Topographie des Terrors

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Neubau der Stiftung Topographie des Terrors, 2010

Die Topographie des Terrors ist ein seit 1987 bestehendes Projekt in Berlin zur Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland insbesondere während der Herrschaftszeit von 1933 bis 1945. Dazu gehört eine bislang provisorische Freiluft-Dauerausstellung auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Albrecht-Straße 8 (heute: Niederkirchnerstraße 8) im Ortsteil Kreuzberg. Dort befand sich das Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der ehemaligen Kunstgewerbeschule. In unmittelbarer Nachbarschaft lag das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102, das seit 1934 zur Zentrale des Sicherheitsdienstes (SD) der SS und ab 1939 auch des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) wurde.

Das vormalige Hotel Prinz Albrecht, Prinz-Albrecht-Straße 9, war ab 1934 der Sitz des Reichsführers-SS. Dieses Gebäudeensemble[1] wurde 1983 von IBA-Leiter Josef Paul Kleihues und der Berliner CDU zunächst unter dem Begriff „Prinz-Albrecht-Gelände“ zusammengefasst, seit 1987 hat sich die heutige Bezeichnung durchgesetzt.[2] Die Dokumentationsstätte in der Niederkirchnerstraße 8 zählt zu den staatlichen Museen in Berlin. Das Gelände befindet sich in zentraler Lage zwischen Anhalter Bahnhof, Potsdamer Platz und der historischen Stadtmitte (etwas nördlich folgt das Gebiet um das Brandenburger Tor).

Geschichte[Bearbeiten]

Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße, um 1837
Geheimes Staatspolizeihauptamt, Prinz-Albrecht-Straße 8, 1933

Nach dem Abriss der Ruinen in den 1950er Jahren wurde das Gelände unter anderem anderthalb Jahrzehnte als Autodrom und als Schutthalde der Kreuzberger Flächensanierung genutzt. Die erste Ausstellung zur Topographie des Terrors entstand zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 und wurde anschließend fortgeführt. Die Ermittlungsarbeit zur Ausrichtung der Ausstellung mündete in ein Dokumentationszentrum, das weitere Belege über den Terror der Nationalsozialisten in Deutschland sammelte.

Seit 1992 besteht eine Stiftung zum Bau und Unterhalt eines Dokumentationszentrums mit angegliederter Dauerausstellung. Geschäftsführender Direktor ist der Historiker und Rabbiner Andreas Nachama. Die Pläne, auf dem Gelände des ehemaligen Sitzes der Gestapo eine Gedenkstätte zu errichten, reichen zurück bis ins Jahr 1978. Der Berliner Architekturkritiker Dieter Hoffmann-Axthelm wies in diesem Jahr in Aufsätzen und Gutachten als einer der Ersten auf die Bedeutung des ehemaligen Geländes der Gestapo-, SD- und RSHA-Zentralen hin.[2]

Zumthor-Entwurf[Bearbeiten]

Die Ausschreibung im Jahr 1993 für den Museumskomplex an der Niederkirchnerstraße gewann der Schweizer Architekt Peter Zumthor mit einem aufsehenerregenden Entwurf. Der Wunsch der Ausschreibung nach einfacher Form, die nur den Platz umhüllt, der für sich sprechen solle, wurde von ihm dadurch gelöst, die Formensprache der Baracke[3] der provisorischen Ausstellung zu übernehmen.[4] Das Konzept erinnerte mit seinem Betonbalken-Tragwerk an eine skelettierte Baracke, die jedoch durch die verglasten Lücken viel Licht einließe, wobei regelmäßige Schatten sich durch den Raum zögen.

Bei der Umsetzung wurde das architektonische Kunstwerk deutlich teurer als erwartet.[5] Schon das ungewöhnliche Tragwerk bewirkte technische Mehrkosten.[6] Die beauftragte Baufirma für das Tragwerk wurde insolvent, und es fand sich keine andere Firma, die es für einen gedeckelten Preis realisieren mochte.[7] Die Stadt Berlin konnte keine Mehrkosten tragen, auch nicht für eine reduzierte Version „Zumthor II“ mit drei bis fünf Millionen Euro mehr, und die volle Übernahme der Kostenträgerschaft durch den Bund wurde von diesem jahrelang hinausgezögert.[8]

