Herzogtum Sachsen-Lauenburg

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Sachsen-Lauenburg
Wappen
Blason Jean Ier de Saxe-Lauenbourg.svg
Bestehen 1296–1876
Entstanden aus Herzogtum Sachsen
Herrschaftsform Herzogtum
Herrscher/Regierung Herzog
Heutige Region/en DE-SH
Reichskreis Niedersächsischer Reichskreis
Hauptstädte/Residenzen Lauenburg
Dynastien Askanier, Kurfürstentum Hannover
Konfession/Religionen seit der Reformation lutherisch
Sprache/n Deutsch
Aufgegangen in Königreich Westphalen (1810); Königreich Preußen (1876)

Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg war ein seit 1296 reichsunmittelbares Fürstentum im äußersten Südosten des heutigen Schleswig-Holsteins mit dem territorialen Schwerpunkt in dem heutigen nach ihm benannten Kreis Herzogtum Lauenburg.

Neben dem Kernterritorium um Lauenburg und Ratzeburg gehörten zeitweise aber auch andere Territorien hinzu, wie das Land Hadeln im Elbmündungsgebiet, das Amt Neuhaus im Landkreis Lüneburg nördlich der Elbe, die Elbmarschen des heutigen Kreises Lüneburg sowie die Stadt Bergedorf mit den Vierlanden, die heute zu Hamburg gehören. Das Herzogtum entstand 1296 durch Teilung des Rest-Herzogtums Sachsen. Residenzorte des Herzogtums waren die Städte Ratzeburg und Lauenburg. Lauenburg kam 1814/1815 an Dänemark und wurde 1864/1866 genauso wie Schleswig und Holstein preußisch.

Regierende Dynastien[Bearbeiten]

Regierendes Herzogsgeschlecht waren bis 1689 die Askanier, danach war das Herzogtum durch Personalunion erst mit dem Kurfürstentum Hannover (1689–1803), dann dem Königreich Dänemark (1814–1864) und schließlich Preußen (1865–1876) verbunden. 1876 wurde das Herzogtum als Kreis Herzogtum Lauenburg in die Provinz Schleswig-Holstein des Königreiches Preußen eingegliedert.

Stellung im Reich[Bearbeiten]

Als einer der Rechtsnachfolger des alten Stammesherzogtums Sachsen besaß das Herzogtum Lauenburg in seiner Anfangsphase Lehnshoheitsrechte gegenüber der nordelbischen Grafschaft Holstein sowie im mittleren Weserraum, die aber in späterer Zeit nicht mehr durchgesetzt werden konnten bzw. verkauft wurden. In Konkurrenz zu dem durch die Teilung 1296 ebenfalls entstandenen Herzogtum Sachsen-Wittenberg kämpften die Lauenburger Herzöge vergeblich um die Kurwürde. Dieser Kampf wiederholte sich nach dem Aussterben der Askanier in Sachsen-Wittenberg im Jahre 1422, diesmal in Konkurrenz zu den Wettinern aus der Markgrafschaft Meißen.

Wirtschaftliche Grundlagen[Bearbeiten]

Wirtschaftliches Rückgrat des Herzogtums war die Landwirtschaft. Daneben profitierte aber das Land auch von seiner Lage im Städtedreieck Hamburg, Lübeck und Lüneburg. Der Transithandel zwischen diesen Städten verschaffte den Herzögen erhebliche Zolleinnahmen. Von großer Bedeutung war dabei der Salzhandel zwischen der Salzstadt Lüneburg und dem Ostseehafen Lübeck. Der Salztransport erfolgte auf dem Land- (heute als „Alte Salzstraße“ bezeichnet) vor allem aber auf dem Wasserwege. Zu diesem Zweck wurden die Flüsse Stecknitz und Delvenau von 1392 bis 1398 zum sogenannten „Stecknitzkanal“ ausgebaut, einer der ältesten künstlichen Wasserstraßen Europas. Die damals errichtete Palmschleuse gilt als älteste Kammerschleuse des Kontinents. Allerdings konnten die hohen Zolleinnahmen die finanziellen Aufwendungen der Herzöge insbesondere für ihren Kampf um die Kurwürde nicht ausgleichen, so dass das Herzogtum permanent am Rande des Staatsbankrotts stand und immer zahlreiche Ortschaften an die Hansestadt Lübeck als Exklaven verpfändet waren. Dies gilt insbesondere für die Stadt Mölln, die von 1359 bis 1683 in lübscher Hand war.

