Engelbert Lütke Daldrup

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Engelbert Lütke Daldrup (2011)

Engelbert Lütke Daldrup (* 31. Oktober 1956 in Kranenburg) ist ein deutscher Stadtplaner. Seit 2013 ist er Direktor und Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen. Am 26. März 2014 wurde er zum Staatssekretär für Bauen und Wohnen der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt berufen.[1]

Leben[Bearbeiten]

Lütke Daldrup studierte von 1976 bis 1981 Raumplanung an der Universität Dortmund. Von 1982 bis 1985 war er zunächst Städtebaureferendar und anschließend Baurat in Frankfurt am Main. 1985 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die TU Berlin, Institut für Stadt- und Regionalplanung, wo er 1988 promoviert wurde mit einer Dissertation über bestandsorientierten Städtebau (Innenentwicklung).

1989 wurde er technischer Hauptreferent der Berliner Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen; ab 1992 leitete er das Referat Hauptstadtgestaltung. 1995 wurde Lütke Daldrup zum Beigeordneten für Stadtentwicklung und Bau in Leipzig gewählt. Dort arbeitete er gut 10 Jahre als Stadtbaurat bis Ende 2005.

Nachdem der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wurde, holte er im Januar 2006 seinen Beigeordneten als Staatssekretär ins Ministerium. Lütke Daldrup war dort zunächst für den Aufbau Ost, Raumentwicklung und Strukturpolitik, Städtebau/Stadtentwicklung, Wohnungswesen, Bauwesen und Bauwirtschaft zuständig sowie für Personal und Haushalt des größten Investitionsressorts des Bundes. Nach der Entlassung des früheren Verkehrsstaatssekretärs Matthias von Randow im Herbst 2008 war er darüber hinaus auch verantwortlich für Wasserstraßen und Schifffahrt, Straße, Luft- und Raumfahrt sowie für die Grundsatzabteilung des Ministeriums.

Nachdem am 28. Oktober 2009 Peter Ramsauer (CSU) das Ressort übernommen hatte, erhielt Lütke Daldrup am 9. November 2009 die Entlassungsurkunde; seine Nachfolger wurden Klaus-Dieter Scheurle und Rainer Bomba. Lütke Daldrup war ab 2010 freiberuflich tätig und leitete das Büro AfS Agentur für Stadtentwicklung GmbH in Berlin.

Der Aufsichtsrat der IBA Thüringen berief Lütke Daldrup im März 2013 zum allein vertretungsberechtigten Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung. Anfang April 2013 trat er das Amt an.[2]

Neben den beruflichen Aufgaben engagiert sich Lütke Daldrup unter anderem im Bau- und Verkehrsausschuss des Deutschen Städtetages, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung und wurde 2002 in die Sächsische Akademie der Künste (Klasse Baukunst) berufen. Seit 2007 ist Lütke Daldrup Vorsitzender des Stiftungsrates der Bundesstiftung Baukultur mit Sitz in Potsdam. Die TU Berlin ernannte Lütke Daldrup im April 2009 zum Honorarprofessor für das Fachgebiet „Stadtentwicklung". Seit dem 1. August 2009 ist er zudem Honorarprofessor für Nationale und Europäische Raumentwicklung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.

Arbeitsfelder[Bearbeiten]

Während der Berliner Tätigkeit bei der Senatsverwaltung engagierte sich Lütke Daldrup für die stadtverträgliche Integration der Hauptstadtfunktionen in den Berliner Stadtorganismus, die Nutzung der vorhandenen Altbausubstanz für Regierungszwecke und die organisatorische und finanzielle Absicherung des Hauptstadtumzuges durch die Etablierung der Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt.

In Leipzig war Lütke Daldrup maßgeblich an der Ansiedlung von BMW im Leipziger Norden und der planerischen Vorbereitung der Leipziger Olympiabewerbung beteiligt. Seine Haupttätigkeit galt der Stadterneuerung und der Auseinandersetzung mit den Folgen des demografischen Wandels. Nach seiner Wiederwahl im Jahr 2002 stellte die Leipziger Olympiaplanung das Hauptarbeitsgebiet von Lütke Daldrup dar, der auch seit 2003 Olympiabeauftragter der Stadt Leipzig war. Während der Amtszeit von Lütke Daldrup als Stadtbaurat entstanden eine Reihe öffentlicher Gebäude, an deren Planung er mitwirkte, z.B.: Museum der Bildenden Künste, Neubau Zentralstadion, Leipzig Arena, Sanierung Grassi-Museum, Schwimmhalle in Grünau.