Nach 15 Jahren trat im März 2004 der Historiker Reinhard Rürup als Wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Topographie des Terrors aus Protest zurück. Unmittelbarer Anlass war, dass „die vom Bund vor einigen Jahren bewilligten Mittel für die Vorbereitung der Ersteinrichtung des Neubaus nicht mehr ausgezahlt werden.“ Er warf zudem den zuständigen Vertretern in den Behörden von Land und Bund ein „auffälliges Desinteresse“ und eine „bestenfalls lauwarme Unterstützung“ vor.[9]

Das Land Berlin trennte sich schließlich im Streit von Zumthor. Er erhielt allerdings aufgrund vertraglicher Vereinbarungen eine Abfindung.[10] Die drei bereits für 13,8 Millionen Euro errichteten Treppentürme des Museumsbaus auf dem ehemaligen Gestapo-Gelände blieben ein Torso. Nach einer abgewiesenen Verfassungsbeschwerde von Zumthor und trotz Protesten von Architekten[11] wurden diese im Winter 2004 wieder abgerissen.

Neuer Architektenwettbewerb 2005[Bearbeiten]

Freiluft-Ausstellung Topographie des Terrors, darüber die ehemalige Berliner Mauer, 2008

Im Juni 2005 wurde ein neuer Architektenwettbewerb ausgelobt. Von 309 eingesandten und 23 ausgewählten Entwürfen gewannen im Januar 2006 schließlich die Architektin Ursula Wilms aus dem Berliner Büro Heinle, Wischer und Partner und der Landschaftsarchitekt Heinz W. Hallmann. Der Entwurf sah ein zweigeschossiges, quaderförmiges, verglastes Gebäude vor, das mit einer Nutzfläche von 3500 m² über ein Erd- und ein Untergeschoss verfügen soll. Für den Bau standen 15 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere fünf bis neun Millionen Euro wurden sowohl für die Innenausstattung als auch für die Sanierung des Außengeländes verwendet und je zur Hälfte vom Bund und vom Land Berlin getragen.[12] Die Architektin veranschlagte maximal 20 Millionen Euro und eine Bauzeit von zwei Jahren.[13]

Während einerseits das Ende der bereits seit zwölf Jahren andauernden Vertagung der Bebauungsplanung begrüßt wurde, bedauerte man andererseits die „vertane Chance“ zu einem Gesamtkunstwerk.[14]

Am 2. November 2007 wurde mit dem Neubau des Dokumentationszentrums begonnen, die Fertigstellung war ursprünglich für den 65. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 2010 geplant.[15]

Gebäude[Bearbeiten]

Luftbild des neuen Gebäudes

Die Freiluftausstellung im Graben entlang der erhaltenen Kellermauern wurde beibehalten und mit Glas überdacht. Der Dauerausstellungsraum umfasst 800 m² und erläutert die Entwicklung und Funktionsweise der Sicherheitsapparate im NS-Regime. Ein Konferenz- oder Veranstaltungsraum im hinteren Bereich bietet Platz für 199 Teilnehmer. Im südlichen Geländeabschnitt ist ein Hain aus Robinien, ein Überrest von „Harrys Autodrom“ aus den 1970er Jahren, während der Rest der Freifläche mit Eisenbahnschotter bedeckt ist.[16] Um den Flachbau herum ist eine metallene Lamellenfassade angebracht, die den Blick auf die Umgebung frei lässt. Im Untergeschoss befinden sich Seminarräume, eine Bibliothek mit 25.000 Bänden, Platz für etwa zwei Schulklassen[16] und Büros für 17 Mitarbeiter der Stiftung.[17] Das Dokumentationszentrum wurde am 6. Mai 2010 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler offiziell eröffnet.[18]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Dauerausstellungen[Bearbeiten]

Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße[Bearbeiten]

Ausstellungshalle im NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, 2010

Die Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße” wird seit 7. Mai 2010 im Gebäude präsentiert – in einer grundlegend überarbeiteten und neu gestalteten Fassung auf einer Fläche von 800 m².

Im Mittelpunkt der deutsch- und englischsprachigen Ausstellung stehen die zentralen Institutionen von SS und Polizei im „Dritten Reich” sowie die von ihnen europaweit verübten Verbrechen. Neben der Darstellung des Terrorsystems nimmt die Berücksichtigung zahlreicher Opfergruppen des NS-Regimes einen wichtigen Stellenwert ein.

Berlin 1933–1945. Zwischen Propaganda und Terror[Bearbeiten]

Ausstellungsgraben an der Niederkirchnerstraße mit Resten der Berliner Mauer (Gebäude im Hintergrund, von links: Martin-Gropius-Bau, Berliner Abgeordnetenhaus, Bundesfinanzministerium)

Der Ausstellungsgraben entlang den freigelegten Kellermauerresten an der Niederkirchnerstraße (ehemalige Prinz-Albrecht-Straße) wird weiterhin für Präsentationen im Freien genutzt, voraussichtlich jeweils von Frühjahr bis Herbst.

