Edward Bouverie Pusey
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Edward Bouverie Pusey (spr. pjuhsi) (* 22. August 1800 in Pusey; † 16. September 1882 in Oxford) war englischer Theologe und Gründer einer entschieden katholisierenden Richtung in der englischen Hochkirche, des nach ihm benannten Puseyismus (Anglokatholizismus).
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[Bearbeiten] Leben
Pusey wurde 1828 Kanonikus des Christ Church College und Professor der hebräischen Sprache an der Universität Oxford. Unbefriedigt von der Starrheit der englischen Hochkirche, war P. früher dem deutschen Protestantismus auf einer Reise durch dessen Vaterland näher getreten. Zurückgekehrt, geriet er 1836 unter den Einfluss seines Freundes Newman, der ihn hart an die Grenzen des römischen Katholizismus' führte, wenngleich er selbst innerhalb der nach ihm benannten Richtung stets mehr das mystische, Newman dagegen mehr das hierarchische Element vertrat. Die nächste äußere Veranlassung zur Entstehung der anglokatholischen Bewegung hatte schon 1833 eine Versammlung mehrerer Mitglieder der Universität Oxford gegeben behufs der Organisation des Widerstandes gegen die von den Whigs versuchte „Liberalisierung der Kirche“.
Diesem Zweck sollte auch die von Gesinnungsgenossen, wie Williams, Froude, Palmer, Bowden, Newman, Ward, Oakley, Perceval, Thomdike, Keble, seit 1833 veranstaltete Herausgabe der sogen. „Tracts for the times“ („Zeitgemäße Abhandlungen“) dienen, welche sich, 90 an der Zahl, über das ganze Gebiet der Theologie verbreiteten und sich immer offener zu katholischen Grundsätzen bekannten.
Die Anhänger Puseys hießen daher auch Traktarianer (Tractarians) und der Puseyismus traktarianische Kontroverse (the tractarian controversy, tractarianism). 1841 wurde die Fortsetzung der Traktate jedoch von der Regierung untersagt und Pusy selbst 1843 vom sogenannte Board of heresy, einer Art Ketzergericht, seines Predigtamtes auf zwei Jahre entsetzt. Seine Ansichten waren im wesentlichen allerdings katholisch. Er verlangte die Geltung der Tradition der apostolischen Nachfolger der Bischöfe und Priester, die Herstellung der Messe, die Einführung der Kirchenbuße, der Fasten und der Ohrenbeichte. In Bezug auf das Abendmahl lehrte er wenigstens halbkatholisch, und die Neununddreißig Artikel wollte er im katholischen Sinn verstanden und ergänzt wissen. Pusey fand namentlich unter den Studenten in Oxford und der von da ausgehenden jüngern Geistlichkeit zahlreiche Anhänger.
So kam es endlich zur Spaltung, namentlich infolge der Verurteilung eines Buches von Ward vom „Ideal der Kirche“, in welchem der Verfasser die Rechtfertigung durch den Glauben eine „verdammliche, pestilenzialische ätherische Ketzerei“ genannt hatte, durch die Universität Oxford. Nachdem Oakley, Ward, Wingfield, Newman zur katholischen Kirche übergetreten waren, folgten mehrere hundert englische Geistliche, darunter auch Manning, der spätere katholische Erzbischof. Pusey selbst verblieb in der anglikanischen Kirche und starb 16. Sept. 1882. Nach der Ausscheidung der Extreme ist der Stand des Puseyismus ein andrer geworden, und derselbe dauert nur in der veräußerlichten Form des sogen. Ritualismus unter der Geistlichkeit fort, welche den Kultus dem römischen in der Tat so nahe geführt hatte, dass er äußerlich von demselben nicht mehr zu unterscheiden war (Anrufung der Heiligen und der Engel, Marienkultus, Fegfeuer und Totenmessen, Letzte Ölung, Kniebeugung, Weihrauch, brennende Lichter, Elevation der Hostie etc.). Das Volk jedoch bekundete, besonders seitdem Pius IX. 1850 die katholische Hierarchie in England wiederhergestellt hatte, eine zunehmende Abneigung gegen ihn. Auf katholischer Seite fanden diese Bemühungen, wie immer, wenig Entgegenkommen, da man hier bei solchen Gelegenheiten nur von der einfachen Rückkehr zur alleinseligmachenden Kirche etwas wissen will.
[Bearbeiten] Literatur
- Weaver: Der Puseyismus (deutsch, Leipzig 1844)
- Mettgenberg: Ritualismus und Romanismus in England (Bonn 1877)
- Jelf: Ritualism, Romanism an the English reformation (London 1876).
- Petri, Moritz (Hrsg.): Beiträge zur besseren Würdigung des Wesens und der Bedeutung des Puseyismus, durch Übertragung einiger der wichtigsten betreffenden englischen Schriften. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1843-1844
- Geck, Albrecht, Edward Bouverie Pusey. Hochkirchliche Erweckung, in: Neuner, Peter/Wenz, Gunter (Hgg.), Theologen des 19. Jahrhunderts. Eine Einführung, Darmstadt 2002, 108-126.
- Geck, Albrecht, Friendship in Faith. E.B. Pusey (1800-1882) und F.A.G. Tholuck (1799-1877) im Kampf gegen Rationalismus und Pantheismus - Schlaglichter auf eine englisch-deutsche Korrespondenz, in: Pietismus und Neuzeit 27 (2001), 91-117.
- Geck, Albrecht, The Concept of History in E.B. Pusey’s First Enquiry into German Theology and its German Background, in: The Journal of Theological Studies, NS 38/2, Oxford 1987, 387-408.
[Bearbeiten] Quelle
- Meyers Konversationslexikon
- Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 2, Seite 411
[Bearbeiten] Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pusey, Edward Bouverie |
| KURZBESCHREIBUNG | englischer Theologe und Gründer des Puseyismus (Anglokatholizismus) |
| GEBURTSDATUM | 22. August 1800 |
| GEBURTSORT | Pusey |
| STERBEDATUM | 16. September 1882 |
| STERBEORT | Oxford |

