Edward T. Hall
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Edward T. Hall (* 16. Mai 1914 in Webster Groves, Missouri) gilt als Begründer der Interkulturellen Kommunikation als anthropologischer Wissenschaft.
Er unterrichtete an Instituten der University of Denver, Colorado, Bennington College in Vermont, Harvard Business School, Illinois Institute of Technology, Northwestern University in Illinois und anderen. 1942 Promotion an der Columbia University.
Im Zweiten Weltkrieg diente er im Pazifik und in Europa. Die Kriegserfahrungen in fremden Kulturen brachten ihn zu seinem Forschungsgegenstand und seiner zentralen These, dass Missverständnisse zwischen Kulturen auf eine Matrix von verschiedenen Parametern zurückzuführen seien, die für alle Kulturen gelten. Im Laufe der Jahre widmete er sich dieser Forschungsrichtung vor allem im Hinblick auf internationale Geschäftsbeziehungen. Gemeinsam mit seiner Frau Mildred Hall untersuchte er diverse Quellen (Zeitungsartikel, Filme, Geschäftsstrukturen und -verhalten, Institutionen, individuelles und Gruppenverhalten, etc.) und führte zahlreiche offene Interviews, insbesondere mit Managern, aber auch mit Künstlern, Schriftstellern und Lehrpersonen. So entstanden auch praktische Ratgeber für den Umgang mit Geschäftspartnern aus verschiedenen Kulturen. Kultur sieht Hall als "riesigen, komplexen Computer". Sie weist spezifische zugrunde liegende Strukturen ("basic patterns") auf, ihre Mitglieder teilen verinnerlichte Verhaltenscodes und unbewusste Bedeutungszuschreibungen miteinander, die Hall mit der "stillen Sprache (silent language)" umschreibt.
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[Bearbeiten] High bzw. low context
High bzw. low context bezeichnen Konzepte zur Informationsgewinnung bzw. Informationsverarbeitung und dazu notwendiger Vernetzung. Dabei geht es weniger um hohen oder niedrigen Kontext als vielmehr um starken oder schwachen Kontextbezug bei der Kommunikation. In "high context-" Kulturen ist es weniger üblich, die Dinge direkt beim Namen zu nennen. Ihre Bekanntheit wird implizit vorausgesetzt und das Erwähnen zahlreicher Details kann als negativ empfunden werden. Der Gesichtsausdruck der Gesprächspartner, Anspielungen, die Umstände der Begegnung und viele weitere Kontextfaktoren sind eigene, nicht zu unterschätzende Informationsträger.
Kulturen mit starkem Kontextbezug finden sich in Ländern Südeuropas (Spanien, Frankreich), vielen asiatischen (China, Japan) und afrikanischen Ländern sowie in Lateinamerika.
In Kulturen mit schwachem Kontextbezug erwartet man nicht, dass der Großteil der Informationen bereits bekannt oder ohne sprachlichen Ausdruck erkennbar ist. Hier wird alles beim Namen genannt, man wirkt direkter und fühlt sich verpflichtet, dem Gegenüber möglichst präzise Angaben zu machen. So genannte "low-context"-Kulturen sind etwa die USA, Canada, skandinavische Länder, Deutschland, die Beneluxländer und Großbritannien. (Aufgrund des starken Wirtschaftsbezugs der Autoren sind Staaten mit starken internationalen Marktaktivitäten genauer untersucht und werden differenzierter dargestellt)
[Bearbeiten] Monochrones bzw. polychrones Zeitverständnis
Das Verhältnis zur und der Umgang mit der Zeit ist, neben der Informationsverarbeitung, ein weiteres wichtiges Element, das Kulturen definiert und worin sich Unterschiede erkennen lassen. Man unterscheidet einerseits tendenziell monochrone Kulturen, in denen es üblicher ist, (also mit größerer Wahrscheinlichkeit als normal akzeptiert wird) einzelne Arbeitsschritte nacheinander zu tun. Hier ist das Einhalten des Zeitplans sehr wichtig, die Erledigung von Aufgaben zählt mehr als die Pflege persönlicher Beziehungen.
In polychronen Kulturen gilt das Erledigen mehrerer Handlungen nebeneinander als eher üblich. Der Zeitplan ist ein "kann", aber kein "muss". Man ist flexibler und setzt die Priorität auf die persönliche Beziehung, die Erledigung einer Aufgabe ist eher nachrangig, wenn es zu einer Begegnung kommt.
[Bearbeiten] Förmlichkeit
Förmliche Kulturen sind Japan, Saudi-Arabien, weniger förmliche Kulturen Australien, Israel, Niederlande.
[Bearbeiten] Proxemics
Eine weitere These Halls ist unter dem Namen Proxemik bekannt geworden und beschreibt die kulturabhängig verschieden großen räumlichen Abstände, die Menschen zulassen bzw. gegen „Eindringlinge" auf verschiedene Weisen zu schützen versuchen. Die Räume, die von Individuen unbewusst unterschieden werden, werden Distanzzonen genannt. Man unterscheidet die intime, die persönliche und die öffentliche Distanzzone. Diese können sich etwa mit steigender Vertrautheit zwischen Personen verändern. Je nach Kultur haben diese Zonen jeweils unterschiedliche Ausmaße. Bei Nordeuropäern etwa beginnt die intime oder private räumliche Zone eher und bei weiterer Körperdistanz als bei Südeuropäern. Die Distanz zu unterschreiten kann ein ebenso schwerwiegender Fehler sein wie sie zu weit auszudehnen. Steht man in einem Kulturkreis im Abstand einer Armlänge nebeneinander, kann dies schnell etwa auf übertriebene Vorsicht, Feindseligkeit oder mangelndes Vertrauen schließen lassen. In einem anderen Kulturkreis fühlt man sich durch Körperberührungen oder das Riechen des Atems der anderen Person eventuell belästigt und seiner Intimsphäre beraubt.
Halls Konzepte prägen Forschung und Praxis der Interkulturellen Kommunikation. In Interkulturellen Trainings (etwa bei der Vorbereitung auf internationale Wirtschaftskontakte) dienen sie der Veranschaulichung und Erklärung möglicher Missverständnisse.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Hall. Edward T. Beyond Culture. New York 1976.
- Hall. Edward T.; Mildred Hall: Understanding Cultural Differences. Yarmouth, Maine 1990.
- Hall. Edward T. The Hidden Dimension, 1966)
- Hall, Edward T. Die Sprache des Raumes, Pädagogischer Verlag Schwann Düsseldorf, 1976 (Titel der Originalausgabe: The Hidden Dimension, 1966)
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Edward T. Hall im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Hall's cultural factors (eng.)
- http://www.edwardthall.com/
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hall, Edward T. |
| ALTERNATIVNAMEN | Hall, Edward Twitchell (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Anthropologe |
| GEBURTSDATUM | 16. Mai 1914 |
| GEBURTSORT | Webster Groves, Missouri |

