Domschule

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel bezieht sich auf die Domschule im Allgemeinen. Für spezielle Schulen dieses Namens siehe Domschule (Begriffsklärung).

Domschulen oder Kathedralschulen entstanden an katholischen Bischofssitzen in Westeuropa seit dem 8. Jahrhundert. Sie überflügelten langsam die älteren Klosterschulen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Klosterschulen verloren an Bedeutung besonders ab dem 11. Jahrhundert wegen der Klosterreformen, die sich gegen die Verweltlichung und Außenkontakte richteten. An städtischen Domschulen konnten mehr Jungen am Unterricht teilnehmen, die nicht Kleriker werden sollten. Klerikerausbildung blieb aber ihr Hauptzweck. Karl der Große erließ eine Vorschrift, nach der bei Bischofskirchen eine Schule zu eröffnen war (Admonitio generalis von 789). Als Lehrinhalt bestimmte er Singen, Lesen, Schreiben, Berechnen des Ostertermins, lateinische Grammatik.

Bedeutende fränkische oder deutsche Domschulen befanden sich zum Beispiel in Utrecht, Lüttich, Köln, Speyer, Würzburg[1], Bamberg, Magdeburg, Hildesheim und Freising[2]. In salischer und staufischer Zeit entwickelte sich beispielsweise die Domschule zu Speyer, gegründet von Bischof Balderich (970-986) nach dem Vorbild von St. Gallen, zu einer Ausbildungsstätte für Diplomaten und Statthalter bzw. Funktionäre des Reiches.[3] [4]

Bedeutende Domschulen in Frankreich waren Orléans, Reims, Notre Dame de Paris, Laon, Tours und Chartres. Aus ihnen ging die geistige Elite der hochmittelalterlichen Reiche hervor. Ab 1179 benötigten die Lehrer eine Licentia docendi (Lehrerlaubnis) des Scholasticus, des für den Unterricht verantwortlichen Klerikers im Domkapitel.

In Frankreich lehrten die ersten freien Lehrer die Domschüler das Fach Philosophie gegen Lohn, so Petrus Abaelard, der „Erfinder“ der Scholastik, womit zunächst nur der geordnete Vortrag der Meinungen zu einem Thema gemeint war. Aus einigen Domschulen in Italien entstanden ab dem 12. Jahrhundert erste Universitäten in Bologna, Padua und Siena, in Frankreich in Paris und Toulouse. Sie entstanden als teilautonome Genossenschaften der Lehrenden und Studierenden, die Lehre wurde an ein bestandenes Examen gebunden. Lehrende benötigten ab 1233 die so genannte facultas hic et ubique docendi des Papstes („Lehrbefugnis hier und überall“), um Ketzerei zu verhindern.

Seit dem Hochmittelalter entstanden neben den Domschulen kleinere Lateinschulen an den städtischen Pfarreien, die zunehmend unter die Verwaltung der Kommunen kamen ("Kommunalisierung"). Im Spätmittelalter wurden daneben noch private deutsche Schreibschulen für bürgerlich-kaufmännische Bildungsinteressen geschaffen, die häufig als Winkelschulen bestanden.

Unterricht[Bearbeiten]

Gelehrt wurde an Domschulen die Sieben freien Künste, aufgeteilt in das so genannte Trivium (sprachliche Fächer Grammatik, Dialektik und Rhetorik), sowie das Quadrivium (mathematische Fächer Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik).

Neuzeit[Bearbeiten]

Viele Domschulen gingen mit Spätmittelalter und Reformation ein, so in Köln und Bamberg. Einige behielten den Namen, wurden aber protestantische Schulen (z. B. Magdeburg oder die Domschule Güstrow). Wieder andere wurden Jesuitenschulen (Hildesheim und Paderborn).

Andere Domschulen wurden erst im 18. und 19. Jahrhundert gegründet und blieben weniger bekannt und elitär. So hatte die aus Frankreich geflüchtete Hugenottengemeinde in Berlin in den Räumen des Französischen Doms auf dem Gendarmenmarkt eine Domschule als jeweils sechsklassige Knaben- und Mädchenschule (Elementar- bzw. „Mittelschule“) eingerichtet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Fuhrmann: Latein und Europa, (Die fremdgewordenen Fundamente unserer Bildung). Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Karl dem Großen bis Wilhelm II. 2. Auflage. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-8321-5605-4.
  • Bernhard Gallistl: Bibliothek und Schule am Dom. In: Monika E. Müller (Hrsg.): Schätze im Himmel – Bücher auf Erden. Mittelalterliche Handschriften aus Hildesheim. Harrassowitz, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-447-06381-4, S. 55–68 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 93).
  • Sonja Ulrike Klug: Kathedrale des Kosmos. Die heilige Geometrie von Chartres. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Kluges, Bad Honnef 2005, ISBN 3-9810245-1-6 (darin längeres Kapitel über die Kathedralschule von Chartres inkl. der antiken Philosophen, auf denen sie basiert, sowie die sieben freien Künste).
  • Johannes E. S. Schmidt: Die Französische Domschule und das Französische Gymnasium zu Berlin. Schülererinnerungen 1848–1861. Herausgegeben und kommentiert von Rüdiger R. E. Fock. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3478-0 (Schriften zur Kulturgeschichte 6).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Würzburger Domschule
  2. Prinz, Friedrich: Grundlagen und Anfänge. Deutschland bis 1056, Deutsche Geschichte, Bd. 1, Beck München 1985, S. 323f, ISBN 3-7632-2991-4
  3. Friedrich Prinz: Deutsche Geschichte. Bd. 1. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1985, S. 323, ISBN 3-7632-2991-4.
  4. Geschichte der Stadt Speyer. Bd. 1. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1982, S. 209, ISBN 3-17-007522-5