Ab Spätsommer 2010 wird hier eine deutsch- und englischsprachige Dauerausstellung über „Berlin 1933–1945. Zwischen Propaganda und Terror” gezeigt, die die historische Rolle Berlins als Hauptstadt des „Dritten Reichs” thematisiert.

Der historische Ort Topographie des Terrors. Ein Geländerundgang in 15 Stationen[Bearbeiten]

Freigelegte Gebäudereste auf dem Prinz-Albrecht-Gelände, 2010

Mit Eröffnung des neuen Dokumentationszentrums im Mai 2010 ist auch das Gesamtgelände der „Topographie des Terrors“ wieder zugänglich und durch ein Informationssystem inhaltlich erschlossen.

Der überwiegend an den freigelegten Gebäuderesten orientierte Rundgang über das Gelände umfasst 15 Stationen. Informationselemente sowie eine Audioführung geben einen Überblick über die Geschichte des historischen Orts „Topographie des Terrors“, die Nutzung des Geländes in der NS-Zeit und der Nachkriegszeit sowie Basisinformationen über die während des „Dritten Reichs“ hier angesiedelten Institutionen des NS-Terrors.

Integriert in den Geländerundgang sind auch die unter Denkmalschutz stehenden Reste der Berliner Mauer sowie der direkt an der Mauer gelegene, bisher nicht zugängliche und in Teilen noch erhaltene historische Gehweg der ehemaligen Prinz-Albrecht-Straße.[19]

Sonder- und Wechselausstellungen[Bearbeiten]

Zwischen den Zeilen? Zeitungspresse als Machtinstrument[Bearbeiten]

Diese Sonderausstellung wurde bis zum 20. Oktober 2013 gezeigt.[20]

Das Gesicht des Gettos. Bilder jüdischer Photographen aus dem Getto Litzmannstadt 1940–1944[Bearbeiten]

Ausstellungsplakat

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem Überfall auf Polen verschärften die Nationalsozialisten die Verfolgung der Juden in Europa. Seit 1939 wurden in Polen und später in anderen besetzten Ländern Gettos für die jüdische Bevölkerung eingerichtet.

Im Getto Litzmannstadt – wie Lodz von den deutschen Besatzern 1940 umbenannt wurde – drängten die Nationalsozialisten im Frühjahr 1940 über 160.000 Juden zusammen. Im Herbst 1941 wurden weitere 20.000 Juden aus verschiedenen westeuropäischen Städten nach Litzmannstadt deportiert. Über 4.000 Berliner wurden in vier Transporten in das Getto abgeschoben. Hinzu kamen noch 5.000 Roma aus dem Burgenland. Mehrere Zehntausend Menschen starben bis Sommer 1944 an Hunger und Krankheiten im Getto, eine große Anzahl wurden ab Dezember 1941 im nahegelegenen Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Nur wenige Informationen von den katastrophal schlechten Lebensbedingungen im Getto Litzmannstadt drangen nach außen.

Einige jüdische Photographen machten im Auftrag des Litzmannstädter Judenrates viele Tausend Bilder von nahezu allen Bereichen des Gettolebens. Diese fast 12.000 erhaltenen Kontaktabzüge befinden sich sind heute im Staatsarchiv Lodz. Eine Auswahl dieser Abbildungen wurde von der Stiftung Topographie des Terrors mit knappen historischen Informationen erläutert für diese Ausstellung zusammengestellt.

Diese Sonderausstellung ist seit 23. Juni 2010 im neuen Dokumentationszentrum zu sehen. Erstellt wurde sie von Ingo Loose und Thomas Lutz in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Łódź.

Das „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale in Berlin. Terror und Widerstand 1933–1945[Bearbeiten]

Die zweisprachige, deutsch-englische Ausstellung über das „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale war auf einer Sonderausstellungsfläche im Freien präsentiert worden und bezog auch das Bodendenkmal mit Fundamentresten der ehemaligen Zellen ein. Mit insgesamt über 400 Fotos und Dokumenten informierte sie erstmals umfassend über die Geschichte des Gefängnisses in der Prinz-Albrecht-Straße 8 und erinnerte an das Schicksal zahlreicher Häftlinge. Diese Präsentation fand von August 2005 bis April 2008 auf dem Gelände der „Topographie des Terrors” statt.

Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess[Bearbeiten]

Die anlässlich des 60. Jahrestages präsentierte Ausstellung über den „Nürnberger Prozess” umfasst rund 110 Foto- und 50 Textdokumente sowie 15 Tonstationen. Sie skizziert die Entstehungsgeschichte, den Verlauf, die Zielsetzung und Bedeutung des von den Alliierten in Nürnberg geführten Prozesses und stellt die Angeklagten in den Mittelpunkt, deren Verantwortung für Kriegs- und Massenverbrechen aufgezeigt wird. Präsentiert wurde diese Ausstellung von Oktober 2005 bis April 2007 am Bauzaun auf dem Gelände der „Topographie des Terrors”.

Realisierungswettbewerb Topographie des Terrors. Berlin 309 Entwürfe – Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten[Bearbeiten]

Präsentation sämtlicher Beiträge und Ergebnisse des offenen, internationalen Realisierungswettbewerbs „Topographie des Terrors”, der von der Bundesregierung ausgelobt und im Januar 2006 entschieden wurde. Gezeigt wurden alle 309 eingegangenen Entwürfe der Arbeitsgemeinschaften von Architekten und Landschaftsarchitekten.

Der Volksgerichtshof – Hitlers politisches Tribunal[Bearbeiten]

Deutsch-englische Dokumentation aus Anlass des 70. Jahrestags der Gründung des Volksgerichtshofs. Entstanden in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Präsentation von Juli 2004 bis Juli 2005 am Bauzaun auf dem Gelände der „Topographie des Terrors”.

Anschläge – Eine studentische Kunstaktion am Bauzaun der „Topographie des Terrors”[Bearbeiten]

Ausstellung zum Thema Rechtsradikalismus seit 1990 in der BRD. Entstanden im Fachbereich Kommunikationsdesign der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Rahmen eines Semesterprojekts „Anschläge gegen Rechts?”, mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Stiftung Topographie des Terrors. Präsentation im Mai/Juni 2002 am Bauzaun auf dem Gelände der „Topographie des Terrors”.

Wanderausstellungen[Bearbeiten]

Vor aller Augen. Fotodokumente des nationalsozialistischen Terrors in der Provinz[Bearbeiten]

Deutsch-englische Fotodokumentation über öffentliche Szenen des alltäglichen Terrors in der NS-Zeit, auf der Basis einer bundesweiten Recherche in Regional- und Lokalarchiven zur Erschließung neuer Bildquellen.

Präsentation von September 2002 bis Februar 2003 am Bauzaun auf dem Gelände der „Topographie des Terrors”. Seither ist die Wanderfassung in mehreren Städten der Bundesrepublik präsentiert worden, u. a. in Heidelberg, Mannheim, Erlangen, Saarbrücken, Prora (Rügen) und Riesa.

„Es brennt!“ Antijüdischer Terror im November 1938[Bearbeiten]

In Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum entstand die Ausstellung „Es brennt! Antijüdischer Terror im November 1938”. Das gemeinsame Ausstellungsvorhaben zum 70. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 diente der historischen Dokumentation des für alle Welt sichtbaren Angriffs auf das deutsche Judentum nach fünfeinhalb Jahren NS-Herrschaft. Präsentation von November 2008 bis März 2009 im Centrum Judaicum.

Bibliothek[Bearbeiten]

Bibliothek der Stiftung Topographie des Terrors, 2010

Die Bibliothek der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin ist eine Spezialbibliothek zu den Themenbereichen Polizei, SS, Gestapo im Dritten Reich und zum Nationalsozialismus allgemein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind im Bibliotheksbestand rund 12.000 Titel erfasst, langfristig soll die Bibliothek auf maximal 40.000 Titel anwachsen. Neben dem Großteil aktueller Literatur zu den oben genannten Themen verfügt die Bibliothek über einen beträchtlichen Teil zeitgenössischer nationalsozialistischer Literatur aus den 1930er und 1940er Jahren (ca. 3.000 Bände). Für die Spezialbibliothek relevante CD-ROMs werden ebenfalls erworben. Die benutzte Bibliothekssoftware ist Allegro-C; ein Zettelkatalog wurde nie geführt.[21]

Gedenkstättenreferat[Bearbeiten]

Die Stiftung Topographie des Terrors nimmt im Bereich der nationalen und internationalen Gedenkstätten umfassende Beratungs- und Koordinierungsaufgaben wahr. Innerhalb der Bundesrepublik ist das Gedenkstättenreferat der Stiftung die zentrale Koordinierungsstelle für Gedenkstätten und Gedenkstätten-Initiativen und fördert zunehmend auch die internationale Zusammenarbeit.

