E-Ship 1
|
Die E-Ship 1 im Emder Hafen |
||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||
Die E-Ship 1 ist ein Frachtschiff, das neben einem Dieselantrieb zusätzlich über einen Antrieb mittels Flettner-Rotoren verfügt, also ein Rotorschiff ist. Sie wurde 2006 von der Firma Enercon aus Aurich bei der Lindenau-Werft in Kiel in Auftrag gegeben und 2010 bei der Cassens-Werft in Emden fertiggestellt. Sie ist für den Transport von Enercon-Windkraftanlagen ausgelegt.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Der Rumpf wurde als Lindenau 285 von der Lindenau-Werft in Kiel gebaut. Der Stapellauf fand am 2. August 2008 statt. Ursprünglich sollte das Schiff in der ersten Jahreshälfte 2009 ausgeliefert werden. Durch die Insolvenz der Lindenau-Werft konnte es dort nicht fertiggestellt werden, sondern wurde im November 2008 zur Cassens-Werft nach Emden überführt.[4] Im Januar 2010 wurden dort die Stahlbauarbeiten abgeschlossen, und das Schiff wurde in das Dock der Nordseewerke geschleppt, wo letzte Arbeiten am Unterwasserschiff ausgeführt wurden.[5] Im April 2010 kam das Schiff zurück in die Cassens-Werft, wo die weitere Ausrüstung erfolgte.[6]
Seit dem 1. Juni 2010 heißt das Schiff offiziell E-Ship 1.[7] Die erste Probefahrt auf der Nordsee fand am 6. Juli 2010 statt.[8] Die Probefahrten fanden unter Begleitung des Germanischen Lloyds als Klassifikationsgesellschaft in der südlichen Nordsee statt.[9] Im Sommer 2010 wurde die E-Ship 1 in Dienst gestellt. Die Jungfernfahrt erfolgte nach Irland. Im Oktober 2010 sollten auf einer Fahrt im Mittelmeer die Einsparungen im Treibstoffverbrauch ermittelt werden.[10]
Nach Problemen mit den Mitsubishi-Dieselgeneratoren liegt das Schiff seit dem 18. Januar 2013 für unbestimmte Zeit in Emden.[11]
Aufbau [Bearbeiten]
Der Neubau, dessen Kommandobrücke auf der Back steht, ist als Zwischendecker mit drei Decks und zwei an Backbord stehenden Kränen von je 90 t Nutzlast, mit langem Ausleger und einer Heckrampe konzipiert, also ein LoRo-Schiff.[2]
Das Schiff hat bei einer Länge von 130,42 m und einer Breite von 22,5 m einen geringen Tiefgang von max. 9,3 m und eine Vermessung von 12.968 BRZ bei einer Tragfähigkeit von 10.000 dwt. Es ist mit leistungsstarken Manövrierhilfen an Bug und Heck ausgerüstet und erhält die Eisklasse GL E3.
Antrieb und Maschinenanlage [Bearbeiten]
Beim Grundentwurf des Schiffes wurden eine Reihe von fortschrittlichen technischen Lösungen verwirklicht, von denen das Antriebskonzept am stärksten ins Auge fällt. Der Frachter wird zusätzlich zum dieselelektrischen Hauptantrieb mit insgesamt sechs Mitsubishi-Schiffsdieselmotoren (7,0 MW Gesamtleistung), deren Abgase über einen Abgaskessel mit nachgeschalteter Dampfturbine von Siemens STE geleitet werden, durch vier, von Enercon entwickelte Flettner-Rotoren mit einer Höhe von 27 m und einem Durchmesser von 4 m angetrieben. Angestrebt ist eine Kraftstoffersparnis von 30–40 % bei einer Fahrt von 16 Knoten.
