Aurich

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Aurich (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Aurich
Aurich
Deutschlandkarte, Position der Stadt Aurich hervorgehoben
53.4713888888897.48361111111114Koordinaten: 53° 28′ N, 7° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Aurich
Höhe: 4 m ü. NHN
Fläche: 197,21 km²
Einwohner: 40.604 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 206 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 26603–26607
Vorwahlen: 04941, 04947 (Middels), 04948 (Brockzetel)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: AUR, NOR
Gemeindeschlüssel: 03 4 52 001
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bgm.-Hippen-Platz 1 26603 Aurich
Webpräsenz: www.aurich.de
Bürgermeister: Heinz-Werner Windhorst (parteilos)
Lage der Stadt Aurich im Landkreis Aurich
Baltrum Juist Landkreis Wittmund Landkreis Leer Memmert Norderney Nordsee Emden Landkreis Friesland Landkreis Leer Landkreis Wittmund Aurich Berumbur Berumbur Dornum Großefehn Großheide Hage Hagermarsch Halbemond Hinte Ihlow (Ostfriesland) Krummhörn Leezdorf Lütetsburg Marienhafe Norden (Ostfriesland) Osteel Rechtsupweg Südbrookmerland Upgant-Schott Upgant-Schott Wiesmoor WirdumKarte
Über dieses Bild
Auricher Schloss

Aurich (ostfr. Platt: Auerk) ist die Kreisstadt des Landkreises Aurich in Ostfriesland im Nordwesten Niedersachsens. Aurich ist die zweitgrößte Stadt Ostfrieslands – sowohl nach Einwohnern (hinter Emden) als auch nach der Fläche (hinter Wittmund). Mit 40.604 Einwohnern ist Aurich eine selbständige Gemeinde und wird in der Raumordnung des Landes Niedersachsen als Mittelzentrum geführt.

Aurich war im Laufe der Jahrhunderte nacheinander die Residenz der ostfriesischen Fürsten, der Sitz der preußischen, hannoverschen und wiederum preußischen Verwaltungen Ostfrieslands. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Stadt der Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirks bis zu dessen Verschmelzung mit den Regierungsbezirken Oldenburg und Osnabrück zum Regierungsbezirk Weser-Ems (1978), der 2004 aufgelöst wurde. Aus dieser Tradition speist sich die Selbstbezeichnung Aurichs als heimliche Hauptstadt Ostfrieslands.[2]

Aurich ist bis zum heutigen Tage Sitz zahlreicher Behörden, darunter auch Bundes- und Landesbehörden. Außerdem hat die Ostfriesische Landschaft, das Kulturparlament[3] Ostfrieslands, in der Stadt ihren Sitz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich in Aurich nach und nach eine Industrialisierung vollzogen und damit ein Wandel weg von einer reinen Beamtenstadt.[4] In den 1990er Jahren wurde dies besonders durch den Aufstieg des Windenergieanlagenherstellers Enercon deutlich, der mittlerweile mit mehr als 2800 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber der Stadt ist und in Aurich seinen Sitz hat.

Seit 2004 ist Aurich berechtigt, zweisprachige Ortsschilder in Hochdeutsch und Plattdeutsch aufzustellen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Tabelle I: Flächennutzung[5]
Nutzung Fläche in ha
Gebäude und Freiflächen 1683
Betriebsflächen 348
Erholungsflächen 80
Straßen und Plätze 975
Landwirtschaftliche Flächen 14.007
Wälder 2042
Gewässer 258
Flächen anderer Nutzung 332
Gesamtfläche 19.725

Aurich liegt inmitten der Ostfriesischen Halbinsel und hat eine Fläche von 197,25 Quadratkilometern bei einer Nord-Süd-Ausdehnung von 16 Kilometern und einer Ost-West-Ausdehnung von 19 Kilometern.

Das Einzugsgebiet Aurichs reicht weit über die Stadt hinaus. Sowohl die Auricher Behörden als auch die Unternehmen beschäftigen nicht nur Arbeitnehmer aus der Stadt und den direkten Umlandgemeinden, sondern auch von weiter her. Als Einkaufsstandort strahlt Aurich zudem – besonders durch seine zentrale Lage innerhalb Ostfrieslands bedingt – weit über die Stadt und ihre unmittelbaren Nachbargemeinden hinaus.

Aurich wird in der Raumordnung des Landes Niedersachsen als Mittelzentrum geführt.[6] Eine Aufstufung zu einem Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen, wie sie 2007 die Nachbarstadt Emden erfuhr, wurde von der Ratsmehrheit und dem Bürgermeister gefordert, aber vom Land abschlägig beschieden.[7] Auch lehnte das Land den Vorschlag ab, dass Aurich, Leer und Emden ein gemeinsames Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen bilden.

Geologie[Bearbeiten]

Das mittlere Ostfriesland war einst stärker von Mooren bedeckt, als es aktuelle Landkarten erahnen lassen. Zwischen den Niedermooren am Rand der Geest und den vor allem auf den Scheitellagen des Ostfriesischen Geestrückens befindlichen Hochmooren wurden sandige Geestdurchragungen der Grundmoräne für Siedlungsgründungen genutzt. Auf einer solchen, etwa drei bis neun Meter über dem Meeresspiegel, liegt die Auricher Kernstadt.

Geest und Moor prägen weite Teile des Stadtgebiets, das zu fast drei Vierteln landwirtschaftlich genutzt wird. Aurich verfügt zudem über eine – im innerostfriesischen Vergleich – überdurchschnittlich große Waldfläche. Gut ein Zehntel der Stadtfläche ist bewaldet, was Aurich nach der Samtgemeinde Hage und der Nachbargemeinde Friedeburg zur ostfriesischen Kommune mit dem dritthöchsten Waldanteil an der Gesamtfläche macht. Neben Forsten machen Wallhecken einen Gutteil des Baumbestandes der Stadt Aurich aus. Sie prägen die Landschaft in den auf der Geest liegenden Außenbereichen des Stadtgebiets.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Umliegende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen) sind Südbrookmerland und Großheide (beide Landkreis Aurich), Eversmeer, Westerholt, Neuschoo und Blomberg (alle Samtgemeinde Holtriem im Landkreis Wittmund), Dunum (Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund), die Kreisstadt Wittmund selbst sowie Friedeburg (Landkreis Wittmund) und schließlich noch Wiesmoor, Großefehn und Ihlow (wiederum alle im Landkreis Aurich). Aurich ist damit die Kommune mit den meisten Nachbargemeinden in Ostfriesland. Dies gilt auch dann, wenn die Mitgliedsgemeinden der genannten Samtgemeinden nicht einzeln gezählt werden.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile der Stadt Aurich

Durch die Gemeindegebietsreform 1972 sind viele ehemals selbstständige Gemeinden in die Stadt Aurich eingegliedert worden. Die neuen Ortsteile bildeten Ortsräte, in denen die örtlichen Belange vertreten werden.[8]

Die Bevölkerungsdichte in der Stadt Aurich ist – eine Auswirkung der Kommunalreform – äußerst ungleich verteilt. Im Stadtkern, der bis 1972 die Stadt Aurich darstellte, ist eine Bevölkerungsdichte vorzufinden, die großstädtisches Niveau hat: mehr als 2.000 Einwohner pro Quadratkilometer. Am anderen Ende der Skala erreicht der von Wald, Moor und landwirtschaftlich genutzten Flächen geprägte Stadtteil Brockzetel mit rund 20 Einwohnern pro Quadratkilometer nicht einmal ein Elftel des bundesrepublikanischen Durchschnitts.[9]

Ortsteile der Stadt Aurich
Ortsteil [10] Fläche in km² Einwohner Einw./ km² Karte
Aurich (Kernstadt) 5,83 12.194 2.091,60 Aurich-Kernstadt.svg
Brockzetel 19,25 402 20,68 Aurich-Brockzetel.svg
Dietrichsfeld 11,31 770 68,79 Aurich-Dietrichsfeld.svg
Egels 4,43 1.878 418,28 Aurich-Egels.svg
Extum 4,17 1.728 413,67 Aurich-Extum.svg
Georgsfeld 6,56 564 86,89 Aurich-Georgsfeld.svg
Haxtum 2,20 1.844 829,09 Aurich-Haxtum.svg
Kirchdorf (mit Middelburg) 4,77 1.377 290,78 Aurich-Kirchdorf.svg
Langefeld 4,79 457 93,95 Aurich-Langefeld.svg
Middels 23,01 1.248 54,15 Aurich-Middels.svg
Pfalzdorf 6,11 259 42,55 Aurich-Pfalzdorf.svg
Plaggenburg 13,47 1.475 108,69 Aurich-Plaggenburg.svg
Popens 1,88 1.973 1.045,21 Aurich-Popens.svg
Rahe 4,38 560 127,17 Aurich-Rahe.svg
Sandhorst 10,77 3.994 374,56 Aurich-Sandhorst.svg
Schirum 13,19 1.344 102,96 Aurich-Schirum.svg
Spekendorf 13,37 484 36,80 Aurich-Spekendorf.svg
Tannenhausen 16,92 1.845 110,17 Aurich-Tannenhausen.svg
Walle 8,26 2.550 310,77 Aurich-Walle.svg
Wallinghausen 5,81 3.384 583,48 Aurich-Wallinghausen.svg
Wiesens 16,73 1.444 86,73 Aurich-Wiesens.svg
Stand: 31. Dezember 2005

Klima[Bearbeiten]

Aurich liegt in der gemäßigten Klimazone. Das Stadtgebiet steht hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist insgesamt von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt. Klimatisch besondere Verhältnisse herrschen hingegen in den Hochmoor-Gebieten, die sich vor allem im Osten und Südosten des Stadtgebietes befinden. Wegen der Untergrundverhältnisse in einem Regenmoor sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht extrem. Im Sommer kann es tagsüber zu sehr hohen Temperaturen am Boden kommen, so dass Moorbrände entstehen können. Zudem sind Moorgegenden sehr viel nebelintensiver als die Umgebung.

Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Aurich in der Einteilung Cfb.

  • Klimazone C: Warm-Gemäßigtes Klima
  • Klimatyp Cf: Feucht-Gemäßigtes Klima
  • Klimauntertyp b: warme Sommer

Das durchschnittliche Jahrestemperaturmittel liegt bei 8,4 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit einem Monatstemperaturmittel von 16 °C. Der kälteste Monat ist der Januar mit 1,0 °C im Durchschnitt.

