Deutscher Hochschulverband

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Dieser Artikel behandelt den 1950 gegründeten Deutschen Hochschulverband; für dessen historischen Vorläufer siehe Verband der Deutschen Hochschulen.
Hochschulverband ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Hochschulverband (Begriffsklärung) aufgeführt.
Logo des DHV

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) ist die Berufsvertretung der Universitätslehrer in Deutschland. Mit fast 28.000 Mitgliedern ist er die größte fächerübergreifende Wissenschaftlervereinigung in Europa.

Überblick und Organisation[Bearbeiten]

Geschäftsstelle in Bad Godesberg

Der Verein gliedert sich in örtliche DHV-Gruppen und Landesverbände. An seiner Spitze stehen ein Präsident und ein siebenköpfiges Präsidium. Oberstes Organ ist der DHV-Tag, der einmal im Jahr zusammentritt. Die Arbeit im Verband erfolgt auf allen Ebenen ehrenamtlich und wird von der in Bonn-Bad Godesberg (Rheinallee 18/20) ansässigen Geschäftsstelle unterstützt. Seit 2004 ist Bernhard Kempen, Professor für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Köln, Präsident.

Der Verein finanziert seine Arbeit durch die Beiträge seiner Mitglieder. Die Mitgliedschaft im Deutschen Hochschulverband kann jeder Hochschullehrer (Professor, Privatdozent, Habilitierter) an einer Universität, wissenschaftlichen Hochschule oder Kunst- und Musikhochschule in Deutschland erwerben. Ebenso kann jeder deutsche Hochschullehrer an einer entsprechenden Hochschule im Ausland dem Deutschen Hochschulverband beitreten. Mitglied kann auch jeder Juniorprofessor, Habilitand oder Nachwuchsgruppenleiter werden. Fachhochschulprofessoren, die mit dem Hochschullehrerbund über eine eigene Berufsvertretung verfügen, können über einen Dienstleistungsvertrag Serviceleistungen des Verbandes in Anspruch nehmen.

Präsidenten[Bearbeiten]

Präsidium[Bearbeiten]

  • Präsident: Bernhard Kempen, Universität zu Köln
  • 1. Vizepräsident: Ulrich Schollwöck, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Vizepräsident: Bernd Helmig, Universität Mannheim
  • Vizepräsident: Josef Pfeilschifter, Universität Frankfurt am Main
  • Vizepräsidentin: Ilona Rolfes, Ruhr-Universität Bochum
  • Vizepräsidentin: Claudia Solzbacher, Universität Osnabrück
  • Vizepräsidentin: Daniela Wawra, Universität Passau
  • Beauftragter des Präsidiums für die Rentenversorgung der Wissenschaftler in den neuen Bundesländern: Gunnar Berg, Universität Halle-Wittenberg

Landesverbände[Bearbeiten]

  • Landesverband Baden-Württemberg, Vorsitz: Rainer Gadow, Universität Stuttgart
  • Landesverband Bayern, Vorsitz: Rüdiger Ahrens, Universität Würzburg
  • Landesverband Berlin, Vorsitz: Susanne Fontaine, Freie Universität Berlin
  • Landesverband Brandenburg, Vorsitz: Hans-Jürgen Holdt, Universität Potsdam
  • Landesverband Bremen, Vorsitz: Ulrich Tadday, Universität Bremen
  • Landesverband Hamburg, Vorsitz: Hartmut Schmidt, Universität Hamburg
  • Landesverband Hessen, Vorsitz: Hans-Detlef Horn, Universität Marburg
  • Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, Vorsitz: Günther Wildenhain, Universität Rostock
  • Landesverband Niedersachsen, Vorsitz: Volker Epping, Universität Hannover
  • Landesverband Nordrhein-Westfalen, Vorsitz: Wolfgang Löwer, Universität Bonn
  • Landesverband Rheinland-Pfalz, Vorsitz: Udo Fink, Universität Mainz
  • Landesverband Saarland, Vorsitz: Alberto Gil, Universität des Saarlandes
  • Landesverband Sachsen, Vorsitz: Michael Schreiber, Technische Universität Chemnitz
  • Landesverband Sachsen-Anhalt, Vorsitz: Christiane Tammert, Universität Halle-Wittenberg
  • Landesverband Schleswig-Holstein, Vorsitz: Michael Fischer, Universität Kiel
  • Landesverband Thüringen, Vorsitz: Klaus Gürlebeck, Bauhaus-Universität Weimar

Geschichte[Bearbeiten]