Die hintere Stevenrohrnuss als Endlager für den Schiffspropellerantrieb wurde in Zusammenarbeit mit der Stahlguss Gröditz konstruiert und in Gröditz am 19. Dezember 2007 abgegossen. Zur Kälteversorgung für die Klimaanlage wird erstmals auf einem Frachtschiff eine Absorptionsanlage vorgesehen, die mit Hilfe der ausreichend vorhandenen Abwärme Kälte erzeugt.
Einsatz neuer Werkstoffe und ein in Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt optimierter Schiffsrumpf sollen weitere Einsparungen erbringen[12].
Ladung im Raum und an Deck [Bearbeiten]
Weitere Einsparungen erhofft sich Enercon, weil bisher für den Transport von Windkraftanlagen gecharterter Laderaum für diese speziellen Produkte unverhältnismäßige Mehrausgaben für Laschung und durch nicht nutzbaren Raum verursacht. Der maßgeschneiderte Neubau hingegen soll durch spezielle, als „Kassetten“ bezeichnete Transportgestelle einerseits das Laden und Stauen der Anlagenkomponenten verbilligen, andererseits aber für die Kostenoptimierung der Rückreise Fracht von Dritten problemlos übernehmen können.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Ralf Witthohn: Es dreht los. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 6/2010, S. 48–51, Storck-Verlag, Hamburg 2010, ISSN 0948-9002
- Segelrotor-Schiff »E-Ship 1« in der Erprobung. In: Hansa, Heft 9/2010, S. 77–78, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2010, ISSN 0017-7504
- Innovatives Spezialschiff mit kombiniertem Antriebssystem. In: Schiff & Hafen, Heft 1/2011, S. 28–33, Seehafen-Verlag, Hamburg 2011, ISSN 0938-1643
Weblinks [Bearbeiten]
- Säulen als Segel – Wind treibt ein Schiff mit Flettner-Rotoren voran. Nano (3sat) am 21. September 2010
- Sönke Ingwersen et al.: Automatisierung als Schlüsselelement für kombinierten Antrieb (PDF; 327 kB). Schiff & Hafen, Januar 2011
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c Schiffsdetails auf marinetraffic.com. Abgerufen am 16. Mai 2012.
- ↑ a b ENERCON: E-Ship 1: Kooperationsvereinbarung zwischen ENERCON, Arkon Shipping und Reederei Wessels. Abgerufen am 13. Oktober 2011.
- ↑ Petzelberger Motoren Center: Referenzen. Abgerufen am 13. Oktober 2011.
- ↑ Enercon beauftragte Emder Werft mit der Fertigstellung. „E-Ship 1“ ist jetzt die Starthilfe für die Cassens Werft. In: Kieler Nachrichten online vom 25. Februar 2009, abgerufen 7. April 2013
- ↑ E-Ship 1 wird in Dock der Emder Nordseewerke überführt, Pressemeldung der Enercon GmbH vom 21. Januar 2010, abgerufen 6. April 2010
- ↑ Margit Kautenburger: Turbosegler auf Klimakurs. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 6. April 2010, S. 6
- ↑ Equasis
- ↑ Ostfriesisches Tagesblatt, 8. Juli 2010
- ↑ Wolfgang Eder: „E-Ship 1“ geht in die Erprobungsphase. Emder Cassens-Werft hat innovatives Transportschiff für Windenergieanlagen-Komponenten fertig gestellt. In: Täglicher Hafenbericht vom 9. Juli 2010, S. 1, Seehafen-Verlag, Hamburg 2010
- ↑ FAZ, 12. Oktober 2010, Seite T 5
- ↑ Frank Binder: E-Ship 1 vorerst in Emden aufgelegt. In: Täglicher Hafenbericht vom 6. März 2013, S. 1
- ↑ Ralf Köpke: Mit rotierenden Säulen über die Meere – Skurrile Pfeiler sollen Schiffe künftig umweltfreundlich antreiben. Mit dem Ölpreis steigt das Interesse daran. In: Berliner Zeitung, 9. November 2006