Domfreiheit

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St.-Paulus-Dom in Münster mit Domplatz
Domplatz und der Prinzipalmarkt von Münster im Modell

Die Dom(s)freiheit oder auch Domimmunität war im Mittelalter der unmittelbare Grund rund um den Sitz des Bischofs, des Doms mit seinem Domkapitel, dem der Domdechant vorstand. Dieser erstreckte sich zumeist nur wenige hundert Meter außerhalb der Gebäudegrenzen des Dombereichs und war in der Regel mit einer Ummauerung eingefasst (Domburg). Sie gehörte zum weltlichen Herrschaftsbereich des Bischofs, auch Hochstift genannt, umfasste aber nicht nur kirchliches Eigentum an Grund und Gebäuden.

Der Bereich der sog. Domfreiheit unterstand nicht der städtischen Gerichtsbarkeit, sondern der Dom hatte seine eigene Gerichtsbarkeit. Das betraf nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch das Gesinde, welches auf den dem Dom angeschlossenen Wirtschaftsbereichen arbeitete. Dieser Bereich diente den Domherren wie auch ihren Bediensteten zugleich als Wohnbereich. Dieser Bereich unterstand demzufolge auch nicht der städtischen Steuerpflicht. Darin bestand seine Freiheit. Innerhalb der Stadtmauern gab es also zwei eigenständige politische Herrschaften.

Dies führte in vielen Städten über die Jahrhunderte immer wieder zu Streitereien. Dies lässt sich z. B. in der Speyerer Chronik des Stadtschreibers Christoph Lehmann von 1612 verfolgen. So heißt es dort etwa: „Es hat sich viel und lange Jahr unversöhnliche Widerwärtigkeiten zwischen der Burgerschaft unnd der Clerisey Gesind in der Statt verhalten. Derhalben König Rudolph in obberberührten Vertrag sonderlich verordnet / wie derselben Rhat zu schaffen seyn solt.“

Wo die Reformation stattfand, wurden die meisten Klöster sekularisiert, womit dort in der Regel auch Domfreiheit aufhörte zu existieren. Aber nicht in katholischen Städten blieben einzelne noch länger erhalten. Mit der Säkularisierung des zu dem Zeitpunkt schon seit über 80 Jahren lutherischen Bistums Bremen zum Herzogtum Bremen 1648 fiel dessen Dombezirk innerhalb der Bremer Stadtbefestigung unter schwedische Hoheit. Seit 1817 gehörte er zu Hannover und kam erst 1803 zur Freien Reichsstadt Bremen. Der weltliche Besitz des Bistums Ratzeburg wurde mit der Aufhebung der Diözese in der Reformation zum Fürstentum Ratzeburg, das 1648 den Herzögen von Mecklenburg zugesprochen wurde und seit 1701 den westlichen Teil von Mecklenburg-Strelitz bildete. Die Stadt Ratzeburg (ohne den Domhof) gehörte hingegen zum Herzogtum Lauenburg.

Beispiele heute noch relativ gut erkennbarer Domfreiheiten sind die in Halberstadt, Hildesheim, Magdeburg, Merseburg, Münster, Naumburg (Saale) und Trier.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Schubert und Jürgen Görlitz, Die Inschriften des Naumburger Doms und der Domfreiheit, Berlin 1959.
  • Ursula Hoppe, Ursula, Die Paderborner Domfreiheit: Untersuchungen zu Topographie, Besitzgeschichte und Funktionen, München 1975. (zgl. Diss. Münster 1971).

Weblinks[Bearbeiten]