Als Staatssekretär im BMVBS wirkte an den Verhandlungen zum Solidarpakt II mit und setzte neue Akzente in der Stadtentwicklungspolitik. Mit der Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt[3] wurde 2007 ein grundlegendes europäische Dokument verabschiedet. Für Deutschland entwickelte Lütke Daldrup auf Basis eines von ihm initiierten Memorandums eine Nationale Stadtentwicklungspolitik,[4] die gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen getragen wird.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Nachhaltige Stadtentwicklung: Zur Zukunft der Städtebauförderung. In: DIFU (Hrsg.): Urbane Räume in Bewegung. Berlin 2013, ISBN 978-3-88118-522-6, S. 95ff
  • Internationale Bauausstellungen: Qualitätsdiskurs und neue Projekte. In: Bodenschatz, Lampugnani, Sonne (Hrsg.): 25 Jahre Internationale Bauausstellung Berlin 1987. Ein Wendepunkt des europäischen Städtebaus. Berlin 2012, S. 123ff
  • Bauen für den Verkehr. Strategien des Bundes für eine bessere Verkehrsbaukultur. In: M. Braum (Hrsg.): Baukultur des Öffentlichen. Basel 2011, ISBN 978-3-0346-0692-9, S. 70ff.
  • Large-Scale Projects in German Cities. Urban Development 1990–2010. Jovis, Berlin 2010, ISBN 978-3-86859-055-5.
  • Politik für nachhaltiges Bauen. In: Energieeffiziente Architektur in Deutschland. Krämer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7828-1535-2, S. 120–127.
  • Große Projekte in deutschen Städten. Stadtentwicklung 1990–2010. Berlin 2009, ISBN 978-3-86859-041-8.
  • Das baukulturelle Engagement des Bundes. In: Architektur der Demokratie. Hatje Cantz, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7757-2345-9, S. 14–22.
  • Schritte zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik: Ziele und Perspektiven. In: BMVBS: Auf dem Weg zu einer nationalen Stadtentwicklungspolitik. Berlin 2007, DNB 985085304.
  • Speckgürtel und Armutsinseln. Zum Aufgabenwandel der Stadtplanung. In: W. Durth (Hrsg.): Stadt Bauen. Jovis, Berlin 2007, ISBN 978-3-936314-88-5, S. 13–22.
  • Pläne, Projekte, Bauten. Architektur und Städtebau in Leipzig 2000 bis 2015. Braun, Berlin 2005, ISBN 3-935455-63-1.
  • Engelbert Lütke Daldrup, Marta Doehler-Behzadi: Leipzig – ein urbanes Projekt. In: PlusMinus Leipzig 2030. Stadt in Transformation. Müller + Busmann, Wuppertal 2004, ISBN 3-928766-58-9.
  • Last Exit. Die „perforierte Stadt“. In: Stadtbauwelt. Berlin 2001.
  • W. Süß (Hrsg.): Vier Jahre Hauptstadtplanung: eine kritische Zwischenbilanz. In: Hauptstadt Berlin. Band II: Berlin im vereinten Deutschland. Spitz, Berlin 1995, ISBN 3-87061-464-1, S. 419–440.
  • Bestandsorientierter Städtebau. Möglichkeiten, Auswirkungen und Grenzen der Innenentwicklung. Dortmund 1989, ISBN 3-924352-34-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Organigram SenStadt, abgerufen am 22. April 2014
  2. Webseite der IBA Thüringen. Abgerufen am 15. September 2013.
  3. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt
  4. Nationale Stadtentwicklungspolitik: koopstadt - ein Kooperationsprojekt zur Stadtentwicklung in Bremen, Leipzig, Nürnberg
  5. urbanicom.de: urbanicom-Preis 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Engelbert Lütke Daldrup – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien