Deutsches Atomforum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des Deutschen Atomforums

Das Deutsche Atomforum e. V. (DAtF) ist ein Lobbyverband von Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen, der sich für die nichtmilitärische Nutzung von Kernenergie einsetzt. Er ist als gemeinnützig anerkannt und genießt damit steuerliche Vorteile. Finanziert wird die Arbeit des Atomforums durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie Einnahmen aus Veranstaltungen und Veröffentlichungen.

Allgemeines[Bearbeiten]

Das Atomforum wurde am 26. Mai 1959 gegründet und hat derzeit rund hundert Mitglieder, vor allem Unternehmen der Energiewirtschaft. Sitz des Forums ist Berlin. Es ist Mitglied des europäischen Atomforums FORATOM und der Kerntechnischen Gesellschaft und arbeitet auch mit der World Association of Nuclear Operators (Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber) zusammen.

Schwerpunkt der Organisation ist (tendenziöse) Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Kernenergie. Außerdem veranstaltet sie Kongresse und Seminare.

Karl-Winnacker-Preis[Bearbeiten]

Für Verdienste um die Förderung der Kernkraft verleiht das Deutsche Atomforum den mit 5.000 Euro dotierten Karl-Winnacker-Preis. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Karl-Winnacker-Preis des Marburger Universitätsbundes.

Preisträger[Bearbeiten]

Präsidenten des Atomforums[Bearbeiten]

Geschichte, Kritik[Bearbeiten]

Das Deutsche Atomforum wurde 1959 gegründet, 1961 als Verein eingetragen und fördert seitdem als Interessenvertretung der Atomindustrie und - forschung die friedliche Nutzung der Kernenergie.[1] Der Verein ist durch die Berliner Finanzverwaltung als gemeinnützig anerkannt. Die Gemeinnützigkeit des Vereins ist vielfach kritisiert worden.[2]

Ende 2007 wurde dem Deutschen Atomforum der Worst EU Greenwash Award der Initiative Worst EU Lobbying Award verliehen,[3] da es in einer Werbekampagne mittels Greenwashing versucht habe, Kernenergie als umweltschonend darzustellen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz kritisierte das Deutsche Atomforum für dessen Behauptung, in Deutschland gebe es einen geeigneten Standort für ein Endlager für radioaktive Abfälle.[4] Zum 50-jährigen Jubiläum des Atomforums kritisierte der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den Verband als „Propagandazentrale der Atomkonzerne“; sie stehe „wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind“.[5]

Einen Tag nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima setzte sich das Deutsche Atomforum gegen eine Revisivion der Laufzeitverlängerung für deutsche Kernkraftwerke ein. Präsident Ralf Güldner argumentierte damit, dass deutsche Reaktoren wesentlich besser gegen Naturkatastrophen geschützt seien als japanische.[6]

Die deutsche Bundesregierung änderte jedoch ihre Atompolitik, rief ein Atom-Moratorium aus und veranlasste eine Sicherheitsüberprüfung aller 17 deutschen Atomkraftwerke. Der im Sommer 2011 in Deutschland eingeleitete Atomausstieg ist in der Folgezeit von den Bundestagsfraktionen und den meisten Politikern befürwortet worden.

Das Atomforum agiert seitdem in einem schlagartig veränderten Politikumfeld[7]

Die Jahrestagung Kerntechnik 2011 begann mit knapp 1.300 internationalen Gästen am 17. Mai in Berlin, organisiert vom Atomforum und der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG).[8] Alle Veranstaltungen mit gesellschaftspolitischem Bezug wurden aus dem Programm genommen, das Gala-Diner abgesagt. Sowohl die Rede des RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann sowie die ursprünglich geplante Rede von FDP-Generalsekretär Christian Lindner fielen aus.[9]

Zu Beginn der Jahrestagung 2011 legten vermutlich Atomkraftgegner vermeintliche Atommüllfässer in einen großen Brunnen in der Nähe des Tagungsgebäudes. Der Staatsschutz soll ermitteln.[10]

Nach dem Stopp der Erkundung des Salzstocks Gorleben gab der Präsident des Deutschen Atomforums, Ralf Güldner, im Dezember 2012 bekannt, dass die Betreiber der Kernkraftwerke einen Finanzierungsstopp der Erkundung erwägen sowie Schadenersatz geltend machen könnten, wenn Gorleben als Endlager ausgeschlossen werde.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. kernenergie.de: Deutsches Atomforum e. V. (DAtF) abgerufen am 25. Dezember 2012
  2. spiegel.de 7. November 1983: Es läßt sich manche Mark sparen
  3. Die Gewinner der Worst EU Lobbying Awards 2007 sind…
  4. Bundesamt für Strahlenschutz (12. November 2007): Atomforum arbeitet mit Behauptungen statt Fakten. Zitat: "In seiner Pressemitteilung vom 8. November 2007 stellt das Atomforum Behauptungen auf, die der Klarstellung bedürfen:"
  5. Gabriel: 50 Jahre Atomforum
  6. Handelsblatt: Deutsche Atomkonzerne in Defensive vom 13. März 2011
  7. Zeit Online: Atomlobby sieht sich durch Stresstest bestätigt. vom 17. Mai 2011
  8. PDF-Dokument bei www.kerntechnik.info
  9. taz.de: Atomforum backt kleine Brötchen
  10. Der Tagesspiegel: Unbekannte legten „Atommüllfässer“ in Brunnen
  11. Die Welt Online: AKW-Betreiber prüfen Zahlungsstopp für Gorleben vom 23. Dezember 2012