Evangelische Kirche A. B. in Rumänien

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Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien ist eine evangelisch-lutherische Diasporakirche von mittlerweile nur noch ca. 13.300 Mitgliedern (Stand 2010[1]), die vornehmlich die deutschsprachigen Evangelischen in Siebenbürgen (siehe Siebenbürger Sachsen) und in der Hauptstadt Bukarest umfasst. Der Bischofssitz ist Hermannstadt. Seit dem 27. November 2010 ist Reinhart Guib Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Verkündigungssprache ist deutsch. A. B. wird dabei als Abkürzung für „Augsburgischen Bekenntnisses“ verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Evangelisch-lutherischen Christen in Siebenbürgen (österreichische Volkszählung 1850)
Die Evangelisch-lutherischen Christen in Rumänien (Volkszählung 1930)
Die Evangelischen Christen in Rumänien (Volkszählung 2002). Südlich und östlich der Karpaten sind auch Evangelikale mitgerechnet
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Der Abschnitt Geschichte springt von 1876 nach 1946. Rolle der Kirche in der Zwischenkriegszeit, in der die schrittweise Gleichschaltung der rumäniendeutschen Organisationen erfolgte, und die Positionierung der Kirche unter Bischof Viktor Glondys, sowie die Rolle der Kirche in der Zeit des Kommunismus fehlen. --DVvD |D̲̅| 07:21, 28. Nov. 2011 (CET)

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Die Evangelische Kirche in Siebenbürgen um 1904

Ihre Anfänge reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Zunächst waren die Siebenbürger Sachsen katholisch, nahmen allerdings ab 1546 durch das Wirken von Johannes Honterus die Reformation an. Honterus hatte schon 1543 das sogenannte Reformationsbüchlein für Kronstadt und das Burzenland verfasst. Die erste Kirche, in der nach dem neuen Glauben verkündigt wurde, war die Schwarze Kirche in Kronstadt. 1553 wurde mit Paul Wiener der erste evangelische Bischof eingesetzt. 1572 führte die Kirche die lutherischen Bekenntnisschriften ein und verlegte den Bischofssitz von Hermannstadt nach Birthälm (bis 1868). Die evangelische Kirche A. B. war jahrhundertelang die Volkskirche der Siebenbürger Sachsen und auch die Hüterin des deutschsprachigen Schulwesens der Siebenbürger Sachsen. 1876 wurde die Kirche praktisch zur Nachlasswalterin der aufgelösten Nationsuniversität. Sie besaß auf dem Königsboden ausgedehnte Güter, Waldungen – der sog. Kirchengrund – und hunderte von Immobilien in Form von Kirchen, Pfarrhäusern, Schulgebäuden, Stadthäusern (darunter das Brukenthalpalais in Hermannstadt), die Sammlung Brukenthal usw. Dieser Besitz wurde (mit Ausnahme der Kirchengebäude) 1946, teilweise auch schon in den 1930er Jahren, vom rumänischen Staat enteignet. Im Jahr 1921 trennten sich die ungarisch geprägten Gemeinden und konstituierten sich als selbständige Kirche, womit seitdem zwei lutherische Kirchen in Siebenbürgen bzw. Rumänien bestehen. Die ungarisch geprägte Kirche hat heute den Namen Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien.

Seit der massenhaften Auswanderung der meisten ihrer Mitglieder nach Deutschland seit den 1970er Jahren, massiv ab 1990, hat sie sich zu einer Diasporakirche entwickelt. Bischof Christoph Klein trat 2010 in den Ruhestand ein.[2] Zu seinem Nachfolger als Sachsenbischof wurde am 27. November 2010 Reinhart Guib gewählt, der als 36. Bischof der evangelischen Kirche A. B. am 3. Adventssonntag 2010 in sein Amt eingeführt wurde.[3][4]

Struktur[Bearbeiten]

Die Kirche ist verwaltungsmäßig in mehrere Bezirke mit selbstständigen (Stadt-)Gemeinden und den vielen abhängigen Klein- und Kleinstgemeinden, die sogenannte Diaspora, unterteilt. Insgesamt werden Gemeindeglieder in 250 Ortschaften betreut.