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Der Verein wurde am 4. März 1950 in Hannover gegründet. Historischer Vorläufer war der Verband der Deutschen Hochschulen, der auf der Versammlung der Vertreter von 23 Universitäten und 11 technischen Hochschulen vom 4. bis 7. Januar 1920 in Halle gegründet wurde. Zu Zeiten der Weimarer Republik agierte die Interessenvertretung als „eine national-konservative, in einer Position der äußeren Defensive und inneren Distanz zum parlamentarischen Parteienstaat verharrende Standesorganisation“. Verunsicherung und Desorientierung herrschten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme. Der Regensburger Historiker Franz Bauer schreibt: „Zu einer offenen Stellungnahme gegen konkrete Unrechtsmaßnahmen des sich rücksichtslos etablierenden NS-Regimes wie etwa das vor allem die jüdischen Hochschullehrer betreffende sogenannte, Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums’ vom 7. April 1933 und das, Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen’, das den Anteil jüdischer Studenten auf 1,5 Prozent begrenzte, konnte sich der Verband nicht aufraffen. Man wird wohl zu dem Urteil kommen, dass sich die Berufs- und Standesorganisation der deutschen Hochschullehrer damit moralisch nicht besser, aber auch nicht kategorial schlechter verhalten hat als viele vergleichbare Institutionen. Gemessen am traditionellen Anspruch der deutschen Professorenschaft, die geistige Elite des Landes zu repräsentieren – ein Anspruch, der nie nur intellektuell, sondern auch immer ethisch-idealistisch begründet wurde –, war das enttäuschend wenig.“

Auf einem außerordentlichen Hochschultag am 1. Juni 1933 in Erfurt wurde die „Selbstgleichschaltung“ durch die Wahl eines neuen, nationalsozialistischen Vorstandes unter dem Professor für Bodenkunde an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin, Friedrich Wilhelm Schucht, auch institutionell vollzogen. Im November 1933 wurde der VDH zusammen mit anderen hochschulpolitischen Vereinigungen und Verbänden zu einer Einheitsorganisation mit dem Namen „Reichsverband der Deutschen Hochschulen“ zusammengezogen. Per Ministererlass erfolgt die formelle Auflösung am 7. Juli 1936. Bestrebungen, die Vertretung der Hochschulinteressen wieder in eine Organisation nach dem Vorbild des „Verbandes der Deutschen Hochschulen“ zu institutionalisieren, mündeten am 4. März 1950 in die Gründung des Deutschen Hochschulverbandes. Nach der Wiedervereinigung wurden in den fünf neuen Bundesländern Landesverbände gegründet und die Arbeit des Verbandes auf das Gebiet des vereinten Deutschlands ausgedehnt.

Ziele, Aufgaben und Aktivitäten[Bearbeiten]

Der Verein tritt laut Satzung für eine unparteiische Wissenschaft in einem freiheitlichen Rechtsstaat ein.[1] Ihre grundlegenden Prinzipien sind die Freiheit und die Unteilbarkeit von Forschung und Lehre. Der Deutsche Hochschulverband ist Mitgestalter der Hochschul- und Bildungspolitik in Deutschland. Er vertritt die Interessen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegenüber Staat, Gesellschaft und Medien und versteht sich als Anwalt und Fürsprecher der Universitäten. Sein Augenmerk gilt insbesondere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und ihrer Karriereförderung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden in allen für sie relevanten Rechtsfragen beraten. Zu karriere- und berufsrelevanten Themen bietet der Deutsche Hochschulverband auch individuelle Coachings und Seminare an. Über vakante Wissenschaftlerstellen auf dem deutschsprachigen Markt informiert der DHV-Ausschreibungsdienst. Der Deutsche Hochschulverband gibt monatlich die Zeitschrift „Forschung & Lehre“ heraus. Über DHV-Funds-Consult unterstützt der Deutsche Hochschulverband seit 2008 Hochschulen beim Fundraising. Seit 2008 wird auch die akademische Personalberatung „Leaders In Science“ betrieben. Im Jahre 2010 hat der Deutsche Hochschulverband die Deutsche Universitätsstiftung ins Leben gerufen. Zweck der Stiftung ist laut Satzung die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung sowie Mildtätigkeit durch Unterstützung von Wissenschaftlern und des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seit 2010 bietet der Deutsche Hochschulverband mit dem Übersetzungsservice DHV-De einen wissenschaftsspezifischen Übersetzungsdienst an.

Preise[Bearbeiten]

Der Deutsche Hochschulverband vergibt die folgenden Preise:

  • Hochschullehrer des Jahres
  • Rektor/Präsident des Jahres
  • Nachwuchswissenschaftler des Jahres
  • Minister des Jahres

Gemeinsam mit academics zeichnet der Deutsche Hochschulverband den „Nachwuchswissenschaftler/-in des Jahres“ aus. Die Preise werden seit 2009 auf der DHV-Wissenschaftsgala vergeben. Seit 2010 würdigt der Deutsche Hochschulverband mit der Werner-Pöls-Medaille beispielhafte Kollegialität und vorbildliches ehrenamtliches Engagement im Verband.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz J. Bauer: Geschichte des Deutschen Hochschulverbandes. Saur, München 2000, ISBN 3-598-11440-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Hochschullehrerbund (Interessenvertretung der Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Satzung