Dieter Spethmann
Dieter Spethmann (* 27. März 1926 in Essen) ist ein deutscher Manager und ehemaliger Vorstandschef der Thyssen AG. Spethmann modernisierte Thyssen und entdeckte die Transrapid-Technik in dem ehemaligen Kasseler Traditions-Unternehmen Henschel-Werke, das von Thyssen übernommen wurde.
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Familie [Bearbeiten]
Er ist der Sohn des Wirtschaftshistorikers und Historiographs des Ruhrbergbaus Hans Spethmann und dessen Frau Margarethe geb. Besthorn. Dieter Spethmann ist verheiratet und hat sechs Kinder.[1]
Ausbildung [Bearbeiten]
Nachdem ihn sein Volksschullehrer Dohmann eine Klasse überspringen ließ, besuchte Spethmann bereits im Alter von neun Jahren das Realgymnasium in Essen-Bredeney. Anfang März 1943 machte er dort sein Abitur. Nach dem Abitur begann Spethmann eine Lehre bei der Friedrich Krupp AG, die durch den Reichsarbeitsdienst und der Einberufung zur Kriegsmarine unterbrochen wurde. Ab 1948 studierte er Jura und Volkswirtschaftslehre in Kiel, Bonn und Köln. Während seines juristischer Vorbereitungsdienstes am Landgericht Essen arbeitete er parallel als unbezahlter Volontär bei Gelsenberg. 1952 legte er die Große Juristische Staatsprüfung ab. Ein Jahr später folgte die Zulassung als Rechtsanwalt.
Karriere [Bearbeiten]
Erste Tätigkeiten [Bearbeiten]
Nach dem Studium arbeitete Spethmann für kurze Zeit in einer Essener Rechtsanwaltskanzlei. Danach erhielt er bei Gelsenberg seine erste Festanstellung in der Industrie. Seine Aufgabe war es, die Auslandsschulden seines Arbeitgebers neu zu verhandeln.
Thyssen [Bearbeiten]
Ab 1955 arbeitete er für die August-Thyssen-Hütte AG (ATH), die zwei Jahre vorher aus der Vereinigten Stahlwerke AG hervorgegangen war. Dort war er zunächst Assistent des Generaldirektors Hans-Günther Sohl. 1958 wurde er Leiter der Abteilungen Finanzen und Beteiligungen, vier Jahre später Vorstandsmitglied der zu Thyssen gehörenden Handelsunion AG. Ab 1964 war er Vorstandsvorsitzender der DEW, bis er 1970 in den Vorstand der ATH wechselte.
Im April 1973 wurde Spethmann Hans-Günther Sohls Nachfolger als Vorstandsvorsitzender. Er meisterte die durch die erste große Stahlkrise in Deutschland und in Europa entstehenden Herausforderungen. Er diversifizierte, modernisierte und internationalisierte den Thyssen-Konzern. So kaufte er z. B. den US-amerikanischen Automobilzulieferer Budd, was teilweise heftig kritisiert wurde.
Unter seiner Leitung wuchsen bei Thyssen der Umsatz von zehn auf 36 Milliarden DM und die Zahl der Mitarbeiter von 92.000 auf 152.000. 1991 verließ er den Konzern, weil er mit dem Aufsichtsrat keine Einigung über die Nachfolge und die künftige Strategie erreichen konnte.
1974 wurde Spethmann zum Vorsitzenden der Wirtschaftsvereinigung Eisen und Stahlindustrie gewählt und hatte dieses Amt mit kurzer Unterbrechung bis 1984 inne. In diesem Rahmen setzte er sich auf europäischer Ebene für eine gemeinschaftliche Lösung der Stahlkrise ein.
Transrapid [Bearbeiten]
Spethmann ist nicht im technischen, sondern im volkswirtschaftlichen Sinne der Erfinder des Transrapids. Als er die Technik zufällig bei seinen Technikern im Kasseler Henschel-Werk – Henschel gehörte zu Rheinstahl, an dem wiederum Thyssen seit 1973 eine Mehrheit besaß – entdeckte, war er sofort begeistert. Seitdem setzte er sich für den Bau einer Transrapid-Strecke in Deutschland ein, allerdings erfolglos.
Weiteres Engagement [Bearbeiten]
In Gastkommentaren im Handelsblatt und der FAZ und in Briefen an Minister und Entscheidungsträger äußerte Spethmann sich zu Themen wie dem Euro und dem falschen Zinsniveau in Deutschland.