Geschichte des Herzogtums[Bearbeiten]

Mittelalter (bis 1296)[Bearbeiten]

Im 7./8. Jahrhundert besiedelte der Teilstamm der Polaben des slawischen Großstammes der Abodriten aus Osteuropa oder vom Balkan kommend den Nordteil des heutigen Kreises Herzogtum Lauenburg. Der Südteil des Kreises, die sogenannte „Sadelbande“, gehörte dagegen zum sächsischen Einflussbereich und war zu dieser Zeit weitgehend unbesiedelt. Im Jahr 804 überließ Karl der Große den verbündeten Abodriten das ganze sächsische Nordalbingien, um eine Pufferzone gegen die Dänen unter ihrem Anführer Göttrik einzurichten. Nach der Niederlage der Abodriten 810 änderte Karl seine Politik und machte Nordalbingien zum Teil seines Fränkischen Reiches. Die Abodriten mussten sich auf ihr angestammtes Siedlungsgebiet zurückziehen. An der Grenze zwischen sächsischem und slawischem Siedlungsgebiet richtete Karl den sogenannten Limes Saxoniae ein, der vom heutigen Lauenburg bis zur Kieler Förde reichte und mitten durch das heutige Kreisgebiet verlief.

Danach setzte die sächsische Kolonisationswelle in der Sadelbande (Südkreis) ein, an der auch Slawen beteiligt wurden. Im Jahr 1062 wurde dann Ratzeburg als „Racesburg“ erstmals erwähnt. Die eigentliche Ratzeburg wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts vom Polabenfürsten Ratibor (Kurzname „Ratse“) begründet. Vier Jahre später kam es zum Martyrium des Ansverus. Heinrich der Löwe richtete im Jahr 1142 auf dem Siedlungsgebiet der Polaben die Grafschaft Ratzeburg ein, die den Nordteil des heutigen Kreises Herzogtum Lauenburg und Teile des westlichen Mecklenburgs umfasste. Er belehnte Heinrich von Badewide mit der Grafschaft. 1154 gründete Heinrich der Löwe auch das Bistum Ratzeburg; erster Ratzeburger Bischof war Evermod.

Im Jahr 1180 wurde Heinrich der Löwe auf dem Reichstag zu Gelnhausen durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa aller seiner Lehen verlustig erklärt und er wurde als Herzog von Sachsen abgesetzt. Heinrich musste nach einem Bürgerkrieg, der bis 1182 dauerte, ins Exil gehen. Der Askanier Bernhard I. von Anhalt erhielt daraufhin das Herzogtum (allerdings ohne Westfalen) zum Lehen. Bernhard I. errichtete dann 1182 die Lauenburg. Im Jahr 1201 gerieten ganz Nordelbien und das nördliche Mecklenburg nach der Schlacht bei Waschow unter dänische Herrschaft; auch die Lauenburg wurde von den Dänen erobert.

Die Grafen von Schwerin erhielten 1204 als Belohnung für ihre Unterstützung der dänischen Expansion von den Dänen alle Gebiete der Grafschaft Ratzeburg östlich der heutigen schleswig-holsteinisch-mecklenburgischen Grenze. Dafür wurde der Grafschaft die Sadelbande, die bisher immer der direkten Kontrolle der sächsischen Herzöge unterstanden hatte, der Grafschaft angeschlossen. Damit waren der Nord- und der Südteil des heutigen Kreises Herzogtum Lauenburg erstmals administrativ vereint.

