Gröditz
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen | |
| Landkreis: | Meißen | |
| Höhe: | 95 m ü. NN | |
| Fläche: | 28,78 km² | |
| Einwohner: |
6619 (31. Dez. 2012)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 230 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 01609 | |
| Vorwahl: | 035263 | |
| Kfz-Kennzeichen: | MEI, GRH, RG, RIE | |
| Gemeindeschlüssel: | 14 6 27 050 | |
| Stadtgliederung: | 6 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Stadtverwaltung Gröditz Reppiser Straße 10 |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Jochen Reinicke (parteilos) | |
| Lage der Stadt Gröditz im Landkreis Meißen | ||
Gröditz ist eine Kleinstadt in Sachsen in der Röderaue zwischen Riesa und Elsterwerda.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie[Bearbeiten]
Gröditz liegt auf einer rund 100 Meter hoch gelegenen Tiefebene, die von der Röder durchflossen wird. Die Stadt liegt auf der sächsischen Seite der heutigen sächsisch-brandenburgischen und der früheren sächsisch-preußischen Grenze. Durch Gröditz führt der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal (Floßgraben), der für die Versorgung des Dresden-Meißner Elbtals mit Holz aus dem Schradenwald angelegt wurde und später zu einer standortfördernden Verbindung der eisenverarbeitenden Werke Riesa, Gröditz und Lauchhammer wurde (1947 Schifffahrt eingestellt).
Zu Gröditz gehören neben der Kernstadt die Ortsteile Nauwalde, Nieska, Reppis, Spansberg und Schweinfurth.
Geschichte[Bearbeiten]
Ortsgeschichte[Bearbeiten]
Der Ort wurde 1363 erstmals genannt, bestand aber mindestens seit dem späten 12. Jahrhundert und war slawisch besiedelt (die Röderaue ist seit dem 1. Jahrhundert besiedelt). Der 1748 errichtete Elsterwerda-Grödel-Floßkanal, ein durch Bomätscher (Treidler, Schiffszieher) betriebener Schifffahrtsweg, bildete die Grundlage für die spätere Industrialisierung. Graf Detlev Carl von Einsiedel kaufte 1779 die Gröditzer Mühle und gründete an diesem Standort die Gröditzer Eisenhütte (Lauchhammerwerk), im Jahr 1825 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau eines Hochofens, der 1827 in Betrieb genommen wurde.
Während des Zweiten Weltkrieges gab es ein Zwangsarbeiterlager in den Lauchhammerwerken der Mitteldeutschen Stahlwerke des Flick-Konzerns, in dem 4000 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit in der Geschützproduktion verrichten mussten. Außerdem bestand von Oktober 1944 bis April 1945 ein Außenlager des KZ Flossenbürg mit mehr als 1000 KZ-Häftlingen, darunter 300 Juden. Die extrem menschenfeindlichen Lebensbedingungen führten zum Tod zahlreicher Zwangsarbeiter.
Am 5. Oktober 1967 erhielt Gröditz Stadtrecht.
Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Eingemeindungen[Bearbeiten]
Am 1. Oktober 1928 wurde das im Norden von Gröditz gelegene Nachbardorf Reppis eingemeindet. Am 1. Januar 2013 folgte die Eingemeindung der Nachbargemeinde Nauwalde, die seit 2000 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Gröditz war.
Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]
Entwicklung der Einwohnerzahl (bis 2011):
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1682 | 152 |
| 1836 | 150 |
| 1848 | 170 |
| 1871 | 545 |
| 1890 | 954 |
| 1900 | 1.469 |
| 1936 | 3.500 |
| 1945 | 4.303 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1946 | 5.406 |
| 1968 | 8.100 |
| 1987 | 10.436 |
| 1990 | 10.059 |
| 1994 | 9.265 |
| 1998 | 8.878 |
| 2003 | 8.081 |
| 2007 | 7.534 |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 2009 | 7.244 |
| 2011 | 6.970 |
Religionen[Bearbeiten]
- Evangelisch-lutherische Kirche
- Römisch-katholische Kirche
- Evangelisch-methodistische Kirche
- Neuapostolische Kirche
- Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde
- Apostelamt Jesu Christi
Politik[Bearbeiten]
Stadtrat[Bearbeiten]
Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 41,4 % (+ 2,4) zu folgendem Ergebnis:[2]
| Partei / Liste | Stimmenanteil | +/- | Sitze |
| CDU | 28,7 % | - 4,7 | 6 |
| SPD | 22,0 % | + 5,0 | 4 |
| FWG | 18,2 % | - 10,2 | 3 |
| Die Linke | 18,5 % | - 2,7 | 3 |
| FDP | 6,2 % | + 6,2 | 1 |
| NPD | 6,4 % | + 6,4 | 1 |
Wappen[Bearbeiten]
Das Gröditzer Stadtwappen von 1982 ist viergeteilt; Feld 1 in Rot eine goldene (gelbe) Ähre, Feld 2 in Gold (Gelb) ein schwarzer Amboss mit Hammer, Feld 3 in Blau eine goldene (gelbe) französische Lilie, Feld 4 in Silber (Weiß) eine rote Rose.
