich die Zentrale der Treuhandanstalt im Gebäudekomplex an der Wilhelmstraße 97. 1992 wurde das Gebäude in Detlev-Rohwedder-Haus umbenannt – nach dem von der RAF ermordeten Präsidenten der Treuhandanstalt Detlev Karsten Rohwedder. Zwischen 1994 und 1999 wurde das Gebäude umgebaut und renoviert.

Seit 1999 befindet sich hier an der Wilhelmstraße 97 der erste Dienstsitz des Bundesministeriums der Finanzen (ab 2009 unter Leitung von Wolfgang Schäuble).

Im sogenannten 1A-Flügel an der Leipziger Straße 5–7 sind Teile der Verwaltung des Bundesrates untergebracht. Der gesamte Gebäudekomplex, einschließlich der Wandgemälde und Werke der Schmiedekunst steht unter Denkmalschutz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Wagner: Regierungsbauten in Berlin. Geschichte, Politik, Architektur. S. 66–69, be.bra-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-930863-94-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Detlev-Rohwedder-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Außenkunst am Detlev-Rohwedder-Haus: Aufbruch und Zorn. Abgerufen 13. Mai 2014
  2. Denkmal für die Ereignisse des 17. Juni 1953, Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart

52.50867513.384058333333Koordinaten: 52° 30′ 31″ N, 13° 23′ 3″ O