Deutscher Anwaltverein

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Der Deutsche Anwaltverein (DAV) e.V. wurde im Jahre 1871 in Bamberg als Interessenvertretung der deutschen Rechtsanwälte gegründet und hat heute seinen Sitz in Berlin.[1]

Der Verein ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Rechtsanwälten auf der Basis der Vereinigungsfreiheit, wobei die Mitgliedschaft in der jeweils zuständigen Rechtsanwaltskammer Voraussetzung ist. Im DAV sind 254 inländische örtliche und acht ausländische Anwaltvereine organisiert, die zusammen rund 68.000 Mitglieder haben.[2] Das entspricht etwas weniger als der Hälfte der insgesamt gut 158.000 in Deutschland zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Stand Juni 2012).

Zunächst war der Sitz zehn Jahre in Berlin und bis 1932 war der Deutsche Anwaltverein am Sitz des Reichsgerichts in Leipzig ansässig,[3] unter anderem aus Missbilligung des Umzugs nach Berlin 1932 legte der seit 1924 amtierende Präsident Martin Drucker sein Amt nieder. Nachfolger wurde Rudolf Dix. Letzter Präsident in der Zeit des Nationalsozialismus war Hermann Voß, bevor der Verein im Jahre 1934 durch Walter Raeke aufgelöst und auf Befehl von Hans Frank gleichgeschaltet wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Wiedergründung des DAV auf Initiative des Hamburger Rechtsanwalts und ersten Nachkriegspräsidenten Emil von Sauer mit Sitz in Hamburg bis 1977. Seit dieser Neugründung sind nicht mehr die einzelnen Rechtsanwälte Mitglieder des DAV, sondern jeweils die örtlichen Anwaltvereine, die teilweise in Landesverbänden organisiert sind. Der DAV hatte zwischenzeitlich dann seinen Sitz in Bonn und seit 2000 wieder in Berlin.

Seit Mai 2009 ist Wolfgang Ewer als Nachfolger von Hartmut Kilger Präsident des Deutschen Anwaltvereins; Hauptgeschäftsführer ist Cord Brügmann.

Aufgaben[Bearbeiten]

Zweck des Vereins ist nach seiner Satzung die Wahrung und Förderung aller beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Anwaltschaft und des Anwaltnotariats. Die Pflege von Gemeinsinn und wissenschaftlichem Geist hat sich der Berufsverband ebenso auf die Fahnen geschrieben. Eine intensive Beschäftigung mit der Gesetzgebung findet in den Gesetzgebungs- und Fachausschüssen statt, die diese durch regelmäßige Stellungnahmen begleiten. Die Ausschüsse sind ehrenamtlich mit Persönlichkeiten aus der Anwaltschaft besetzt. Die Gesetzgebungsausschüsse erarbeiten Stellungnahmen zu wichtigen Gesetzesentwürfen, die Fachausschüsse sind Unterstützung für Vorstand und Geschäftsführung bei verbandsinternen Fragestellungen.

DAV-Ausschüsse bestehen für die Bereiche: Anwaltliche Berufsethik, Anwaltsnotariat, Arbeitsrecht, Aus- und Fortbildung, Außergerichtliche Konfliktbeilegung, Ausländer- und Asylrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Berufsrecht, UIA, DAV-Pressepreis, Deutsche CCBE-Delegation, Elektronischer Rechtsverkehr, Erbrecht, Europäisches Vertragsrecht, Familienrecht, Gefahrenabwehrrecht, Geistiges Eigentum, Gender, Handelsrecht, Informationsrecht, Insolvenzrecht, Medizinrecht, Menschenrechte, Miet- und Wohnungsrecht, Privates Bau- und Architektenrecht, Rechtsdienstleistungsrecht, Reno, RVG und Gerichtskosten, Sozialrecht, Steuerrecht, Strafrecht, Umweltrecht, Verfassungsrecht, Vergaberecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht, Verwaltungsrecht, Zivilrecht, Zivilverfahrensrecht

Neben diesen wichtigen Aufgaben widmet sich der DAV über die Deutsche Anwaltakademie der Fort- und Weiterbildung der Anwälte. Um die Qualität anwaltlicher Dienstleistungen sichtbar zu machen und das Fortbildungsengagement der Anwaltschaft weiter zu fördern, hat der DAV im Jahr 2006 die DAV-Fortbildungsbescheinigung geschaffen, die denjenigen Mitgliedern, die sich regelmäßig fortbilden, ausgestellt wird.

Maria-Otto-Preis[Bearbeiten]

Der DAV verleiht seit 2010 jährlich an weibliche Mitglieder, die sich in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft besonders ausgezeichnet haben, aber auch an Personen oder Organisationen, die sich in besonderem Maße um die Belange der Anwältinnen verdient gemacht haben, den nach der ersten deutschen Rechtsanwältin, Maria Otto, benannten Maria-Otto-Preis.