Insbesondere die in Kooperation mit anderen Trägern zweimal jährlich stattfindenden bundesweiten Gedenkstättenseminare dienen dem Informations- und Erfahrungsaustausch, der Weiterbildung und der Zusammenarbeit. Daneben werden zu speziellen Themen der NS-Zeit sowie zu aktuellen Fragen der Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur Fachseminare und Fachtagungen angeboten. Hinzu kommt die regelmäßige Organisation internationaler Seminare und Symposien, die in Kooperation mit Gedenkstätten und einschlägigen Einrichtungen anderer Länder durchgeführt werden.

Dem Gedenkstättenreferat obliegt die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten in Deutschland. Außerdem organisiert es die regelmäßig tagenden Arbeitsgruppen der Gedenkstättenpädagogik und der Gedenkstättenbibliotheken.

Gedenkstättenrundbrief[Bearbeiten]

Der GedenkstättenRundbrief erscheint zweimonatlich.

Gedenkstättenforum[Bearbeiten]

Das Gedenkstättenforum[22] ist ein Portal, das etwa 100 deutsche Einrichtungen, die jeweils mit einführenden Texten und Web-Adressen vorgestellt werden, umfasst. Auf der interaktiven Weltkarte können die Mahnmale gruppiert und ausgewählt werden. Ein Angebot der Stiftung Topographie des Terrors, das seit Jahren weiterentwickelt wird. Redaktionell betreut wird das Onlineforum von Thomas Lutz in Zusammenarbeit mit Österreichischen Gedenkdienstleistenden.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist in Deutschland eine große Zahl neuer Gedenkstätten entstanden. Deren Arbeit bezieht sich in erster Linie auf den konkreten Tatort. Von Anfang an haben sich die Gedenkstätten jedoch auch als Netzwerk verstanden. Erst mit der Betrachtung der zahlreichen Orte im Zusammenhang wird die Entwicklung und Bandbreite der nationalsozialistischen Verfolgung deutlich. Gleichzeitig hat die in letzter Zeit intensiv geführte Diskussion über die Zusammenarbeit der Gedenkstätten untereinander, sowie die sich darauf begründende Organisationsstruktur, eines immer wieder deutlich gemacht: In Zukunft wird es unbedingt notwendig sein, den Informationsaustausch zwischen den Gedenkstätten zu verbessern und effizienter zu gestalten.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen hat die Stiftung Topographie des Terrors das Online Gedenkstättenforum konzipiert, das als interaktive Einstiegs- und Kommunikations-Plattform für den Gedenkstättenbereich dienen soll. Das Online Gedenkstättenforum soll durch die Mitwirkung aller Interessierten zu einem Knotenpunkt für die Deutsche Gedenkstättenlandschaft werden.

Internationale Gedenkstättenübersicht[Bearbeiten]

Von der Stiftung Topographie des Terrors ist eine weltweite Übersicht von Institutionen, die sich mit der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung beschäftigen, erarbeitet worden. Ein Teil der Datensätze wurde unter Mitwirkung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas erstellt. Dieses Projekt wird auch von der Task Force für Internationale Kooperation bei Holocaust-Bildung, Gedenken und Forschung genutzt, von der ein erheblicher finanzieller Beitrag zur Finanzierung geleistet wurde.

Die Website bietet eine kurze historische Information und eine Beschreibung der Tätigkeiten der jeweiligen Einrichtungen, Anreisehinweise und Kontaktadressen zu den wichtigsten bestehenden Gedenkstätten und Denkmälern für die Opfer des NS-Regimes, ebenso zu den Museen und Forschungs- sowie Bildungseinrichtungen, die in diesem zeitgeschichtlichen Bereich tätig sind. Der hier zusammengetragene Überblick soll einen Einstieg bieten und zur Vernetzung und Initiierung der weiteren Zusammenarbeit beitragen. Hintergrundinformationen zu den Erinnerungskulturen in den verschiedenen Ländern finden sich auf Gedenkkulturen – ein Netzwerk.[23]

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit[Bearbeiten]

In Schöneweide befindet sich das letzte noch weitgehend erhaltene ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte es zu den mehr als 3000 über das Stadtgebiet verteilten Sammelunterkünften für Zwangsarbeiter. Im Sommer 2006 wurde auf einem Teil des heute denkmalgeschützten historischen Geländes das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit eröffnet.