Die Ähre versinnbildlicht das agrarisch geprägte Umland, Hammer und Amboss die bis 1780 zurückreichende Eisenverarbeitung. Historische Besitzverhältnisse werden durch die Lilie (Linie von Köckeritz) sowie die Rose (Linie von Schleinitz) symbolisiert.
Städtepartnerschaften[Bearbeiten]
Seit 1969 besteht eine Städtepartnerschaft mit Jarny in Frankreich. Eine innerdeutsche Partnerschaft mit Linkenheim-Hochstetten besteht informell seit 1984 (erstes Treffen der Bürgermeister), formell seit 1990.
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
Bauwerke[Bearbeiten]
- Evangelische Kirche
- Grenzsäule an der ehemaligen Grenze zwischen Sachsen und Preußen von 1815
- Hotel „Spanischer Hof“
- Gröditzer Rathaus
Gedenkstätten[Bearbeiten]
- In Gröditz gibt es verschiedene Opfergedenkstätten: für Gröditzer Opfer von Kriegen und Diktaturen (am Denkmalsplatz); für Kriegsopfer der Sowjetarmee (Reppiser Straße) und für umgekommene KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter (Südrand Stahlwerk)[3]
- Grab- und Gedenkanlage von 1946 auf dem Gelände der Lauchhammerwerke für 47 sowjetische Kriegsgefangene und 16 KZ-Häftlinge, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer der Zwangsarbeit wurden, sowie ein Gedenkstein aus dem Jahre 1991 für italienische Militärinternierte
-
Sächsisch-Preußischer Grenzstein Nr. 180 am Elsterwerda-Grödel-Floßkanal
Wirtschaft[Bearbeiten]
Schmiedewerke Gröditz / Stahlguss Gröditz GmbH[Bearbeiten]
1779 wurde durch Graf Detlev Carl von Einsiedel die Gröditzer Eisenhütte gegründet, die durch den Bau eines Hochofens bereits 1827 der führende Hersteller von Röhren für Wasser und Gasleitungen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen 1948 unter dem Namen VEB Stahl- und Walzwerk Gröditz als Volkseigener Betrieb verstaatlicht. 1954 endete die Phase des Wiederaufbaus mit der Inbetriebnahme einer 60-MN-Schmiedepresse. Nach der Wende erfolgt 1990 die Neugründung unter dem Namen Gröditzer Stahlwerke GmbH. 1997 übernahm die Georgsmarienhütte Holding GmbH das Unternehmen, zwei Jahre später wurden die operativen Bereiche Edelstahl Gröditz und Stahlwerk Gröditz gegründet, die 2002 in der Privatisierung der Schmiedewerke Gröditz GmbH und der Elektrostahlwerke Gröditz GmbH mündeten. 2004 firmierte die Stahlgießerei als Stahlguss Gröditz GmbH zu einem eigenständigen Unternehmen der Georgsmarienhütte Holding GmbH.
Produkte[Bearbeiten]
- Die Schmiedewerke Gröditz GmbH stellt Freiformschmiedestücke und Ringwalzerzeugnisse her.
- Die Stahlguss Gröditz GmbH fertigt Stahlformgussteile bis etwa 52 Tonnen Liefermasse.
- Die Elektrostahlwerke Gröditz GmbH liefert den Stahl für die Schmiedewerke Gröditz GmbH und die Stahlguss Gröditz GmbH.
Ende des Jahres 1989 arbeiten 5.600 Beschäftigte im Stahlwerk Gröditz, 2008 beschäftigten die drei Unternehmen zusammen 823 Mitarbeiter.
Zellstoffwerk[Bearbeiten]
1883 gründete die Firma Kübler & Niethammer in Gröditz eine Sulfitzellstofffabrik. Am 15. Mai 1884 wurde die Produktion von Sulfitzellstoff aufgenommen. Der Betrieb hatte 250 Beschäftigte.
