Erfrierung

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Klassifikation nach ICD-10
T33.- Oberflächliche Erfrierung
T34.- Erfrierung mit Gewebsnekrose
T35.- Erfrierung mit Beteiligung mehrerer Körperregionen und nicht näher bezeichnete Erfrierung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter einer Erfrierung (lateinisch congelatio) versteht man eine Schädigung des Gewebes durch Kälteeinwirkung. Sie tritt besonders häufig an kälteexponierten Körperstellen (Ohrmuschel, Nase), ungenügend kältegeschützten Gliedmaßen (Finger, Zehen) und unter Umständen zugleich mit einer allgemeinen Unterkühlung auf. Dagegen führt ein örtlich begrenzter direkter Kontakt mit extrem kalten Substanzen, wie beispielsweise Trockeneis oder flüssigem Stickstoff, bei mangelhaft isolierendem Transportbehälter oder technisch verursachten Unfällen zu Symptomen, die einer Verbrennung ähneln und deshalb als Kälteverbrennung bezeichnet werden.

Klassifikation[Bearbeiten]

Erfrierungen an den Händen, mutmaßlich 2. Grades

Die Abläufe in Erfrierungswunden gleichen den Verbrennungswunden, sodass die Klassifikation nahezu gleich ist. Erfrierungen werden je nach Schwere in vier Grade eingeteilt:

  • Erfrierung 1. Grades: blasse Hautfarbe, Schwellung der Hautpartie, Schmerzen
  • Erfrierung 2. Grades: blau-rote Hautfarbe, Blasenbildung
  • Erfrierung 3. Grades: beinahe schmerzfreies Absterben des Gewebes
  • Erfrierung 4. Grades: Vereisung und völlige Gewebezerstörung

Symptome[Bearbeiten]

Frostgefühl“ in Händen und Füßen, Empfindung von zu kleinen Schuhen, blaurote Flecken sind Symptome von Erfrierungen. Erfrorene Körperteile sind zunächst weiß-grau, weich und schmerzhaft (wie Nadelstiche), später sind sie hart und gefühllos bis zur Brüchigkeit. Die Grenze zwischen erfrorenem und gesundem Körpergewebe ist nicht deutlich erkennbar.

2007 wurde erstmals erkannt, weshalb Erfrierungen der Akren, also der endständigen Körperteile wie Nasenspitze, Ohren oder Finger, überhaupt Schmerzen bereiten können. Normalerweise werden durch Schmerzreize erzeugte Aktionspotentiale in Nervenfasern durch das Öffnen von Ionenkanälen für Natrium ausgelöst. Unterhalb von 10 °C stellen diese allerdings ihre Funktion ein. Nun wurde ein anders aufgebauter Typ von Natriumkanälen entdeckt, der sich auch unter 10 °C öffnen kann. Bei Normaltemperatur scheint dieser Weg inaktiv zu sein. Offenbar handelt es sich um ein Notfallsystem, das dem Organismus die drohende Erfrierung von Körperteilen meldet.[1]

Ursachen und Auftreten[Bearbeiten]

Hauptursache für Erfrierungen, insbesondere dritten Grades, ist eine unangepasste Kleidung bei langanhaltend tiefen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. In Kriegszeiten ist Erfrieren eine der häufigsten Todesursachen in kalten Regionen. In Deutschland kommt es heutzutage kaum noch zum Tod durch Erfrieren.[2]

Begünstigend für Erfrierungen sind akute Alkoholvergiftungen, da nach einer Zeit der erhöhten Hautdurchblutung die Wärmezufuhr aus dem Körperinnern erschöpft ist (Unterkühlung) und der die Gefahr (Zeitdauer, Kälte) unter- und sich selbst überschätzende Betroffene zumeist infolge Müdigkeit und Benommenheit nicht um Hilfe nachsucht oder diese nicht anzufordern vermag. Aus diesen Erfahrungen leitet sich die unbedingte Empfehlung ab, bei organisierten Winterhilfsaktionen auf jedweden Alkoholkonsum zu verzichten und Alleingänge wegen fehlender gegenseitiger Hilfe zu vermeiden.

Bergsteiger sind eine Risikogruppe für Erfrierungen, da sie vergleichsweise häufig und unerwartet in Notsituationen kommen, ohne unverzügliche Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Eine andere Gefahrenquelle geht auf den Windchill-Effekt zurück. Bei hohen Windgeschwindigkeiten können auch Lufttemperaturen kurz unter dem Gefrierpunkt zu Erfrierungen führen, da der Wärmehaushalt des Menschen von mehr Faktoren abhängt als nur von der Temperatur. Besonders betroffen hiervon sind unbedeckte Hautpartien wie das Gesicht. Der Effekt hat daher eine hohe Bedeutung für Wintersportler, Motorschlittenfahrer (Fahrtgeschwindigkeit) und Bergsteiger (Bergwind). Wird er nicht von vornherein berücksichtigt und paart sich mit der Gefühllosigkeit und damit Schmerzunempfindlichkeit der betroffenen Hautpartien, so kann es leicht zu schwerwiegenden Erfrierungen kommen.

Therapie[Bearbeiten]

Entgegen der alten Lehrmeinung sollte nach aktuellem Stand des Wissens ein schnelles Auftauen der betroffenen Areale mit 40 °C warmen Wasser erfolgen. Dies ist sehr schmerzhaft und oft bilden sich Ödeme. Starke Gewebeschäden entstehen durch gleichzeitige mechanische Traumen (Reiben, Massieren) oder durch wiederholtes Einfrieren und Auftauen – beides sollte also vermieden werden.

Beim raschen Auftauen steigt zwar der Sauerstoffbedarf des Gewebes sehr schnell an und die noch nicht voll funktionsfähigen Gefäße können den benötigten Sauerstoff noch nicht liefern, aber der Schaden durch die Sauerstoffunterversorgung ist geringer als der neuerliche toxische Schaden durch langsames Auftauen.

Unterstützend sollte die Körpertemperatur angehoben werden (warme Getränke) und die Wunden sollten trocken gehalten werden.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Erfrierung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Erfrierung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bild der Wissenschaft 11/2007, Seite 40. Originalquelle nicht genau angegeben („Wissenschaftler aus Erlangen“).
  2. Statistisches Bundesamt Deutschland, Erkrankungen des Kreislaufsystems sind häufigste Todesursache im Jahr 2006, abgerufen 26. Dezember 2007
  3. Fritsch: Dermatologie & Venerologie für das Studium; Springer Verlag Heidelberg 2009
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!