Gröditz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gröditz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gröditz
Gröditz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gröditz hervorgehoben
51.41666666666713.44972222222295Koordinaten: 51° 25′ N, 13° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Meißen
Höhe: 95 m ü. NHN
Fläche: 28,78 km²
Einwohner: 7524 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 261 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01609
Vorwahl: 035263
Kfz-Kennzeichen: MEI, GRH, RG, RIE
Gemeindeschlüssel: 14 6 27 050
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadtverwaltung Gröditz
Reppiser Straße 10
Webpräsenz: www.groeditz.de
Bürgermeister: Jochen Reinicke (parteilos)
Lage der Stadt Gröditz im Landkreis Meißen
Coswig (Sachsen) Diera-Zehren Ebersbach (bei Großenhain) Glaubitz Gröditz Großenhain Hirschstein Käbschütztal Nossen Klipphausen Lampertswalde Nossen Lommatzsch Meißen Moritzburg Gröditz Niederau Nossen Nünchritz Priestewitz Radebeul Radeburg Riesa Röderaue Schönfeld Stauchitz Strehla Tauscha Thiendorf Klipphausen Weinböhla Lampertswalde Wülknitz Zeithain Sachsen Dresden Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Der Wasserturm in Gröditz

Gröditz ist eine Kleinstadt in Sachsen in der Röderaue zwischen Riesa und Elsterwerda.

Geographie[Bearbeiten]

Gröditz liegt auf einer rund 100 Meter hoch gelegenen Tiefebene, die von der Röder durchflossen wird. Die Stadt liegt auf der sächsischen Seite der heutigen sächsisch-brandenburgischen und der früheren sächsisch-preußischen Grenze. Durch Gröditz führt der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal (Floßgraben), der für die Versorgung des Dresden-Meißner Elbtals mit Holz aus dem Schradenwald angelegt wurde und später zu einer standortfördernden Verbindung der eisenverarbeitenden Werke Riesa, Gröditz und Lauchhammer wurde (1947 Schifffahrt eingestellt).

Zu Gröditz gehören neben der Kernstadt die Ortsteile Nauwalde, Nieska, Reppis, Spansberg und Schweinfurth.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde 1363 erstmals genannt, bestand aber mindestens seit dem späten 12. Jahrhundert und war slawisch besiedelt (die Röderaue ist seit dem 1. Jahrhundert besiedelt). Der 1748 errichtete Elsterwerda-Grödel-Floßkanal, ein durch Bomätscher (Treidler, Schiffszieher) betriebener Schifffahrtsweg, bildete die Grundlage für die spätere Industrialisierung. Graf Detlev Carl von Einsiedel kaufte 1779 die Gröditzer Mühle und gründete an diesem Standort die Gröditzer Eisenhütte (Lauchhammerwerk), im Jahr 1825 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau eines Hochofens, der 1827 in Betrieb genommen wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges gab es ein Zwangsarbeiterlager in den Lauchhammerwerken der Mitteldeutschen Stahlwerke des Flick-Konzerns, in dem 4000 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit in der Geschützproduktion verrichten mussten. Außerdem bestand von Oktober 1944 bis April 1945 ein Außenlager des KZ Flossenbürg mit mehr als 1000 KZ-Häftlingen, darunter 300 Juden. Die extrem menschenfeindlichen Lebensbedingungen führten zum Tod zahlreicher Zwangsarbeiter.

Am 5. Oktober 1967 erhielt Gröditz Stadtrecht.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1928 wurde das im Norden von Gröditz gelegene Nachbardorf Reppis eingemeindet. Am 1. Januar 2013 folgte die Eingemeindung der Nachbargemeinde Nauwalde, die seit 2000 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Gröditz war.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (bis 2013):

Jahr Einwohner
1682 0152
1836 0150
1848 0170
1871 0545
1890 0954
1900 1.469
1936 3.500
1945 4.303
Jahr Einwohner
1946 05.406
1968 08.100
1987 10.436
1990 10.059
1994 09.265
1998 08.878
2003 08.081
2007 07.534
Jahr Einwohner
2009 7.244
2011 6.970
2013 7.524
Evangelische Kirche Gröditz

Religionen[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus Gröditz

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 46,2 % (+ 4,8) zu folgendem Ergebnis:[2]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− Sitze
CDU 29,1 % + 0,4 5
BGV 20,2 % neu 4
Die Linke 17,5 % − 1,0 3
FWV Gröditz 17,1 % − 1,1 3
SPD 16,1 % − 5,9 3

Wappen[Bearbeiten]

Das Gröditzer Stadtwappen von 1982 ist viergeteilt; Feld 1 in Rot eine goldene (gelbe) Ähre, Feld 2 in Gold (Gelb) ein schwarzer Amboss mit Hammer, Feld 3 in Blau eine goldene (gelbe) französische Lilie, Feld 4 in Silber (Weiß) eine rote Rose.