1940 wurde eine neue Spritfabrik in Betrieb genommen, die Rohspiritus aus der Ablauge der Kocherei erzeugte. Die Produktion erreichte eine Jahresmenge von 39.000 t Zellstoff. 1946 wurde der Betrieb in Volkseigentum überführt.
Mit dem 1. Januar 1991 wurde im Zellstoffwerk die Produktion eingestellt. 1992 wurde der Säureturm gesprengt, 1997 wurden Kraftwerk und Schornstein abgerissen.
Bildung[Bearbeiten]
Die Stadt Gröditz verfügt über zwei Schulen und vier Kindertagesstätten.
Mit gegenwärtig zehn Klassen und über 200 Schülern ist die Gröditzer Grundschule eine der größten im Landkreis Meißen. Das 1954 errichtete Schulgebäude erhielt 1971 einen Turnhallen-Anbau. Offene Ganztagsangebote bietet die Schule für die Klassenstufen 3 und 4. Fachkabinette gibt es für die Fächer Religion, Ethik, Kunsterziehung, Begegnungssprache, Musik sowie Heimat- und Sachkunde.[4]
Eine weitere Schule in der Stadt ist die Mittelschule „Siegfried Richter“, welche verschiedene Ganztagsangebote anbietet. Die Schule wurde 1980 erbaut und erhielt am 13. Dezember 1982 den Namen Polytechnische Oberschule „Armin Walter“. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde die Schule in eine Mittelschule umgewandelt und in den Jahren 2000 bis 2003 umfassend saniert. Seit dem 10. August 2001 trägt sie den Namen des am 27. September 2000 verstorbenen Gröditzer Ehrenbürgers Siegfried Richter. Der am 9. April 1997 gegründete Förderverein der Schule zählt gegenwärtig etwa 160 Mitglieder und hat seit 1997 eine Freizeitpädagogin zur Betreuung der Kinder und Jugendlichen eingestellt.[5]
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
Ehrenbürger[Bearbeiten]
- Siegfried Richter (1922–2000), Unternehmer
- Kurt Biedenkopf (* 1930), deutscher Jurist, Hochschullehrer und Politiker
Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]
- Klara Elisabeth Karg-Gasterstädt (1886–1964), Germanistin, Lehrerin[6]
- Klaus Sammer (* 1942), ehemaliger DDR-Fußball-Nationalspieler, später Trainer
- Dieter Riedel (* 1947), ehemaliger DDR-Fußball-Nationalspieler, später Trainer
- Gottfried Sembdner, Konzertpianist
- Matthias Bergmann (* 1967), Buchautor
Literatur[Bearbeiten]
- Gröditz. Bilder erzählen; Gröditz 1993, 96 Seiten (115 Abb.) ISBN 3-89264-807-7
- Gröditz, Stadtplan 1:7.500; Städteverlag Fellbach 1999, ISBN 3-8164-5255-8
- Siegfried Richter Der Mutmacher. Ein Sachse kehrt heim; Gröditz (Selbstverlag) 1999;
- Gröditz. Topographische Karte 1:25.000; Landesvermessungsamt Brandenburg 1994, ISBN 3-7490-3303-X
- Paul Namyslik: "Chronik der Röderstadt Gröditz; Meißner Tageblatt Verlags GmbH 2005, 478 Seiten (329 Abb.), ISBN 3-929705-11-7
- Paul Namyslik: "Chronik der Röderstadt Gröditz 2005 bis 2010", ISBN 978-3-00-032776-6
- Infobroschüre der Stadt: „Gröditz - Sachsen“ (online als PDF-Datei; 5,8 MB)
- Egon Förster: Zwangsarbeiter in Gröditz 1939-1945. Gröditz 2004
- Mathias Antusch: Zwangsarbeit im Stahlwerk Gröditz. Institut für Geschichte der Universität der Bundeswehr München, Neubiberg 2004, ISBN 978-3-638-59402-8
- Cornelius Gurlitt: Gröditz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 37. Heft: Amtshauptmannschaft Großenhain (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1914, S. 100.
Weblinks[Bearbeiten]
- Internetauftritt der Stadt Gröditz
- Gröditz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Reppis im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
- ↑ Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
- ↑ Onlineprojekt: Gefallenendenkmäler
- ↑ Die Grundschule Gröditz auf der städtischen Homepage
- ↑ Homepage der Mittelschule Siegfried Richter
- ↑ Eintrag über Klara Elisabeth Karg-Gasterstädt in der Sächsischen Biografie
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