Enercon

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Enercon GmbH
Enercon GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1984
Sitz Aurich, Deutschland
Leitung Aloys Wobben, Hans-Dieter Kettwig
Mitarbeiter ca. 13.000[1]
Umsatz EUR 3,928 Mrd. (2011)[2]
Bilanzsumme EUR 5,397 Mrd. (2011)
Branche Erneuerbare Energie
Produkte Windkraftanlagen, Wasserkraftwerke,
Solarwechselrichter
Website www.enercon.de
Hauptsitz in Aurich

Die Enercon GmbH ist der größte deutsche Hersteller von Windkraftanlagen (WKA) mit Stammsitz in Aurich (Ostfriesland). Nach dem Umsatz ist Enercon das größte Unternehmen mit Sitz in Ostfriesland und das zwölftgrößte in Niedersachsen.[3] Mit mehr als 20.000 installierten Windenergieanlagen bei einer installierten Leistung von über 28 Gigawatt (GW) in über 30 Ländern zählt das 1984 von Aloys Wobben gegründete Unternehmen zu den weltweit führenden in der Branche[1] und war im Jahre 2012 hinsichtlich der neu installierten Windkraftleistung der weltweit viertgrößte Hersteller.[4] Neben Vertriebsbüros in 22 Ländern sowie 160 Service-Stationen weltweit betreibt das Unternehmen Produktionsstätten in Deutschland (Aurich, Emden, Haren, Magdeburg, Südbrookmerland), Schweden (Malmö), Brasilien (Sorocaba, Parazinho, Pecém), Portugal (Viana do Castelo), Frankreich (Longueil-Sainte-Marie), Kanada (Matane), der Türkei (Izmir) und Österreich (Zurndorf).[5] Am 1. Oktober 2012 brachte der bisherige Alleineigentümer Aloys Wobben Enercon in eine Familienstiftung ein und schied aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Geschäftsleben aus. Mit der Aloys-Wobben-Stiftung soll die langfristige Unabhängigkeit Enercons gewahrt bleiben.[6][7]

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensprofil[Bearbeiten]

Enercon im Weltmaßstab[Bearbeiten]

Weltweit beschäftigt die Enercon-Unternehmensgruppe mit zahlreichen Tochterunternehmen über 13.000 Beschäftigte. Das Unternehmen besitzt über 45 % der Patente im Bereich der Windenergietechnologie weltweit. Eine weitere Besonderheit an Enercon ist, dass das Unternehmen unter den sieben führenden WEA-Herstellern (die einen kumulierten Marktanteil von über 90 % haben) die einzige nicht-börsennotierte Kapitalgesellschaft darstellt. Auf dem Weltmarkt stand Enercon 2011 unter den Windkraftanlagen-Herstellern gemessen an der neuinstallierten Anlagenleistung mit 7,9 % Marktanteil an fünfter Stelle.[8] In Deutschland ist Enercon seit mehreren Jahren Marktführer. Im Jahr 2011 betrug der Marktanteil 59,5 % nach 59,2 % im Jahr 2010 und 60,4 % im Jahr 2009.[9] Der Umsatz 2011 mit installierten 3180 MW (weltweit) lag bei 3.928 Mio Euro, der Konzernüberschuss bei 473 Mio Euro. Das Eigenkapital wurde mit 2.424 Mio Euro angegeben.[10]

Produktionsstätten[Bearbeiten]

Gussfabrik in Georgsheil
Enercon-Produktionsstätte im Emder Hafen (vorne): die Turmbau-Fabrik
Enercon-Geschäftshaus in Magdeburg

