Dokumentation Obersalzberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dokumentation Obersalzberg

Die Dokumentation Obersalzberg wurde 1999 als Museum im Berchtesgadener Ortsteil Obersalzberg eröffnet und sucht seither „vor Ort“ die Vergangenheit des Obersalzbergs als „Führersperrgebiet“ und die Verbindungen der einheimischen Bevölkerungen zur NS-Politik zu beleuchten.

Lage[Bearbeiten]

Die Dokumentation Obersalzberg wurde am Hintereck unmittelbar neben dem Parkplatz und der Bushaltestelle zum Kehlsteinhaus eingerichtet, das Gebäude dieses Dokumentationszentrums steht auf den Grundmauern des früheren „Gästehauses“ innerhalb des einstigen „Führersperrgebiets“.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Obersalzberg war seit Anfang des 19. Jahrhunderts eine der Wiegen des Tourismus in Berchtesgaden. Als jedoch weite Teile des heutigen Berchtesgadener Ortsteils zum Führersperrgebiet umgewandelt wurde, kam am Obersalzberg jedweder privatwirtschaftlich organisierter „Fremdenverkehr“ zum Erliegen.

Mit Abzug der amerikanischen Streitkräfte und der damit verbunden Auflösung des Armed Forces Recreation Centers auf dem Obersalzberg ging 1996 auch die Nutzung der ehemals dort vereinnahmten NSDAP-Liegenschaften an den Freistaat Bayern über. Nach Maßgabe eines Zweisäulenkonzepts des früheren bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser (CSU) hat die bayerische Staatsregierung daraufhin beschlossen, auf diesem Areal ein Hotel der Luxusklasse sowie ein Zentrum zur Dokumentation der während der NS-Zeit begangenen Gräuel zu errichten, um das Entstehen einer Pilgerstätte für Rechtsextreme zu verhindern und einen Gegenpart zur „kommerziellen Ausbeutung“ des Standorts einzurichten.[1]

Am 20. Oktober 1999 eröffnet, erhielt die Dokumentation Obersalzberg 2005 einen Erweiterungsbau mit Seminarräumen, und 2006 wurde ein neuer Ausstellungsraum in der Bunkeranlage für Wechselausstellungen fertiggestellt.[2]

Trägerschaft, Betreiber und Leitung[Bearbeiten]

Träger der Dokumentation ist seit ihrer Eröffnung die Berchtesgadener Landesstiftung, die wiederum den Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee als Betreiber dieses Dokumentationszentrums eingesetzt hat.[2]

Die wissenschaftliche und museumsfachliche Leitung liegt beim Institut für Zeitgeschichte, München - Berlin. Staatlicherseits wird die Dokumentation als Liegenschaft des Freistaats Bayern vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen betreut.[2]

Konzept[Bearbeiten]

Die Dokumentation Obersalzberg bezieht Teile der noch erhaltenen Bunkeranlagen ein und verbindet die Vergangenheit des Obersalzbergs als „Führersperrgebiet“ mit Dokumenten und Ausstellungsstücken, die auch die Einbindung der einheimischen Bevölkerung in die nationalsozialistische Politik vorstellt.[3]

Gezeigt werden eine Dauerausstellung sowie regelmäßig wechselnde Ausstellungen. Dabei geht es nicht nur um das Geschehen am Obersalzberg, sondern um die gesamte NS-Diktatur.[4] Die Dokumentation Obersalzberg will die Geschichte des Obersalzbergs während der Zeit des Nationalsozialismus und die Verbindungen zur gesamten nationalsozialistische Politik vorstellen, um damit u. a. auch den bis dahin allein auf „kommerzielle Ausbeutung“ bedachten Fremdenverkehrsinteressen entgegenzuwirken, die den Kiosken an der Haltestelle seit Jahrzehnten auch den Verkauf von „Geschichtsmüll“ zubilligt in Form von „Andenken mit idyllischen nationalsozialistischen Motiven und vor allem reißerische Hochglanzbroschüren, die scheinbar objektiv über das Geschehen auf dem Obersalzberg in der Hitler-Zeit informierten, tatsächlich aber die Geschichte verklärten und das nationalsozialistische Regime verharmlosten“.[1]

Beginnend mit der „Vorzeigeseite“ im hellen Gebäude – u. a. anhand von Bild- und Tondokumenten über begeisterte junge Mädchen, die zu Tausenden vor dem Berghof auf ihren „Führer“ warteten – wird schrittweise in die Darstellung der Auswirkungen des Nazi-Regimes übergeleitet, die im Dunkel und in der Kühle des Bunkers mit Dokumenten zur Judenvernichtung ihr Ende findet.

Nicht zuletzt eine Tonbildschau mit Interviews früherer Bewohner des Obersalzbergs sucht eine erhellende Kommentierung der Ereignisse vor Ort und des Weltgeschehens jener Zeit vorzustellen.

Rezeption[Bearbeiten]

Während das im Rahmen des Zweisäulenkonzepts erst 2005 verwirklichte Luxushotel InterContinental Berchtesgaden Resort bereits 2009 Millionenverluste eingefahren hat und bei einer Auslastung von durchschnittlich knapp mehr als 50 Prozent bestenfalls „einen kleinen operativen Gewinn erzielt, wenn das Jahr ein gutes ist“,[5][6] konnte die Dokumentation Obersalzberg 2007 den einmillionsten, am 19. Juli 2010 den 1,5 millionsten Besucher und am 18. Juli 2013 den zweimillionsten Besucher durch den Bayerischen Staatsminister der Finanzen, Markus Söder begrüßt werden. Mittelfristig wird nun jährlich mit 150.000 bis 160.000 Besuchern gerechnet,[7] was 2013 zum Beschluss des bayerischen Kabinetts führte, die Dokumentation auszubauen. Demnach soll die Ausstellungsfläche in dreijähriger Bauzeit, jedoch frühestens ab 2015 für rund 17 Millionen Euro verdoppelt werden.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dokumentation Obersalzberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b „Täterort“ und historische Aufklärung. Vortrag von Dr. Volker Dahm (Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte; München-Berlin, fachlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg) anlässlich eines Symposiums in zwei Teilen (5. bis 7. Dezember 2002, 16. bis 17. Januar 2003), nachzulesen im Tagungsband S. 198–210, Zitat S. 199 f. (online auf ns-dokumentationszentrum-muenchen.de; Direktlink zur PDF-Datei mit 1652 Kb in der aufgerufenen Seite).
  2. a b c obersalzberg.de Über uns, letzter Abschnitt u. a. zu Erweiterungen und Trägerschaft
  3. Isabel Scheppe: Dokumentation Obersalzberg; ein Beitrag für das Regionalfernsehen Oberbayern am 25. September 2012.
  4. Dokumentation Obersalzberg. Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, abgerufen am 18. Dezember 2013.
  5.  Katharina Wiechers: Pleiteprojekt. Der Millionenverlust am Obersalzberg. In: Augsburger Allgemeine. 27. Mai 2009 (Webarchiv, abgerufen am 27. Oktober 2009).
  6. a b Heiner Effern, Nike Szymanski: 17 Millionen für Ausbau des NS-Dokumentationszentrums. in der Süddeutschen Zeitung, online eingestellt am 11. Juni 2013
  7. obersalzberg.de Zur Entwicklung der Dokumentation Obersalzberg