Dieter Otten

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Dieter Otten (* 1943 in Eltville am Rhein) ist ein deutscher Soziologe. Er war bis 2007 Professor für Soziologie an der Universität Osnabrück und ist Vorstand der Stiftung: Internetforschung.

Leben[Bearbeiten]

Dieter Otten wuchs in Essen auf, wo er 1963 das Abitur am Werdener Gymnasium machte. Er studierte in Göttingen, Münster und Oxford zunächst Theologie, dann Soziologie, Philosophie und Mathematik. Er wurde 1972 an der Universität Münster (Kapitalentwicklung und Qualifikationsstruktur, 1974) promoviert und war bis 1973 an der Gründung der Universität Osnabrück beteiligt (Schwerpunkt: einphasige Lehrerausbildung), an die er 1974 als Professor für Soziologie berufen wurde.

Von 1991 bis 1996 war Otten als Geschäftsführer des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen und als wissenschaftlicher Berater der vebacom bei dem Projekt INFO-City NRW tätig. Von 1998 bis 2005 leitete er das Forschungsprojekt Internetwahlen. 2007 gründete Otten die »Stiftung: Internetwahlen«, heute »Stiftung: Internetforschung«.

Werk[Bearbeiten]

Ottens Forschungsthema in der theoretischen Soziologie ist die Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft. Im Zentrum stand zunächst die Erforschung der »Produktivkraftentwicklung« aus marxistischer und nicht-marxistischer Sicht, was im ersten Teil seines Werkes »Die Welt der Industrie« (1985) zu einem Verständnis der Industriellen Revolution als eines vielschichtigen Prozesses führte, der bereits im späten Mittelalter, ausgehend von Oberitalien, begann. Im zweiten Teil entwickelte Otten das Konzept einer »post-fordistischen« Informationsgesellschaft im Spannungsverhältnis zur Lohnarbeitergesellschaft.

Daneben spielten empirische Studien eine wichtige Rolle, so die Erforschung des Wahlverhaltens jugendlicher Wähler im Prozess der deutschen Einigung (New Kids on the Box, 1992), die Analyse der Geschlechterbeziehung in der permissiven Gesellschaft (Männerversagen, 1998). In den 1990er Jahren begann Otten mit der Erforschung der Jahrgänge 1939 bis 1964, die er mit der 50+ Studie von 2008 als Akteure eines Alters-Werte-Wandels identifizierte. Dieses Ergebnis führte zu einem Paradigmenwechsel in der Betrachtung des demographischen Wandels: er verläuft völlig anders als erwartet. Zwar werden die Menschen älter, aber auch der Alterslimes verschiebt sich nach oben. Und das Altersverständnis der Moderne verändert sich so dramatisch, dass »Alter« heute keine relevante soziologische Kategorie mehr sein kann (Die 50+ Studie, 2008).

Im Jahr 1998 begann Otten parallel zur Beschäftigung mit der Informationsgesellschaft auch mit der Erforschung der Internetwahlen. Daraus ging in Zusammenarbeit mit Jürgen Küntzler (†2006) das Protokoll eines sicheren und anonymen Online-Wahlsystems sowie das Wahlsystem »i-vote« hervor, ein technisch machbares und sicheres Internet-Wahlverfahren. Das Ergebnis der Assessment-Forschung aber ergab, dass Internetwahlen verfassungspolitisch solange problematisch bleiben müssen, wie es nicht gelingt, ein digitales Äquivalent zur Öffentlichkeit der Gesellschaft zu schaffen (i-vote Report, 2004-6).

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kapitalentwicklung und Qualifikationsstruktur, Zum logischen und historischen Verhältnis von wirtschaftlich technischer Entwicklung und Ausbildung des Arbeitsvermögens. Berlin 1973
  • Stichworte zur Kritik der Politischen Ökonomie. Wunstorf 1974
  • Die Welt der Industrie, Entstehung und Entwicklung der modernen Industriegesellschaft. 2 Bände:
  • Band 1: Aufstieg und Expansion. Rowohlt, Reinbek 1984
  • Band 2: Krise und Transformation. Rowohlt, Reinbek 1984
  • Männerversagen, Das Verhältnis der Geschlechter im 21. Jahrhundert. Bergisch Gladbach 2000
  • Killerapplikation: Internetwahl. In: Deutschland online. (Hrsg.: Erwin Staudt, Berlin 2002)
  • Modernisierung der Präsenzwahl durch das Internet. In: Online-Wahlen. (Hrsg.: Buchstein/Neymanns 2002)
  • Mehr Demokratie durch Internetwahlen? Paderborn 2005
  • Die 50+ Studie, Wie die jungen Alten die Gesellschaft revolutionieren. Reinbek 2008

Weblinks[Bearbeiten]