Gebiet des neuen Herzogtums um 1235, damals noch geteilt in das Gebiet zwischen Lauenburg und Ratzeburg und den Teil Hadeln um Otterndorf

Nach der Schlacht bei Bornhöved im Jahre 1227 endete die dänische Herrschaft in Norddeutschland. Da das Grafengeschlecht von Ratzeburg ausgestorben war, konnten die Askanier als Herzöge von Sachsen – und damit als Lehnsherren – die Grafschaft Ratzeburg als erledigtes Lehen einziehen. Im Jahr 1235 schuf Kaiser Friedrich II. das neue welfische Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, wodurch die Position der Askanier deutlich geschwächt wurde. Im Jahre 1260, nach dem Tode ihres Vaters Albrechts I., übernahmen die Brüder Johann I. und Albrecht II. gemeinsam die Herrschaft.

Die askanische Zeit (1296–1689)[Bearbeiten]

Wappen Sachsen-Lauenburgs während der askanischen Zeit
Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg um 1400, Allgemeiner Historischer Handatlas von Gustav Droysen, 1886
  • 1349: Landfriedensbündnis mit Lübeck und Hamburg gegen den aufsässigen und räuberischen Adel. Zahlreiche befestigte Adelssitze werden zerstört.
  • 1401: Nach dem Tod des kinderlosen Erichs III. aus der Bergedorf-Möllner Linie kann Erich IV. aus der Ratzeburg-Lauenburger Linie das Herzogtum wieder vereinen.
  • 1423: König Sigismund verleiht das Kurfürstentum Sachsen an die Wettiner (der Name „Sachsen“ wandert dadurch in die heutige Region Sachsen). Die Lauenburger Herzöge erhalten jedoch ihren Anspruch weiter aufrecht.
  • 1531: Schleichende Reformation im eigentlichen Herzogtum, seitens der Herzöge nicht gefördert[2]
  • 1623: Als erfolgreicher Feldherr in kaiserlichen Diensten erhält Herzog August die Herrschaft Schlackenwerth in Böhmen. Zwar residiert der Herzog jetzt kaum noch im Herzogtum, doch aufgrund der hohen böhmischen Einnahmen können die finanziellen Probleme der Herrschaft überwunden werden.
  • 1683: Mölln wird aus der Pfandherrschaft Lübecks ausgelöst.

Die „hannoversche“ Zeit (1689–1814)[Bearbeiten]

Sachsen-Lauenburg nach dem Vergleich zwischen Lübeck und Kurhannover (1747) bis zur Dänischen Zeit um 1848
  • 1747: Zahlreiche an Lübeck verpfändete Dörfer können wieder ausgelöst werden.
  • 1803: Französische Truppen besetzen das Herzogtum; damit endet die Verbindung mit Hannover.
  • 1806: Erneut besetzen französische Truppen das Herzogtum.

Dänische Zeit und Eingliederung in den preußischen Staat (1815–1876)[Bearbeiten]

Wappen des Herzogtums Lauenburg ab 1867 mit den Farben der Hohenzollern (schwarz und weiß)


Flagge des Herzogtums Sachsen-Lauenburg

Am 29. Mai 1815 tritt Hannover das Herzogtum Lauenburg „rechts der Elbe“ auf dem Wiener Kongress an Preußen ab (erhält aber das Amt Neuhaus später wieder zurück). Schon am 4. Juni vertauscht Preußen diese Erwerbung – ohne Neuhaus – gegen das 1814 dänisch gewordene Schwedisch-Vorpommern. Lauenburg wird in Personalunion mit dem Königreich Dänemark verbunden. Das Amt Neuhaus und die linkselbische Elbmarschvogtei bleibt beim Königreich Hannover. Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg wird Bundesstaat des Deutschen Bundes.