Im Einzelnen orientieren sich die Bezirke an historischen Gegebenheiten, wurden jedoch bereits mehrfach modifiziert, um dem Mitgliederschwund Rechnung zu tragen:

Institutionen[Bearbeiten]

Obwohl die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien an Mitgliedern sehr klein ist, verfügt sie dennoch über eine Reihe eigener Institutionen, die sie in die Lage versetzt, eigene Pfarrer auszubilden und sich aktiv in den interreligiösen Dialog einzuschalten und ein geschätzter Ansprechpartner, auch international, zu sein.

Dazu zählen auch selbstständige kirchennahe Einrichtungen:

Direkte kirchliche Einrichtungen sind:

Die Bedeutung und Beachtung, die der Evangelischen Kirche A. B. zuteilwird, entspricht in jedem Falle nicht der sehr geringen Mitgliederanzahl, die von nur 40 Pfarrern und Pfarrerinnen in mehreren Stadt- und Diasporagemeinden betreut wird.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Kirche finanziert sich aus einer Vielzahl von Quellen. Zum einen werden freiwillige Kirchenbeiträge von den Mitgliedern erhoben, zum anderen ergeben sich Einnahmen durch Spenden, Stiftungsleistungen, Zuwendungen anderer Landeskirchen aus Deutschland, in geringem Umfang staatliche Zuwendungen, sowie der Vermietung von restituierten Gebäuden und Wohnungen. Zudem werden viele Kirchen und Kirchenburgen, die zu den großen Sehenswürdigkeiten Siebenbürgens zählen, mittlerweile touristisch genutzt und stellen damit eine weitere kleine Einnahmequelle dar. Allerdings sind die Liegenschaften der Kirche, die mittlerweile wieder einen Teil ihrer alten Gebäude, Wälder und Grundstücke (oft erst nach jahrzehntelangem Rechtsstreit) rückerstattet bekam, für die mittlerweile sehr kleinen Gemeinden oft kaum zu tragen. Laufenden Kosten stehen oftmals keine entsprechenden Einnahmen gegenüber. Auch müsste zunächst in die Gebäude investiert werden, da letztere durch Jahrzehnte im Staatsbesitz oft vollkommen verwahrlost sind. So müssen beständig neue Finanzierungsquellen aufgetan werden, um nicht nur die zurückerhaltenen Immobilien, sondern auch die mehr als 250 Kirchengebäude und etwa 150 Kirchenburgen zu erhalten sowie die Kirchenwälder zu bewirtschaften, was die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien vor große Herausforderungen stellt.

Andererseits klafft zwischen den Stadt- und Diasporagemeinden eine extreme Lücke in der finanziellen Ausstattung. Die Gemeinden von Hermannstadt und Kronstadt beispielsweise sind durch Restitutionen im Besitz einer Vielzahl von Immobilien in Millionenwert und gelten durch deren Mieteinnahmen als reich. Diese Gemeinden können sich ein ausgebreitetes Gemeindeleben leisten und werden auch karitativ tätig. Ebenso sind die dortigen Kirchen Touristenmagneten (die Schwarze Kirche wird in den Sommermonaten von mehr als 2000 Menschen täglich besucht) und können auf staatliche/EU Hilfen beim Erhalt rechnen, wohingegen die kleinen Diasporagemeinden mit oft nur einer Handvoll Mitgliedern teils nicht einmal mehr selbständig Kirche und Pfarrhaus bestellen können.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lutherischer Weltbund: 2010 World Lutheran Membership Details (PDF; 199 kB); Lutheran World Information 1/2011, S. 10.
  2. Website der Evangelischen Kirche in Rumänien, abgerufen am 15. Januar 2010
  3. Website eines Hermannstädter Lokalmediums (Citynews), abgerufen am 27. November 2010
  4. Lutherischer Dienst. Zeitschrift des Martin-Luther-Bundes in Zusammenarbeit mit dem DNK/LWB, 47. Jahrgang, 2011, Heft 1, Seite 19