eCl@ss

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eCl@ss, ist ein branchenübergreifender Produktdatenstandard für die Klassifizierung und Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen mit dem Ziel der Vereinfachung des elektronischen Handels klassifizierter Produkte. Insbesondere die Nutzung von eCl@ss als standardisierte Grundlage für eine Warengruppenstruktur in ERP-Systemen ist weit verbreitet.

eCl@ss Verein[Bearbeiten]

Entstehung und Organisation[Bearbeiten]

Übersicht der eCl@ss-Mitglieder

Der eCl@ss e. V. wurde am 14. November 2000 von 12 großen Unternehmen der deutschen Wirtschaft gegründet. Mittlerweile (2013) hat der Verein über 130 Mitglieder aus Wirtschaft, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen. Grundlegend für eine elektronische Beschaffung von Dienstleistungen – genauso wie bei materiellen Produkten – ist ein Standard für den Informationsaustausch zwischen Lieferanten und Kunden. Solch einen Standard setzt der vor allem von der deutschen Industrie getragene eCl@ss e. V.

Der eCl@ss e. V. ist eine Non-Profit-Organisation, die den gleichnamigen Klassifikationsstandard branchenübergreifend international definiert, weiterentwickelt und verbreitet. Der Verein wird getragen von ordentlichen und fördernden Mitgliedern aus Unternehmen, Verbänden und Institutionen.

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Im Verein bestehen folgende Mitgliedschaften:

  • ordentliche Mitglieder: Ordentliche Mitglieder können Unternehmen, Verbände oder öffentliche Körperschaften oder Gebietskörperschaften sein.
  • Fördermitglieder: Die Fördermitgliedschaft dient dazu, natürlichen Personen oder Unternehmen die Gelegenheit zu geben, die Arbeit des Vereins kennenzulernen, diesen finanziell und fachlich zu fördern und auf der Basis eines reduzierten Mitgliedschaftsbeitrages geeignete Informationen zum Thema Klassifizierung, Normung etc. zu erhalten.
Organigramm, Stand Januar 2013

Neben den üblichen Vereinsgremien wie Mitgliederversammlung und Vorstand hat der Verein noch folgende Gremien:[1]

  • Eine Geschäftsstelle zur Koordinierung und Durchführung der laufenden Aufgaben nach Beauftragung durch den Vorstand: Die operativen und administrativen Tätigkeiten des Vereins werden im Auftrag des Vorstands von einer Geschäftsstelle durchgeführt. Die Geschäftsstelle ist im Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH angesiedelt. Weitere Vertretungen gibt es in China, Frankreich, Österreich, BeNeLux und in Ägypten.
  • Einen wissenschaftlichen Beirat: Die Aufgabe des wissenschaftlichen Beirates ist es, alle Aspekte der Entwicklung von eCl@ss wissenschaftlich zu begleiten, ihn mit eigenen Ideen und Aktivitäten zu fördern und seine Verbreitung in der Wissenschaft zu unterstützen.

Finanzierung[Bearbeiten]

Der Verein wird durch Beiträge der Mitglieder, Fördermittel sowie aus den Einnahmen durch den Vertrieb des Standards finanziert. Jedes ordentliche Mitglied entrichtet einen jährlichen Mitgliedsbeitrag entsprechend seiner Unternehmensgröße. Fördermitglieder entrichten einen reduzierten Beitrag. Die konkrete Höhe der Beiträge ergibt sich aus der Beitragsordnung des Vereins. Der eCl@ss Standard ist lizenzpflichtig. Die Kosten hierfür sind nach Unternehmensgröße gestaffelt, sodass kleine Unternehmen einen geringeren Preis bezahlen als große Unternehmen. Die Lizenz kann auf dem Download-Portal erworben werden.

Der eCl@ss Standard[Bearbeiten]

Der eCl@ss Standard ist ein hierarchisches System, ähnlich dem UNSPSC-Klassifikationssystems, zur Gruppierung von Produkten und Dienstleistungen. Es besteht aus vier Hierarchieebenen (Klassen): Sachgebiet (Ebene 1), Hauptgruppe (Ebene 2), Gruppe (Ebene 3) und Untergruppe (Ebene 4). Aus der Hierarchie ergibt sich, dass eine übergeordnete Klasse ihre unterordneten Klassen umfasst, d. h. sie sind ihr logisch zugeordnet. Demzufolge entspricht eine übergeordnete Klasse der Vereinigung ihrer untergeordneten Klassen. Die Knoten der Baumstruktur werden zusammen als Materialklassen bezeichnet. Auf der 4. Ebene (Untergruppe) stellt eCl@ss sogenannte Merkmalleisten zur Verfügung. Merkmale ermöglichen die detaillierte Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen und ermöglichen so die Suche in den verschiedenen Katalogen. Die Merkmale werden durch Werte definiert. Jeweils angehängte Schlagwörter und Synonyme dienen dem schnellen, zielgerichteten Auffinden der Produktklassen und ihrer Merkmalleisten.