Der Unternehmenssitz befindet sich seit der Gründung 1984 im Auricher Stadtteil Extum, die Produktionsstätten hingegen inzwischen im Stadtteil Sandhorst. Darüber hinaus hat Enercon Produktionsstandorte in Emden, Südbrookmerland, Haren, Magdeburg, der Türkei, Brasilien, Malmö/Schweden und Viana do Castelo/Portugal. Enercon ist vor Vestas und Siemens der Windenergieanlagenhersteller mit der weltweit höchsten Fertigungstiefe. Generatoren, Gondeln, Beton- und Stahlrohrtürme, Rotorblätter, Steuerungen, Leistungselektronik und ein Teil der Gusskomponenten werden in eigenen Fabriken des Unternehmens gefertigt. Eine Gießerei (Gusszentrum Ostfriesland, GZO) wurde zwischen April und November 2010 in Georgsheil zwischen Emden und Aurich errichtet. In ihr werden gusseiserne Komponenten für die Windenergieanlagen gefertigt. In der Gießerei sind etwa 130 Arbeitsplätze entstanden.[11] Derzeit wird im Eurohafen bei Haren (Ems), ca. zehn Kilometer nördlich von Meppen, eine Rotorblattproduktion mit zunächst rund 500, in einer weiteren Ausbauphase bis zu 1000 Arbeitsplätzen errichtet. Von dort können die Rotorblätter mittels Binnenschiffen, Bahn oder per LKW zu ihren Bestimmungsorten transportiert werden. Zwischenzeitlich war die Errichtung des Harener Werkes durch parallel vorangetriebene Pläne für ein Kohlekraftwerk im benachbarten Dörpen gefährdet, nach dem Rückzug der Investoren des Kraftwerks wurden die Bauarbeiten jedoch wieder aufgenommen.[12] Das Werk wurde im Sommer 2012 in Betrieb genommen.[13] Aufgrund nicht ausreichend qualifizierten Personals kam es bei der Inbetriebnahme des Werkes zu Verzögerungen, so dass zahlreiche E-101 vorerst ohne Flügel errichtet wurden.[14]

In Ostfriesland ist Enercon nach dem Volkswagenwerk Emden der zweitgrößte Industriebetrieb. Auch in Magdeburg ist Enercon eines der größten privaten Unternehmen. In Zurndorf im Burgenland erfolgte im Jahr 2012 der Spatenstich für ein Turmwerk, das pro Jahr etwa 200 Türme für Windkraftanlagen in Österreich und Osteuropa produzieren soll. Mit voraussichtlich etwa 200 Mitarbeitern wird es zu den größten Auslandswerken des Unternehmens im Bereich der Betonturmfertigung gehören.[15]

Firmenstruktur[Bearbeiten]

Unter dem Dach der UEE Holding GmbH gruppieren sich – neben der nach außen operierenden ENERCON GmbH – mehr als 250 nationale und internationale Einzelgesellschaften. Hierunter fallen ausgegliederte Dienstleistungsbereiche wie IT und Logistik, diverse Kraftwerks- und Windparkbeteiligungen sowie Produktionswerke. Weitere Gesellschaften (u. a. des ENERCON Service) sind niederländischen Muttergesellschaften wie der Windenergy Service B.V. mit Sitz in Amsterdam untergeordnet. (Stand 2008/2010)[16]

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Aloys Wobben

Der gebürtig aus Rastdorf im Landkreis Emsland stammende Ingenieur Aloys Wobben gründete die Firma Enercon 1984 im ostfriesischen Aurich. Anfangs bestand die Firma lediglich aus wenigen Ingenieuren. Erste Produktentwicklung der Firma war die Windkraftanlage E-15/16, vier Jahre später gefolgt von der E-17 und E-32. Es dauerte sieben Jahre, bis das Kleinunternehmen eine eigene Fertigungshalle im Auricher Stadtteil Extum aufziehen konnte. Dort hat die Zentralverwaltung noch heute ihren Sitz. Der Durchbruch für das junge Unternehmen kam 1993: Enercon stellte die Windkraftanlage E-40 (500 kW-Serie) vor, die erste getriebelose Anlagengeneration. Zeitgleich begann die Fertigung von Rotorblättern in der dazu eigens gegründeten Firma Aero. Dieses Prinzip hat Enercon auch bei seiner Expansion in den folgenden knapp zwei Jahrzehnten beibehalten: Neue Unternehmensbereiche wurden fast immer als neue Tochterunternehmen gegründet.