Die Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres liegt in Aurich bei knapp 830 mm. Der regenreichste Monat ist der November mit 84,4 mm, der regenärmste Monat ist der Februar mit 43,1 mm.

Im Jahr scheint in Aurich die Sonne insgesamt gut 1.455 Stunden, was einem Mittelwert von gut 121 Stunden pro Monat ergibt. Die größte Chance auf Sonne besteht im Mai. In diesem Monat sind es 205 Stunden Sonnenschein. Das Gegenteil im Dezember: Dann scheint die Sonne lediglich 29 Stunden lang.

Die angegebenen Werte beziehen sich auf das langjährige Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Aurich
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 1,0 1,3 3,7 6,9 11,5 14,6 16,0 15,9 13,2 9,6 5,2 2,2 Ø 8,5
Niederschlag (mm) 66,6 43,1 57,9 48,2 57,8 83,8 82,1 78,6 76,6 76,2 84,4 74,3 Σ 829,6
Sonnenstunden (h/d) 1,19 2,29 3,32 5,33 6,83 6,63 6,06 6,25 4,4 2,96 1,56 0,93 Ø 4
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
66,6
43,1
57,9
48,2
57,8
83,8
82,1
78,6
76,6
76,2
84,4
74,3
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Aurich verfügt über eine Vielzahl von Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten sowie Naturdenkmälern. Das seit 2007 unter Naturschutz stehende und 279 Hektar große Naturschutzgebiet Kollrunger Moor befindet sich auf dem Gebiet der Stadt Aurich und der Nachbargemeinde Friedeburg (Landkreis Wittmund). Es ist Teil des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes „Kollrunger Moor und Klinge“ und umfasst sowohl Resthochmoorflächen als auch wiedervernässte Gebiete nach dem Torfabbau. 171 Hektar groß ist das NSG Brockzeteler Moor in der Nähe. Es steht seit 1986 unter Naturschutz. Im Nordwesten des Stadtgebiets hat Aurich Anteil am 1180 Hektar großen Naturschutzgebiet „Ewiges Meer und Umgebung“. Das Meer selbst liegt auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Eversmeer. Es steht seit 1990 unter Naturschutz und ist Teil des FFH-Gebietes „Ewiges Meer, Großes Moor bei Aurich“ und des EU-Vogelschutzgebiets „Ewiges Meer“. Eingerahmt wird dieses Naturschutzgebiet vom Landschaftsschutzgebiet Berumerfehner-Meerhusener Moor (1726 Hektar). Es ist seit 1973 geschützt. Bereits seit 1966 steht das 871 Hektar große LSG „Egelser Wald und Umgebung“ unter Schutz. Südlich des Stadtteils Schirum hat Aurich Anteil an dem 833 Hektar großen LSG „Ihlower Forst und Niederung des Krummen Tiefs“, das seit 1986 geschützt ist. Hinzu kommen kleinere Landschaftsschutzgebiete: Upstalsboom und Umgebung (6,4 Hektar, seit 1965), Wilhelminenholz (3,2 Hektar, seit 1964), Popenser Gehölz und Umgebung (15,6 Hektar, seit 1972) und Am Forstamt Sandhorst (8,5 Hektar, seit 1969). Seit 1986 steht ein 4,9 Hektar großes Amphibienbiotop in Brockzetel als Naturdenkmal unter Schutz. Zu den beiden ältesten Naturdenkmälern (Unterschutzstellung 1941) gehören das Großsteingrab Tannenhausen und die Lindenallee auf dem Auricher Stadtwall. Die Linden- und Buchenallee an der Esenser Straße ist seit 1969 als Naturdenkmal geschützt, die Buchenallee Moltkebahn seit 1983. Hinzu kommt eine Reihe weiterer Solitärbäume im Innenstadtgebiet sowie in den Außenbereichen der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Aurich
Lambertiturm
Der Marktplatz in Aurich um 1900

Die Geschichte Aurichs lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Ursprungssiedlung Aurechove wird erstmalig in einer friesischen Rechtsaufzeichnung aus dem Jahre 1276, dem Brokmerbrief, erwähnt. Die älteste Siedlungsspur in der Auricher Kernstadt (Gefäß-Bruchstücke) stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde 2009 bei Ausgrabungen entdeckt.[11]

Sie lag um die Lambertikirche herum, die vom Grafen Moritz von Oldenburg gestiftet und dem Heiligen Lambertus, dem im Jahre 703 getöteten Bischof von Maastricht, geweiht wurde. Ihr wuchtiger Kirchturm, der sich in heutiger Form seit 1662 zeigt, ist eines der Wahrzeichen der Stadt.

Im späten Mittelalter folgte eine Zeit geprägt von Konflikten mehrerer Häuptlings-Familien, die erst endete, als sich um 1350 die Cirksena durchsetzen können, das spätere Grafen- und Fürstengeschlecht. Diese residierten zunächst in Emden, verlegten aber 1561 nach Auseinandersetzungen mit Repräsentanten der Hafenstadt ihren Hof nach Aurich.

Nach dem Aussterben der Cirksena übernahmen die Preußen die Herrschaft über Ostfriesland. Am 7. Juni 1744 wurde Aurich ohne Widerstand von 500 preußischen Soldaten und Beamten besetzt. Am 23. Juni huldigte das Land der preußischen Krone. Aurich blieb Sitz der Landesbehörden, erhielt eine Kriegs- und Domänenkammer und wurde Regierungshauptstadt der preußischen Provinz Ostfriesland.

In der napoleonischen Epoche besetzten zunächst holländische, später französische Soldaten die Stadt. Ostfriesland wurde als „Departement de l’Ems-Oriental“ („Ost-Ems“) dem französischen Kaiserreich angegliedert. Aurich war Sitz des obersten französischen Beamten, des Präfekten.[12]

Nach dem Wiener Kongress wurde die Stadt mit Ostfriesland dem Königreich Hannover zugeschlagen,[13] fiel dann nach dem Deutschen Krieg 1866 wieder an Preußen. Ihren Status als Verwaltungszentrum Ostfrieslands konnte Aurich unter den verschiedenen Herrschaften erhalten. Zu einer Industrialisierung kam es in jener Zeit hingegen nicht. Wirtschaftlich blieb die Stadt von ihrer Stellung als bedeutender Viehhandelsplatz geprägt, die sie seit dem 14. Jahrhundert immer weiter ausbauen konnte.

Im 20. Jahrhundert erhielten die Nationalsozialisten ab Mitte der 1920er Jahre immer mehr Zulauf. Bei den Reichstagswahlen 1932 wählten 44,2 % der Stimmberechtigten im Regierungsbezirk Aurich die NSDAP.[14] Die Wahlen von 1932 und 1933 besiegelten schließlich das Ende der jungen Demokratie. Für Juden, Kommunisten und andere den neuen Machthaber nicht genehme gesellschaftliche Gruppen begann eine Zeit der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Mordes. Von großen Bevölkerungsschichten wurden die Nationalsozialisten hingegen begeistert empfangen. In den Folgejahren kam es zu einigen Großveranstaltungen in Aurich mit mehreren Tausend begeisterten Zuhörern.[15]

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es auch in Aurich zu den von der Reichsleitung der Nationalsozialisten befohlenen Ausschreitungen gegen die Juden, die später als „Reichskristallnacht“ oder Novemberpogrome 1938 bezeichnet wurden. Zwei Jahre später wurde die Stadt als judenfrei gemeldet.

Während des Zweiten Weltkrieges blieb Aurich von größeren Luftangriffen verschont. Dreimal wurde die Stadt bombardiert. Dabei kamen insgesamt 17 Menschen ums Leben und 24 wurden verletzt. Die größten Schäden entstanden am 27. September 1943, als durch Spreng- und Brandbomben 30 Häuser völlig zerstört, 180 schwer und 285 leicht beschädigt wurden. Allein an diesem Tag kamen 13 Menschen ums Leben und 18 wurden verletzt.

Im Spätjahr 1944 mussten KZ-Häftlinge des provisorischen KZ Engerhafe Panzergräben rund um die Stadt in Handarbeit errichten. Täglich zweimal zogen rund 2000 Gefangene, sie führten auch die Leichen der Toten mit, mitten durch die Stadt. Innerhalb der zwei Monate starben 188 KZ-Häftlinge. Die nutzlose Befestigung war Teil des von der NSDAP so genannten Friesenwalls.

Nach 1945 wurde die Stadt zusätzlich von vielen Flüchtlingen bevölkert. Zählte sie bei Kriegsausbruch 7089, waren es Ende 1945 bereits 10.350 Einwohner geworden. Ein Problem waren dabei die nicht vorhandenen Arbeitsplätze für die Bevölkerung.

In den 1990ern begann der Aufstieg des 1984 gegründeten Windenergieanlagenherstellers Enercon, der binnen zweier Jahrzehnte nach seiner Gründung zu einem Industrieunternehmen mit einer vierstelligen Mitarbeiterzahl in Aurich heranwuchs.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Brockzetel, Dietrichsfeld, Egels, Extum, Georgsfeld, Haxtum, Kirchdorf, Langefeld, Middels, Pfalzdorf, Plaggenburg, Popens, Rahe, Sandhorst, Schirum, Spekendorf, Tannenhausen, Walle, Wallinghausen und Wiesens im Rahmen der niedersächsischen kommunalen Gebietsreform dem Stadtgebiet Aurichs zugeschlagen.[16] Durch die Eingemeindung weiter Teile des heutigen Stadtgebiets vergrößerte sich die Einwohnerzahl Aurichs um mehr als das Doppelte seiner vorherigen Größe und überschritt die 30.000-Einwohner-Marke. Seit der Kommunalreform ist Aurich somit die nach Einwohnern zweitgrößte Kommune Ostfrieslands.

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1979 kam es zu einem Gebietsaustausch mit der Nachbargemeinde Südbrookmerland, bei dem Aurich etwa 100 Einwohner (nach damaligem Einwohnerstand) verlor.[16]

Namensentwicklung[Bearbeiten]

Über die Deutung des Stadtnamens gibt es verschiedene Hypothesen. Entweder er ist einer Person (Affo, ostfriesischer Vorname) und seinem Besitz (Reich) zuzuordnen oder er bezieht sich auf ein Wasserwerk an der fruchtbaren, wasserreichen Niederung des Flüsschens Aa (oder Ehe), an dem die Stadt errichtet wurde.[17] Bekannt sind die Schreibweisen Aurichove, Aurike, Aurikehove, Auryke, Auwerckhove, Auwerick, Auerk, Auwerck, Auwreke, Awerck, Awreke, Awrik, Auwerich und Aurickeshove.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Stadt Aurich zählt heute gut 40.000 Einwohner, war um 1900 aber noch eine überschaubare Stadt von etwa 5000 Einwohnern. Ein wesentlicher Schub in der Einwohnerentwicklung ergab sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als viele Flüchtlinge aus den früheren Ostgebieten des Deutschen Reiches aufgenommen wurden. Die Einwohnerzahl Aurichs lag 1945 nahezu um 50 Prozent höher als 1939. Ein zweiter Schub in der Einwohnerentwicklung ergab sich durch die Eingemeindung vieler kleiner Umlandgemeinden im Zuge der Niedersächsischen Kommunalreform 1972.

