Eichenstraße (Wien)

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Straßentafel
Eichenstraße von der Philadelphiabrücke aus ostwärts gesehen

Die Eichenstraße befindet sich im 12. Wiener Gemeindebezirk, Meidling. Sie ist Teil der ehemaligen Bundesstraße B12, zu der in Wien auch die Breitenfurter Straße und die Brunner Straße gehören.

Verlauf und Charakteristik[Bearbeiten]

Die Eichenstraße verläuft von Ost nach West entlang der Südbahn-Strecke bzw. der ÖBB-Betriebsanlagen Wien Matzleinsdorf (auf dem Gelände des früheren Frachtenbahnhofs Matzleinsdorf) vom Margaretengürtel bis zur Philadelphiabrücke. Sie setzt sich nach Westen in der Edelsinnstraße fort. Gequert wird die Eichenstraße von der Längenfeldgasse, an ihrem westlichen Ende bilden die Meidlinger Hauptstraße, die Wilhelmstraße und der Straßenzug Eichenstraße / Edelsinnstraße den nördlichen Teil des Verkehrsknotens bei der Philadelphiabrücke.

Am östlichen Straßenende befindet sich an der nördlichen Straßenseite der Betriebsbahnhof Wolfganggasse der Lokalbahn Wien-Baden. Aus ihm biegen die Züge der Badner Bahn in die Eichenstraße ein und befahren sie auf etwa 1400 m Länge bis zur Philadelphiabrücke. Die westliche Hälfte dieser Strecke wird auf den gleichen Gleisen auch von der Straßenbahnlinie 62 befahren.

Nahe dem westlichen Straßenende, bei der Philadelphiabrücke, befinden sich eine gleichnamige U-Bahn-Station der U-Bahn-Linie U6 und der ÖBB-Bahnhof Wien Meidling, seit Dezember 2009 vorübergehend Ausgangspunkt des Personenverkehrs der Südbahn und ständig Haltepunkt mehrerer Schnellbahnlinien. Zwischen diesen beiden Verkehrsstellen haben die Autobuslinien 7A, 8A, 9A, 59A und 62A der Wiener Linien ihre Endstation, befahren die Eichenstraße aber sonst nicht.

Die Eichenstraße ist an ihrer Südseite ausschließlich durch Gebäude im Zusammenhang mit der Südbahn charakterisiert. Die nördliche Seite besteht großteils aus Wohnbauten, die nach 1945 erbaut wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

Eichenstraße 52; letzte Fahrt der Neuen Wiener Tramwaygesellschaft auf der Vorortelinie 1898

Der ursprüngliche Name der Eichenstraße war Dammstraße, nach dem parallel verlaufenden Bahndamm. 1894 erhielt sie den Namen Eichenstraße, nach zwei Eichen an der Einmündung der Wilhelmstraße in die Eichenstraße, bei denen sich auch Marterln befanden. Die Gegend gehörte früher zu den Ortschaften Wilhelmsdorf und Untermeidling, der östlichste Teil der Straße gehörte bis 1907 zum 5. Gemeindebezirk, Margareten (Bezirksteil Neu-Margareten).

Während der Bürgerkriegsereignisse des Februar 1934 spielte die Eichenstraße eine bedeutende Rolle, denn hier fielen die ersten Opfer. Am 12. Februar wurde der Polizist Josef Schiel, der einen bewaffneten Arbeiter anhalten wollte, von diesem erschossen. Aus einer anschließend stattfindenden Demonstration, die von der Polizei aufgelöst werden sollte, fielen Gewehrschüsse gegen die Exekutive, die den Rückzug antreten musste. Bewaffnete Angehörige des Republikanischen Schutzbundes besetzten zahlreiche Standorte Meidlings und errichteten entlang der Eichenstraße Verteidigungsposten vom Matzleinsdorfer Frachtenbahnhof bis zum Meidlinger Bahnhof, der auch besetzt wurde. Erst mit Verstärkung des Bundesheeres und dem Einsatz eines Panzerzuges gelang es der Polizei, den Bahnhof wieder zurückzuerobern.

Aus dem Kreuzungsbereich mit der Längenfeldgasse wurde die Meidlinger Hofküchenwasserleitung nach Schloss Schönbrunn geleitet.

Bemerkenswerte Gebäude[Bearbeiten]

Am östlichen Ende der Eichenstraße liegt an der nördlichen Straßenseite die Remise der Badner Bahn mit ihrem Bahnhof Wolfganggasse. Daneben, an der Ecke zur Wolfganggasse 58–60, befindet sich das ehemalige Betriebsgebäude des Ersten Niederösterreichischen Arbeiter-Consumvereins, das in den Jahren 1898–1909 von Franz und Hubert Gessner erbaut wurde.