Zwei Jahre nach dem Produktionsstart der E-40 gelang Enercon mit der Entwicklung der E-66 ein wirtschaftlich großer Erfolg: Der Anlagentyp wurde insgesamt mehr als 2000-mal verkauft. Die Produktion hatte das Unternehmen inzwischen in ein Gewerbegebiet im Auricher Stadtteil Sandhorst ausgelagert, wo für die weitere Expansion des Unternehmens ausreichende Flächen zur Verfügung standen. Als nachteilig erwies sich jedoch, dass die Produkte – vor allem die Rotoren – auf dem Weg zu ihrem Aufstellort per LKW das Auricher Stadtgebiet queren mussten, weshalb Enercon später die Reaktivierung einer Bahnstrecke zum Abtransport der stets größeren Rotoren vorantrieb.

Mit dem Kauf einer Fertigungsstätte im brasilianischen Sorocaba (1996) begann die Auslandsexpansion des Unternehmens.

Industriespionage: Der Fall Kenetech Windpower Inc.[Bearbeiten]

Verwaltungsgebäude der USITC in Washington, D.C.

Medien berichteten seit Ende der 1990er Jahre, der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) hätte 1994 das deutsche Unternehmen Enercon mit Hilfe von Echelon abgehört. Die so gewonnenen Daten seien dem amerikanischen Mitbewerber Kenetech Windpower Inc. übermittelt worden. Dieser hätte die Daten genutzt, um sich Zugang zu Enercons Kerntechnologien zu verschaffen und diese in den USA zu patentieren. Enercon sei dadurch der US-amerikanische Markt bis in das Jahr 2010 verschlossen gewesen.

Tatsächlich verhängte die zuständige US-Behörde, die U.S. International Trade Commission, im August 1996 ein Importverbot für Enercon bis zum 1. Februar 2010. Grund war, dass Enercon mit dem beabsichtigten Export von 280 Windkraftanlagen in die USA den Anspruch 131 des US-Patentes 5,083,039 verletzen würde. Das Patent wurde am 1. Februar 1991, drei Jahre vor der behaupteten Spionageaktion, von der kalifornischen Firma U.S. Windpower Inc. angemeldet. 1993 wurde U.S. Windpower in Kenetech Windpower Inc. umbenannt. Kenetech hat das Importverbotsverfahren gegen Enercon beantragt. Im Verfahren legte Kenetech auch Fotos von Bauteilen einer E-40-Windkraftanlage vor. Dieses Material wurde im März 1994 beim Besichtigen einer E-40 gewonnen, die Besichtigung fand mit Erlaubnis des Besitzers der Anlage statt. Die Gültigkeit des Patentes selbst wurde von Enercon in dem Verfahren vor der Kommission nicht angezweifelt.[17] Das Patent wurde (nach der Insolvenz von Kenetech im Jahre 1996) von der GE Wind Energy übernommen. Die Enercon-Zeitschrift „Windblatt“, 2/2003, S. 11, erläutert den Patentstreit aus der Sicht von Enercon und erwähnt, dass man seit dem Vorfall begonnen hat, seine Technologien mit eigenen Patenten abzusichern. Die Enercon GmbH und die General Electric Company haben 2004 ihre Patentrechtsstreitigkeiten beigelegt, seit 2004 war damit der amerikanische Markt für Enercon nicht mehr verschlossen.[17][18][19]

Rechtsstreit mit Enercon India Ltd.[Bearbeiten]

Im Februar 2011 wurde in einigen Medien von einem Rechtsstreit berichtet, den die Enercon GmbH mit ihrem eigenen, seit 1994 bestehenden indischen Tochterunternehmen Enercon India Ltd. (EIL) führte und der vor einem indischen Gericht zu ungunsten Enercons entschieden wurde. Enercon hat sich daraufhin völlig vom indischen Markt zurückgezogen.

Es stehen Vorwürfe im Raum, der Geschäftsführer der indischen Tochter, der ehemalige Textilunternehmer Yogesh Mehra aus Mumbai, habe die Kontrolle über seine Geschäftstätigkeit unterbunden, seit 2005 keine Dividenden mehr an das deutsche Mutterhaus abgeführt, seit 2006 keine testierten Abschlüsse mehr vorgelegt und schließlich mit ungesetzlichen Mitteln die alleinige Verfügungsgewalt über die Tochtergesellschaft an sich gerissen. EIL habe die über Enercon verfügbaren Patente sowie den Markennamen zur eigenen Verwertung geraubt. Zudem wurde ein ehemaliger Enercon-Mitarbeiter im Magdeburger Werk der Industriespionage für EIL überführt und rechtskräftig verurteilt. Vor dem indischen Patentgericht IPAB in Chennai hat EIL auf Freigabe der ansonsten weltweit anerkannten Patente auf zahlreiche Enercon-Kerntechnologien geklagt. Die indischen Richter erklärten zwölf wichtige Enercon-Patente in Indien für unwirksam, mit der Begründung, die Patente würden nicht die notwendige Schöpfungshöhe erreichen.[20] Diese Technologien stehen nun in Indien jedem zur freien Nutzung zur Verfügung. Die deutschen Gesellschafter seien somit „faktisch enteignet“ worden.[21] In der Presse wurden Bestechungsvorwürfe erhoben.

Am 28. Januar 2011 waren die Geschehnisse Anlass für eine „Kleine Anfrage“ des Bundestagsabgeordneten Garrelt Duin (SPD, Wahlkreis Aurich – Emden) an die Bundesregierung zu dem Thema, was diese zum Schutze deutscher Firmen in Indien zu tun gedenke. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, führte daraufhin aus, dass man den Streit beim indischen Handelsministerium vorgebracht habe und dass ähnliche Fälle dem Ministerium bislang nicht bekannt seien. Entscheidungen indischer Gerichte wolle man nicht kommentieren, die Bundesregierung rate jedoch deutschen Unternehmen, „dem Schutz ihrer geistigen Eigentumsrechte auf Auslandsmärkten ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit zu widmen“.[22]

Bis Ende 2012 verwendete EIL auf seiner Homepage den Namen und das Logo Enercons, bewarb Enercon-Windenergieanlagen aus indischer Produktion und berichtete über laufende Projekte, ohne dabei die Beziehung zur Enercon GmbH in Deutschland zu erklären. Mittlerweile (Stand Januar 2013) hat sich EIL in Wind World India Ltd. umbenannt, bezieht sich jedoch dennoch explizit auf seine vorherige Gesellschaft der Enercon India Ltd. („Enercon India is now Wind World India.“). Es werden ferner Windenergieanlagen aus eigener, indischer Produktion beworben.[23][24][25]

Tätigkeitsbereiche[Bearbeiten]

Das Hauptgeschäftsfeld von Enercon stellt der Bau und Vertrieb von Windkraftanlagen dar. Daneben ist Enercon auch noch in weiteren Sektoren wie der Wasserkraft tätig, auch gehören Logistik-Unternehmen für den Transport der eigenen Anlagen zum Konzern.

Windkraftanlagen[Bearbeiten]

Technisches Konzept[Bearbeiten]

Läufer einer Windenergieanlage

Enercon-Windenergieanlagen weisen gegenüber Turbinen der meisten anderen Windkraftanlagenherstellern einige technische Besonderheiten auf. Charakteristisch ist das getriebelose Anlagenkonzept, auf das Enercon als Pionier dieser Technik[26] bereits seit 1993 setzt. Bis 1993 verfügten auch Enercon-Anlagen über einen Getriebetriebstrang. Die Rotorblätter sind getriebelos über die Nabe direkt mit dem Läufer eines Ringgenerators (Synchrongenerator) verbunden. Zusammen rotieren diese Bauteile über ein vorderes und hinteres Hauptlager um einen stehenden Achszapfen. So kann auf den Einsatz eines störanfälligen und wartungsintensiven (z. B. durch regelmäßige Ölwechsel) mechanischen Getriebes verzichtet werden. Dies wird durch eine Sonderkonstruktion des Generators erreicht. Da der Generatorläufer mit derselben Drehzahl wie der Rotor läuft, ist auch die Anzahl der mechanischen Lastwechsel über die Lebensdauer deutlich geringer. Die Generatordrehzahl (und damit auch die Rotordrehzahl) ist vom Anlagentyp sowie den Windverhältnissen abhängig und beträgt zwischen 18−45/min bei der E-33 und 5-11,7/min bei der E-126, während bei einer Getriebeanlage bei Nennleistung eine Generatorendrehzahl von etwa 1500/min erreicht wird.

Die Enercon-Anlagen lassen sich optisch leicht von den Anlagen anderer Hersteller unterscheiden. Die Maschinenhäuser (Gondeln) der Anlagen sind seit Baujahr 1995/96 tropfenförmig. Das Design dieser auffallenden Gondel wurde vom britischen Architekten Lord Norman Foster entwickelt, der u. a. auch die Kuppel des Berliner Reichstages entworfen hat. In Deutschland und in vielen anderen Ländern trägt der Turm über dem Fundament farblich abgestufte grüne Ringe, die von unten nach oben immer heller werden. Auf Inseln bietet der Hersteller alternativ eine Abstufung in Blau an, wie sie auf der Insel Borkum umgesetzt wurde. Die NCS-Abstufung (NCS = Natural Color Scheme) soll die Anlagentürme besser in den Horizont integrieren. Die Rotorblätter verfügen als einzige auf dem Markt über Blattspitzen ähnlich den Winglets bei Flugzeugen, die Fachbezeichnung dafür lautet Tips. Weiterhin verzichtet Enercon auf die Nutzung von Permanentmagneten aus Neodym und setzt stattdessen auf fremderregte Ringgeneratoren.[27]

Enercon baut ausschließlich Onshore-Anlagen und lehnt Offshore-Anlagen wegen des technischen Aufwandes ab.

Wichtige Anlagentypen[Bearbeiten]

Im Folgenden werden die wichtigsten Windkraftanlagentypen von Enercon aufgeführt und knapp beschrieben. Ausführliche Informationen zu den betreffenden Anlagen sowie die vollständige Liste aller von Enercon gefertigten Windturbinen sind in dem oben verlinkten Hauptartikel oder der Produktpalette[28] von Enercon zu finden.

E-82[Bearbeiten]
E-82 auf 138-Meter-Turm in Bayern

Die seit 2006 in Serie gefertigte Windkraftanlage E-82 zählt zu den derzeit am häufigsten errichteten Windkraftanlagen in Deutschland. Sie verfügt über einen Rotordurchmesser von 82 Metern und besaß ursprünglich einen Generator mit einer Leistung von 2 MW, der für mittlere bis schwache Windbedingungen ausgelegt war. Seit 2009 bzw. 2010 fertigt Enercon die E-82 auch mit Generatoren von 2,3 und 3 MW. Während die E-82 E2 mit 2,3 MW weitgehend der ursprünglichen E-82 entspricht und auch für dieselbe Windklasse zertifiziert ist, handelt es sich bei der 3-MW-Variante um eine speziell für sehr windstarke Regionen entwickelte Windturbine. Sie unterscheidet sich in mehreren Punkten von den beiden anderen Typen, beispielsweise verfügt der deutlich leistungsstärkere Generator über eine Wasserkühlung statt eine Luftkühlung, auch werden die Hauptgurte in den drei Rotorblättern aus Kohlefaser gefertigt. Angeboten wird die E-82 auf verschiedenen Stahl- und Hybridtürmen mit Nabenhöhen von 78 bis 138 Metern, womit eine Gesamthöhe von bis zu 179 Metern erreicht wird.

E-101[Bearbeiten]

Bei der seit 2011 hergestellten E-101 handelt es sich um eine neu entwickelte Binnenlandanlage der 3-MW-Klasse. Sie entspricht in ihrer Auslegung der ursprünglichen E-82, wobei jedoch sowohl Rotorfläche als auch Leistung um rund 50 % gesteigert wurden. Wie auch bei der E-82 E3 ist der Generator wassergekühlt. Die Anlage wird mit 99, 135 oder 149 Meter hohem Betonfertigteilturm angeboten und kann optional mit einer Rotorblattheizung ausgestattet werden, die Ertragseinbußen aufgrund von Eisbildung im Winter verhindert. Der Prototyp der Windenergieanlage wurde Mitte Juni 2011 bei Görmin in Mecklenburg-Vorpommern errichtet. Zwei weitere Prototypen, an denen bis 2012 die Vermessungen zum Erhalt der Einheitenzertifikate stattfinden werden, entstanden bei Haren. Im August 2011 wurde bei Kleingladenbach die erste E-101 mit 135 Meter Nabenhöhe fertiggestellt, sie war zugleich die erste Kundenanlage, die ausgeliefert wurde.[29]

E-126[Bearbeiten]
E-126 im Windpark Schneebergerhof

Die E-126 ist mit einer Leistung von 7,6 MW die derzeit leistungsstärkste Serien-Windkraftanlage der Welt und wird in Kleinserie gefertigt. Jeweils mehrere Exemplare stehen in den Windparks Ellern, Estinnes, Stößen, Werder/Kessin sowie in Aurich-Georgsfeld. Der Prototyp wurde 2007 im Windpark Rysumer Nacken bei Emden errichtet, wo ein Energieertrag von etwa 20 GWh pro Jahr erwartet wurde.[30] Ursprünglich verfügte die E-126 über eine Leistung von 6 MW und war für wenig turbulente Starkwindstandorte zertifiziert (IEC IC). Nach einer 2010 erfolgten Überarbeitung leisten neue E-126 Windkraftanlagen 7,6 MW und sind auch für IEC IA zugelassen. Eine Besonderheit der E-126 ist der Umstand, dass sie als bis dato einzige Enercon-Anlage über zweigeteilte Rotorblätter verfügt. Diese Ausführung wurde nötig, da sich besonders lange Rotorblätter an Land nur noch schwer transportieren lassen. Der innere Teil eines E-126-Rotorblattes besteht dabei aus Stahlblech und ist rund 24 Meter lang, der äußere Teil mit einer Länge von rund 35 Metern wird wie die meisten Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt. Angeboten wird die E-126 auf einem Hybridturm mit 135 Metern Nabenhöhe, die Gesamthöhe beträgt 198,5 Meter.

Wasserkraft[Bearbeiten]

Der Einstieg der Firma Enercon in das Projekt Wasserkraft begann im Jahre 2001. Hierfür wurde eine neuartige Turbine mit besonders hohem Wirkungsgrad entwickelt, die auf den Erfahrungen aus der Windkraft aufbaut. Als Pilotprojekt sind im Juni 2009 zwei Turbinen mit insgesamt 2300 kW in Raguhn an der Mulde in Betrieb genommen worden.

Bereits Juni 2007 hatte Enercon bekanntgegeben, das Weserkraftwerk Bremen an der Weserstaustufe bei Bremen-Hemelingen mit zwei Kaplanturbinen mit jeweils 5 Megawatt Nennleistung auszurüsten. Baubeginn war im Mai 2008.[31] Am 11. November 2011 ging die Anlage zum ersten Mal für eine dreimonatige Probezeit in Betrieb. Mit ihr sollen jährlich 35.500 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.[32] Es wurden zwei Generatoren vom Typ der E-82 Windkraftanlagen verbaut. Beide zusammen sollen jährlich ca. 42 GWh Strom produzieren, das entspricht dem Bedarf von ca. 17.000 Haushalten, wenn man 2500 kWh Stromverbrauch pro Haushalt und Jahr zugrunde legt.

Im Februar 2010 wurde damit begonnen, Generator und Turbine für das Praterkraftwerk in München zu montieren. Der Generator stammt von Enercon, ein zwischengeschaltetes Getriebe ist somit nicht erforderlich. Das Laufrad hat einen Durchmesser von ca. 2,3 m und eine Masse von ca. 30 t. Die Leistung der Anlage beträgt 2,5 MW, der geplante Energieertrag ca. 12,7 GWh pro Jahr.[33]

Meerwasserentsalzungsanlage[Bearbeiten]

Die Enercon-Meerwasserentsalzungsanlage arbeitet basierend auf dem Prinzip der Umkehrosmose (Einsatz von Membranen). Nach Aussage des Herstellers werden dabei keine Chemikalien zum Aufbereiten des Wassers gebraucht. Durch einen patentierten speziellen Aufbau der Anlage soll diese energiesparender und im Betrieb flexibler als andere Umkehrosmose-Meerwasserentsalzungsanlagen sein. Hierdurch sei die Enercon-Anlage besonders energiesparend, umweltfreundlich und durch die Möglichkeit des flexiblen Betriebs gut zur Energieversorgung durch Windenergieanlagen geeignet.[34]