Die Zunahme der Einwohnerzahl seit 1990 ergibt sich zum einen aus Personen, die aus den neuen Bundesländern nach Aurich gezogen sind, noch mehr aber aus Spätaussiedlern, die in Aurich eine neue Heimat gefunden haben. Seit Ende der 1990er Jahre liegt die Einwohnerzahl Aurichs recht konstant bei etwas mehr als 40.000. Der Geburtensaldo ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts negativ, wird aber durch Zuzüge ausgeglichen. Dabei spielen Ruheständler aus anderen Regionen Deutschlands, die ihren Lebensabend in Ostfriesland verbringen wollen, eine wichtige Rolle.[9]

Jahr Einwohnerzahl[18][19]
1804 2128
1821 3163
1861 4712
1864 4608
1867 4919
1871 4264
1885 5395
Jahr Einwohnerzahl[16]
1895 5899
1905 6141
1925 6136
1933 6558
1939 6874
1945 10.350
1961 12.982
Jahr Einwohnerzahl[16][20]
1970 11.944
1991 37.187
2001 40.362
2010 40.572
2011 40.606

(jeweils am 31. Dezember[21], 1961 am 6. Juni, 1970 am 27. Mai (Volkszählungsergebnisse einschließlich der später eingemeindeten Orte)[16])

Religionen[Bearbeiten]

Lambertikirche
Reformierte Kirche in Aurich
Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Aurich
Paulusgemeinde

Die Auricher Bevölkerung ist überwiegend protestantisch. Die Landkreise Aurich und Wittmund haben die höchsten Anteile an Lutheranern an der Gesamtbevölkerung in ganz Deutschland.[22] Er liegt bei rund 85 Prozent der Einwohner.

Dennoch prägt, wie im übrigen Ostfriesland, Vielfalt das religiöse Leben der Stadt. Neben den lutherischen Gemeinden gibt es in Aurich die katholische St.-Ludgerus-Gemeinde, die reformierte Kirche, die neuapostolische Gemeinde und daneben viele Freikirchen. Seit Mitte der 1990er Jahre haben sich in der Stadt viele Muslime niedergelassen. Eine jüdische Gemeinde gibt es hingegen seit der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr.

Christentum[Bearbeiten]

Die Evangelisch-lutherische Kirche in Aurich besaß lange Zeit nur ein Gotteshaus, die Lambertikirche. Nachdem die Stadt infolge des Zuzugs Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg stark wuchs, wurde es bald notwendig, das kirchliche Leben neu zu ordnen. In den einzelnen Ortschaften der Stadt wurden daraufhin neue Kirchengemeinden gegründet. Der Kirchenkreis Aurich, zu dem weite Gebiete im zentralen Ostfriesland zählen, ist mit etwa 75.000 Mitgliedern der zweitgrößte Kirchenkreis der Landeskirche.[23]

Neben den Lutheranern gibt es in Aurich seit der französischen Besetzung eine Reformierte Gemeinde. Die Gemeinde entstand durch die Ansiedlung hugenottischer Flüchtlinge am lutherischen Fürstenhof. Später wuchs sie durch Zuzüge aus den reformierten Gebieten Ostfrieslands und durch Glaubensflüchtlinge aus der Pfalz, die um 1800 bei Aurich die Pfalzdörfer gründeten. Der Bau ihres Gotteshauses in der Kirchstraße in den Jahren 1812 bis 1814 geht auf eine Spende Napoleons zurück. Heute gehören zur Gemeinde zirka 1400 Personen.[24]

Eine Römisch-Katholische Kirchengemeinde gab es nach der Reformation nicht mehr. Erst im 19. Jahrhundert war die Zahl der Katholiken in Aurich wieder derart angewachsen, dass die königliche Regierung in Hannover am 2. Mai 1849 den Bau einer katholischen Kirche genehmigte. Diese wurde am 17. Oktober 1849 eingeweiht. Die St.-Ludgerus-Gemeinde wuchs vor allem durch den Zuzug von Vertriebenen aus Schlesien im Jahr 1946 enorm an. Heute zählt sie mehr als 3000 Gemeindemitglieder.[25]

Unter den Freikirchen konnte die Adventgemeinde auf die längste Geschichte zurückblicken. Ihre Vorläufergemeinde wurde 1900 gegründet und 1972 aufgelöst. 1998 erfolgte die Neugründung, die jedoch 2010 wieder aufgelöst wurde.[26]

Evangelisch-Freikirchliche Christen, auch Baptisten genannt, leben nachweislich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Aurich.[27] Sie wurden zunächst von der Baptistengemeinde Hamswehrum (seit 1875 Jennelt) und ab 1908 von der Baptistengemeinde Moorhusen aus betreut. 1947 konstituierten sich die Auricher Baptisten als Zweiggemeinde, deren Betreuung anfangs die Moorhusener und ab 1952 die Emder Baptisten übernahmen. 1961 erhielt die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde ihre Selbständigkeit.[28] Bis 1958 fanden die gemeindlichen Zusammenkünfte im Gymnasium Ulricianum statt. Die 1958 eingeweihte Kreuzkirche am Eickebuscher Weg diente zirka 40 Jahre als Gemeindezentrum. Seit 1998 hat die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Aurich ihr Domizil im neu erbauten Gemeindezentrum an der Oldersumer Straße in Aurich-Rahe.

Der Gemeindebezirk der Evangelisch-methodistische Kirche besteht aus den beiden Gemeinden Aurich und Neuschoo. Beide zusammen haben etwa 400 Mitglieder, von denen die meisten in Neuschoo betreut werden. Die Gottesdienste der Methodistischen Kirche in Aurich wurden seit dem Jahr 2010 mit der Bethlehemkirche (Neuschoo) zusammengelegt, nachdem die kleine Stadtgemeinde am Schluss noch einen Durchschnittsbesuch von 12 Personen verzeichnete.[29]

Die Freie evangelische Gemeinde wurde 1980 gegründet. Sie ist Mitglied im Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland.[30]

Islam[Bearbeiten]

Seit dem Zuzug von Gastarbeitern und Flüchtlingen, vor allem im Zusammenhang mit dem Jugoslawien-Konflikt gibt es Muslime in der Stadt, die jedoch nicht über ein eigenes Gotteshaus verfügen. Gottesdienste werden in privaten Gebetsräumen abgehalten. Die nächstgelegene Moschee befindet sich seit Oktober 2009 in Emden.[31] Sie trägt den Namen Eyüp-Sultan-Moschee.

Judentum[Bearbeiten]

Gedenkstein für die niedergebrannte Synagoge
Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Aurich

Die jüdische Gemeinde Aurich bestand über einen Zeitraum von zirka 400 Jahren von ihren Anfängen im Jahr 1657 bis zu ihrem Ende am 1. März 1940. Erstmals wurden jüdische Einwohner bereits 1635 erwähnt. Die jüdische Gemeinde war die zweitgrößte Ostfrieslands nach derjenigen in Emden. Der höchste Anteil an der Gesamtbevölkerung wurde im Jahre 1925 mit 7,4 Prozent erreicht, in absoluten Zahlen wurde 1885 mit 406 Mitgliedern der Höhepunkt erreicht.

Nach 1933 ausgegrenzt und verfolgt, emigrierten viele Juden. Die 1810 erbaute Synagoge der jüdischen Gemeinde wurde am 9. November 1938 zerstört. Schätzungsweise 200 der rund 400 Auricher Juden sind im Holocaust umgekommen, die Überlebenden in der ganzen Welt verstreut.

An die jüdische Gemeinde wird heute mit einem Gedenkstein für die niedergebrannte Synagoge auf dem Hohen Wall, einer Gedenktafel zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Schule am Haus der Ärztekammer in der Kirchstraße und einem Hinweisschild an der Bullenhalle in Aurich erinnert, in der die Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zusammengetrieben wurden. Zudem ist der jüdische Friedhof an der Emder Straße erhalten geblieben. Nach dem letzten jüdischen Gemeindevorsteher Abraham Wolffs wurde eine Straße benannt.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Durch die Kommunalwahl in Niedersachsen am 11. September 2011 ergab sich folgende Sitzverteilung für den Rat der Stadt Aurich[32]:

Die Wahlbeteiligung lag mit 51,01 Prozent leicht unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 52,5 Prozent.[33]

Aurich gehört zu den wenigen Kommunen Deutschlands, die seit Jahren Schulden abbauen. Lag das kumulierte Jahresdefizit Mitte der 1990er noch bei mehr als 50 Millionen Euro, so werden es Ende 2008 laut Haushaltsplan noch knapp 20 Millionen Euro sein. Besonders in der Wahlperiode 2001 bis 2006 wurden deutlich Schulden abgebaut. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren stets zwischen 40 und mehr als 50 Millionen Euro Gewerbesteuern eingenommen, vor allem von Enercon.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Mit einer Wahlbeteiligung von 57,18 Prozent erfolgte am 24. September 2006 eine Stichwahl für das Amt des Bürgermeisters der Stadt Aurich. Zur Wahl standen die Amtsinhaberin Sigrid Griesel und ihr Herausforderer Heinz-Werner Windhorst, beide ehemalige SPD-Mitglieder und inzwischen parteilos. Griesel wurde von der Auricher CDU und der GAP unterstützt, Windhorst von der SPD, den Grünen sowie der Auricher Wählergemeinschaft (AWG). Griesel unterlag mit 44,7 Prozent ihrem Herausforderer Windhorst, der 55,29 Prozent der Stimmen auf sich vereinigte. Windhorst trat das Amt des Bürgermeisters der Stadt Aurich am 1. November 2006 an. Seit 2006 gilt in Niedersachsen für Bürgermeister eine Amtszeit von acht Jahren. Sie ist damit um drei Jahre länger als die der Mitglieder des Rates.