Seit 1995 ist Dieter Spethmann Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der IKB Deutsche Industriebank. Derzeit ist er zudem Mitglied des Beirats im Industrie-Club Düsseldorf. Gemeinsam mit Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg und Joachim Starbatty klagte Dieter Spethmann Ende Januar 2009 vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Vertrag von Lissabon, nachdem Peter Gauweiler, die Bundestagsfraktion der Linken und Klaus Buchner bereits Klage eingereicht hatten.[2] Außerdem klagte er gegen die neuen Begleitgesetze,[3] die nach dem Lissabon-Urteil überarbeitet werden mussten. Spethmanns Klagen zu diesem Themenbereich blieben jedoch erfolglos.
Im Mai 2010 reichte Spethmann zusammen mit Joachim Starbatty, Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Karl Albrecht Schachtschneider vor dem Bundesverfassungsgericht Klage gegen das Währungsunion-Finanzstabilitätsgesetz ein, das die deutsche Beteiligung an den Krediten zur Überwindung der griechischen Finanzkrise regelt. Nach ihrer Meinung verstößt das Gesetz gegen die Nichtbeistandsklausel im AEU-Vertrag und gegen das deutsche Grundgesetz. Die mündliche Verhandlung zu der Klage begann am 5. Juli, welche am 7. September 2011 zurückgewiesen wurde. Er ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und der Partei Alternative für Deutschland.
Veröffentlichungen [Bearbeiten]
- Die Rechtsstellung eines Gewerken bei der Verschmelzung seiner Gewerkschaft mit einer Aktiengesellschaft. Diss. 1953
- Unternehmensführung heute und morgen. Westdeutscher Verlag, Köln - Opladen 1967
- Rahmenbedingungen für den Erfolg von Weiterbildungsmassnahmen im Unternehmen. C.-Rudolf-Poensgen-Stiftung, Düsseldorf 1976
- Die Situation der europäischen Stahlindustrie. Schweizerische Bankgesellschaft, Zürich 1978
- Osteuropa blickt nach Westen. Deutsche Weltwirtschaftliche Gesellschaft, Berlin 1992
- Gemeinsames Geld ist gemeinsames Schicksal. Was wird aus dem Euro? Hohenheim Verlag, Stuttgart - Leipzig 2003. ISBN 3-89850-088-8
- Der Kampf um den Lissabon-Vertrag. Das Ringen der deutschen Bürgergesellschaft um die europäische Integration Von Markus C. Kerber, Dieter Spethmann, Joachim Starbatty et al. Lucius & Lucius Verlag, Stuttgart 2010. ISBN 978-3-8282-0500-0
- Deutschland - die Dritte Industrielle Revolution. August Dreesbach Verlag, München 2010. ISBN 978-3-940061-46-1
- Gemeinsames Geld ist gemeinsames Schicksal. Fünf Essays August Dreesbach Verlag, München 2010. 2. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-940061-47-8
- Der Euro plündert Deutschland August Dreesbach Verlag, München 2011. ISBN 978-3-940061-64-5
- Zeitbombe Staatsverschuldung – Keine Euro-Bonds und kein ESM August Dreesbach Verlag, München 2012. ISBN 978-3-940061-76-8
- In Namen des Euro arbeitslos August Dreesbach Verlag, München 2012. ISBN 978-3-9400061-96-6
Literatur [Bearbeiten]
- Elisabeth Birte Spethmann (Hg.) Magnetfelder. Dieter Spethmann zum 65. Geburtstag. Düsseldorf 1991.
- Michael Kamp: Dieter Spethmann. Ein Porträt. August Dreesbach Verlag, München 2012. ISBN 978-3-940-06170-6.
- Bernd Ziesemer (Hg.): Pioniere der deutschen Wirtschaft. Was wir von den großen Unternehmerpersönlichkeiten lernen können. Campus Verlag, Frankfurt am Main - New York 2006. ISBN 978-3-593-38121-3.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaft-politik-der-offenen-inflation_aid_529267.html Letzter Zugriff 22. März 2012
- ↑ „Weitere Klage gegen EU-Reformvertrag von Lissabon in Karlsruhe“ eu-info.de vom 27. Januar 2009, abgerufen am 16. Mai 2011
- ↑ EU-Vertrag: Jetzt kommt es auf Horst Köhler an, Hamburger Abendblatt (online), 18. September 2009
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Dieter Spethmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- www.usp.de
- Webseite von Dieter Spethmann
- „Deutschland verschenkt mit dem Euro seinen Wohlstand“ ein Gespräch mit Dieter Spethmann, FAZ, 19. Januar 2011
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Spethmann, Dieter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Manager, Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG |
| GEBURTSDATUM | 27. März 1926 |
| GEBURTSORT | Essen |