Transport[Bearbeiten]

Enercon verfügt über eine eigene kleine Reederei, die Enercon Shipping GmbH mit Sitz in Aurich. Die Reederei wurde gegründet, nachdem Enercon das E-Ship 1 hatte bauen lassen. Das Frachtschiff verfügt neben einem Dieselantrieb zusätzlich über einen Antrieb mittels Flettner-Rotoren und ist somit ein Rotorschiff. Die vier von Enercon entwickelten Flettner-Rotoren haben eine Höhe von 27 m und einen Durchmesser von 4 m. Angestrebt ist eine Kraftstoffersparnis von 30–40 % bei einer Fahrt von 16 Knoten. Die E-Ship 1 transportiert für Enercon Teile von Windenergieanlagen ab dem Emder Hafen. Das Schiff wurde auf der Lindenau-Werft in Kiel gebaut und nach deren Insolvenz 2010 bei der Cassens-Werft in Emden fertiggestellt.[35]

Enercon ist darüber hinaus an der Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden mit 48 Prozent beteiligt, Mehrheitsgesellschafter (51 Prozent) ist die Stadt Aurich.

Enercon und die Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Verhältnis zu Gewerkschaften[Bearbeiten]

Enercon wurde vorgeworfen, eine gewerkschaftliche Organisation seiner Mitarbeiter zu verhindern. Gewerkschaftsmitgliedern, die einen Betriebsrat gründen wollten, werde mit Versetzung und Kündigung gedroht.[36] Im Werk Izmir seien 70 Mitarbeiter entlassen worden, weil sie der Gewerkschaft Birlesik Metal-Is beigetreten waren.[37] Es gibt jedoch auch Werke, die über einen Betriebsrat verfügen, wenn auch – nach Darstellung der IG Metall – im Falle des Standorts Magdeburg erst nach Anrufung des dortigen Arbeitsgerichts, das die Wahl als rechtskonform einstufte.[38] Gewerkschafter kritisieren zudem den hohen Anteil von Leiharbeitern an der Gesamtzahl der Beschäftigten in der Enercon-Gruppe, ebenso die Tatsache, dass Enercon den Flächentarifvertrag nicht anwende und daher unterdurchschnittlich bezahle.[39][40]

Transparenz[Bearbeiten]

Enercon wird eine äußerst verschlossene Unternehmenspolitik nachgesagt. Das Magazin brand eins verglich das Kommunikationsverhalten des Unternehmens im April 2012 offen mit nordkoreanischen Methoden.[41]

Windblatt[Bearbeiten]