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, eine Abteilung der Stiftung Topographie des Terrors, wird als Ausstellungs-, Archiv- und Lernort kontinuierlich weiterentwickelt. Die derzeitige Dauerausstellung „Bausteine“ informiert über die Geschichte des Lagers und die Entstehungsgeschichte des Dokumentationszentrums. Hinzu kommen wechselnde, auch internationale Gastausstellungen zur NS-Zwangsarbeit, ergänzt durch Begleitveranstaltungen, Führungen und weitere pädagogische Angebote. In Vorbereitung ist eine Dauerausstellung zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Berlin.

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Schaltzentrale der Hölle. Was passiert mit der „Topographie des Terrors“ in Berlin? Dokumentation, Deutschland, 2004, 7:08 Min., ZDF-aspekte, 20. Juli 2004
  • Dokumentationen des Terrors. Nachrichtensendung, Deutschland, 2007, 1:52 Min., Produktion: ZDF-heute, Erstsendung: 2. November 2007
  • „Topographie des Terrors“ zeigt Berlin in der NS-Zeit. Nachrichtensendung, Deutschland, 2010, 1:22 Min., Regie: Oliver Jarasch, Produktion: RBB, Erstsendung: 25. August 2010, Online-Video von tagesschau.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Topographie des Terrors – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katasterplan der „Topographie des Terrors“
    Lageplan mit Legende. In Frankfurter Rundschau, 4. Mai 2010
  2. a b Nils Ballhausen: Ein Treffen im „Sprechzimmer der Geschichte.“ Gespräch mit Andreas Nachama und Dieter Hoffmann-Axthelm. (PDF) In: Bauwelt, 2010, Nr. 16, S. 13.
  3. Foto: Ausstellungshalle im Jahr 1996
  4. Stefanie Endlich: Japanische, strukturelle Heiterkeit. In: Berliner Zeitung, 26. Mai 2004.
  5. Ulrich Paul: Schiefer ist viel teurer als Beton. In: Berliner Zeitung, 22. Januar 2002, Lokales, S. 20.
  6. Nikolaus Bernau: Und wo war der Bauherr? Das Scheitern Zumthors ist Folge kollektiver Verantwortungslosigkeit. In: Berliner Zeitung, 27. Mai 2004, Feuilleton, S. 30.
  7. Wertvolle Erinnerung – Das ewige Finanzdesaster der „Topographie des Terrors“. 3sat, Kulturzeit, 19. Juli 2002
  8. Gerhard Schoenberner: Topographie ist Bundessache. In: Der Freitag. Nr. 31, 23. Juli 2004 (Schoenberner ist Gründungsrektor der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz).
  9. Christina Tilmann: Skandal und letzte Hoffnung. In: Der Tagesspiegel. 27. März 2004 (Interview mit Rürup über seinen Rücktritt).
  10. Marlies Emmerich: Zumthor verlangt fast eine Million Euro. In: Berliner Zeitung, 27. Mai 2004, Lokales, S. 19
  11. Katrin Schoelkopf: Streit um Abriss der Zumthor-Treppentürme. In: Die Welt. 25. August 2004.
  12. Marlies Emmerich: Topographie des Terrors: Erster Spatenstich im Herbst 2007. In: Berliner Zeitung, 26. Januar 2006, Lokales, S. 19.
  13. Christina Tilmann: Auf Sand gesetzt. In: Der Tagesspiegel. 9. März 2006.
  14. chp: Zeichen und Zweck. In: Der Tagesspiegel. 26. Januar 2006.
  15. Severin Weiland: Glückliches Ende eines Trauerspiels. In: Spiegel Online. 2. November 2007.
  16. a b Stefan Jacobs: Baustellentour auf der neuen Topographie des Terrors. In: Der Tagesspiegel. 14. April 2010.
  17. Bernhard Schulz: Die Schreibtische der Täter. In: Der Tagesspiegel. 3. Mai 2010.
  18. Topographie des Terrors. Horst Köhler eröffnet Dokumentationszentrum in Berlin. In: Stern.de, 6. Mai 2010, abgerufen am 26. Juni 2010.
  19. Historischer Ort
  20. Wissen, was gelogen wird in der FAZ vom 22. Mai 2013, Seite 31
  21. Online-Katalog
  22. Gedenkstättenforum
  23. Gedenkstätten-Übersicht

52.50694444444413.382777777778Koordinaten: 52° 30′ 25″ N, 13° 22′ 58″ O