Pyramide

Zusammengefasst besteht das System aus den folgenden Elementen:

  • Klassen: Die Klassen oder Warengruppen erlauben es, Produkte zu gruppieren und auf diese Weise zu ordnen.
  • Schlagworte: Durch den einzelnen Klassen zugeordnete Schlagworte wird die Suche nach Produkten vereinfacht und standardisiert (z. B. Warengruppe „Stühle“ wird auch bei Suchbegriffen wie „Sitz“ oder „Bürostuhl“ gefunden).
  • Merkmale: Merkmale sind zusätzliche Produktattribute, die nur für Produkte einer speziellen Klasse sinnvoll verwendet werden können, beispielsweise die Leistung bei Glühlampen oder der Durchmesser bei Röhren. Das Ziel ist die Einbringung dieser Merkmale in die Normung, d. h. DIN, EN, ISO, DKE/IEC
  • Werte: Werte spezifizieren den Wertebereich für die Merkmale
  • Einheiten: Basierend auf DIN und ECE Einheiten zur Angabe der Einheit der Merkmale.

Internationale Normen[Bearbeiten]

Sowohl die Prozesse zur Entwicklung des Standards als auch die Ausleitungsformate und die datenmodelltechnischen Grundlagen basieren auf internationalen Normen.

  • Das Datenmodell basiert auf ISO 13584-42 / IEC 61360.
  • Für jedes Element gibt es einen Globally Unique Identifier. Dieser IRDI (International Registration Data Identifier) basiert auf internationale Standards ISO/IEC 11179-6, ISO 29002 und ISO 6523.[2]

Die Identifikation besteht aus einem dreistelligen Präfix als Herkunftsnachweis, aus dem Identifier und der Versionsnummer des Strukturelements. Der ICD (International Code Designer) für eCl@ss lautet 173.[3]

  • Der ReleaseProcess ist gemäß ISO 22274.

Versionen[Bearbeiten]

Seit dem Release 7.0 wird, neben der bisher verfügbaren Basic-Version (flache Merkmalleisten), auch die Advanced-Version angeboten. Sie nutzt neue Strukturelemente wie Blöcke, Kardinalitäten oder Polymorphismen, um auch komplexe Produkte umfassend zu beschreiben und ist somit für das Engineering (Auslegung, Planung) geeignet. Die Basic-Version wird vornehmlich für Warenklassifikations- und Warengruppensysteme in der Beschaffung, dem Vertrieb und der Instandhaltung genutzt.

Entwicklung in Zahlen

Die folgenden eCl@ss-Releases sind aktuell verfügbar:

  • eCl@ss 4.0
  • eCl@ss 4.1
  • eCl@ss 5.0.1
  • eCl@ss 5.1 und ServicePack 5.1.1, 5.1.2, 5.1.3, 5.1.4
  • eCl@ss 6.0.1
  • eCl@ss 6.1
  • eCl@ss 6.2 und Service Pack 6.2.1
  • eCl@ss 7.0
  • eCl@ss 7.1
  • eCl@ss 8.0
  • eCl@ss 8.1

Im Laufe der Jahre ist der eCl@ss Standard stark gewachsen, sodass es heute (2013) schon mehr als 39.000 Klassen, rund 16.000 Merkmale und über 52.000 Schlagwörter gibt.

Release Entwicklung[Bearbeiten]

Release-Entwicklung

Die Weiterentwicklung des eCl@ss Standards basiert auf ISO Standards. Die Teilnahme an der Weiterentwicklung ist für jeden möglich. Es steht einerseits ein Online-Portal, die ContentDevelopmentPlatform, kostenlos zur Verfügung, auf der Änderungsanträge eingereicht werden können. Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit in Fachgruppen. In diesen Gruppen wirken Produktexperten, Einkäufer, Salesmanager, etc. aus verschiedenen Unternehmen mit und erarbeiten gemeinsam strukturelle Inhalte des Standards. Änderungsanträge werden zunächst auf formelle Vollständigkeit und Richtigkeit kontrolliert, anschließend in den Fachgruppen von Produktexperten geprüft und ggf. weiterentwickelt und schließlich vom CQC (Center of Quality Control) final auf formelle und inhaltliche Richtigkeit im eCl@ss-Gesamtkontext geprüft.

Zusammenarbeit mit anderen Organisationen[Bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2006 ist ETIM Mitglied von eClass und umgekehrt. ETIM Deutschland e. V. (ElektroTechnisches InformationsModell) ist eine Initiative zur Standardisierung des elektronischen Austausches von Produktdaten im Fachbereich Elektrotechnik.[4] Beide Organisationen haben sich die Harmonisierung von ETIM mit dem eCl@ss-Standard zum Ziel gesetzt und arbeiten dabei u. a. mit VDMA, ZVEI und dem DIN zusammen.