Vertreter in Landtag und Bundestag[Bearbeiten]

Im Niedersächsischen Landtag (Legislaturperiode bis 2018) ist ein Abgeordneter aus dem Wahlkreis 86 (Aurich, Südbrookmerland, Ihlow, Großefehn, Brookmerland, Großheide) vertreten. Das Direktmandat gewann bei der Wahl 2013 der Sozialdemokrat Wiard Siebels. Über Listenplätze der Parteien zog kein weiterer Politiker aus dem Wahlkreis in den Landtag ein.

Der Wahlkreis 24 Aurich – Emden umfasst die Stadt Emden und den Landkreis Aurich. Bei der Bundestagswahl 2013 wurde der Sozialdemokrat Johann Saathoff direkt gewählt.[34] Über Listenplätze der Parteien zog Heiko Schmelzle für die CDU aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein. Die Auricher stimmten bei den Erststimmen mehrheitlich für Saathoff und bei den Zweitstimmen für die CDU.[35]

Kommunale Finanzen[Bearbeiten]

Aurich ist Unternehmenssitz des Windkraftanlagenherstellers Enercon, der allein der Stadt seit Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag an Gewerbesteuern zahlt.[36] Aurich ist daher eine von 36 sogenannten abundanten Kommunen in Niedersachsen, die keine Schlüsselzuweisungen vom Land erhalten, sondern vielmehr einen Teil ihrer Steuerkraft als Finanzausgleichsumlage abführen müssen.[37]

Stadtwappen, Siegel und Flagge[Bearbeiten]

Wappen von Aurich
Blasonierung:

„In Silber auf grünem Boden zwischen zwei bewurzelten grünen Laubbäumen ein mit einer goldenen Laubkrone gekrönter roter Schild mit dem goldenen gotischen Großbuchstaben A. [8]

Beschreibung: Stadtwappen sind meistens aus Siegeln hervorgegangen. Am 16. März 1539 wurden Aurich die Stadtrechte durch Graf Enno II. mit der Berechtigung verliehen, ein solches Siegel zu führen. 1736 wurde ein neues und größeres, repräsentativeres Siegel eingeführt. Wahrscheinlich ist zu dieser Zeit das erste Wappen entstanden. Genaue Zeitangaben sind aber nicht bekannt.
Hauptartikel: Wappen der Stadt Aurich

Die Farben der Stadt sind rot-gold. Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift „Stadt Aurich (Ostfriesland)“. Die Flagge besteht aus zwei gleich breiten Streifen Rot und Gold mit dem Stadtwappen.[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit September 1989 unterhält Aurich eine Städtepartnerschaft mit Appingedam (Niederlande).[38] Die Verbindungen zwischen Aurich und Appingedam gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück. 1327 erhielt Appingedam offiziell die Selbstständigkeit in Gerichtsbarkeit und Verwaltung. Das Appingedamer Stadtrechtsprivileg, festgelegt im so genannten Buurbrief, ist vermutlich in Aurich beschlossen worden, dem Ort, wo einst die friesischen Länder zusammenkamen. Einmal im Jahr wird diese Partnerschaft mit Festen in den Städten gefeiert. Außerdem finden regelmäßig Schüleraustausche statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Aurich ist Spielort der Landesbühne Niedersachsen Nord, die über das Jahr verteilt etwa zehn Inszenierungen in der Stadt präsentiert. Veranstaltungsort ist die Stadthalle Aurich, die bei Reihenbestuhlung rund 500 Sitzplätze zur Verfügung stellt.[39] Neben der Landesbühne nutzen punktuell auch andere Theater wie das Ohnsorg-Theater den Veranstaltungsort.

In Aurich ist das Niederdeutsche Theater Aurich zu Hause. Seit seiner Gründung 1923 als „Spöldeel“ des Heimatvereins Aurich präsentiert die Laienspielbühne Theaterstücke in niederdeutscher Sprache und setzt sich für die Pflege der niederdeutschen Sprache ein. Das Theater verfügt über rund 60 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte aktive Darsteller sind. Pro Jahr werden zwei Aufführungen gespielt. Das Theater nutzt für seine Proben und Versammlungen Räumlichkeiten in der ehemaligen Gartenbauversuchsanstalt Aurich-Haxtum. Ständiger Spielort in Aurich ist das Ostfrieslandhaus Aurich.[40]

Museen und Ausstellungen[Bearbeiten]

Skulpturengruppe "Oma und Opa" vor dem Historischen Museum

Das Historische Museum befindet sich in der „Alten Kanzlei“, einem historischen Gebäude in der Fußgängerzone in der Innenstadt. Das Gebäude wurde um 1530 von Graf Enno II. als Stadthaus aus den Steinen der 1529 abgebrochenen Klosterkirche in Ihlow für seinen Bruder Johann gebaut, danach diente es lange Zeit als Rat- und Weinhaus. Das Museum zeigt seit dem 5. Juli 1985 Exponate aus Geschichte, Kunst und Kultur in Aurich und Ostfriesland von der Steinzeit bis heute.

Das MachMitMuseum „miraculum“ befindet sich in der Burgstraße in der Fußgängerzone von Aurich. Es ist ein Kinder- und Jugendmuseum und vermittelt in jährlich wechselnden Ausstellungen auf spielerische Art komplizierte Sachverhalte. Die Ausstellungen wie z.B. „Piraten und ihre wahren Taten“, werden speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt und von der Kunstschule „miraculum“ mit Kindern inhaltlich vorbereitet. Die Umsetzung der Ausstellungskonzeption und der Bau der Ausstellungsobjekte erfolgte zunächst hauptsächlich durch die Jugendprojektwerkstätten der Kreisvolkshochschule Aurich, seit einigen Jahren jedoch durch "Allerhand" in Großefehn.[41]

Das Mühlenfachmuseum Stiftsmühle befindet sich in der Stiftsmühle, der mit einer Gesamthöhe von 29,95 m zweithöchsten Mühle Ostfrieslands. 1977 rettete der Heimatverein Aurich die Mühle in der Oldersumer Straße vor dem Verfall und machte aus dem Galerieholländer ein Museum. Im Inneren werden auf den fünf Etagen diverse Exponate wie Maschinen, Mahlgeräte und Mühlenmodelle ausgestellt. Auf Schautafeln werden die Schritte des Mahlbetriebs verdeutlicht, zudem wird der Mahlbetrieb zu bestimmten Zeiten anschaulich vorgeführt.[42]

Der heutige Kunstpavillon am Ellernfeld wurde 1803 unter dem Namen Teehäuschen durch den Auricher Architekten Conrad Bernhard Meyer (1755–1830) als Gartenhaus für den Bauherrn Christian Bernhard Conring erbaut. Das klassizistische Gebäude hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen erfahren. Der Gartenpavillon diente von 1937 bis 1945 als Kindergarten, später als Obdachlosenquartier und wurde 1969 von der Stadt Aurich erworben. Von 1973 bis 1986 diente es dem Bildhauer Friedrich Büschelberger als Wohnung und Atelier. Nach Sanierung des gesamten Objektes ist es heute das Domizil des Kunstvereins Aurich, wird für Kunstausstellungen genutzt und als Kunstpavillon bezeichnet.

Bauwerke[Bearbeiten]

Eingang zur Lambertikirche

In der Stadt Aurich gibt es eine Vielzahl von Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen. 2007 ist Aurich in ein Städtebau-Förderungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen worden. Bis 2019 werden insgesamt rund 19 Millionen Euro in die Sanierung der Altstadt investiert – gemeinsam von Land und Kommune.

Als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt das Pingelhus. Es steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gebäude der Ostfriesischen Landschaft, ist aber älter. Es wurde um 1800 von dem Baumeister Conrad Bernhard Meyer erbaut. Das ursprünglich zweigeschossige Gebäude diente der Treckfahrtsgesellschaft als Hafenwärter- und Speditionsgebäude, als der Hafen noch dort lag, wo sich heute der Georgswall befindet. 1934 verschwand das untere Stockwerk in Rahmen der Zuschüttung des alten Hafens. Das Pingelhus hat seinen Namen vom Pingeln (plattdeutsch = Klingeln, Glockenläuten). Immer zehn Minuten vor Abfahrt des Fahrgastschiffes nach Emden wurde mit der Pingel ein Signal gegeben. Die Fahrtzeit nach Emden betrug etwa drei Stunden. Seit 1959 wird das Haus durch den Heimatverein Aurich genutzt, unter anderem für Hochzeiten und dergleichen (dabei wird heute noch gepingelt).

Ebenfalls als ein Wahrzeichen der Stadt gilt die Lambertikirche. In ihrer heutigen Form zeigt sie sich seit 1835.

Das Knodtsche Haus, ein Bürgerhaus im niederländischen Spätbarockstil, wurde um 1735 vom fürstlichen Hofbaumeister Heinrich Horst erbaut. Zunächst wurde es von Horst als eigenes Wohnhaus genutzt. In den Innenräumen sind erhalten gebliebene Deckenstuckaturen und einen Fayence-Ofen aus dem Jahr 1780 im Stile Louis XVI. zu sehen. Das Gebäude wurde später benannt nach dem langjährigen Eigentümer, einem Rechtsanwalt namens Knodt. Heute ist in dem Gebäude direkt am Auricher Marktplatz eine Gaststätte mit Biergarten untergebracht.

Sous-Turm auf dem Marktplatz

Ebenfalls am Marktplatz, doch deutlich neueren Datums ist der Sous-Turm. Um dem großen Marktplatz eine Sehenswürdigkeit zu geben, beauftragte die Stadt Aurich den aus Würselen bei Aachen stammenden Künstler Albert Sous, eine Plastik zu entwerfen. 1990 wurde das Kunstobjekt, ein 25 Meter hoher Turm, der aus mit Plexiglas verkleidetem Stahlrohr besteht, aufgestellt. Die Baumaterialien waren im Wesentlichen Abfälle aus dem Forschungszentrum Jülich. Das Bauwerk war (und ist) umstritten. Am Turm selbst ist ein Schild angebracht, das auf die Auseinandersetzungen über den Sous-Turm eingeht. Zitiert wird darauf der Emder Publizist Henri Nannen mit den Worten: „Der Turm in Aurich ist anstößig, und Kunst muss Anstöße geben, also anstößig sein“. Der Turm soll verschiedene Zivilisationsstufen darstellen. Doch wie häufig bei moderner Kunst, erschließt sich der Sinn des Werkes oder die Absicht des Künstlers nicht auf den ersten Blick. Die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen. Die Auricher nennen das Werk auch spöttisch Auricher Tauchsieder, futuristischer Schrotthaufen oder auch Weltraumpenis. Bei Besuchern und Gästen der Stadt ist es allerdings ein beliebtes Fotoobjekt.

