Dynastie der Saud

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Genealogische Tabelle der Führer der Āl Saud.

Die Dynastie der Saud (arabisch ‏آل سعود‎ Al Sa'ud, DMG Āl Saʿūd) ist eine arabische Dynastie auf der Arabischen Halbinsel seit etwa 1735. Gegenwärtig entstammen ihr etwa 5000[1]bis 7000[2] lebende Prinzen, die alle großzügig staatlich alimentiert werden.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Reich der Saud 1880 (gelb)

Die Ursprünge der Saud-Dynastie lassen sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. 1446 wurde der aus der ostarabischen Oase Katif stammende Mani al-Muraidi im Nadschd mit zwei Dörfern belehnt und gründete Dariya nordwestlich von Riad. Schon um 1500 wurde der Wadi Hanifa kontrolliert und regierten die Sauds eines der bedeutendsten Fürstentümer in Zentralarabien. Allerdings gab es andauernde Machtkämpfe innerhalb des Clans, die erst nach 1735 unter Muhammad ibn Saud beigelegt werden konnten.

Muhammad ibn Saud (reg. 1735–1765) schloss 1744 in Dir`iya (heute ein Vorort von Riad) ein Bündnis mit Muhammad ibn Abd al-Wahhab, dem Begründer des Wahabismus. Ibn Saud versprach in seinem künftigem Reich die wahabitische Interpretation von Koran und Sunna als alleingültige durchzusetzen, ibn Abd al-Wahhab hingegen sicherte zu, den Herrschaftsanspruch des saudischen Herrschers religiös zu legitimieren. Durch diese bis heute bestehende Verbindung der Verbreitung des für die Wahhabiten wahren Islams und der Machtinteressen der Saud-Familie begann die Vereinigung des Nadschd mit der Unterwerfung der Beduinenstämme. Bald nach der Vereinigung der Stämme begannen Feldzüge gegen die Randgebiete der arabischen Halbinsel. Als aber 1803 Mekka und Medina unterworfen wurden, beauftragte der osmanische Sultan, Mahmud II., Muhammad Ali Pascha mit der Vertreibung der Wahabiten. Daraufhin kam es zum osmanisch-saudischen Krieg, in dem die Saudis vernichtend geschlagen wurden.

Allerdings begann schon Turki as-Saud (1820–1834) mit der Reorganisation des Reiches in Arabien. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkten sich aber die Familienfehden, sodass die Sauds 1884 durch den Stamm der Schammar unter Muhammad ibn Rashid (1869–1897) gestürzt und nach Kuwait ins Exil vertrieben wurden. In den folgenden Jahren war nun Ha'il in Nordarabien das Zentrum der Wahabiten.

Erst 1902 eroberte Abd al-Aziz ibn Saud (1880–1953) Riad und den Nadschd zurück. Nach der Anerkennung der Saudis durch das Vereinigte Königreich (1915) konnte er nach dem Ersten Weltkrieg die Vereinigung der Beduinen im zentralen Arabien abschließen. So wurden die Schammar 1921 unterworfen, 1924 Hussein ibn Ali im Hedschas besiegt und Mekka und Medina besetzt. Am 23. September 1932 wurde das Königreich Saudi-Arabien proklamiert. Mit der Entdeckung großer Erdölvorkommen 1938 begann eine schnelle wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Nachfolger Saud ibn Abd al-Aziz (1953–1964) überließ die Regierung weitgehend seinem Bruder Faisal ibn Abd al-Aziz (1964–1975). In den Sechziger Jahren kam es zu verstärkten Spannungen zwischen dem konservativen Saudi-Arabien und dem republikanischen Ägypten unter Gamal Abdel Nasser. So unterstützten beide Staaten im jemenitischen Bürgerkrieg (1962–1967) die Royalisten bzw. die Republikaner.

1960 wurde mit dem Iran, Irak, Kuwait und Venezuela die OPEC gegründet, um die Stabilität des Ölpreises zu sichern. Als 1973 diese Organisation den Ölpreis anhob, führte dies zur Ölkrise und zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen der westlichen Industrieländer. Nach der Ermordung von Faisal wurde Chalid ibn Abd al-Aziz König (1975–1982), wobei die Regierung aber von Fahd ibn Abd al-Aziz (1982–2005) geführt wurde. Unter ihm wurden 1977 die Erdöl- und Erdgasfirmen in Saudi-Arabien verstaatlicht.

Durch den Zweiten Golfkrieg, bei dem amerikanische und andere westliche Truppen auf saudischem Territorium stationiert wurden, geriet die Dynastie der Saud Anfang der 1990er Jahre in eine schwere Legitimitätskrise. Viele islamische Gruppen in Saudi-Arabien und im Ausland, die sich an dem Dschihad in Afghanistan beteiligt hatten, sahen dies als eine Besetzung islamischen Bodens durch „Truppen der Ungläubigen“ an und protestieren gegen die saudischen Herrscher, die diese Besetzung erlaubten. Im Mai 1993 gründeten die beiden saudischen Intellektuellen Muhammad al-Masʿarī und Sa'ad al-Faqih das "Komitee zur Verteidigung der legitimen Rechte" (Laǧnat ad-Difāʿ ʿan il-Ḥuqūq aš-Šarʿīya) und kritisierten in Kommuniques das Haus Saud als "korrupt" und "unislamisch".[3]

Bedeutende lebende Angehörige der Dynastie[Bearbeiten]

Liste der Könige von Saudi-Arabien[Bearbeiten]

Imame der Saud[Bearbeiten]

Könige[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg-Dieter Brandes: … mit Säbel und Koran, Saudi-Arabien oder der Aufstieg der Königsfamilie Saud und der Wahabiten. Thorbecke, Stuttgart 1999, ISBN 3-7995-0094-4.
  • David Holden, Richard Johns: The House of Saud, Pan Books, London 1983 ISBN 0-330-26834-1;
    • Deutsch von Brigitte Stein: Die Dynastie der Sauds. Wüstenkrieger und Weltfinanzierer. Econ-Verlag, Düsseldorf u. a. 1981, ISBN 3-430-14767-0.

Belege[Bearbeiten]

  1. Der Spiegel online am 1. August 2005, Saudi-Arabiens Herrscherfamilie: 42 Männer haben das Sagen resp. Süddeutsche Zeitung online am 11. Mai 2010, Ziel des Argwohns und des Hasses (je abgerufen am 25. August 2014) resp. Franz Alt, Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne (2010)
  2. a b Die Welt online am 19. April 2011: Saudi-Arabien alimentiert 7000 geldgierige Prinzen (abgerufen am 25. August 2014)
  3. Vgl. John Calvert: Islamism: a documentary and reference guide. Westport, Conn.: Greenwood Press, 2008. S. 183f.