In Folge der Märzrevolution wird 1848 mit der Landesversammlung ein demokratisch gewähltes Parlament und im Mai 1849 das Grundgesetz für das Herzogthum Lauenburg[4] eingeführt, aber mit dem Sieg der Reaktion bald wieder abgeschafft.

Nach der Niederlage Dänemarks im Deutsch-Dänischen Krieg fällt das Herzogtum 1864 gemeinsam mit Schleswig und Holstein unter gemeinsame preußische und österreichische Staatsgewalt (sog. Kondominium).

Die Herzöge von Sachsen-Lauenburg[Bearbeiten]

Askanier (1269–1689)[Bearbeiten]

  • Johann II., 1296–1305 (gemeinschaftliche Regierung)
  • Albrecht III., 1296–1305 (gemeinschaftliche Regierung)
  • Erich I., 1296–1305 (gemeinschaftliche Regierung)

1305 Teilung in die Bergedorf-Möllner und die Ratzeburg-Lauenburger Linie

Bergedorf-Möllner-Linie (1305–1401)

1401 an die Ratzeburg-Lauenburger Linie

Ratzeburg-Lauenburger Linie (1305–1401)

1401 Vereinigung mit der Bergedorf-Möllner-Linie

Sachsen-Lauenburg (1401–1689)

Welfen (1689–1803)[Bearbeiten]

Haus Braunschweig – Celle (1689–1705)

Haus Hannover (1705–1803)

französisch besetzt, 1803–1805
an Preußen, 1805–1806
französisch besetzt, 1806–1810 zum Königreich Westphalen, 1810
zum französischen Kaiserreich, 1810–1814

Oldenburger (1814–1864)[Bearbeiten]

Hohenzollern (1865–1876)[Bearbeiten]

1876 Eingliederung in Preußen

1890 erhielt Otto von Bismarck bei seiner Entlassung als Reichskanzler den Titel Herzog zu Lauenburg. Den Herzogtitel führte er jedoch niemals; er ließ auch Post zurückgehen, die so adressiert war.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Friedrich Burmester: Beiträge zur Kirchengeschichte der Herzogthums Lauenburg. Selbstverlag, Ratzeburg 1832, S. 14.
  2. Johann Friedrich Burmester: Beiträge zur Kirchengeschichte der Herzogthums Lauenburg. Selbstverlag, Ratzeburg 1832, S. 16.
  3. Cordula Bornefeld: Die Herzöge von Sachsen-Lauenburg. In: Die Fürsten des Landes: Herzöge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg [De slevigske hertuger; deutsch]. Herausgegeben von Carsten Porskrog Rasmussen im Auftrag der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Wachholtz, Neumünster 2008, ISBN 978-3-529-02606-5, S. 373–389, hier S. 379.
  4. Grundgesetz für das Herzogthum Lauenburg

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Friedrich Burmester: Beiträge zur Kirchengeschichte des Herzogthums Lauenburg. Ratzeburg 1832 (Digitalisat).
  • Adolf von Duve: Mittheilungen zur näheren Kunde des Wichtigsten der Staatsgeschichte und Zustände der Bewohner des Herzogthums Lauenburg von der Vorzeit bis zum Schlusse des Jahres 1851 ... H. Linsen, 1857.
  • Alfred Kamphausen: Herzogtum Lauenburg (Deutsche Lande – Deutsche Kunst). München/Berlin 1959.
  • Peter von Kobbe: Geschichte und Landesbeschreibung des Herzogtums Lauenburg. (Digitalisat des 3. Teils, Altona 1837).
  • Eckardt Opitz (Hrsg.): Herzogtum Lauenburg: das Land und seine Geschichte. Ein Handbuch. Neumünster 2003.
  • Eckardt Opitz: Otto von Bismarck und die Integration des Herzogtums Lauenburg in den preußischen Staat (= Friedrichsruher Beiträge, Band 15). Friedrichsruh 2001.

Weblinks[Bearbeiten]