Der Auricher Schlossbezirk war die frühere Residenz der ostfriesischen Fürsten, später der hannöverschen und preußischen Verwaltungsspitze Ostfrieslands. Der älteste erhaltene Bau im Schlossbezirk ist der Marstall von 1588, das Hauptgebäude stammt aus den Jahren 1851 bis 1855 und ist im englischen Tudorstil gehalten. Weitere Gebäude gruppieren sich um einen begrünten Innenhof. Untergebracht sind in dem Gebäudekomplex das Landgericht, das Amtsgericht und die Oberfinanzdirektion Niedersachsen Abteilung 4 – Landesweite Bezüge- und Versorgungsstelle Aurich. Es ist geplant, dass der Turm des Schlosses für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, um einen Rundblick über Aurich zu ermöglichen.

Stiftsmühle

Mit einer Gesamthöhe von 29,95 Metern Höhe ist die Stiftsmühle nach der Windmühle in Hage die zweithöchste Mühle Ostfrieslands. Der Galerieholländer erstreckt sich über fünf Stockwerke und wurde aus rund 200.000 Ziegelsteinen gemauert. Ein Flügelpaar misst 24 Meter Länge. Die Mühle wurde 1858 erbaut. Anfang der 1930er-Jahre wurde sie vom Sethestift – daher die Bezeichnung Stiftsmühle – übernommen, der sie vor dem Abriss rettete. 1977 übernahm sie der Heimatverein Aurich, der aus dem Bauwerk ein Mühlenfachmuseum gemacht hat.[42]

Das Auricher Mausoleum ist ein neoromanischer Zehneckbau mit Kuppelgewölbe. Erbaut wurde er 1875/76 vom Auricher Maurermeister Gerhard Neemann. Seit 1880 befindet sich im Mausoleum die Ruhestätte der Grafen- und Fürstenfamilie Cirksena von Ostfriesland.

Der Auricher Bahnhof wurde 1883 von der preußischen Staatsbahn für die Bahnstrecke in Richtung Emden eingeweiht. Im September 1967 wurde der Personenverkehr nach Aurich eingestellt. Seit 1995 beherbergt das ehemalige Bahnhofsgebäude Unterrichtsräume des benachbarten Gymnasiums Ulricianum. Die Musiker der Schule haben hier ihr Domizil gefunden.

Weitere stadtbildprägendes Bauensembles sind das alte Wasserwerk, dessen Bau im Jahre 1910 begann, sowie das 1898 bis 1901 errichtete Landschaftshaus mit seiner Landschaftsbibliothek.

Das Großsteingrab Tannenhausen (im Volksmund Botter, Brood un Kääs genannt) sind zwei große Megalithanlagen aus der Vorzeit, die eng benachbart nahe dem Auricher Stadtteil Tannenhausen liegen.

Sehenswürdigkeiten in Aurich

Sehenswürdigkeiten in Aurich (v.l.n.r.) Mausoleum, Knodtsches Haus, Pingelhus, Kunstpavillon

Vereine[Bearbeiten]

Sportliches „Aushängeschild“ der Stadt ist der Handball-Drittligist OHV Aurich. Die Abkürzung OHV steht für Ostfriesischer Handballverein.

Größter Sportverein Aurichs und zweitgrößter Ostfrieslands (nach dem ISV Emden) ist der MTV Aurich.[43] Als Großverein mit mehr als 2500 Mitgliedern ist der MTV Mitglied im Freiburger Kreis, in dem die mitgliederstärksten Sportvereine Deutschlands zusammengeschlossen sind. Neben vielen anderen Sportarten wird beim MTV Basketball und Volleyball angeboten. Die Fußballer der Sportvereinigung (SpVg) Aurich spielen in der der Saison 20013/14 in der Bezirksliga Staffel I. In mehreren Vereinen werden die Friesen-Sportarten Boßeln und Klootschießen betrieben.

Der Verein Playground betreibt in Aurich die nach eigenen Angaben größte reine Skateboarding-Halle Deutschlands mit einer Innenfläche von 3.500 m².[44] Die Halle selbst befindet sich im Besitz der Stadt.

Der Kunstverein Aurich, gegründet 1988, bietet vier bis sechs Kunstausstellungen oder Workshops pro Jahr im Kunstpavillon am Ellernfeld. Ausstellungen finden darüber hinaus regelmäßig im städtischen Rathaus und im Kreishaus, dem Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Aurich, statt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Auricher Filmklappe ist ein Kurzfilmwettbewerb für Schülerinnen und Schüler, der sich an alle Schulen Ostfrieslands richtet. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen eine Plattform zu bieten, ihre Bilder und Geschichten zu veröffentlichen. Die Preisverleihung findet alljährlich im Juni im Großen Saal des Auricher Kinos statt. Inzwischen gibt es zwölf Filmklappen in Niedersachsen. Aus diesen lokalen Filmklappen ist Die Niedersachsen Filmklappe entstanden, die einmalig ist in Deutschland und von den Medienberatern Niedersachsens betrieben wird. Sie wurde zum ersten Mal im Oktober 2008 in der Stadthalle in Aurich verliehen und steht unter der Schirmherrschaft der Kultusministerin des Landes Niedersachsen. In Aurich liegt die Federführung beim Medienzentrum des Landkreises. In den kommenden Jahren soll in Aurich im Oktober die Niedersachsen Filmklappe verliehen werden.

Alljährlich findet – zumeist im Juli – das Auricher Open-Air-Festival statt, das unter dem Namen Seaside-Festival firmiert. Seaside bezieht sich auf den Veranstaltungsort, das Mehrzweckgelände am Badesee im Stadtteil Tannenhausen. Alljährlich lockt das Festival mehrere Tausend Rock- und Metal-Freunde an.

Die Auricher Wissenschaftstage sind aus einem Projekt des Gymnasiums Ulricianum und der Berufsbildenden Schulen Aurich hervorgegangen. Schüler präsentieren dabei Ergebnisse ihrer Nachwuchs-Forschertätigkeiten. 2010 fanden sie zum 20. Mal statt. Es werden in jedem Jahr renommierte Referenten zu wechselnden Fachthemen eingeladen. Die Vorträge sind öffentlich.[45]

An Veranstaltungsorten in Aurich findet in jedem Spätsommer eines oder mehrere Konzerte des Musikalischen Sommers in Ostfriesland statt, einer Konzertreihe mit zumeist klassischer Musik. Das Eröffnungskonzert findet traditionell in der Auricher Lambertikirche statt.

Das Auricher Stadtfest wird im August in der Innenstadt gefeiert. Kunstausstellungen finden im Kunstpavillon auf dem Ellernfeld statt, zudem im Rathaus und gelegentlich im Kreishaus, dem Sitz der Kreisverwaltung.

Zudem befindet sich neben dem Gymnasium Ulricianum seit Mai 2009 eine Multifunktionshalle, die den Sponsoring-Namen Sparkassen-Arena trägt. Dort werden nicht nur Sportveranstaltungen stattfinden (vor allem die Spiele des Handballvereins OHV Aurich), sondern auch Messen und kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerte. Das Fassungsvermögen beträgt (unbestuhlt) maximal 3.000 Personen.[46] Weiterer Veranstaltungsort für kulturelle Zwecke ist die Auricher Stadthalle. Hier finden zudem regelmäßig Aufführungen der Landesbühne Niedersachsen Nord statt.

Sprache und Namen[Bearbeiten]

Ortsschild Aurich (Auerk)

In Aurich wird neben Hochdeutsch Ostfriesisches Platt gesprochen. Da in Aurich jedoch die Zahl der nicht in Ostfriesland geborenen und dementsprechend nicht mit dem Ostfriesischen Platt aufgewachsenen Personen höher ist als in den Umlandgemeinden, liegt der Anteil der Platt-Sprecher niedriger. Die Stadt ist vom Niedersächsischen Innenministerium berechtigt worden, zweisprachige Ortseingangsschilder mit den Namen Aurich und Auerk aufzustellen.

Mit weitem Abstand häufigster Name ist Janssen, wenn auch in verschiedenen Schreibweisen. Dieser Name findet sich im Auricher Telefonbuch allein 1158-mal. Auf Rang zwei folgt mit großem Abstand Meyer (475), gefolgt von Saathoff (471), Harms (432) und Hinrichs (380).[47]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Branchen und Unternehmen[Bearbeiten]

Fußgängerzone mit Lambertiturm

Aurich war wegen seiner vielen Behörden über Jahrhunderte der „Schreibtisch Ostfrieslands“. Die öffentliche Hand ist mit einer vierstelligen Zahl von Beschäftigten auch heute noch ein wichtiger Arbeitgeber. In Aurich entwickelte sich die Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem signifikanten Wirtschaftsfaktor.

Molkerei Rücker

Die Elektrotechnik und der Maschinenbau zählen zu den industriellen Schwerpunkten Aurichs. Der Windenergieanlagen-Hersteller Enercon (er war 2007 mit 14 Prozent Weltmarktanteil[48] Vierter der Branche hinter Vestas (Dänemark), Gamesa (Spanien) und GE Wind (USA)) beschert der Region mehr als 2800 Arbeitsplätze in Aurich und der Stadtkasse zweistellige Millionenbeträge an Gewerbesteuereinnahmen; damit sind Stadt und Region Aurich in einer gewissen Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen (dies geht vielen anderen Gebietskörperschaften genauso).

Die Firma WIMA (110 Mitarbeiter) mit einem ihrer Standorte in Aurich ist auf dem Gebiet der Folienkondensatoren Weltmarktführer. Dies ist für Unternehmen im Elektronikbauteilesektor mit Standort Deutschland eine Rarität. Das Elektrotechnik-Unternehmen Rolf Janssen (etwa 400 Mitarbeiter [49]) hat sich unter anderem auf Kraftwerkstechnik und Schiffselektrik spezialisiert. Die Nahrungsmittelindustrie (unter anderem Molkerei Rücker GmbH) sowie der Stahl- und Metallbau sind ebenfalls in Aurich. Im Bereich Nahrungsmittel ist auch das Unternehmen Auricher Süßmost zu nennen, ein Hersteller von Apfelsaft. Der Betrieb wird von Obstbauern der Region und von Privatleuten mit Äpfeln beliefert und verarbeitet bis zu 150 Tonnen Äpfel täglich.[50] Aurich ist der Sitz der Sparkasse Aurich/Norden.