Die Ähre versinnbildlicht das agrarisch geprägte Umland, Hammer und Amboss die bis 1780 zurückreichende Eisenverarbeitung. Historische Besitzverhältnisse werden durch die Lilie (Linie von Köckeritz) sowie die Rose (Linie von Schleinitz) symbolisiert.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1969 besteht eine Städtepartnerschaft mit Jarny in Frankreich. Eine innerdeutsche Partnerschaft mit Linkenheim-Hochstetten besteht informell seit 1984 (erstes Treffen der Bürgermeister), formell seit 1990.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Evangelische Kirche
  • Grenzsäule an der ehemaligen Grenze zwischen Sachsen und Preußen von 1815
  • Hotel „Spanischer Hof“
  • Gröditzer Rathaus

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • In Gröditz gibt es verschiedene Opfergedenkstätten: für Gröditzer Opfer von Kriegen und Diktaturen (am Denkmalsplatz); für Kriegsopfer der Sowjetarmee (Reppiser Straße) und für umgekommene KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter (Südrand Stahlwerk)[3]
  • Grab- und Gedenkanlage von 1946 auf dem Gelände der Lauchhammerwerke für 47 sowjetische Kriegsgefangene und 16 KZ-Häftlinge, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer der Zwangsarbeit wurden, sowie ein Gedenkstein aus dem Jahre 1991 für italienische Militärinternierte

Kultur[Bearbeiten]

  • Kino Castello

Wirtschaft[Bearbeiten]

Schmiedewerke Gröditz GmbH / Stahlguss Gröditz GmbH[Bearbeiten]

1779 wurde durch Graf Detlev Carl von Einsiedel die Gröditzer Eisenhütte gegründet, die durch den Bau eines Hochofens bereits 1827 der führende Hersteller von Röhren für Wasser und Gasleitungen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen 1948 unter dem Namen VEB Stahl- und Walzwerk Gröditz als Volkseigener Betrieb verstaatlicht. 1954 endete die Phase des Wiederaufbaus mit der Inbetriebnahme einer 60-MN-Schmiedepresse. Nach der Wende erfolgt 1990 die Neugründung unter dem Namen Gröditzer Stahlwerke GmbH. 1997 übernahm die Georgsmarienhütte Holding GmbH das Unternehmen, zwei Jahre später wurden die operativen Bereiche Edelstahl Gröditz und Stahlwerk Gröditz gegründet, die 2002 in der Privatisierung der Schmiedewerke Gröditz GmbH und der Elektrostahlwerke Gröditz GmbH mündeten. 2004 firmierte die Stahlgießerei als Stahlguss Gröditz GmbH zu einem eigenständigen Unternehmen der Georgsmarienhütte Holding GmbH. Die Schmiedewerke Gröditz stellen auf eigener Stahlbasis Freiformschmiedestücke und Ringwalzerzeugnisse her. Die Stahlguss Gröditz GmbH fertigt Stahlformgussteile bis etwa 52 Tonnen Liefermasse.

Ende des Jahres 1989 arbeiten 5.600 Beschäftigte im Stahlwerk Gröditz, 2008 beschäftigten die in Gröditz ansässigen Unternehmen der GMH-Gruppe zusammen 823 Mitarbeiter.

Zellstoffwerk[Bearbeiten]

1883 gründete die Firma Kübler & Niethammer in Gröditz eine Sulfitzellstofffabrik. Am 15. Mai 1884 wurde die Produktion von Sulfitzellstoff aufgenommen. Der Betrieb hatte 250 Beschäftigte.

1940 wurde eine neue Spritfabrik in Betrieb genommen, die Rohspiritus aus der Ablauge der Kocherei erzeugte. Die Produktion erreichte eine Jahresmenge von 39.000 t Zellstoff. 1946 wurde der Betrieb in Volkseigentum überführt.