Weiterhin besteht eine ähnliche Kooperation mit dem proficl@ss Verein, der ähnlich wie ETIM einen branchenspezifischen Standard etabliert hat. Mit dem Prolist International e. V. besteht eine Kooperation. Gemeinsam wurde im BMWi-geförderten Projekt „eCl@ss für den Mittelstand“ eine Harmonisierung des Prolist-Dictionary durchgeführt, um die Branchenstandards ETIM und profiCl@ss mit dem eCl@ss-Standard zur Version 7.0 zu harmonisieren.

Am 1. Januar 2013 ist Prolist International e. V. in den eCl@ss e. V. aufgegangen. Durch die vollständige datentechnische und organisatorische Integration wurde die Weiterentwicklung der vorhandenen Technologien sichergestellt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Neben großen internationalen Unternehmen wie Siemens, VW-Audi, BASF, RWE, Bahn, E-ON, u. a., hat sich z. B. die deutsche Medizinbranche[5] für eCl@ss als Klassifizierungsstandard für den elektronischen Datenaustausch entschieden. Auch in der öffentlichen Beschaffung wie z. B. beim Kaufhaus des Bundes[6] und einigen Bundesländern wird er eingesetzt.

Laut einer 2002 veröffentlichten Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation, setzten von 296 befragten Unternehmen 34,9 % eine Standardproduktklassifikation ein, davon wiederum 32,4 % eClass, absolut also 11,3 %. Damit lag eCl@ss in Deutschland vor ETIM (6,6 %) und UNSPSC (3,8 %).[7]

Referenzbilder[Bearbeiten]

Seit Mitte 2012 bietet der Verein die Möglichkeit an, den Standard auch als Marketingwerkzeug einzusetzen. Das sogenannte eCl@ss Referenzbild ermöglicht, sein Produktbild im Internet auf diversen Online-Marktplätzen und Vergleichsportalen als Referenzbild für eine Produktgruppe zu platzieren. Im eCl@ss-Standard wird jeder Produktklasse eine klassentypische Abbildung zugeordnet – das Klassen-Referenzbild. Das Referenzbild zeigt dann – stellvertretend für alle Produkte dieser Klasse – das Produkt des Herstellers inkl. Logo und wird von eCl@ss an alle Nutzer des Standards geliefert und im Internet publiziert. Der Erwerb der Referenzbildplätze erfolgt über eine Auktionsplattform. Die Versteigerung der Referenzbildplätze findet im Rahmen einer sogenannten Reverse-Auktion, d. h. der maximale Auktionspreis reduziert sich ab dem Tag des Auktionsbeginns täglich in definierten Stufen, solange bis ein Gebot den Zuschlag erhält oder die Auktion mit Erreichen des Mindestpreises ausläuft. Hierbei haben die Bieter die Möglichkeit während der gesamten Auktion ihr Gebot abzugeben. Erreicht der aktuelle Tagespreis der Versteigerung dann das Gebot eines Bieters, erhält dieser den Zuschlag. Folglich haben die Bieter jederzeit die Möglichkeit, einen Referenzbildplatz quasi sofort zu kaufen, indem sie den aktuellen Tagespreis bieten.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Hepp; Joerg Leukel; Volker Schmitz: A quantitative analysis of product categorization standards: content, coverage, and maintenance of eCl@ss, UNSPSC, eOTD, and the RosettaNet Technical Dictionary. In: Knowledge and Information Systems. 13, Nr. 1, 2007, ISSN 0219-1377, S. 77–114, doi:10.1007/s10115-006-0054-2.
  •  Martin Hepp: Güterklassifikation als semantisches Standardisierungsproblem. Dt. Univ.-Verl., Wiesbaden 2003, ISBN 3-8244-7932-X (Zugl.: Würzburg, Univ., Diss., 2003).
  •  Wolfgang Brenner, Tina Galuschka: Klassifizierung in der Praxis. A. Bernecker Verlag, Melsungen 2008, ISBN 978-3-87064-129-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ecl@ss.de/imperia/md/images/eCl@ss/pdf/ev/ecl_ss_satzung_2012_04_18.pdf
  2. IRDI. 25. Juni 2013, abgerufen am 26. Juli 2014 (englisch, im eCl@ss WIKI).
  3. http://oid-info.com/get/1.3.173
  4. ETIM
  5. http://www.bvmed.de/themen/ehealth/E-Commerce/pressemitteilung/medizinprodukte-branche-setzt-auf-eclass.html
  6. http://www.bescha.bund.de/cln_340/DE/OeffEinkauf/KaufhausBund/node.html?__nnn=true
  7.  Boris Otto, Helmut Beckmann, Oliver Kelkar, Sylvia Müller: E-Business-Standards: Verbreitung und Akzeptanz. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart August 2002, ISBN 3-8167-6162-3 (PDF; 1,5 MB, http://publica.fraunhofer.de/eprints/urn:nbn:de:0011-n-99428.pdf, abgerufen am 8. September 2008).