U-Bahn-Unfall von Malbone Street

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Verunglückter Zug im Tunnel
Der verunglückte Zug nach der Bergung. Vorne der führende Triebwagen 726, gefolgt von dem schwerst beschädigten Beiwagen 100

Bei dem Eisenbahnunfall von Malbone Street (englisch: Malbone Street Wreck oder Brighton Beach Line Accident), heute: U-Bahnhof Prospect Park der New Yorker U-Bahn in Flatbush, Brooklyn, entgleiste aufgrund überhöhter Geschwindigkeit am 1. November 1918[1] ein Zug der Brooklyn Rapid Transit Company (BRT) von der Franklin Avenue kommend in einem engen Bogen. Mindestens 93 Menschen kamen ums Leben, über 100 weitere wurden verletzt.[2]

Ausgangslage[Bearbeiten]

Die Einfahrt in den damaligen Bahnhof Malbone Street erfolgte über eine S-Kurve mit extrem engen Kurvenradien, die erst wenige Wochen zuvor in Betrieb genommen worden war. An dieser Stelle war eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 10 km/h (6 mph) vorgesehen.

Die damals eingesetzten Züge hatten Aufbauten aus Holz. Der verunglückte Zug bestand aus 5 Wagen, davon waren der erste, vierte und fünfte Triebwagen, die Wagen zwei und drei Beiwagen. Die Motorwagen waren etwa doppelt so schwer wie die Beiwagen und ihr Schwerpunkt lag erheblich tiefer. Normalerweise wurden nie zwei Beiwagen aneinander gekuppelt, sondern immer zwischen zwei Triebwagen gesetzt. Dies verlieh ihnen die erforderliche Stabilität.

Am Tag des Unfalls wurde die BRT durch die Gewerkschaft Brotherhood of Locomotive Engineers (BLE), die einen Teil der Lokomotivführer vertrat, bestreikt. Dadurch bestand ein Mangel an Lokomotivführern und der Zug wurde von einem wenig erfahrenen Lokomotivführer gesteuert. Der Zug war mit etwa 900 Fahrgästen besetzt.[3]

Unfallhergang[Bearbeiten]

Der Lokomotivführer arbeitete normalerweise in der Personalplanung, hatte lediglich ein Jahr vorher etwas Erfahrung im Rangieren von Leerzügen gesammelt, keine Streckenkenntnis und lediglich vor seinem Einsatz eine zweistündige Einweisung durch einen Fahrlehrer erhalten. 60 Stunden Training waren üblich. Der Unfallzug war der erste fahrplanmäßige Zug, den er überhaupt fuhr.

In dem Zug liefen entgegen der Regel zwei Beiwagen, der zweite und dritte Wagen, unmittelbar hintereinander. Deren Schwerpunkt lag höher als der eines Triebwagens, besonders wenn das Gewicht durch zahlreiche Reisende erhöht wurde.

Statt der vorgeschriebenen 10 km/h näherte sich der Zug um 18 Uhr 22 mit einer Geschwindigkeit von geschätzten mindestens 50 km/h dem Bahnhof. Der Zug wurde aus der Kurve getragen. Zunächst entgleiste das Fahrgestell des führenden Triebwagens und riss die beiden folgenden Beiwagen aus dem Gleis. Der zweite und dritte Wagen wurden so gegen die bogenäußere Tunnelwand geschleudert und zertrümmert. Der folgende Wagen erlitt geringere Beschädigungen, der letzte blieb nahezu unversehrt.[4]

Folgen[Bearbeiten]

Mit 93 Toten und über 100 Verletzten war dies das zweitschwerste Zugunglück in der US-amerikanischen Eisenbahngeschichte und das schwerste in der Geschichte der New Yorker U-Bahn. Der Lokomotivführer blieb unverletzt. Er und Vertreter der Betreibergesellschaft BRT wurden wegen Totschlags angeklagt, aber freigesprochen.

Ob der Einsatz von Wagen mit Holzaufbau die Unfallfolgen erhöht hatte, blieb umstritten. Fahrzeuge, die zum Teil aus Holz gebaut waren, blieben bis 1969 im Einsatz.

Der Ruf der Betreibergesellschaft BRT litt erheblich unter diesem Unfall. Ihr Konkurs am Silvestertag desselben Jahres wird entgegen den Tatsachen mit diesem Unglück in Verbindung gebracht.

Wegen des Unfalls wurde die Malbone Street in Empire Boulevard umbenannt.

Wissenswert[Bearbeiten]

Der Tunnel blieb weitere 40 Jahre für den Reiseverkehr in Betrieb, nach 1920 allerdings nicht mehr für die Hauptstrecke. Heute gehört der Tunnel zum Franklin Avenue Shuttle und wird gelegentlich für außerplanmäßige Zugbewegungen befahren. 1974 gab es an der gleichen Stelle einen Unfall, bei dem ein Zug entgleiste und gegen die Tunnelwand schlug. Dabei gab es aber keine Verletzten.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian Cudahy: The Malbone Street Wreck. New York. Fordham University Press 1999.
  • Brooklyn Daily Eagle v. 27. Oktober 1919, S. 10.
  • Paul Matus: Rezension zu Brian Cudahy: The Malbone Street Wreck.
  • David Rapp: Death in the Subway.
  • Gene Sansone: New York Subways: An Illustrated History of New York City's Transit Cars. Baltimore 2004. ISBN 0801879221, S. 165.
  • Ludwig Stockert: Eisenbahnunfälle (Neue Folge) – Ein weiterer Beitrag zur Eisenbahnbetriebslehre. Berlin 1920, Nr. 290.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stockert: Eisenbahnunfälle (N.F.), gibt den 2. November 1918 als Unfalldatum an.
  2. Stockert: Eisenbahnunfälle (N.F.), nennt 85 Tote und geht von etwa 200 Verletzten aus.
  3. Stockert: Eisenbahnunfälle (N.F.).
  4. Foto der beschädigten Wagen nach der Bergung.
  5. BMT Franklin: Prospect Park

40.661751-73.962257Koordinaten: 40° 39′ 42″ N, 73° 57′ 44″ W