Deutschhaus Mainz

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Das Deutschhaus (oder auch Deutschordenshaus) in Mainz ist der heutige Sitz des Landtags Rheinland-Pfalz.

Deutschhaus - Landtag Rheinland-Pfalz am „Platz der Mainzer Republik“ (bis 17. März 2013: Deutschhausplatz)

Bau und Geschichte[Bearbeiten]

Das Deutschhaus während der Ersten Deutschen Industrieausstellung 1842. Zeichnung von Joseph Laské.
Das Deutschhaus von der Großen Bleiche aus gesehen
Landtag bei Nacht

Der Grundstein für das barocke Palais an der Rheinseite der Stadt wurde 1730 von Franz Ludwig von der Pfalz gelegt. Dieser war seit dem 30. Januar 1729 Erzbischof von Mainz. Gleichzeitig hatte er neben etlichen anderen auch das Amt des Hochmeisters des Deutschen Ordens inne. Als solcher beanspruchte er neben seiner eigentlichen Residenz als Erzbischof, dem in unmittelbarer Nähe liegenden Kurfürstlichen Schloss, noch einen weiteren Residenzbau für das Amt das Hochmeisters.

Der Bau wurde von Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn unter Einfluss des französischen Barock bis 1737 fertiggestellt. Namhafte Künstler wie der Augsburger Freskomaler Christoph Thomas Scheffler, die Würzburger Stuckatoren-Familie Castelli und der Mainzer Hofbildhauer Burkard Zamels gestalteten das Ordensritterpalais zu einem der prächtigsten Profangebäude im Kurmainzer Raum. Erzbischof Ludwig von Pfalz-Neuburg war bei der Vollendung allerdings bereits fünf Jahre tot, so dass hier niemals ein Hochmeister des Ordens residiert hat.

Während der kurzlebigen Mainzer Republik, welche als erste Demokratie auf deutschem Boden gelten kann, wurde das Gebäude als Sitz des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents genutzt. Dieser Konvent fungierte 1793 als Parlament für die von Frankreich besetzten linksrheinischen Gebiete, bis sie im gleichen Jahr durch alliierte (deutsche) Truppen wieder erobert wurden.

Später hatte Napoleon von 1798 bis 1814 hier seine Residenz, als die Stadt zum französischen Kaiserreich gehörte. Nach der Neuordnung des Wiener Kongresses, als die Stadt zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt kam, diente das Deutschhaus als Nebenresidenz des hessischen Großherzogs.

1945 wurde der Bau bei Bombenangriffen stark zerstört, nur noch die Fassaden standen. Er wurde jedoch schon 1950/51 als einer der ersten der zahlreichen Repräsentationsbauten der kurfürstlichen Residenzstadt wieder aufgebaut. Dabei rekonstruierte man die Außenwände, während das Innere zweckmäßig angepasst wurde. Seitdem dient das Palais als Plenargebäude des Landtags Rheinland-Pfalz.

Anlässlich des 220. Jubiläums der Mainzer Republik wurde der Platz vor dem Deutschhaus in Platz der Mainzer Republik umbenannt.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Im Plenarsaal des Landtags Rheinland-Pfalz hängt ein erhaltenes Original der beim Hambacher Fest 1832 öffentlich mitgeführten schwarz-rot-goldenen Fahnen.
  • An das Deutschhaus schließt sich direkt nach Südosten das Neue Zeughaus an, das die Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz beherbergt.
  • Auf dem Deutschhausplatz vor dem Palais befindet sich eine Nachbildung der 1904 gefundenen Mainzer Jupitersäule, deren Original sich im Landesmuseum Mainz befindet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der Mainzer Staatskanzlei (18. März 2013)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutschhaus Mainz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.0052777777788.2716666666667Koordinaten: 50° 0′ 19″ N, 8° 16′ 18″ O