Nr. 5 bis 23: Arbeiterwohnhäuser[Bearbeiten]

Arbeiterwohnhäuser (um 1870) in der Eichenstraße 5-23
Relief Maria mit Kind (1875/76) an der Rückseite des Hauses Eichenstraße 16-20
Station der U6 Philadelphiabrücke, dahinter „Arcade Meidling“

In Zusammenhang mit dem Meidlinger Bahnhof stehen die in der Eichenstraße 5-23 um 1870 nach Plänen von Wilhelm Flattich errichteten Arbeiterwohnhäuser, deren Äußeres fast unverändert erhalten ist. (Flattich hatte als Direktor für Hochbau der Südbahngesellschaft auch den Wiener Südbahnhof und andere Gebäude an der Strecke errichtet.) Es handelt sich um ein Beispiel eines frühen sozialen Wohnbaus, bei dem in zehn dreistöckigen Arbeiterhäusern Wohnungen für die Bediensteten der Südbahngesellschaft geschaffen wurden. Hofseitig, den Bahngeleisen zu gelegen, wurden Gärten zum Spielen für die Kinder angelegt. Die Backsteinbauten wurden relativ schmucklos, lediglich durch Kordon- und Kranzgesimse gegliedert, ausgeführt.

Nr. 16 bis 22[Bearbeiten]

Hier wurden 1875 / 1876 vom Architekten C. Bringmann auf dem gesamten, seitlich und hinten aus den Grundstücken Aßmayergasse 67–73, Murlingengasse 33–39 und Rottmayrgasse 20–26 bestehenden Häuserblock sechs nicht zusammenhängende, durch kleine Grünanlagen getrennte Doppelhäuser im Schweizerhausstil erbaut. Zur Murlingengasse gewendet, findet man ein bemerkenswertes Relief der Maria mit Kind aus der Bauzeit.

Nr. 25: Bahnhof Wien Meidling[Bearbeiten]

Das vor 2009 abgerissene Stationsgebäude war das letzte, das noch aus der Zeit der 1841 eröffneten Wien–Gloggnitzer Bahn erhalten war. Das Verwaltungsgebäude war zweistöckig und besaß noch die ursprüngliche Lisenengliederung; durch ein ebenerdiges Verbindungsgebäude war es mit dem Stationsgebäude mit originaler Attika verbunden. Aus der Zeit um 1900 stammten eine Fußgängerunterführung mit Fliesenverkleidung, die Stiegenaufgänge, Gitter und Bahnsteigflugdächer.

Im Bahnhofsgebäude befand sich eine kleine Privatkapelle, die von den Kreuzschwestern betreut wurde. Die Schwestern wohnten auch im Bahnhof und kümmerten sich um die Kinder der Bahnangestellten. 1904 übersiedelten sie in das neuerrichtete Klostergebäude in der Murlingengasse 71.

1841 war der Meidlinger Bahnhof als Durchfahrtsbahnhof ohne weitere Bahnanschlüsse nur eine Station 2. Klasse in der Rangordnung der Südbahngesellschaft. 1860 wurde Meidling zu einem Kreuzungsbahnhof durch die Errichtung der Verbindungsbahn, die Süd- und Westbahn miteinander verband. 1875 traf schließlich noch die Pottendorfer Linie hier auf die Südbahnstrecke. Diese Veränderungen sowie die allmähliche Ausdehnung des Matzleinsdorfer Frachtenbahnhofs bis zum Bahnhof Meidling und die Eröffnung der Schnellbahnlinien 1962 und der U-Bahn-Station Philadelphiabrücke 1989 machten ihn schließlich zum stärkstfrequentierten Bahnhof Wiens. Bis 2009 wurde der Bahnhof von Grund auf erneuert und umgestaltet, um den 2010 abgerissenen Südbahnhof bis zur Eröffnung der Fernverkehrsgleise des neuen Hauptbahnhofs ersetzen zu können.

Nr. 50 und 52[Bearbeiten]

Hier befand sich einst ein Arbeiterheim. Am Neubau aus der Nachkriegszeit befindet sich ein Natursteinrelief, Der Wassergeist von Wilhelmsdorf, aus dem Jahre 1955 von Josef Schagerl. Es erinnert an die Sage vom Wilhelmsdorfer Wassermann, der in den früher hier befindlichen Ziegelteichen gehaust haben soll.

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien Bd. 2. Kremayr & Scheriau: Wien 1993
  • Dehio-Handbuch Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Verlag Anton Schroll: Wien 1996

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eichenstraße (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.17661816.340876Koordinaten: 48° 10′ 36″ N, 16° 20′ 27″ O