Die Nähe zur Küste begünstigt den Tourismus; er ist ein wichtiges Standbein der heimischen Wirtschaft. Erstmals verzeichnete Aurich 2010 mehr als 200.000 Übernachtungen.[51] Zudem wird die Stadt oft von Tagestouristen besucht, die ihren Urlaub in Ostfriesland verbringen.

Aurich hat – begünstigt durch seine zentrale Lage innerhalb Ostfrieslands – eine herausgehobene Funktion im regionalen Einzelhandel. Die Einzelhandelszentralität lag 2007 bei 153 Prozent. [52] 387 Einzelhandelsgeschäfte mit zusammen etwa 121.000 Quadratmetern Verkaufsfläche generierten 2007 einen Jahresumsatz von gut 325 Millionen Euro.[52]

Dienstleistungsunternehmen haben einen Anteil von rund 40 Prozent an der Bruttowertschöpfung. Weitere 35 Prozent entfallen auf das verarbeitende Gewerbe. Der Handel hat einen Anteil von 15 Prozent. Die restlichen 10 Prozent der Bruttowertschöpfung entfallen auf die Landwirtschaft, die in den ausgedehnten Außenbereichen der Stadt eine wichtige Rolle spielt. In Aurich ist der Umschlagplatz des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOSt), einer eingetragenen Genossenschaft zum Absatz von Milchvieh. Die Viehhallen liegen innenstadtnah; sie sollen (Stand 2011) in das Gewerbegebiet in Schirum im Süden der Stadt verlegt werden.[53] Ökologische Landwirtschaft (Ackerbau und/oder Tierhaltung) praktizieren einzelne Landwirte.[54]

Verkehr[Bearbeiten]

Verkehrsachsen in Ostfriesland: Das zentral gelegene Aurich ist Knotenpunkt im ostfriesischen Straßennetz.

Durch die Stadt Aurich verlaufen die Bundesstraßen 210 (EmdenWilhelmshaven) und 72 (NorddeichSchneiderkrug im Landkreis Cloppenburg), die zwischen Georgsheil und Aurich über dieselbe Trasse geführt werden. Aurich wurde bisher nicht an das Autobahnnetz angeschlossen. Ein möglicher Zubringer und zugleich eine Ortsumgehung Aurichs, die B 210n von der Anschlussstelle Riepe an der A 31 um Aurich herum bis zur B 210 in Richtung Wittmund, ist in Planung. Das Vorhaben ist aufgrund der Eingriffe in die Landschaft aber nicht unumstritten.[55] Eine Bürgerinitiative hat sich mit dem Ziel gegründet, die sogenannte B 210 neu zu verhindern.[56]

Die Auricher Ausfallstraßen zählen zu den am stärksten belasteten Bundes- und Landesstraßen Ostfrieslands. An der B 72 in Aurich-Extum wurden 2005 recht genau 28.000 Fahrzeuge gezählt, was diesen Abschnitt zum am stärksten befahrenen unter den ostfriesischen Bundesstraßen macht.[57] Der östliche Teil des Auricher Innenstadtrings (ebenfalls B 72) wurde von fast 26.300 Fahrzeuge befahren. Darunter waren knapp 1400 Lastkraftwagen, was den höchsten Wert für den Schwerverkehr auf Ostfrieslands Bundesstraßen darstellt. Hintergrund ist die Tatsache, dass das Industriegebiet Sandhorst, in dem unter anderem Enercon produziert, im Norden der Stadt liegt, während sich die Absatzgebiete fast ausnahmslos südlich der Stadt befinden. Auf der Esenser Straße (B 210), der Ausfallstraße in Richtung Wittmund/Wilhelmshaven, fuhren täglich im Durchschnitt etwa 23.000 Fahrzeuge. Die Landesstraße 34, die einen Teil des Landkreises Wittmund und die östlichen Auricher Stadtteile an die Innenstadt anschließen, wurden von knapp 14.400 Fahrzeugen täglich befahren, was den höchsten Wert unter den Landesstraßen Ostfrieslands darstellt. Neben den genannten Straßen führen noch drei weitere Landesstraßen aus Aurich heraus: die L 1 nach Süden in Richtung Riepe mit dem dortigen Autobahnanschluss an die A 31, die L 7 in Richtung Norden nach Dornum und die L 14 vom südlichen Auricher Stadtteil Schirum nach Neermoor mit Zugang zur gleichnamigen Anschlussstelle an die A 31.

Bahnverladung von Windenergieanlagen von Enercon im Industriegebiet Aurich-Nord

Am 14. Juni 1883 fand in Norden die feierliche Eröffnung der Küstenbahn zwischen Emden und Wittmund statt, zu der die Strecke Aurich–Abelitz bahntechnisch als Nebenbahn gehörte. Sie wurde am 15. Juni 1883 in Betrieb genommen. Der Personenverkehr auf der Strecke wurde 1967 eingestellt. Seitdem wird der Personenverkehr mit Bussen abgewickelt. Der letzte Güterzug vor der Reaktivierung fuhr 1996. Eine Machbarkeitsstudie untersucht (Stand 20xx) die Fortführung der Bahnstrecke nach Wittmund, wo ein Anschluss in Richtung Oldenburg und Wilhelmshaven besteht.

Anrufbus am Auricher ZOB

Früher begann in Aurich zudem ein Streckenast der Kreisbahn Aurich, die die Städte Leer, Aurich, Esens und Wittmund und den Küstenort Bensersiel auf Meterspur verband und vornehmlich dem Güterverkehr und in geringerem Umfang dem Personentransport diente. Teile der alten und längst abgebauten Bahnstrecke sind heute Radwege.

Bus-Überlandlinien führen in alle umliegenden Nachbarstädte wie Emden, Norden, Leer und Wilhelmshaven (über Wittmund und Jever). Von besonderer Wichtigkeit sind dabei jene Verbindungen, die in die umliegenden Städte mit Personenbahnhöfen führen, vor allem diejenige nach Leer. Überlandbuslinien verkehren zudem in die umliegenden Landgemeinden. Innerhalb Aurichs gibt es inzwischen keine Stadtbuslinien mehr. Der Busverkehr innerhalb der Stadt wird – zusätzlich zu den Haltepunkten an den Überlandlinien – durch Anrufbusse sichergestellt. Dazu werden Kleinbusse und auch Taxis eingesetzt.

An das Bahnnetz der Deutschen Bahn ist Aurich seit 2008 im Güterverkehr wieder offiziell angeschlossen. Am 4. April 2008 eröffnete der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff die Bahnstrecke Abelitz-Aurich, die seit 1996 stillgelegt war. Die Strecke zwischen Aurich und Abelitz wird von der Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden mbH (EAE) betrieben.[58] Der Windenergieanlagen-Hersteller Enercon war die treibende Kraft hinter dem Ausbau[59] und hat deswegen die Eisenbahngesellschaft Ostfriesland Oldenburg (e.g.o.o.) übernommen. Am 14. April 2008 fuhr der erste Güterzug vom Industriegebiet Nord in Aurich in den Emder Hafen, wo Enercon seine Anlagen verschiffen lässt.[60] Inzwischen fährt die e.g.o.o. werktäglich einen Güterzug mit Lademaßüberschreitung, der Windanlagenkomponenten transportiert. Auf einem speziellen vierteiligen Flachwagen kann ein fast 40 Meter langes Rotorblatt montiert werden. Eine Wiederaufnahme des regelmäßigen Personenverkehrs ist nicht vorgesehen. Wohl aber wird über den Bau eines Bahnsteigs für Sonderfahrten zu bestimmten Anlässen sowie mit der Museumseisenbahn Küstenbahn Ostfriesland nachgedacht.[44] Die Bahnstrecke von Aurich trifft in Abelitz auf die Strecke der Ostfriesischen Küstenbahn in Richtung Emden.

Der 1880 bis 1888 erbauten Ems-Jade-Kanal verbindet zudem Aurich mit Emden und Wilhelmshaven. Dieser Kanal mit einer Gesamtlänge von 72,3 Kilometer hat inzwischen fast ausschließlich Bedeutung für die Sportschifffahrt. Lediglich der Transport von Baustoffen vom Emder Hafen in den kleinen Auricher Hafen fällt noch ein wenig ins Gewicht. Es wird (Stand: Frühjahr 2008) in der regionalen Politik diskutiert, den Ems-Jade-Kanal auszubauen, um so eine leistungsfähige Verbindung zwischen dem Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, Aurich und Emden zu schaffen.[61] Dies würde Wilhelmshaven nicht nur mit Emden, sondern über die Ems und den Dortmund-Ems-Kanal auch mit dem Mittellandkanal und dem Ruhrgebiet verbinden. Die Wasserverbindung zwischen Aurich und Emden ist jedoch bereits älter: Das Treckfahrtstief wurde in den Jahren 1798/99 angelegt und verband seither die beiden Städte auf dem Wasserweg. Beim Bau des Ems-Jade-Kanals wurden Teile des Tiefs integriert.

Die nächstgelegenen zivilen Flugplätze finden sich in Leer, Norddeich und Emden. Nächstgelegener internationaler Verkehrsflughafen ist der in Bremen. In Brockzetel liegt das Segelfluggelände Aurich-Brockzetel.

Medien[Bearbeiten]

In Aurich sind die Ostfriesischen Nachrichten ansässig, eine eigenständige Tageszeitung für den Altkreis Aurich. Außerdem liegt die Stadt im Verbreitungsgebiet der Ostfriesen-Zeitung und ist Sitz der Bezirksredaktion für Aurich und Wittmund. Ein zweimal pro Woche erscheinendes Anzeigenblatt ist das Heimatblatt/Sonntagsblatt, das zur Emder Zeitung gehört. Daneben ist in Aurich eines der drei Studios des Bürgerrundfunksenders Radio Ostfriesland beheimatet.

Im Ortsteil Popens betreibt der Norddeutsche Rundfunk den Grundnetzsender Ostfriesland für TV (DVB-T) und Radio (DAB, UKW-Rundfunk). Als Antennenträger kommt ein 227 m hoher, abgespannter Stahlrohrmast zum Einsatz, der damit das sechsthöchste Bauwerk Ostfrieslands ist – nach fünf auf dem Gebiet der Gemeinde Ostrhauderfehn stehenden Antennen des Längstwellensenders DHO38 der Marine.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest
Im Schlossbezirk sind das Landgericht, das Amtsgericht und die Oberfinanzdirektion Niedersachsen Abteilung 4 - Landesweite Bezüge- und Versorgungsstelle Aurich untergebracht

Als ehemalige Residenzstadt des ostfriesischen Fürstenhauses hat Aurich eine lange Tradition als Verwaltungsstandort. Neben der Stadtverwaltung und der Kreisverwaltung des Landkreises Aurich sind in der Stadt noch eine ganze Reihe weiterer Behörden und sonstiger Körperschaften des öffentlichen Rechts beheimatet.