Mit dem 1. Januar 1991 wurde im Zellstoffwerk die Produktion eingestellt. 1992 wurde der Säureturm gesprengt, 1997 wurden Kraftwerk und Schornstein abgerissen.

Erstlings- und Kinderbekleidungswerk Oschatz, Zweigstelle Gröditz[Bearbeiten]

Von 1972 bis 1990 existierte eine Zweigstelle (Näherei) der EKO in Gröditz mit zum Ende ca.230 Beschäftigten. Die fertigen Textilien wurden in die Sowjetunion, aber auch in das „nichtsozialistische Ausland“ geliefert (u. a. an C&A). Auf diesem Gelände ist jetzt das REWE-Center.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt Gröditz verfügt über zwei Schulen und vier Kindertagesstätten.

Mit gegenwärtig zehn Klassen und über 200 Schülern ist die Gröditzer Grundschule eine der größten im Landkreis Meißen. Das 1954 errichtete Schulgebäude erhielt 1971 einen Turnhallen-Anbau. Offene Ganztagsangebote bietet die Schule für die Klassenstufen 3 und 4. Fachkabinette gibt es für die Fächer Religion, Ethik, Kunsterziehung, Begegnungssprache, Musik sowie Heimat- und Sachkunde.[4]

Eine weitere Schule in der Stadt ist die Oberschule „Siegfried Richter“, welche verschiedene Ganztagsangebote anbietet. Die Schule wurde 1980 erbaut und erhielt am 13. Dezember 1982 den Namen Polytechnische OberschuleArmin Walter“. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde die Schule in eine Mittelschule und 2013 in eine Oberschule umgewandelt sowie in den Jahren 2000 bis 2003 umfassend saniert. Seit dem 10. August 2001 trägt sie den Namen des am 27. September 2000 verstorbenen Gröditzer Ehrenbürgers Siegfried Richter. Der am 9. April 1997 gegründete Förderverein der Schule zählt gegenwärtig etwa 160 Mitglieder und hat seit 1997 eine Freizeitpädagogin zur Betreuung der Kinder und Jugendlichen eingestellt.[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Gröditz (Riesa) liegt an der Bahnstrecke Zeithain–Elsterwerda. Gröditz wird von der Bundesstrasse 169 durchquehrt, welche von Neuensalz über Chemnitz, Riesa, Gröditz, Elsterwerda und Senftenberg nach Cottbus führt. Außerdem verläuft die Bundesstrasse 101 unmittelbar an Gröditz vorbei, welche von Berlin nach Aue führt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Klaus Sammer und Dieter Riedel

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gröditz. Bilder erzählen; Gröditz 1993, 96 Seiten (115 Abb.) ISBN 3-89264-807-7
  • Gröditz, Stadtplan 1:7.500; Städteverlag Fellbach 1999, ISBN 3-8164-5255-8
  • Siegfried Richter Der Mutmacher. Ein Sachse kehrt heim; Gröditz (Selbstverlag) 1999;
  • Gröditz. Topographische Karte 1:25.000; Landesvermessungsamt Brandenburg 1994, ISBN 3-7490-3303-X
  • Paul Namyslik: "Chronik der Röderstadt Gröditz; Meißner Tageblatt Verlags GmbH 2005, 478 Seiten (329 Abb.), ISBN 3-929705-11-7
  • Paul Namyslik: "Chronik der Röderstadt Gröditz 2005 bis 2010", ISBN 978-3-00-032776-6
  • Infobroschüre der Stadt: „Gröditz - Sachsen“ (online als PDF-Datei; 5,8 MB)
  • Egon Förster: Zwangsarbeiter in Gröditz 1939-1945. Gröditz 2004
  • Mathias Antusch: Zwangsarbeit im Stahlwerk Gröditz. Institut für Geschichte der Universität der Bundeswehr München, Neubiberg 2004, ISBN 978-3-638-59402-8
  • Cornelius Gurlitt: Gröditz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 37. Heft: Amtshauptmannschaft Großenhain (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1914, S. 100.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gröditz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Ergebnis 2014, Ergebnis 2009, Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
  3. Onlineprojekt: Gefallenendenkmäler
  4. Die Grundschule Gröditz auf der städtischen Homepage
  5. Website der Oberschule Siegfried Richter
  6. Eintrag über Klara Elisabeth Karg-Gasterstädt in der Sächsischen Biografie