Unter dem Namen Windblatt erscheint im Abstand von drei Monaten eine Firmenzeitschrift online und als gedruckte Ausgabe. Themen sind aktuelle Projekte des Unternehmens, Technik und Transport der Enercon-Windenergieanlagen sowie die Zusammenarbeit mit Zulieferfirmen.[42]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Enercon GmbH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Enercon – Unternehmensvorstellung, abgerufen am 25. Februar 2012.
  2. Bundesanzeiger: UEE Holding GmbH, abgerufen am 12. Februar 2013.
  3. Die 100 größten Unternehmen in Niedersachsen, November 2012 (PDF; 403 kB), abgerufen am 27. November 2012.
  4. Vestas loses place as world's number one wind OEM. In: Windpower Monthly, 11. Februar 2013. Abgerufen am 12. Februar 2013.
  5. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  6. Windblatt 2/2012 (PDF; 1,1 MB). Internetseite von Enercon. Abgerufen am 3. Juli 2012.
  7. Aloys-Wobben-Stiftung hat Rechtsfähigkeit erlangt (PDF; 478 kB). Pressemitteilung von Enercon. Abgerufen am 2. Oktober 2012.
  8. Windenergiemarkt. Asien als Wachstumsfaktor. In: www.erneuerbareenergien.de, 11. April 2012. Abgerufen am 3. Juli 2012.
  9. DEWI – Status der Windenergienutzung in Deutschland 2011 (PDF; 2,4 MB), abgerufen am 28. Januar 2012.
  10. Bundesanzeiger: UEE Holding GmbH, abgerufen am 12. Februar 2013.
  11. www.enercon.de: Produktionsstart im Gusszentrum Ostfriesland (PDF; 2,2 MB), in: Windblatt, Enercon-Magazin, Ausgabe 2/2010, S. 10 f.
  12. Bau der Enercon-Fabrik im Emsland beginnt 2011, abgerufen am 25. Februar 2012.
  13. Enercon-Zeitschrift "Windblatt" (PDF; 1,3 MB) Ausgabe 02/12
  14. [1]
  15. Fabrik für Windräder in Zurndorf auf ORF-Burgenland am 11. März 2012 abgerufen am 11. März 2012.
  16. Bundesanzeiger: UEE Holding GmbH, abgerufen am 17. Juli 2012.
  17. a b Bericht der U.S. International Trade Commission (PDF; 7,6 MB)
  18. Rechtsstandsdatenbank des europäischen Patentamts
  19. Wind Kraft Journal & Natürliche Energien, Heft 2/96, S. 36.
  20. ENERCON INDIA LTD. (EIL) VS. ENERCON GMBH (EG)
  21. Zitat Enercon Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig in der FAZ, 2. Februar 2011.
  22. www.bundestag.de: Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 31. Januar 2011 eingegangenen Antworten der Bundesregierung, PDF-Datei (176 S.), S. 58/59, abgerufen am 20. Februar 2012.
  23. Homepage der Wind World India Ltd.
  24. Frankfurter Allgemeine Zeitung 2. Februar 2011, Wirtschaftsteil
  25. Emder Zeitung 6. Februar 2011 (PDF; 395 kB)
  26. Mit oder Ohne?. In: Neue Energie 09/2010, Abgerufen am 19. Februar 2012.
  27. Windblatt – ENERCON Magazin für Windenergie 02/2011 (PDF; 3,8 MB)
  28. Enercon Produktübersicht. Internetseite von Enercon. Abgerufen am 25. Februar 2012.
  29. Windblatt – ENERCON Magazin für Windenergie 3/2011 (PDF; 1,4 MB)
  30. Windblatt – ENERCON Magazin für Windenergie 1/2008 (PDF; 964 kB).
  31. Weserkraftwerk Bremen. Abgerufen am 9. April 2011.
  32. Enercon: Startschuss für Wasserkraftwerk, abgerufen am 25. Februar 2012.
  33. Das Praterkraftwerk, abgerufen am 25. Februar 2012.
  34. Enercon Meerwasserentsalzungssysteme (engl.) (PDF; 674 kB)
  35. www.kn-online.de: Enercon beauftragte Emder Werft mit der Fertigstellung. „E-Ship 1“ ist jetzt die Starthilfe für die Cassens Werft., Kieler Nachrichten vom 25. Februar 2009, abgerufen 6. April 2010.
  36. taz-Bericht vom 24. Juni 2006: Betriebsräte bei Enercon unerwünscht, abgerufen am 25. Februar 2012.
  37. taz-Bericht vom 24. August 2006: Ökologisch und unsozial, abgerufen am 25. Februar 2012.
  38. www.igsz.eu (mm): Betriebsratswahl bei Enercon, PDF-Datei, 1 Seite, abgerufen am 20. Februar 2012.
  39. www.igmetall-nieder-sachsen-anhalt.de: Rede des IG-Metall-Bezirksleiters Hartmut Meine in Magdeburg am 1. Mai 2011, PDF-Datei, 14 S., S. 5/6, abgerufen am 23. März 2012.
  40. Artikel Aurich, aber wahr. In: brand eins 4/2012 Abgerufen am 16. Juli 2012.
  41. Artikel Aurich, aber wahr. In: brand eins 4/2012, abgerufen am 17. Juli 2012.
  42. ENERCON – Windblatt & Abonnement, abgerufen am 25. Februar 2012.