  • Justizbehörden
Das Landgericht Aurich ist zuständig für den Raum Ostfriesland, also die Stadt Emden sowie die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund. Die jeweiligen Vorinstanzen, also die „zugehörigen“ Amtsgerichte, befinden sich in den Städten Aurich, Emden, Leer, Norden und Wittmund. Die Staatsanwaltschaft Aurich ist ebenfalls für den Raum Ostfriesland zuständig. In Aurich gibt es zudem eine Justizvollzugsanstalt, die zweite in Ostfriesland befindet sich in Emden. Aurich ist außerdem Sitz eines Sozialgerichts. Im ostfriesischen Justizwesen sind etwa 750 Personen beschäftigt, der Großteil davon in Aurich. Allein am Landgericht arbeiten 81 Personen.[62]
  • Behörden und Körperschaften des Bundes
  • Behörden und Körperschaften des Landes
    • Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat eine Betriebsstelle in Aurich. Dort waren 2007 insgesamt 79 Mitarbeiter beschäftigt.[64]
    • Die Niedersächsische Landesbehörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (ehemalige Katasterbehörden) hat eine ihrer 14 Dienststellen in Aurich. Die Auricher Dienststelle ist für Ostfriesland zuständig.
    • Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr unterhält in Aurich einen ihrer 13 regionalen Geschäftsbereiche. [65] Dieser ist zuständig für Bau und Unterhaltung von Bundes- und Landesstraßen in Ostfriesland, im Landkreis Friesland und in Wilhelmshaven.
    • Eine von sechs Dienststellen des Niedersächsischen Staatsarchivs ist in Aurich beheimatet. Diese betreut ganz Ostfriesland.
    • Aurich ist zudem mit etwa 340 Mitarbeitern[66] der größte der vier Standorte der Oberfinanzdirektion Niedersachsen Abteilung 4 – Landesweite Bezüge- und Versorgungsstelle Aurich
    • Die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund mit Sitz in Aurich ist für den Bereich der Landkreise Aurich und Wittmund zuständig.
  • Weitere Körperschaften des öffentlichen Rechts

Bildung[Bearbeiten]

Integrierte Gesamtschule (IGS) Aurich-West
Berufsbildende Schule Aurich-West

Neben Grundschulen, den weiterführenden Schulen des dreigliedrigen Schulsystems, Berufsbildenden Schulen (BBS) und Förderschulen gibt es in Aurich auch zwei Gesamtschulen.

In Aurich gibt es eine Hauptschule und eine Realschule sowie zwölf Grundschulen. Sie befinden sich allesamt in städtischer Trägerschaft.

In Trägerschaft des Landkreises Aurich befinden sich das Gymnasium Ulricianum sowie die Berufsbildenden Schulen I und II. An dieser werden nicht allein Schüler aus dem Landkreis Aurich unterrichtet, sondern auch aus den umliegenden Kreisen und der Stadt Emden. Dies geschieht in Rahmen einer Kooperation und Abstimmung der Angebote, damit nicht an mehreren BBSen das gleiche Angebot vorgehalten werden muss. Ebenfalls in Trägerschaft des Landkreises Aurich befinden sich die Integrierte Gesamtschule (IGS) Aurich-West (bis Jahrgang 13) und die IGS Waldschule Egels (bis einschließlich Jahrgang zehn).

An der IGS Aurich-West werden zirka 1600 Schüler unterrichtet. Die Nachfrage übersteigt dabei das Angebot: Zum Schuljahr 2007/08 konnten 70 interessierte Schüler nicht aufgenommen werden.[67] Am Gymnasium Ulricianum werden rund 2.000 Schüler unterrichtet, womit es zu den kopfstärksten Niedersachsens zählt. Dabei ist allerdings eine Außenstelle in Moorhusen in der Nachbargemeinde Südbrookmerland eingerechnet.[68]

In Aurich gibt es zudem zwei Förderschulen für Körperbehinderte und für Lernbehinderte, beide in Trägerschaft des Landkreises.

Neben den Pflichtschulen für Kinder und Jugendliche existieren in Aurich eine Kreisvolkshochschule, eine Kunstschule mit dem Namen Miraculum und einer der beiden Standorte der Musikschule Landkreis Aurich gGmbH, deren alleiniger Gesellschafter der Landkreis Aurich ist. Der andere Standort befindet sich in Norden.

Die Stadt ist Sitz der Ostfriesischen Landschaft, die hier die Landschaftsbibliothek mit einem Bestand von zirka 115.000 Bänden und 640 laufenden Zeitschriften unterhält[69] und die historische Regionalforschung fördert. Daneben gibt es noch die für jedermann zugängliche Stadtbibliothek, die seit 1999 in den historischen Räumen der Ostfriesischen Sparkasse ansässig ist und einen Bestand von 34.000 Bänden umfasst.

Messstationen[Bearbeiten]

In der Auricher Kernstadt[70] und dem Auricher Stadtteil Middels[71] befinden sich je eine von rund 1800 Messstellen des Radioaktivitätsmessnetzes des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Die Messstation misst die Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) am Messort und sendet die Daten an das Messnetz. Die über 24 Stunden gemittelten Daten können direkt im Internet abgerufen werden.[72]

Seit August 2011 wird in Aurich auch eine Meteomedia Wetterstation betrieben. Sie steht im Ortsteil Brockzetel und liefert aktuelle Wetterdaten, die über das Netz von Meteomedia und auf der Internetseite der Stadt Aurich abgerufen werden können.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Würdigung der Stadt Aurich. Die Stadtverwaltung vertritt die Ansicht, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod des Inhabers erlischt, weshalb keinerlei Anläufe unternommen wurden, Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft zu entziehen. Die Stadt hat bisher nur fünf Personen damit ausgezeichnet:[73]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Rudolf Eucken

Aus Aurich stammen zwei renommierte Philosophen: Rudolf Eucken (1846–1926), Philosophieprofessor in Jena, erfolgreicher Autor neu-idealistischer Abhandlungen und Vater des Nationalökonomen Walter Eucken, ist der einzige Ostfriese, der bislang einen Nobelpreis (1908 für Literatur) erhielt. Professor Dr. Hermann Lübbe (*1926) lehrte Philosophie an der Universität in Zürich.

Als traditioneller Verwaltungs- und Justizstandort hat Aurich auch drei bedeutende Personen im juristischen Bereich hervorgebracht: Rudolf von Jhering, Cirk Heinrich Stürenburg und Karl Heinrich Ulrichs, der als Vorkämpfer der Lesben- und Schwulenbewegung gilt. Der ehemalige Innenminister von NRW, Herbert Schnoor, ist ebenfalls gebürtiger Auricher.

Der evangelische Theologe und Soziologe Karl Dunkmann stammte aus Aurich, desgleichen der Theologe und Mathematiker Michael Walther der Jüngere.

Um die Kultur in Ostfriesland und darüber hinaus haben sich der Pädagoge und auf plattdeutsch schreibende Autor Ewald Christophers sowie der Künstler und Musikjournalist Hannes Flesner verdient gemacht. Der Kaufmann Conrad Bernhard Meyer tat sich auch als Künstler und Architekt hervor.

Auf dem Gebiet der Medizin hat sich der Internist und Augenarzt Friedrich Theodor von Frerichs verdient gemacht. Wilhelm Plagge (1794–1845) war ein Pharmakologe und Hochschullehrer in Gießen. Der in Aurich geborene Medizininalrat Friedrich Wilhelm von Halem (1762–1835) war Mitbegründer des Seebades Norderney.

Der spätere preußische General Friedrich August Peter von Colomb machte sich als erfolgreicher Freikorpsführer der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte einen Namen.

Im Deutschen Kaiserreich wurde der in Aurich geborene Georg Franzius in Kiel ein bedeutender Wasserbauingenieur. Sein noch in Wittmund geborener Bruder Ludwig Franzius besuchte das Gymnasium in Aurich. Er machte sich durch die sogenannte Weserkorrektion und den Ausbau der Häfen in Bremen einen Namen.

Der in Aurich unter dem Namen Franz Reuss geborene Jurist Yitzhak Raveh (1906–1989) war einer der vorsitzenden Richter des Eichmann-Prozesses.

Marie Hoppe, Tochter des Auricher Grünen-Bundestagsabgeordneten Thilo Hoppe, ist seit Juni 2011 Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft für die Grünen-Fraktion.

Im Bereich des Sports sind die Dressurreiterin Karin Rehbein (* 1949) und der Fußballspieler Frank Löning (* 1981) zu nennen.

Uwe Rosenberg (* 1970) zählt zu den weltweit renommiertesten Spieleautoren.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Eine Reihe von Personen sind zwar nicht in Aurich geboren, haben dort aber gewirkt und sich in ihren jeweiligen Fachgebieten Verdienste erworben.

Als Schriftsteller traten u.a Marie Ulferts, Moritz Jahn und Ewald Christophers überregional in Erscheinung. Herbert Dunkel, Karl Dönselmann, Bodo Olthoff und Herbert Müller sind Maler, die weit über den ostfriesischen Raum hinaus bekannt wurden.

Eine Reihe von Politikern hat in Aurich gewirkt – darunter sind gleich drei von Bündnis 90/Die Grünen: die aus Wilhelmshaven stammende Gila Altmann (frühere Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium), der in Leer geborene spätere schleswig-holsteinische Umweltminister Rainder Steenblock und der aktuelle Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Aurich/Emden, Thilo Hoppe. Der ehemalige Auricher Landtagsabgeordnete Wolfgang Ontijd (CDU) wurde auf Borkum geboren. In der Verwaltung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Aurich bzw. Nordwest, einer Bundesbehörde, ist u.a. der Regierungsdirektor Theodor Aden (aus Akelsbarg), Träger des Bundesverdienstkreuzes, zu nennen.

In der Wirtschaft ist besonders Aloys Wobben, Gründer und Inhaber des Windenergieanlagenherstellers Enercon aus der Gemeinde Rastdorf im Emsland zu nennen.