Arbeitsgemeinschaften[Bearbeiten]

Die 29 verschiedenen im DAV organisierten Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) bieten den Anwälten Gedanken- und Erfahrungsaustausch und spezialisierte Fortbildung auf ihrem jeweiligen Fachgebiet. Mitglied in einer Arbeitsgemeinschaft des DAV können alle Mitglieder eines örtlichen Anwaltsvereins werden, die sich für die Ziele und Inhalte der einzelnen Arbeitsgemeinschaften interessieren. Die Arbeitsgemeinschaften sind Teilvereine innerhalb des Deutschen Anwaltvereins. Die Arbeitsgemeinschaften werden von einem Geschäftsführenden Ausschuss geleitet, der aus dem Kreis der Mitglieder gewählt wird.

Die Arbeitsgemeinschaften umfassen die Rechtsgebiete der nach der Fachanwaltsordnung geregelten Fachanwaltschaften und einige dort nicht genannte Spezial- und Querschnittsgebiete, wie beispielsweise Allgemeinanwalt, Mediation, Anwaltsnotariat, Kanzleimanagement, Internationaler Rechtsverkehr und Syndikusanwälte[4]. Die größte Arbeitsgemeinschaft das DAV ist die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht. Zu den nächstgrößten Arbeitsgemeinschaften gehören die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des DAV e.V und die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Deutscher Anwaltstag[Bearbeiten]

Die wichtigste Veranstaltung des DAV ist der jährlich in einem anderen Bundesland (zuletzt 6. bis 8. Juni 2013 in Düsseldorf)[5] stattfindende Deutsche Anwaltstag. 2014 wird der 65. Deutsche Anwaltstag in Stuttgart stattfinden, in den darauf folgenden Jahren in Hamburg, Karlsruhe, Berlin und Leipzig.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Präsidenten[Bearbeiten]

Nach dem Kriege ging die Wiederentstehung des Vereins auf die Bemühungen seines ersten Nachkriegspräsidenten Emil von Sauer zurück. Von Sauer hatte zunächst den Hamburgischen Anwaltverein und den DAV-Nord-West gegründet und verwirklichte im Jahr 1948 den Zusammenschluss aller Anwaltsvereine und -verbände zum heutigen Deutschen Anwaltverein. Weitere Präsidenten des DAV seit der Neugründung waren:

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

Anwaltsblatt[Bearbeiten]

Das Anwaltsblatt ist das offizielle Organ des Deutschen Anwaltvereins. Die monatlich erscheinende juristische Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen in allen Rechtsgebieten. Schwerpunkte sind Anwaltsrecht, Anwaltshaftung, Anwaltsvergütung Anwaltsvergütung, Anwaltsmarkt und das Berufsrecht der Rechtsanwälte. Das Anwaltsblatt ist mit über 70.000 Exemplaren vor der Neuen Juristischen Wochenschrift und nach den BRAK-Mitteilungen an zweiter Stelle der auflagenstärksten juristischen Fachzeitschriften im deutschen Sprachraum.[8] [9]. Herausgeber sind Edith Kindermann, Ulrich Schellenberg, Herbert Schons und Prof. Dr. Heinz Josef Willemsen.

Anwaltsblatt Karriere[Bearbeiten]

Das Anwaltsblatt Karriere ist ein halbjährlich zum Sommer- und Wintersemester erscheinendes juristisches Fachmagazin des Deutschen Anwaltvereins, das sich an Studierende und Referendare richtet. Die erste Ausgabe wurde im Mai 2007 veröffentlicht. Die Zeitschrift hat eine Auflage von 25.000 Exemplaren und bietet Informationen rund um das juristische Studium, zur Anwaltschaft und beschäftigt sich mit aktuellen Themen, Nachrichten und Interviews rund um den Anwaltsberuf.[10]

Unter den aktuellen Rubriken findet man aktuelle Informationen über Einstiegsgehälter, Rechtsprechung, originale Aktenvorträge aus dem zweiten Staatsexamen, aktualisierte Fakultätsübersichten, Länderreportagen von Fachautoren für das Jura-Studium. Außerdem erschein in jedem Heft ein Stellenmarkt sowie eine Praktikumsbörse.

Die Zeitschrift wird kostenlos über Universitätsbibliotheken, Fachbuchhandlungen und Gerichte an Interessenten verteilt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutscher Anwaltverein (Hg.): Anwälte und ihre Geschichte. Zum 140. Gründungsjahr des Deutschen Anwaltvereins, Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 2011 ISBN 978-3-16-150757-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vereinsregister des AG Berlin-Charlottenburg VR 21116
  2. Pressemitteilung 05/11 des DAV
  3. Geschichte des DAV
  4. Arbeitsgemeinschaften im DAV
  5. DAV, Deutscher Anwaltstag 2012, abgerufen am 10. Juni 2013.
  6. DAV, Der Deutsche Anwaltstag (DAT), abgerufen am 7. Januar 2014.
  7. Peter Schulze: BERKOWITZ, (2) Horst Egon, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 52f.; online über Google-Bücher
  8. Titelportrait des Anwaltsblatts. In: anwaltverein.de. Deutscher Anwaltverein. Abgerufen am 7. September 2012.
  9. Mediadaten BRAK-Mitteilungen
  10. Titelportrait des Anwaltsblatts Karriere. In: anwaltverein.de. Deutscher Anwaltverein. Abgerufen am 7. September 2012.
  11. Verteilerstellen des Anwaltsblatts Karriere. In: anwaltverein.de. Deutscher Anwaltverein. Abgerufen am 7. September 2012.