Die Theologen Wilhelm Büning, Volker Jürgens und Oda-Gebbine Holze-Stäblein waren Landessuperintendenten des Sprengels Ostfriesland der ev.-luth. Kirche.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Anklam: Die Judengemeinde in Aurich. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Jg. 71 (1927), Nr. 4, S. 194–206.
  • Kurt Asche: Bürgerhäuser in Ostfriesland. Verlag Soltau-Kurier, Norden 1992, ISBN 3-922365-39-6.
  • W. J. Buma (Hrsg.): Die Brokmer Rechtshandschriften (Oudfriese Taal – en Rechtsbronnen 5), Den Haag 1949.
  • Werner Conring, Heinz Ramm: Die Stadt- und Gerichtsverfassung der ostfriesischen Residenz Aurich bis zum Übergang Ostfrieslands an Preussen im Jahre 1744. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1966.
  • Martin Jhering: Hofleben in Ostfriesland. Die Fürstenresidenz Aurich im Jahre 1728. Hannover 2005, ISBN 3-7752-6023-4.
  • Rüdiger Musolf: Gerhard Silomon. Die Geschichte eines Textilhauses. Aurich 1994, ohne ISBN (zahlreiche Abbildungen, umfangreiche Literaturangaben u. a. zur Auricher und ostfriesischen Wirtschaftsgeschichte)
  • Robert Noah: Die Lambertikirche in Aurich (Ostfriesische Kunstführer, Heft 4), Aurich 1982.
  • Robert Noah: Die reformierte Kirche in Aurich (Ostfriesische Kunstführer, Heft 6) Aurich 1983.
  • Harry Pladies: Ostfriesland während der Befreiungskriege und zur Zeit des Wiener Kongresses (1813–1815). In Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden. Aurich 1966
  • Heinz Ramm: Die Anfänge von Aurich. In: Collectanea Frisica, Beiträge zur Historischen Landeskunde Ostfrieslands. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1995, S. 101–162.
  • Dietmar von Reeken: Ostfriesland zwischen Weimar und Bonn. Eine Fallstudie zum Problem der historischen Kontinuität am Beispiel der Städte Aurich und Emden. Hildesheim 1991, ISBN 3-7848-3057-9.
  • Friedemann Rast: Die Geschichte einer Auricher Weinhandlung von 1838-1988. 150 Jahre J.C. Winter. Aurich 1988, ohne ISBN.
  • Herbert Reyer (Hrsg.): Aurich im Nationalsozialismus. Aurich 1993, ISBN 3-925365-49-4.
  • Herbert Reyer: Ostfriesland im Dritten Reich – Die Anfänge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Regierungsbezirk Aurich 1933–1938. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbh, Aurich 1992.
  • Friedrich-Wilhelm Schaer: Die Stadt Aurich und ihre Beamtenschaft im 19. Jahrhundert. Lax Verlag, Hildesheim 1963, ISBN 3-8269-2523-8.
  • Hinrich Schoolmann: Unsere liebe kleine Stadt – Ein Gang durch das alte Aurich, Verlag A.H.F. Dunkmann KG, Aurich ohne Jahr, ohne ISBN.
  • Tileman D. Wiarda: Bruchstücke zur Geschichte und Topographie der Stadt Aurich bis zum Jahre 1813, (Nachdruck der Ausgabe Emden 1835), Leer 1980, ISBN 3-7963-0193-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aurich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Aurich – Zitate
 Wiktionary: Aurich – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Ostfriesland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Aurich.de: Ein kurzer Streifzug durch Aurichs lange Geschichte
  3. Ostfriesischelandschaft.de: Geschichte der Ostfriesischen Landschaft- Vom ständischen Landtag zum regionalen Kulturparlament
  4. Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, S. 16 ISBN 3-89244-753-5.
  5. www.aurich.de: Flächennutzung
  6. Verordnung über das Landesraumordnungsprogramm auf www.nds-voris.de
  7. Ostfriesische Nachrichten, Online-Ausgabe vom 3. Februar 2008
  8. a b c Hauptsatzung der Stadt Aurich vom 12. Dezember 1996 (4. Änderung vom 8. Mai 2008) (PDF; 38 kB), abgerufen am 29. Juli 2011
  9. a b Aurich.de: Zahlen, Daten, Fakten
  10. Aurich.de: Ortsteile
  11. Ostfriesischer Kurier, 27. Januar 2009, S. 12
  12. Harry Pladies: Ostfriesland zur Zeit Napoleons. In: Die Leuchtboje, Heft 19, Leer o. J.
  13. HGIS Germany: Landdrostei Aurich (1823–1865) (PDF; 23 kB)
  14. Herbert Reyer (Hrsg.): Aurich im Nationalsozialismus, Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1989, S. 71
  15. Ostfriesische Nachrichten vom 1. November 1932: Adolf Hitler in Aurich
  16. a b c d e  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 250 und 261.
  17. Aurich.de: Ein kurzer Streifzug durch Aurichs lange Geschichte
  18. Bis 1939: Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 126
  19. danach: Aurich.de: Zahlen, Daten und Fakten
  20. 2010: "Statistisches Bundesamt"
  21. LSKN-Online
  22. www.sprengel-ostfriesland.de: Statistik
  23. sprengel-ostfriesland.de: Kirchenkreise
  24. Reformiert.de: Aurich
  25. Aurich.de: Die Katholische Kirche
  26. nib.adventisten.de: Delegiertenversammlung
  27. Albert West: Alles hat seine Zeit. Chronistische Anmerkungen eines Zeitgenossen zum 25. Jubiläum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Aurich, Aurich 1986, S. 13
  28. Alfred West, a. a. O., S. 19
  29. Evangelisch-methodistische Kirche: Hinweis Aurich, gesehen 14. November 2010.
  30. aurich.feg.de: Was ist eigentlich eine Freie evangelische Gemeinde?
  31. Islam in Aurich
  32. www.aurich.de: Stadtratswahlen 2011, abgerufen am 12. September 2011.
  33. www.ndr.de: Alle wollen Gewinner sein – nur FDP trauert, abgerufen am 12. September 2011.
  34. Bundestagswahl 2013, Wahlkreis 24: Aurich/Emden. Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 9. Dezember 2009.
  35. aurich.de: Bundestagswahl 2013, abgerufen am 23. September 2013.
  36. www.ostfriesische-nachrichten.de: Euro-Regen für die Stadt, ON vom 1. Dezember 2009, abgerufen am 22. Februar 2012.
  37. Nds. Landesamt für Statistik: Statistisches Monatsheft 10/2011, S. 580, abrufbar über www.nls.niedersachsen.de, abgerufen am 22. Februar 2012.
  38. Partnerstadt – Stadt Aurich, abgerufen am 29. Juli 2011
  39. Landesbühne – Theater für Aurich, abgerufen am 29. Juli 2011
  40. Niederdeutsches Theater Aurich: Wir über uns, abgerufen am 29. Juli 2011
  41. MachMitMuseum Aurich – Konzept, abgerufen am 29. Juli 2011
  42. a b Mühlenfachmuseum Stiftsmühle, abgerufen am 29. Juli 2011
  43. Zum Jahresbeginn 2012 zählte der MTV Aurich 3059 Mitglieder, während der ISV Emden auf 3567 kam, Daten von der MTV-Homepage und dem Online-Auftritt der Ostfriesen-Zeitung abgerufen am 20. Februar 2012.
  44. a b Ostfriesen-Zeitung, 14. Januar 2009, S. 17
  45. Internetauftritt der Auricher Wissenschaftstage, abgerufen am 22. Oktober 2010
  46. Sparkassen-Arena Aurich: Besucherinformationen, abgerufen am 29. Juli 2011
  47. Fast 1200 Mal „Janssen“ in Aurich, Ostfriesen-Zeitung, 7. Mai 2010, abgerufen am 7. August 2011.
  48. Pressemitteilung auf www.btm.dk
  49. Ostfriesischer Kurier, 20. Oktober 2007, S. 47
  50. Nur die Guten kommen in den Laden, Ostfriesen-Zeitung, 18. Oktober 2010, abgerufen am 7. August 2011.
  51. Rekordjahr für den Tourismus in Aurich. In: Ostfriesen-Zeitung. 4. Juni 2011, abgerufen am selben Tag
  52. a b Ostfriesischer Kurier, 13. Februar 2008, S. 12
  53. VOSt wartet auf die Baugenehmigung für Aurich. In: Ostfriesen-Zeitung. 14. Januar 2011, abgerufen am 6. August 2011.
  54. Im ehemaligen Melkstand gackern jetzt die Hühner. In: Ostfriesen-Zeitung. 9. September 2010, abgerufen am 7. August 2011.
  55. Ostfriesen-Zeitung, mehrere Ausgaben 2007 und 2008
  56. Homepage der Bürgerinitiative Bilanz
  57. Ostfriesischer Kurier, 24. Januar 2007, S. 9.
  58. Gesellschafter der EAE sind Stadt Aurich, Landkreis Aurich, Stadt Emdem, Enercon GmbH und Kerker Beton GmbH. Abgerufen am 11. November 2010.
  59. Ostfriesen-Zeitung, 5. April 2008
  60. Ostfriesischer Kurier, 15. April 2008, S. 20
  61. Ostfriesischer Kurier, mehrere Ausgaben 2007 und 2008
  62. Ostfriesischer Kurier, 23. April 2008, S. 22
  63. Dietrichsfeld 1/8 Hartwig Mammen (Ortschronisten der Ostfriesischen landschaft): Dietrichsfeld, Stadt Aurich, Landkreis Aurich (PDF; 614 kB), eingesehen am 4. Juni 2013.
  64. NLWKN, Jahresbericht 2007, Norden 2008, S. 9
  65. Geschäftsbereich Aurich auf www.strassenbau.niedersachsen.de
  66. Ostfriesischer Kurier, 13. April 2008, S. 17
  67. Ostfriesische Nachrichten vom 28. Juni 2007, zitiert unter www.igs-aurich.de (Menüpunkt Pressespiegel)
  68. www.ulricianum-aurich.de Menüpunkt Ulricianum kurz und bündig
  69. ostfriesischelandschaft.de: Zentrale Dienste.
  70. Messstelle Aurich, abgerufen am 1. September 2011
  71. Messstelle Aurich-Middels, abgerufen am 1. September 2011
  72. Standorte der Messsonden des Radioaktivitätsmessnetz mit ihren Tagesmittelwerten, abgerufen am 1. September 2011
  73. a b c Stadt Aurich derzeit ohne Ehrenbürger, abgerufen am 28. Juli 2011
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